{"id":28869,"date":"2014-05-17T00:54:11","date_gmt":"2014-05-16T22:54:11","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28869"},"modified":"2014-05-17T00:54:11","modified_gmt":"2014-05-16T22:54:11","slug":"eheliche-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28869","title":{"rendered":"Eheliche Liebe"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/05\/12\/am-anfang-war-das-wort\/\" title=\"Am Anfang war das Wort\">Literatur und Crime<\/a> hatte ich vor kurzem, jetzt kommt das Schreiben und die Liebe oder ein 1947 erschienenes Schreiblehrbuch des Italiener Alberto Moravia, der, &#8220;wie keiner&#8221;, wie im Beschreibungstext steht, &#8220;das Thema Liebe so meisterlich behandelt&#8221;.<br \/>\nUnd die Geschlechterverh\u00e4ltnis und das erotische Knistern in den menschlichen Schw\u00e4chen, w\u00fcrde ich, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/26\/der-konformist\/\">schon<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/23\/die-gleichgultigen\/\"> einiges<\/a> von dem 1990 gestorbenen Meister, gelesen hat, hinzuf\u00fcgen. Die sozialen Unterschiede spielen nat\u00fcrlich in dem Italien von 1937 in der der Roman oder ist es vielleicht eher eine Erz\u00e4hlung, es hat nur hundertf\u00fcnfzig Seiten, handelt, eine Rolle.<br \/>\nWie immer werden Oberschichtcharaktere behandelt, bon vivants, reiche M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger, die geerbt oder reich geheiratet haben, mit Wohnung im Rom, von der Gro\u00dfmutter geerbtes Haus in der Toskana, Sommerferien an der Riviera, K\u00f6chin, Dienstm\u00e4dchen, etc.<br \/>\nSilvio, der Ich-Erz\u00e4hler ist ein solcher, von Beruf oder Hobby Kritiker, der gerne Schriftsteller w\u00e4re, aber ungen\u00fcgend schreibt und lebens\u00fcberdr\u00fcssig ist er auch. Dann heiratet er sp\u00e4t in den Drei\u00dfigern Leda, die auch schon in diesem Alter ist, verheiratet war, lang alleine lebte und Liebhaber hatte.<br \/>\nTrotz ihres Reichtums, wie der Erz\u00e4hler mehrmals betont, eine ungebildete Frau, die er erst durch Lekt\u00fcre und Englischunterricht bilden mu\u00df und sie hat auch zwei Gesichter, ein sch\u00f6nes und ein h\u00e4\u00dfliches, wie er gleich am Anfang erkl\u00e4rt. Die Triebhaftigkeit kommt bei ihr durch, wenn sie etwa in die K\u00fcche geht und den Hummer in das kochende Wasser wirft, was sich die K\u00f6chin nicht traut.<br \/>\nDie Geschichte spielt am Anfang der Ehe, sp\u00e4ter gibt es noch drei S\u00f6hne, als Silvio sie erz\u00e4hlt. Die eheliche Liebe hat also angehalten, auch \u00fcber die Zeit, als das Paar in die Ferien fuhr und Silvio seiner Frau dort eine ungen\u00fcgende Erz\u00e4hlung vorliest, die ihr gef\u00e4llt, so da\u00df sie ihn ermuntert weiterzuschreiben.<br \/>\nF\u00fcr diesen Zweck ziehen sie sich in das toskanische Haus mit den vielen alten M\u00f6beln zur\u00fcck, Silvio schreib am Vormittag, am Nachmittag gehen sie spazieren und am Abend lieben sie sich. Aber das gen\u00fcgt nicht, um kreativ zu sein. Um das zu k\u00f6nnen, mu\u00df er sich enthalten. Leda ist einverstanden, sie haben zwei Schlafzimmer und sagt &#8220;Komm erst wieder zu mir, wenn du mir die Erz\u00e4hlung vorlesen kannst!&#8221;<br \/>\nSilvio kann nicht nur nicht gut schreiben, er kann sich auch nicht rasieren, deshalb kommt Antonio ins Haus, ein vierschr\u00f6ttiger Babier, der im Beschreibungstext, als &#8220;h\u00e4\u00dflicher Faun&#8221; gezeichnet wird, was ich so nicht sagen w\u00fcrde.<br \/>\nDer kann auch Frauen ondolieren, so bestellt ihn Leda einmal zu sich und bittet dann Silvio ihn zu entlassen, weil er ihr zu Nahe gekommen und sie beleidigt hat. Silvio, der sich nicht allein rasieren will, lehnt ab, obwohl er vom P\u00e4chter erf\u00e4hrt, da\u00df der Babier jedem M\u00e4dchen nachsteigt.<br \/>\nDie Geschichte, es geht um die eheliche Liebe der Beiden wird fertg. Silvio will sie noch auf der Schreibmaschine tippen, bevor er sie Leda vorliest und ich habe mich schon gewundert, wie man eine Arbeit, die man zwanzig Tage im Rausch vor sich hingeschrieben hat, schon vorlesen kann?