{"id":28156,"date":"2014-04-07T00:27:35","date_gmt":"2014-04-06T23:27:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28156"},"modified":"2014-04-07T00:27:35","modified_gmt":"2014-04-06T23:27:35","slug":"wann-reisst-der-himmel-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28156","title":{"rendered":"Wann reisst der Himmel auf"},"content":{"rendered":"<p>Luis Stabauer, Trainer, Coach mit eigener Beratungsfirma und Absolvent der Leondinger Akademie ist ein sehr politischer Autor, den viele aktuelle und historische, zeit- und gesellschaftlichkritische Themen besch\u00e4ftigen und die er auch mit seinen Erfahrungen aus seinem Trainer- und Beratungsalltag, er scheint auch Familienaufstellungen zu machen, zu verbinden wei\u00df.<br \/>\nSo ist sein erster Roman &#8220;Wann reisst der Himmel auf&#8221;, soeben bei &#8220;Resisdenz&#8221; erschienen, ein Konglomerat davon, &#8220;Reise und Entwicklungsroman&#8221; ist die Gattungsbezeichnung. F\u00fcr eine, die auch am soziale Geschehen sehr interessiert und selber die Literatur mit psychologischen Aspekten zu verbinden versucht, \u00e4u\u00dferst spannend und Luis Stabauer f\u00fchrt auch sehr fesselnd in das Geschehen ein, obwohl man manchmal von den vielen Dingen, Personen und Geschehnissen, die da angesprochen werden, etwas verwirrt ist, aber das Leben ist eben vielschichtig und das ein junges M\u00e4dchen, das vor siebenundzwanzig Jahren in einer Stadt wie Gm\u00fcnd geboren wurde, viel erlebt, erscheint mir einsichtig, wenn sie dann noch Literaturwissenschaft studiert und sich f\u00fcr Politik und Geschichte interessiert, ist die Vielfalt leicht erkl\u00e4rt.<br \/>\nJulia ist also siebenundzwanzig, in Gm\u00fcnd bei ihren Eltern und ihren Bruder aufgewachsen und als sie F\u00fcnfzehn ist, hat sie ein einschneidendes Erlebnis, ihr Bruder Hartwig kommt und nimmt ihr ihren Walkman und &#8220;Gruftie-Posters&#8221; weg und als sie Siebzehn ist, f\u00e4llt sie in Franz\u00f6sisch durch, obwohl sie eine gute Sch\u00fclerin ist und der Vater schleift sie an den Haaren zu der Mutter, die nicht so recht f\u00fcr die Tochter einstehen kann.<br \/>\n&#8220;Hypnosespiele&#8221; des Bruders, die \u00fcber die \u00fcblichen &#8220;Doktorspiele&#8221;, die ja freiwillig und beidseitig sind, gab es auch und so verstummt Julia in ihrer Familie, vertraut sich in der Schule aber einer jungen Lehrerin an, die sie zu einem Therapeuten vermittelt und der Bruder, der zu diesem Zeitpunkt schon die Priesterweihe hinter sich hat und Chorherr wird, wird aus dem elterlichen Haus verbannt, kommt aber doch manchmal mit einem gro\u00dfen Auto und dem Talar ziemlich salbungsvoll auf Besuch.<br \/>\nJulia flieht nach Wien, beginnt dort Komparatistik zu studieren, hat infolge ihrer Erlebnisse, Schwierigkeiten mit M\u00e4nnern und kann sich ihnen nicht hingeben. In der Therapiegruppe lernt sie Ernst, einen achtzigj\u00e4hrigen Widerstandsk\u00e4mpfer und Spiegelgrundopfer kennen und will seine Geschichte aufschreiben.<br \/>\nEr erz\u00e4hlt ihr von seinem Jugendtraum, sie soll f\u00fcr ihn nach Lateinamerika reisen, weil er das nicht mehr kann und gibt ihr f\u00fcnfzehntausend Euro daf\u00fcr. Das wirft einige Fragen auf, die Julia auch in der Gruppe bespricht, darf man so etwas annehmen, Ernst hat auch eine Tochter und eine Enkeltochter, die aber keinen Kontakt zu ihm wollen oder aufnehmen d\u00fcrfen.<br \/>\nJulia reist schlie\u00dflich doch nach Argentienen, Chile, Peru und Bolivien und vorher von der Mutter eingeladen auch nach Martinique zu deren Freundin.<br \/>\nAuf der Lateinamerikareise l\u00e4\u00dft uns Luis Stabauer nun vieles miterleben, was er wohl selbst auf seinen Recherchereisen gesehen hat. Das Buch hat auch eine Widmung: &#8220;Ich bekenne: Viele von euch in Lateinamerika, jetzt und seit mehr als f\u00fcnf Jahrhunderten, litten und leiden unter der schiefen Ebene zwischen Nord und S\u00fcd. Meine Zeilen sind Teil meiner Solidarit\u00e4t&#8221; und wir bekommen sehr viel von den Problemen, aber auch von den landschaftlichen Sch\u00f6nheiten und Touristenattraktionen mit, obwohl sich Julia gegen das allzu Touristische, wie eine Schifffahrt durch die Anden oder die, mit einem Luxusschnellzug, der gelegentlich von Cartoneros und Indios mit Steinen beworfen wird, wehrt.