{"id":27980,"date":"2014-03-27T00:30:04","date_gmt":"2014-03-26T23:30:04","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27980"},"modified":"2014-03-27T00:30:04","modified_gmt":"2014-03-26T23:30:04","slug":"die-andere-esther","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27980","title":{"rendered":"Die andere Esther"},"content":{"rendered":"<p>Was jetzt kommt ist keine Falschschreibung des derzeitigen Kultromans der Bachmannpreistr\u00e4gerin Katja Petrowskaya, sondern der 1961 bei &#8220;Insel&#8221; erschienene Roman der ungarischen Schriftstellerin Magda Szabo, der in einer Neu\u00fcbersetzung Eszter und Angela hei\u00dft.<br \/>\nVon der 1917 geborenen und 2007 verstorbenen Schriftstellerin habe ich schon \u00f6fter geh\u00f6rt und auch ein Buch gelesen.<br \/>\n&#8220;Die andere Esther&#8221; stammt aus dem offenen B\u00fccherschrank, wurde 2009 vom kirchlichen Bibliothekswerk ausgeschieden und vom Verein &#8220;Lok&#8221; dem Schrank gespendet. Ich habe es schon vor l\u00e4ngerer Zeit gefunden, erst sp\u00e4ter auf die Leseliste gesetzt und jetzt auf meinen Ungarnaufenthalt mitgenommen. Durch das gerade erschienene Buch der Bachmannpreistr\u00e4gerin &#8220;Vielleicht Esther&#8221; bekommt es auch eine besondere Aktualit\u00e4t, obwohl es nat\u00fcrlich von etwas ganz anderen handelt.<br \/>\nEs ist eine Litatnei, die die Ich-Erz\u00e4hlerin Esther Encsy da vor h\u00e4lt, beziehungsweise ihrem verlorenen Geliebten erz\u00e4hlt.<br \/>\nEsther Encsy, Kind aus einer adeligen Familie, aber dennoch in bitterer Armut aufgewachsen, weil die Mutter einen lebensunt\u00fcchtigen und auch kranken Rechtsanwalt heiratete, sich das Leben durch Klavierspielen verdiente und die Tochter, die im Gymnasium und auch auf der Universit\u00e4t einen Freiplatz hat, weil der Gro\u00dfvater ein bekannter Schulgr\u00fcnder war, mu\u00df sich ihr Studium durch Nachhilfestunden verdienen, beziehungsweise die Familie unterst\u00fctzen, was zu seltsamen Situationen f\u00fchrt, da kein Geld f\u00fcr Kleider und Schuhe da ist, die Gro\u00dfmutter dem Kind aber eine kostbare Kette schenkt, die dann nicht aufs Versatzamt getragen darf. Die Schuhe stammen von Tante Irma, sind Esther aber zu klein, so da\u00df sie H\u00fchneraugen bekommt, die sie ihren Geliebten nicht zeigen will, sp\u00e4ter schneidet sie die Spitzen ab und rennt noch als Studentin in dem Matrosenkleid herum, das zur Schuluniform geh\u00f6rte.<br \/>\nIn dieser Situation wird man boshaft, ist wohl das was Magda Szabo ihre Heldin sagen l\u00e4\u00dft, die ihren Freundinnen manchmal falsch einsagt und auf Angela, die brave gute, die ihr dann auch den Geliebten wegschnappen wird, entsetzlich eifers\u00fcchtig ist.<br \/>\nDie hat immer die besseren Schulbrote und auch ein Reh, auf das die tierliebende Esther eifers\u00fcchtig ist, so da\u00df sie es ihr eines Nachts entf\u00fchrt und in den Wald zur\u00fcckbringen will, am Morgen wird es \u00fcberfahren am Bahndamm aufgefunden.<br \/>\nEs kommt bald der Krieg, der Vater ist da schon gestorben und die Mutter kann keine Klaviersch\u00fcler mehr unterrichten, weil es inzwischen eine Musikschule in dem St\u00e4dtchen gibt. Esther mu\u00df ihr Lehrerinnenexamen, sie hat Ungarisch und Latein studiert, im Bombenhagel machen, wird sp\u00e4ter Schauspielerin und ist ein Mensch, der nicht mehr an das Gute glaubt, beziehungsweise sich ihr Leben lang verstellt und mit seltsamer H\u00e4rte von den T\u00fccken des Lebens erz\u00e4hlt. Zu einem politischen Umschwung ist es dann ja auch gekommen, wo Esther ihren Lebenslauf schreiben mu\u00df und man ihr, als Kind einer an sich beg\u00fcterten Familie auch nicht die bittere Armut glaubt.<br \/>\nEin interessantes Buch, das ich da gelesen habe und das mich in seiner Eindringlichkeit sehr beeindruckt hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was jetzt kommt ist keine Falschschreibung des derzeitigen Kultromans der Bachmannpreistr\u00e4gerin Katja Petrowskaya, sondern der 1961 bei &#8220;Insel&#8221; erschienene Roman der ungarischen Schriftstellerin Magda Szabo, der in einer Neu\u00fcbersetzung Eszter und Angela hei\u00dft. 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