{"id":28663,"date":"2014-05-04T00:44:51","date_gmt":"2014-05-03T22:44:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28663"},"modified":"2014-05-04T00:44:51","modified_gmt":"2014-05-03T22:44:51","slug":"herr-mozart-wacht-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28663","title":{"rendered":"Herr Mozart wacht auf"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Herr Mozart wacht auf&#8221;, ein Buch aus der &#8220;Thalia-Abverkaufskiste&#8221; von 2012 und geh\u00f6rt habe ich auf der Buch Wien 2009 oder 2010 davon, da hatte ich schon ein Buch von einem wiederaufgelebten<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/04\/mozarts-friseur-und-aktueller-schreibbericht\/\"> Mozart<\/a> gelesen und eines, wo es mit Hitler in die Zukunft geht gibt es, davon h\u00f6rte ich das erste bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/15\/rund-um-die-burg-2\/\">&#8220;Rund um die Burg&#8221;<\/a> neu und Dennis Scheck schmei\u00dft es, weil es auf der Bestsellerliste steht, jedesmal in seiner Sendung das Laufband hinunter, ob er es mit dem von Eva Baronsky geschriebenen Buch auch so machen w\u00fcrde, wei\u00df ich nicht, aber vielleicht hat das gar nicht auf der Bestsellerliste gestanden, obwohl es sehr spannend ist und ich es fast in einem Ruck durchgelesen habe.<br \/>\nEs beginnt am Totenbett, am 5. Dezembre 1791 und das nicht vollendete Requiem spielt auch eine Rolle, dann erwacht Herr Mozart wieder, 2006 glaube ich in einer WG, wird f\u00fcr einen Sandler gehalten, pinkelt auch eine Teetasse voll, die er f\u00fcr einen Nachttopf h\u00e4lt, schreibt am Requiem weiter und l\u00e4\u00dft die Bl\u00e4tter in Anjus Zimmer, in das man ihn gebracht hat, liegen. Ein anderer WG-Bewohner chauffiert ihn in seinem Toyota auf den Stephansplatz, wie er das macht, ist nicht so ganz klar bzw. m\u00f6glich, aber Mozart staunt \u00fcber die H\u00f6llenmaschine ohne Pferde, entdeckt zuerst das Haas-Haus, dann den Dom und schlie\u00dflich die Steine mit den Daten der Musiker, da gibt es einen von einem Johann Strau\u00df, der 1804, also f\u00fcr Mozart noch ein bi\u00dfchen in der Zukunft, geboren wurde, dann die eigenen Lebensdaten und glaubt da die, die in den Stephansdom str\u00f6men, \u017aum j\u00fcngste Gericht gehen. So geht er beichten, der Pfarrer f\u00fchlt sich genarrt, empfiehlt ihn den Steinhof und auf der K\u00e4rntnerstra\u00dfe lernt er  den polnischen Geiger Piotr kennen.<br \/>\nSo geht es los, Mozart lernt die Mechanik des einundzwanzigsten Jahrhunderts kennen, nennt sich fortan Mustermann, weil man ihm etwas anderes nicht glauben w\u00fcrde, geht mit Piotr, der verschiedene Engagments in Gasth\u00e4usern hat, spielen, um sich sein Essen und ein paar Euro zu verdienen, kauft sich einen Anzug und sp\u00e4ter eine Jeans und weil er ein Genie ist, f\u00fchlt er sich von einem Jazzclub angezogen, wo er fortan f\u00fcr ein paar Bier und Kn\u00f6deln improvisiert.<br \/>\nDie Frauen ziehen ihn auch stark an, so entkommt er Piotr, der ihm zur Ordnung erziehen will und verbringt eine Nacht mit einer sch\u00f6nen Saxophonistin, die dann aber entschwindet.<br \/>\nIn ein Klaviergesch\u00e4ft geht er auch und spielt dort am B\u00f6sendorfer, Herr Liebermann Senior l\u00e4\u00dft ihn das auch tun und empfieht ihm sogar ein paar Sch\u00fclerinnen, nur leider kommt er nicht mit dem Handy zurecht. Er bringt ihn auch in ein Wohlt\u00e4tigkeitskonzert, wo sein Genie erkannt wird, als er aber einem M\u00e4zen gegen\u00fcbergestellt wird, gie\u00dft er ihm Sekt auf die Hose, der verschwindet erbost und Mozart improvisiert vorerst weiter.