{"id":28431,"date":"2014-04-25T00:09:48","date_gmt":"2014-04-24T22:09:48","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28431"},"modified":"2014-04-25T00:09:48","modified_gmt":"2014-04-24T22:09:48","slug":"die-undankbarkeit-der-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28431","title":{"rendered":"Die Undankbarkeit der Kinder"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der <a href=\"http:\/\/www.editionkeiper.at\/EDITION\/leser_details.php?ID=2&amp;more=1&amp;werke_ID=142\">&#8220;Edition Keiper&#8221;<\/a> und einem Erz\u00e4hlband des 1954 in Graz geborenen Wolfgang Pollanz, den ich schon in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/26\/ortsterminschauplatz\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> h\u00f6rte.<br \/>\n&#8220;Die Undankbarkeit der Kinder&#8221;, zw\u00f6lf Geschichten mit einem Ich-Erz\u00e4hler, der wie am Buchanfang und am Buchr\u00fccken steht &#8220;v\u00f6llig frei erfunden ist und die Geschichten an den Haaren herbeigezogen wurden&#8221;, wurden schon in der Freitagmittagleiste in \u00d61 vorgestellt, wo ich sie nicht h\u00f6rte, aber neugierig auf den Erz\u00e4hlband wurde, der einen \u00e4hnlichen Namen, wie der von  Alois Hotschnig tr\u00e4gt, der noch auf meiner Leseliste steht und wie das mit der Autobiografie und dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/03\/02\/der-krieg-nach-dem-frieden\/\" title=\"Der Krieg nach dem Frieden\">Schw\u00f6ren<\/a>, da\u00df das alles ganz bestimmt ganz erfunden wurde, habe ich eine eigene Meinung, da man ja vieles dann mit der Biografie des Autors, der Autorin vergleichen kann und es ist eigentlich auch egal, weil man ja nur \u00fcber das schreiben wird k\u00f6nnen, was man aus irgendeiner Perspektive kennt.<br \/>\nDie Geschichten haben also einen Ich-Erz\u00e4hler und der schl\u00fcpft in verschiedene Rollen, in &#8220;Der Himmel \u00fcber Sankt Pankraz&#8221; ist es ein in Berlin lebender Musikclubbesitzer, da scheint es einige Parallelen zu dem Musiker Wolfgang Pollanz zu geben, der einen ganz altmodischen Brief bekommt, der ihn in seine s\u00fcdsteirische Heimat, die er eigentlich ganz vergessen hat, heimholt und in der zweiten Geschichte, &#8220;Der Abreise&#8221; ist es \u00e4hnlich. Da ist das namenlose Ich ein Fotograf und tr\u00fcbsinnig, sitzt irgendwo bei Gewitter in einer Wohnung, in dem Stadtviertel wurden schon die Keller \u00fcberschwemmt, betrinkt sich mit Wei\u00dfwein in den er Melonen schneidet und denkt an seine Kindheit zur\u00fcck, in die er auch fahren soll, weil er den Auftrag angenommen hat, dort die Bahnlinien zu fotografieren.<br \/>\nIm &#8220;Haus&#8221; kommt das Ich auch von weit her in das Dorf der Kindheit zur\u00fcck, hat das Haus der Gro\u00dfmutter geerbt und sitzt in diesem nun im Winter, hat, wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/12\/bei-30-grad-im-schatten\/\" title=\"Bei 30 Grad im Schatten\">Lorenz Langeneggers Held<\/a>, das Handy abgeschaltet, so da\u00df ihm keine Anrufe von seinem Chef erreichen k\u00f6nnen und wird, wie  am Buchr\u00fccken steht, ein Gefangener seiner selbst, man kann das vielleicht auch weniger dramatisch interpretieren, aber Literatur hat eben abgehoben zu sein, um als solche zu gelten, vielleicht kommt es deshalb auch zur Entfremdung vom Ich.<br \/>\nLaut Klappentext soll Geschichte vier einen Hypochonder schildern, da tr\u00f6pfelt Blut in die wei\u00dfe Klomuschel einer Bahnhoftoilette und der Erz\u00e4hler begibt sich zu einer Untersuchung, denkt an den Vater zur\u00fcck, der an Darmkrebs verstarb und an eine Reise mit ihm nach Italien, wo der Gro\u00dfvater auf den Schlachtfeldern das Leben verloren hat.<br \/>\nIn &#8220;Undankbarkeit nichts als Undakbarkeit&#8221;, geht es um Familientreffen, die allj\u00e4hrlich zum Geburtstag, der inzwischen neuzigj\u00e4hrigen Mutter abgehalten werden und dahin mu\u00df man kommen, ob man will oder nicht. Das Ich hat versucht es zu vermeiden und mit seiner Frau eine Reise nach den Kanadischen Inseln zu buchen.