{"id":28496,"date":"2014-04-28T00:47:59","date_gmt":"2014-04-27T22:47:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28496"},"modified":"2014-04-28T00:47:59","modified_gmt":"2014-04-27T22:47:59","slug":"ich-war-ein-hasliches-madchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28496","title":{"rendered":"Ich war ein h\u00e4\u00dfliches M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ein charmanter Liebesroman der Autorin von Desiree&#8221;, steht auf dem Umschlag des Fischer TB von 1976. Annemarie Selinko hat ihn 1937, noch vor <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/13\/morgen-ist-alles-besser\/\">&#8220;Morgen ist alles besser&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/23\/heute-heiratet-mein-mann\/\">&#8220;Heute heiratet mein Mann&#8221;<\/a> geschrieben und ich habe den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken wieder sehr f\u00fcr die B\u00fccher zu danken.<br \/>\n&#8220;Desiree&#8221; habe ich, als &#8220;Napoleon-Vereherin&#8221;, wahrscheinlich noch als Hauptsch\u00fclerin oder war es schon in der Stra\u00dfergasse gelesen. Ansonsten keine Ahnung von der Autorin, bis mich Evelyne Polt-Heinzl in ihrem Buch &#8220;Zeitlos&#8221; auf sie aufmerksam machte und dann die B\u00fccherschr\u00e4nke kamen.<br \/>\n&#8220;Chick Lit&#8221; aus den Neunzehndrei\u00dfigerjahren habe ich wahrscheinlich schon einmal geschrieben. Bei &#8220;Wikipedia&#8221; steht etwas von &#8220;erfolgreichster deutscher Unterhaltungsschriftstellerin neben Vicki Baum.<br \/>\nVon der habe ich auch schon eine ganze B\u00fccherzahl angesammelt, die ich nach und nach ablesen werde.<br \/>\nUnd die 1914 in Wien geborene und 1986 im Kopenhagener Exil verstorbene Autorin ist sicher interessant, weil sie erstaunlich freiz\u00fcgig schreibt, so lassen sich ihre &#8220;s\u00fc\u00dfen M\u00e4deln&#8221; schon 1930 entjungfern und wenn sie dann pl\u00f6tzlich Baumschmerzen bekommen, steht nirgendwo, ob im Spital von Kitzb\u00fchel jetzt eine Blinddarmoperation oder eine Abtreibung passierte, aber wieder sch\u00f6n der Reihe nach. Da ist Anneliese, Tochter aus einer verarmten Familie, die so tun mu\u00df, als ob sie Geld h\u00e4tte, dabei hat die Mutter Kopfschmerzen, weil sie nicht wei\u00df, wie sie die f\u00fcnfzig Schilling f\u00fcr das Dienstm\u00e4dchen aufbringen soll und der Vater beschlie\u00dft nur die Mutter mit der Tochter Inge an den W\u00f6rthersee zu schicken und mit Annemarie ins Strandbad zu gehen, weil man sich eine Sommerfrische nicht leisten kann. Was soll werden? Inge nat\u00fcrlich reich heiraten, aber Anneliese, die ein &#8220;h\u00e4\u00dfliches Entchen&#8221; ist und gerade mit ach und weh die Matura schaffte, soll vielleicht einen Handelsschulkurs besuchen oder die Mutter entlasten, damit die das Dienstm\u00e4dchen entlassen kann.<br \/>\nDa kommt die reiche Tante daher und l\u00e4dt Anneliese quasi als Maturageschenk in ihren Salon ein und dort ist auch Claudio Pauls, Schauspieler und Schriftsteller und Schwarm aller Wienerinnen.<br \/>\nDie &#8220;h\u00e4\u00dfliche&#8221; Anneliese bekommt ihn gar nicht zu sehen, so sehr dr\u00e4ngen sich alle um ihn. So geht sie zum Buffet, schnappt sich die Br\u00f6tchen und zieht sich damit in des Onkels Arbeitszimmer zur\u00fcck. Dort steht eine Kognacflasche und die Achtzehnj\u00e4hrige f\u00e4ngt ihn zu trinken an. Da kommt der Schwarm aller Schw\u00e4rmerinnen, ist selber schon ein bi\u00dferl angeduselt, damals trank das Trinken und das Rauchen in den Romanen noch f\u00fcr schick und beginnt mit dem Entchen ein \u00e4hnliches Experiment anzustellen, wie Professor Higgins mit Eliza Doolittle.