<br \/>\nDie liegengebliebenen Noten wurden inzwischen einen Musikprofessor \u00fcbergeben und Anju, eine in Salzburg geborene Inderin, begegnet Mozart auch wieder, zuerst hat sie ihn hinausgeworfen, weil er ja in ihre Tasse gepinkelt hat, er bringt ihr eine sch\u00f6ne teure aus altmodischen Porzellan wieder. Es kommt zu einer Liebesnacht, nur als er ihr gesteht, wer er wirklich ist, bekommt sie es mit der Angst zu tun und schickt ihn fort.<br \/>\nSchlie\u00dflich landet er, weil er ja keine Papiere hat, wirklich noch am Steinhof und wird behandelt. Anju besucht ihn dort, weil sie von ihm schwanger ist, eine \u00c4rztin erkl\u00e4rt ihr ihre Theorien \u00fcber den Meister und Professor Michaelis kommt ihn auch besuchen, damit er das Requiem fertigstellen kann.<br \/>\nDas ist dann schon ein Jahr, sp\u00e4ter am 5. Dezembre 2007 und Mozart h\u00e4lt den Besucher f\u00fcr den Erzengel Michael und beginnt das Requiem weiterzuschreiben, beziehungsweise in der Musik, wie kann es anders sein, zu entschwinden.<br \/>\nEin &#8220;Postludium&#8221;, die einzelnen Kapitel tragen solche musikalischen \u00dcberschriften,  die 1968 geborene Eva Baronsky, die f\u00fcr ihren ersten Roman den  &#8220;Friedrich  H\u00f6lderlin-F\u00f6rderpreis&#8221; bekommen hat, scheint sich in die Welt Mozarts sehr eingearbeitet zu haben, gibt es auch, da sind wir zweihundertsechzehn Jahre zur\u00fcckgeglitten und h\u00f6ren Constanzes schluchende Stimme &#8220;Er kann nicht vom Requiem lassen!&#8221; und Mozart sch\u00fcttelt den Kopf.<br \/>\nEin witziges, spannendes Buch, in dem man in die Welt Mozarts eintauchen und mit ihm wieder aufmachen und nachdenken kann, wie es dem gr\u00f6\u00dften Genie gehen w\u00fcrde, wenn es zweihundert Jahre sp\u00e4ter wieder aufwacht, sich vor der U-Bahn f\u00fcrchtet, Telefonnummern f\u00fcr einen Code h\u00e4lt, etc.<br \/>\nSehr sorgf\u00e4ltig gearbeitet, denn dieser Mozart macht sich auch Gedanken, ob es noch andere Wiedergeborene gibt, denkt \u00fcber den Sinn seiner Mission, die er offenbar noch zu erf\u00fcllen hat, nach, verliebt sich aber st\u00e4ndig, war der echte Mozart so, da\u00df er hinter jedem Frauenzimmer herschlurfte und es gleich abbusselte?<br \/>\nEva Baronky hat sich auch in seine Sprache eingearbeitet und so spricht der Mozart f\u00fcr uns zweihundert Jahre sp\u00e4ter Geborene sehr unverst\u00e4ndlich und vor allem sind die Briefe, die er Anju aus der Psychiatrie schreibt sehr schwer zu lesen, so da\u00df ich das bald aufgegeben habe.<br \/>\nEs ist also doch gut eine einheitliche Orthografie zu verwenden, nat\u00fcrlich ja, trotzdem ein sehr sch\u00f6ner Roman, der auch zeigt, wie es den polnischen Stra\u00dfenk\u00fcnstlern in Wien geht und, da\u00df Mozart, der ja, glaube ich, 1770 oder 80 zwar viel verdiente, aber auch viel ausgab und oft ausgen\u00fctzt wurde, zweihundert Jahre sp\u00e4ter, mit vielen Versprechen aber mit wenig Gage spielte.<br \/>\nDas &#8220;Buch ist wie eine Umarmung&#8221;, hat <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/10\/schlafes-bruder\/\">Robert Schneider<\/a> auf der R\u00fcckseite sehr poetisch formuliert. Ich w\u00fcrde es anders nennen, gefallen hat es mir aber auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Herr Mozart wacht auf&#8221;, ein Buch aus der &#8220;Thalia-Abverkaufskiste&#8221; von 2012 und geh\u00f6rt habe ich auf der Buch Wien 2009 oder 2010 davon, da hatte ich schon ein Buch von einem wiederaufgelebten Mozart gelesen und eines, wo es mit Hitler &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28663\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-28663","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28663\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}