<br \/>\n&#8220;Undakbarkeit nichts als Undakbarkeit!&#8221;, sagte da emp\u00f6rt die Mutter, der der Erz\u00e4hler unterstellt, da\u00df ihr eigentlich diese Familienfeste &#8220;auch f\u00fcrchterlich auf die Nerven gehen w\u00fcrden!&#8221;<br \/>\nIn &#8220;Mein Onkel und der Mond&#8221; reist der Ich-Erz\u00e4hler in die Kindheit zur\u00fcck, wo er mit seinem Bruder, die Ferien bei den Salzburger Cousinen namens Inge und Anneliese verbrachten, die sich gerade einer Ohrenanlegeoperation unterzogen, so da\u00df sie mit ihnen den ganzen Tag DKT spielten, obwohl sie lieber gewandert w\u00e4ren oder gebadet h\u00e4tte. Um den Musikgeschmack der Zeit, es ist die, wo die Amerikaner gerade den Mond bereisten, geht es auch, aber die Plattensammlung der Cousinen war nur sehr fragw\u00fcrdig und die Gro\u00dfmutter der Buben lie\u00df das \u00d63- H\u00f6ren nur ganz selten zu. Der Onkel l\u00e4\u00dft die Kinder jedenfalls die Mondlandung im Fernsehen bis Mitternacht ansehen und hat, w\u00e4hrend er Furzger\u00e4usche vrn sich gibt,  seltsame Theorien, wie man am Mond \u00fcberleben kann.<br \/>\nDann gehts wieder in die Sechziger-Siebzigerjahre und zu den ersten Banderfahrungen. Wir treffen die Salzburger Cousinen wieder und einen Cousin der einen Job in London erwischt, so da\u00df er den beiden Bandgr\u00fcndern, all die bunten Klamotten, die man daf\u00fcr haben mu\u00dfte, schicken kann. F\u00fcr sowas brauchten sie keinen Zoll zu zahlen, nur bl\u00f6d, da\u00df der Gemischtwarenh\u00e4ndler die Langhaaren dann f\u00fcr Damen h\u00e4lt.<br \/>\nIn &#8220;Hand anlegen&#8221; geht es \u00fcbers Wichsen, eine ber\u00fchmte Knabenfantasie und dann wird gereist, wie das in den Sechziger- Siebzigerjahren so \u00fcblich war, zuerst nach Italien mit den Eltern, dann nach Griechenland durch ganz Jugoslawien durch vorbei an den Schlagl\u00f6chern und den bettelnden Kindern und Kroatien und den Balkankrieg gab es auch.<br \/>\n&#8220;Die unvollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung aller meiner \u00c4ngste&#8221;, ist vielleicht die am Buchr\u00fccken zitierte Hypochondergeschichte, die ich schon fr\u00fcher ortete, vielleicht aber auch nicht, geht es da ja eher um die allgemeinen \u00c4ngste eines bekennenden Homophobikers.<br \/>\nUnd \u00fcber Mangel an Wasserleichen kann die reale oder fiktive Biografie des Autors auch nicht klagen. Zum Schlu\u00df kommt dann die Titelgeschichte, die etwas surreal ist, wir treffen die Mutter wieder, die dem Sohn hochbetagt gesteht, da\u00df der eigentlich der Abk\u00f6mmling eines Wurstfabrikanten ist, nur bl\u00f6d, da\u00df das Konterfei, das sie ihm als Beweisst\u00fcck zeigt, die Z\u00fcge von Clark Gable hat. Und einen Feuerwehrkommadanten und seine Dirndl tragende Gattin als Nachbarn, die f\u00fcr Recht und Ordnung sorgen, gibt es in der Geschichte auch.<br \/>\nSpannend die zw\u00f6lf nichtautobiografischen Erz\u00e4hlungen, in denen man viel \u00fcber die wilden Sechzig- und Siebzigerjahre, ihren Musikgeschmack, die S\u00fcdsteiermark und vielleicht auch \u00fcber das Leben des Autors erfahren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit der &#8220;Edition Keiper&#8221; und einem Erz\u00e4hlband des 1954 in Graz geborenen Wolfgang Pollanz, den ich schon in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; h\u00f6rte. &#8220;Die Undankbarkeit der Kinder&#8221;, zw\u00f6lf Geschichten mit einem Ich-Erz\u00e4hler, der wie am Buchanfang und am &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28431\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-28431","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28431","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28431"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28431\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28431"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28431"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28431"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}