<br \/>\nDie Cartoneros sind die, die von Abfalleinsammeln leben. Julia macht da einen Tag aus Solidarit\u00e4t mit und  lernt auf ihrer Reise durch Patagonien auch einen rotb\u00e4rtigen Finnen namens Yrj\u00e4n\u00e4, was Orellana ausgesprochen wird, kennen und lieben und als sich sich von ihm in Chile trennt, weil er da einen Hochschulauftrag hat und alleine weiterreist, bekommt sie von Tilla, das ist die junge Lehrerin, mit der sie inzwischen befreundet ist, eine Nachricht, die Mutter ist gestorben.<br \/>\nSoll sie zum Begr\u00e4bnis gehen oder nicht? Es gibt da offenbar einen Schwur, nie mehr nach Gm\u00fcnd zur\u00fcckzukommen. Sie w\u00e4re aber ohnehin zu sp\u00e4t gekommen, bis sie zur\u00fcckgeflogen w\u00e4re. Kann sich mit der Mutter aber auss\u00f6hnen, die sie in einem Brief um Verzeihung bittet. Von Ernst und Tilla erf\u00e4hrt sie dann, der Chorherr h\u00e4tte sich in der Kirche oder Friedhof salbungsvoll auf den Boden geworfen.<br \/>\nSo reist sie allein weiter, mu\u00df manchmal vor Attacken und \u00dcbergriff von M\u00e4nner aufpassen, ausgeraubt wurde sie schon, als sie Yrj\u00e4n\u00e4 spazierenging und mit den alten Nazis, die sich in Patagonien und in Bolivien zur\u00fcckzogen, wird sie auch gewarnt.<br \/>\nGibt es ja die &#8220;Odessa&#8221; und die &#8220;Ustaschi&#8221; und Ernst, den sie danach fragt, smst sofort zur\u00fcck, die Reise abzubrechen, was sie aber auch nicht tut, sondern ganz normal ihre Route weiterf\u00e4hrt, dazwischen einige Gedichte und Reiseberichte schreibt, die sie, als sie wieder in Wien zur\u00fcck ist, als Buch ver\u00f6ffentlichen will.<br \/>\nErnst zahlt ihr dann noch eine zweite Reise nach El Salvador und dort bekommt sie von seiner Tochter die Nachricht, da\u00df er gestorben ist und auch die Mitteilung, da\u00df sie von ihrem Anwalt h\u00f6ren wird, denn Annemarie will das Geld zur\u00fcck, das ihr Vater f\u00fcr sie gezahlt hat.<br \/>\nB\u00f6se Tr\u00e4ume gibt es auch immer wieder, die sich langsam aufl\u00f6sen, so da\u00df Julia sich mit ihrem Bruder treffen und um ein Gespr\u00e4ch bitten kann, was ich f\u00fcr eine gute L\u00f6sung und eine sch\u00f6ne Entwicklung halte. Ein spannendes Buch und sehr eindrucksvoll beschrieben, so da\u00df man sich nachher noch mit vielen weiterbesch\u00e4ftigen m\u00f6chte, sei es mit den &#8220;Madres de Piaza de Mayo&#8221;, die in dem Buch zwar keinen sehr breiten Raum einnehmen, deren Symbol, das wei\u00dfe Kopftuch, aber das Buchcover schm\u00fcckt oder mit der Frage, wer Erich Priebke ist und besonders sch\u00f6n finde ich, wie angedeutet, da\u00df das Buch den &#8220;Himmel ein bi\u00dfchen aufzureissen&#8221; versucht und vom L\u00f6sen der Konflikten spricht, was, da sich Luis Stabauer, den ich ja im vorigen Herbst, bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/20\/buchfestival-fur-verlags-autoren-und-self-publisher\/\">Selbstpublisher-Messe<\/a> in Hietzing kennenlernte und sowohl <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/26\/der-kopf-meines-vaters\/\">&#8220;Der Kopf meines Vaters&#8221;<\/a>, als auch die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/27\/gute-grunde\/\">Anthologie mit Texten, die im Rahmen der &#8220;Leondinger Akademie&#8221;<\/a> entstanden sind, gelesen habe, auch Konfliktl\u00f6sungstrainings anbietet, auch logisch ist.<br \/>\nDas Buch wird sehr passend in dem lateinamerikanischen Lokal &#8220;Andino&#8221; in der M\u00fcnzwardeingasse 2, 1060 Wien, am 24. April um 19 Uhr vorgestellt und bei den &#8220;Textvorstellungen&#8221; in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; ist Luis Stabauer am 30. Juni auch zu h\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luis Stabauer, Trainer, Coach mit eigener Beratungsfirma und Absolvent der Leondinger Akademie ist ein sehr politischer Autor, den viele aktuelle und historische, zeit- und gesellschaftlichkritische Themen besch\u00e4ftigen und die er auch mit seinen Erfahrungen aus seinem Trainer- und Beratungsalltag, er &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28156\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-28156","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28156"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28156\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}