<br \/>\nEr h\u00e4lt sie f\u00fcr vollendet und tr\u00e4umt schon von Verlagen und Rezensionen, bekommt aber nicht das richtige Papier und als er Leda trotzdem am Dreschboden im Mondlicht haben will, verweigert sie sich, erst wenn sie fertig ist.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag verf\u00e4llt Silvio seinen Launen beziehungsweise Stimmungsschwankungen, ist ungeduldig und hungrig, als es zum Rasieren geht, merkt, da\u00df der Zwerg, ist es \u00fcberhaupt ein solcher, ihm zu nahe kommt, bewegt sich heftig, so da\u00df er geschnitten wird und entl\u00e4\u00dft ihn schlie\u00dflich. Das Leda recht gehabt hat, wei\u00df er schon l\u00e4ngst.<br \/>\nEr will nun das Manuskript abtippen, das gelingt nicht und Leda scheint sich auch unp\u00e4\u00dflich zu f\u00fchlen, denn sie i\u00dft nichts und geht schlafen, den H\u00fcftg\u00fcrtel tr\u00e4gt sie diesmal nicht unter ihrem Kleid und er erkennt beim Abtippen, das Meisterwerk ist nichts geworden.<br \/>\nEr will das Leda sagen, doch das Schlafzimmer ist leer. Er geht in den Garten und findet sie mit Antonio auf dem Dreschplatz, geht zur\u00fcck, will sich umbringen, schreibt einen Abschiedsbrief und auch sich selber Korrekturen an den Rand, die Geschichte ist nicht lebendig, es ist kein Rhythmus darin, etc.<br \/>\nDa kommt Leda, zeigt sich ihm mit dem Fleck am Kleid und aufgew\u00fchlten Zustand und sch\u00fcttelt den Kopf, als er vom schlechten Schreiben spricht.<br \/>\n&#8220;Die Geschichte geh\u00f6rt \u00fcberarbeitet, la\u00df dir Zeit und lies sie mir vor!&#8221;, sagt sie.<br \/>\n&#8220;Ich erwarte dich im Schlafzimmer&#8221;.<br \/>\nEr tut es und sie sagt, da\u00df der Text deshalb mittelm\u00e4\u00dfig ist, weil er sie zu sehr idealisiert hat.<br \/>\n&#8220;Ich meine, da\u00df du nach einiger Zeit, wenn wir uns besser kennen, die Erz\u00e4hlung wieder vornehmen solltest, wie ich dir schon gestern gesagt habe. Ich bin sicher, da\u00df du dann etwas Sch\u00f6nes daraus machen wirst.&#8221;<br \/>\nMit &#8220;H\u00f6rbar beschlo\u00df ich meinen Gedankengang, indem ich leise sagte. &#8220;Das wird noch lange dauern&#8221;, schlie\u00dft das Buch und ich bin sehr beeindruckt, wie gut Alberto Moravia in den Neunzigerdrei\u00dfigerjahren, als es wahrscheinlich noch keine Schreiblehrg\u00e4nge gab, das Schreiben beschreibt. Er vermischt es mit der Erotik, der Macht und den Geschlechterverh\u00e4ltnisse, die sich seit damals sehr ge\u00e4ndert haben.<br \/>\nDie Haltung der bornierten M\u00e4nner gegen\u00fcber den ihnen unterlegenen Frauen, scheint es zum Gl\u00fcck so nicht mehr zu geben, wie auch die K\u00f6chinnen und die Dienstm\u00e4dchen verschwunden sind oder jetzt in anderer Form, als arbeitslose Migrantinnen, beispielsweise, auftauchen.<br \/>\nEs mag schon sein, da\u00df sich Moravia dar\u00fcber lustig macht oder die Geschlechterverh\u00e4ltnisse anprangert. Die Erotik und die D\u00e4monie in den ehelichen und au\u00dferehelichen Beziehungen spielen bei ihm eine gro\u00dfe Rolle, obwohl die reiche ungebildete Frau, in diesem Fall gar nicht so schwach und dumm, sondern eigentlich sehr gescheit, wenn auch triebhaft ist und der ihr verfallene oder sie beherrschende Mann, eigentlich ein rechtes Ekel und so launenhaft, da\u00df es mich wundert, da\u00df ein starker reicher Mann so ist. Aber Moravia hat auch einen Schriftsteller oder M\u00f6chtegernschreiber beschrieben und, wie das schreiben geht, kann man aus dieser Erz\u00e4hlung lernen. Wenn auch die schreibende Frau in mir \u00fcber die Geschlechterverh\u00e4ltnisse ganz anders schreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Literatur und Crime hatte ich vor kurzem, jetzt kommt das Schreiben und die Liebe oder ein 1947 erschienenes Schreiblehrbuch des Italiener Alberto Moravia, der, &#8220;wie keiner&#8221;, wie im Beschreibungstext steht, &#8220;das Thema Liebe so meisterlich behandelt&#8221;. 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