{"id":28136,"date":"2014-04-06T00:17:50","date_gmt":"2014-04-05T23:17:50","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=28136"},"modified":"2014-04-06T00:17:50","modified_gmt":"2014-04-05T23:17:50","slug":"der-mann-der-zu-spat-kam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28136","title":{"rendered":"Der Mann, der zu sp\u00e4t kam"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Der Mann, der zu sp\u00e4t kam&#8221;, ein Roman von Louis Begley, 1996 geschrieben, ein Buch aus dem B\u00fccherschrank, beziehungsweise ausrangiert von den &#8220;St\u00e4dtischen B\u00fcereien Gumpendorferstra\u00dfe&#8221;, handelt, wie am beiliegenden K\u00e4rtchen steht von &#8220;Ben, einem voll integrierten Amerikaner und erfolgreichen Wallstreet-Banker, der an seiner verleugneten Jugend in Polen, einer Lebensl\u00fcge, die ihn beziehungsunf\u00e4hig macht, leidet und am Ende in den Freitod geht&#8221;<br \/>\nDie Lebensl\u00fcge wird in dem zweihundertachtzig Seiten dicken &#8220;Suhrkamp-Buch&#8221;, aber nur am Rande und beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt, vielleicht will Begley damit die Kunst der Verdr\u00e4ngung zeigen.<br \/>\nVordergr\u00fcndig geht es um einen mir ziemlich unsympathischen Mann und etwas, was in den Romanen der gro\u00dfen Amerikaner, die auf den Nobelpreislisten stehen, regelm\u00e4\u00dfig vorkommt, Sex und Geld und gutes Essen, bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/25\/exit-ghost\/\">Philiph Roth<\/a> kommen noch die Errektionsst\u00f6rungen dazu, hier scheint Ben etwas j\u00fcnger, im Vollbesitz seiner besten Mannesjahre zu sein, das Buch spielt in den Siebzigerjahren und wird von einem Ich-Erz\u00e4hler, einem Schriftsteller mit einer Frau namens Prudence und zwei T\u00f6chtern, von denen eine zum Reitunterricht in ein Nobelcollege geschickt wird, Bens Nachla\u00dfverwalter, erz\u00e4hlt.<br \/>\nDie Beiden haben sich in Harvard, einem Elitecollege kennengelernt. Ben hat sich aber nicht f\u00fcrs Schreiben, sondern f\u00fcr die Bankkarriere entschieden und ist, wie gleich auf den ersten Seiten steht, eigentlich ein p\u00fcnktlicher Mensch, zu sp\u00e4t kommt er offenbar nur, wenn es um Entscheidungen geht oder wenn er sicher selbst schadet, so hat er erst dann den besten Schneider, wenn sich dieser bereits am absteigenden Ast befindet.<br \/>\nBeruflich ist er aber sehr erfolgreich, schade, da\u00df seine Eltern das nicht mehr miterleben konnten und er ist geschieden von einer \u00e4lteren Frau namens Rachel, die hat er als Student kennengelernt, da nahm sie ihn auf eine Europareise mit, damit er auf ihre zwei kleinen T\u00f6chter, Zwillinge, aufpasse, w\u00e4hrend die dann schliefen, v\u00f6gelten die beiden.<br \/>\nBen ist ein aufopfernder Vater f\u00fcr die M\u00e4dchen, als die Ehe geschieden wird, will er das Sorgerecht, bekommt es aber nicht und die M\u00e4dchen wenden sich von ihm ab. So geht Ben nach Paris, um dort Bankgesch\u00e4fte zu \u00fcbernehmen, mietet sich in einer Luxuswohnung ein, hat einen Diener und es werden seitenlang die Nobelrestaurants geschildert, etwas was mich eigentlich nicht so interessiert, in der sich Ben und Jack treffen.<br \/>\nFrauen gibt es auch eine ganze Menge, Ben nennt das &#8220;Sexualhygiene&#8221; und es gibt  eine Beziehung zu einer Veronique, die verheiratet ist und ein S\u00f6hnchen hat. Der Mann kommt auf den Ehebruch drauf, verpr\u00fcgelt Veronique, Ben zischt in Gesch\u00e4ften nach Japan und Brasilien ab und lehnt Veroniques Angebot ihren Mann seinetwegen zu verlassen ab, weil er sich ja nicht entscheiden kann.<br \/>\nIn Brasilien trifft er auf einen &#8220;Nazi-Zahnarzt&#8221;, der ihm ein junges deutsches blondes M\u00e4dchen namens Lotte anbietet, mit der Ben sich dann vergn\u00fcgt. Ich finde das eigentlich sehr  widerlich und will mich da nicht wirklich auf psychologische Erkl\u00e4rungen und Abwehrmechanismen einlassen.<br \/>\nDann kommt Ben zur\u00fcck nach Europa und Amerika, reist herum, leidet weiter, schlie\u00dflich besorgt er sich Schlaftabletten, nimmt sie aber nicht, sondern verl\u00e4\u00dft das Luxushotel, in dem der Freitod passieren sollte und springt ins Wasser.<br \/>\nSo weit, so what, das Louis Begley mit diesen Roman seine eigene Biografie verarbeitet, ist klar, da\u00df die amerikanische und europ\u00e4ische Gesellschaft das lesen will, vielleicht auch, aber ich ich finde diese Sexgeschichten von reichen alten oder auch j\u00fcngeren M\u00e4nnern, die sich in Luxushotels und Luxusrestaurants herumtreiben und wahrscheinlich nicht immer die lupenreinsten Gesch\u00e4fte machen, sondern vielleicht die, die Jahre sp\u00e4ter zur Bankenkrise f\u00fchrten, nicht sehr befriedigend und der Umgang mit den meist sozial schw\u00e4cheren Frauen gef\u00e4llt mir auch nicht, auch wenn Ben nat\u00fcrlich was zu verdr\u00e4ngen und zu bew\u00e4ltigen hat, wenn er wie Louis Begley in Polen geboren wurde und nach Amerika kam.<br \/>\nIch kenne Louis Begley recht gut, habe ihn einmal in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/11\/louis-begley\/\">Hauptb\u00fccherei<\/a> gesehen, dann <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/09\/lugen-in-zeiten-des-krieges\/\"> die &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des Krieges&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/23\/schmidt\/\">&#8220;Schmidt&#8221;<\/a> gelesen. Einen dieser &#8220;Schmidt-Filme&#8221; habe ich auch gesehen und &#8220;Wie Max es sah&#8221; steht auf meiner Leseliste.<br \/>\nEin sympathischer, freundlicher Mann mit einer beeindruckenden Biografie, aber mit seinen Romanen scheine ich nicht ganz klar zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der Mann, der zu sp\u00e4t kam&#8221;, ein Roman von Louis Begley, 1996 geschrieben, ein Buch aus dem B\u00fccherschrank, beziehungsweise ausrangiert von den &#8220;St\u00e4dtischen B\u00fcereien Gumpendorferstra\u00dfe&#8221;, handelt, wie am beiliegenden K\u00e4rtchen steht von &#8220;Ben, einem voll integrierten Amerikaner und erfolgreichen Wallstreet-Banker, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=28136\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-28136","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28136","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=28136"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/28136\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=28136"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=28136"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=28136"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}