{"id":28735,"date":"2014-05-10T00:06:45","date_gmt":"2014-05-09T22:06:45","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28735"},"modified":"2014-05-10T00:06:45","modified_gmt":"2014-05-09T22:06:45","slug":"die-weise-wildnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28735","title":{"rendered":"Die wei\u00dfe Wildnis"},"content":{"rendered":"<p>Walter Buchebners &#8220;Gedichte und Tageb\u00fccher&#8221;, 1974 herausgegeben von Alois Vogel, ausgeschieden aus der St\u00e4dtischen B\u00fccherei in der Grundsteingasse, das Entlehnblatt auf der ersten Seite zeigt keine Eintragungen, gefunden vor <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/21\/offene-lesung-beim-offenen-bucherschrank\/\">zwei Jahren im offenen B\u00fccherschrank<\/a> ebendort.<br \/>\nVon Walter Buchebner, der wie Elfriede Jelinek, in M\u00fcrzzuschlag geboren wurde, habe ich in den sp\u00e4ten Siebzigerjahren durch den &#8220;Buchebner-Preis&#8221; geh\u00f6rt, an dem ich mich ein paar Mal beteiligt habe.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/03\/siebenter-ohrenschmaus\/\">Felix Mitterer<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/14\/anita-garibaldi\/\">Gloria Kaiser<\/a> haben da, glaube ich, gewonnen und Erich Holzer hat mir gesagt, da\u00df man schon bekannter sein m\u00fc\u00dfe, um da mitzumachen.<br \/>\nDen Preis hats dann bald nicht mehr gegeben und ob ich bis Daniela Striegl &#8220;Die Eule von Wien&#8221; herausgegeben hat, viel von Buchebners Gedichten geh\u00f6rt oder gelesen habe, glaube ich eher nicht.<br \/>\nDer Dichter wurde jedenfalls 1929 in der steirischen Stadt geboren und hat sich, da er Nierenleidend war, 1964 erschossen.<br \/>\nAlois Vogel hat zwei B\u00e4nde seiner Werke herausgegeben, in Zeitschriften und Anthologien sind seine Gedichte erschienen, die von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/27\/ein-besonderer-mensch\/\">Hermann Hakel<\/a> gef\u00f6rdert wurden, der \u00fcbliche Weg in den Literaturbetrieb der F\u00fcnfziger und Sechzigerjahre, der in den Tageb\u00fcchern auch sehr sch\u00f6n beschrieben ist.<br \/>\nDas B\u00e4ndchen beginnt  mit dem Langgedicht &#8220;die wei\u00dfe wildnis &#8211; in der das lied stirbt aus der wiederkehrt f\u00fcr immer&#8221;<br \/>\nDie Tageb\u00fccher beginnen 1946 in M\u00fcrzzuschlag, da ist der krieg vorbei, Buchebner erinnert sich an das, was seine Mutter 1938 in ihr Tagebuch \u00fcber Schuschnigg schrieb.<br \/>\nEr wurde, glaube ich, in den Krieg noch einberufen, beziehungseise desertierte er, dann kam er nach Wien, versuchte sich als Arbeiter den Proletariern mitzuteilen. Hakel hat dann ein Gedicht von ihm in einer Zeitschrift gebracht, beziehungsweise, das so entstellt, da\u00df Buchebner es fast nicht mehr erkannt hat.<br \/>\nEr berichtet auch von einem Abend in der &#8220;Gesellschaft der Literatur&#8221;, wo er Jandl kennenlernte, Doderer hat er auch getroffen und Henz hat ihm seine Gedichte zur\u00fcckgeschickt.<br \/>\nBuchebner war dann, wie einige Dichter in den F\u00fcnfziger und Sechzigerjahren Bibliothekar in den St\u00e4dtischen B\u00fccherei, offenbar eine soziale Absicherung f\u00fcr die Schreibenden.