<br \/>\nDas hei\u00dft, er sagt ihr, sie kann ja einmal in eine kleine Hotelbar kommen, um ihn zu treffen. Der Vater schickt sie aber auf die Handelsakademie, um sich nach den Abiturentenkurs zu erkundigen. Sie fragt den Herrn Pauls oder Clau, die er genannt wird, was sie machen soll? Er lehnt die Verantwortung ab, vermittelt ihr aber einen Job als Kassiererin in einem Strickwarengesch\u00e4ft auf der K\u00e4rntnerstra\u00dfe f\u00fcr achtzig Schilling im Monat und die legt sie an, die Eltern und die Schwestern sind entsetzt, denn wenn jemand davon erf\u00e4hrt, bekommt Inge nie mehr einen reichen Mann, in dem sie einen Nobelfriseur und einen Kosmetiksalon aufsucht.<br \/>\nDort wird gef\u00e4rbt, elektrisiert, geharzt, etc und wahrscheinlich, wie ich vermuten w\u00fcrde, die jugendfrische Haut des jungen M\u00e4dchens zerst\u00f6rt, aber vielleicht macht sich Annemarie Selinko auch ein bi\u00dfchen \u00fcber den Sch\u00f6nheitswahn der damaligen Frauen der besseren Gesellschaft lustig.<br \/>\nAnneliese kassiert also, sagt immer brav &#8220;Vielen Dank, gn\u00e4dige Frau!&#8221;<br \/>\nVon acht Uhr fr\u00fch bis sechs Uhr abends macht sie das, dazwischen geht sie zum Automatenbuffet und in die Hotelbar, wo Claudio mit seinem Gefolge, seinem Verleger, einen Kritiker und immer einer sch\u00f6nen Frau,  hofiert.<br \/>\nAnneliese nennt er das &#8220;Entchen&#8221;, seine erste Begleiterin, Frau Markovsky, eine reiche Wienerin verkuppelt er dann ausgerechnet mit jenen reichen Mann, den eigentlich Inge heiraten wollte. Dann f\u00e4hrt er nach London zu einer Urauff\u00fchrung, beauftragt das Entchen, ihre Geschichte aufzuschreiben und kehrt mit einer wie ein Weihnachtsbaum beh\u00e4ngten T\u00e4nzerin nach Wien zur\u00fcck. Als die auf Anneliese eifers\u00fcchtig ist, Frau Markovsky war sie noch egal, erkennt sie, da\u00df die teuren Friseur und Kosmetiktermine schon was geholfen haben und beschlie\u00dft eine Frau zu werden.<br \/>\nDazu lernt sie einen Thomas von Bley beim Hausball einer Freundin Inges kennen, der sie Baby nennt, nach dem Theaterbesuch, wo ausgerechnet Claudio Pauls spielt, sie in seine Absteige f\u00fchrt, die sich die Herren der Gesellschaft f\u00fcr ihre kleinen M\u00e4dels halten und als es einmal zum Tanzen auf den Cobenzel geht, f\u00fchrt sie ihn in die Gesellschaft von Pauls ein, der auch dort oben mit seinem Gefolge sitzt.<br \/>\nDie beiden Herren beschlie\u00dfen das K\u00fcken soll ihre Stelle in dem Gesch\u00e4ft aufgeben und \u00fcber Silvester geht es mit Thomas nach Kitzb\u00fchel zum Schifahren. Dort kommt es zu den schon erw\u00e4hnten Magenkr\u00e4mpfen und Anneliese l\u00e4\u00dft Pauls herholen, mit dem sie wieder gesund geworden, Kitzb\u00fchel verl\u00e4\u00dft, ihm ihre Memoiren \u00fcbergibt, auf die er handschriftlich auf die letzte Seite &#8220;Ich bin sehr gl\u00fccklich, alle Leute gratulieren mir zu der h\u00fcbschen Frau und ganz unten uns sie war ein h\u00e4\u00dfliches M\u00e4dchen schreibt&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ein charmanter Liebesroman der Autorin von Desiree&#8221;, steht auf dem Umschlag des Fischer TB von 1976. 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