<br \/>\nDie Nierenkrankheit ist Ende der Sechzigerjahre aufgetreten, wo sich Buchebner mit seinen fr\u00fchen Tod besch\u00e4ftigt, die Untersuchungen im AKH werden beschrieben, die Nierensteine, die Operationen und wie er sie erlebte.<br \/>\nEr hat sich auch mit dem Dichten und dem Rhythmus der Sprache besch\u00e4ftigt und ist nach Paris gereist. Ein paar Seiten wurden aus den Tageb\u00fcchern herausgerissen, beziehungsweise sp\u00e4ter durch Freunde wieder hinzugef\u00fcgt, wie Alois Vogel genau anmerkt.<br \/>\nAm Schlu\u00df gibt es wieder Gedichte, die sehr lang sind und immer wieder einzelne Worte und Verszeilen extra herausgehoben werden, wie &#8220;paris ma poesie, wo wir immer wieder &#8220;aux cing billards&#8221; finden k\u00f6nnen.<br \/>\n&#8220;die revolte&#8221; &#8220;ich saufe &#8211; sie ob sie mich &#8211; angst ich &#8211; ich schreie im rotweinrausch &#8211; in die arme einer neuen poesie &#8211; dichtung ich will die poesie- ich besaufe mich mit rotwein und im rotweinrausch mit der hoffnung auf rauschgift aus paris &#8211; revolte &#8211; ich &#8211; die revolte &#8211; april 1961&#8221;<br \/>\n1961 hat der im Cafe Sport in der Sch\u00f6nlaterngasse, wo es heute das &#8220;Literarische Quartier der Alten Schmiede&#8221;  gibt, auch das Manifest der Poesie geschrieben, das mit den Worten &#8220;Die Literatur ist tot! &#8211; Es lebe die Poesie!&#8221;, endet.<br \/>\nDas Buch endet mit einem Nachwort von Alois Vogel, der im &#8220;Literaturkreis Podium&#8221; t\u00e4tig war, und dort auch von mir etwas ver\u00f6ffentlicht hat, in dem er betont, da\u00df er nach seinem ersten, 1969 bei &#8220;Jugend und Volk&#8221; herausgegebenen Buchebner-Band &#8220;zeit und zellulose&#8221; noch einen zweiten mit den Werken des Dichters erscheinen lassen wollte.<br \/>\nErkl\u00e4rt ein bi\u00dfchen was dazu und wundert sich, da\u00df Buchebner, der sich auch mit der Beatbewegung, mit dem Blues und der Malerei besch\u00e4ftigt hat, in den Siebzigerjahren nicht bekannter gewesen war, h\u00e4tte ihn die Jugend doch eher als den &#8220;strengen Jandl&#8221; annehmen m\u00fcssen.<br \/>\nEinzig Hans Heinz Hahnl hat sein Talent erkannt und in der Arbeiter Zeitung am 21. Juni 1970 geschrieben &#8220;Buchebner&#8230; k\u00f6nnte man als einen geistigen Vater jener Protestliteratur nennen, die nun aus dem Boden schie\u00dft&#8230;&#8221;-<br \/>\nVogel schlie\u00dft seine Betrachtungen mit &#8220;Ich bin mir bewu\u00dft, damit nichts Endg\u00fcltiges \u00fcber Walter  Buchebner vorzulegen. Wenn der Dichter \u00fcber seine Zeit zu wirken imstande ist, und ich glaube es, da\u00df er es ist, wird vielleicht einmal eine wissenschaftlich erarbeitete Ausgabe folgen. Bis dahin m\u00f6gen die beiden B\u00fccher Ansto\u00df und Aufforderung sein.&#8221;<br \/>\nSeit 2011 sind wir mit Daniela Striegls &#8220;ich die eule von wien&#8221; einen Schritt weiter. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter Buchebners &#8220;Gedichte und Tageb\u00fccher&#8221;, 1974 herausgegeben von Alois Vogel, ausgeschieden aus der St\u00e4dtischen B\u00fccherei in der Grundsteingasse, das Entlehnblatt auf der ersten Seite zeigt keine Eintragungen, gefunden vor zwei Jahren im offenen B\u00fccherschrank ebendort. 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