{"id":27868,"date":"2014-03-29T00:45:33","date_gmt":"2014-03-28T23:45:33","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27868"},"modified":"2014-03-29T00:45:33","modified_gmt":"2014-03-28T23:45:33","slug":"der-karren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27868","title":{"rendered":"Der Karren"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder etwas aus dem B\u00fccherkasten meiner Eltern, n\u00e4mlich B. Travens &#8220;Der Karren&#8221; aus dem &#8220;Baumeisterverlag GmbH, Berlin, 1931, dessen Identit\u00e4t wie ich Wikipedia entnehme, von der Literaturwissenschaft noch nicht ganz entr\u00e4tselt wurde.<br \/>\nDer Name ist ein Pseudonym, wer dahintersteckt, scheint nicht ganz gekl\u00e4rt, als Lebensdaten werden 1882-1969 angegeben und dazugeschrieben, da\u00df er in Mexiko gelebt haben soll.<br \/>\nDa spielt auch &#8220;Der Karren&#8221; in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren und der ist der erste Teil, eines sechsteiligen Zyklus, der zweite Teil &#8220;Regierung&#8221; steht auch auf meiner Leseliste und dann habe ich, glaube ich, auch &#8220;Das Totenschiff&#8221; und dieses alte Buch, eines inzwischen nicht mehr sehr bekannten Autors, finde ich wieder erstaunlich interessant, durch seine klare, anklagende Sprache und ebenso spannend, welche B\u00fccher meine Eltern in den Drei\u00dfigerjahren des vorigen Jahrhunderts zu Hause hatten und gelesen haben.<br \/>\nDie Ausbeutung der Indianer am Beispiel, des Jungen Andreu Ugaldo wird hier beschrieben und B. Traven tut das sehr eindringlich, beginnt mit der Finca in die er geboren wurde, beschreibt das Leben der Peons, was wohl so was, wie unfreie Bauern sind und tut das sehr drastisch, in dem er erw\u00e4hnt, da\u00df es Mexiko keine Sklaven sind und man in der Kirche, in die Schule sind die Indianer wohl kaum gegangen, auch lernte, da\u00df man ein freier B\u00fcrger einer unabh\u00e4ngigen Nation w\u00e4re.<br \/>\nDann ists aber wieder nicht so einfach mit der Freiheit, denn der Peon kann seine Waren nur bei seinem Gutsherrn kaufen und der verkauft sie ihm sehr \u00fcberteuert und wenn er dann nicht bezahlen kann, kosten sie das doppelte, so da\u00df der Peon ein lebenslanger Schuldner bleibt und seinen Herrn kaum verlassen kann.<br \/>\nAndreu gelingt das aber, da ihn die Tochter seines Herrn, die sich in die Stadt verheiratet hat, als Gehilfe ihres Gattens haben will und der, ein Kaufmann schickt Andreu sogar in die Abendschule, weil ein Gehilfe eines Kaufmanns ja rechen, schreiben und lesen k\u00f6nnen soll.<br \/>\nLohn zahlt er ihn aber keinen und gibt ihn auch keine Decke und keine Matte zum schlafen, so da\u00df ihm das sein Vater bei seinem Gutsherrn \u00fcberteuern kaufen mu\u00df und als Don Leonardo eines Abends mit seinen Gesch\u00e4ftsfreunden ein Spiel beginnt, verspielt er Andreu an Don Laureano und wird so Carretero, Ochsentreiber, einer der die Waren und die Menschen \u00fcber die Passh\u00f6hen bringt, das scheint sogar ein Vorteil zu sein, denn Don Laureano verspricht ihm einen Lohn von ein paar Pesos, aber den bekommt er erst, wenn er die Schuld, das Geld das Don Leonardo f\u00fcr ihn einsetzte, abgearbeitet hat und es \u00fcberkommt einem das Schauern \u00fcber der Eindringlichkeit mit der hier erz\u00e4hlt wird, da\u00df der &#8220;freie&#8221; Arbeiter&#8221; Andreu, wie auch die Peons, ihr ganzes Leben nie von ihrer Schuld frei kommen werden, denn sie m\u00fc\u00dfen sich ja Kleider und auch was f\u00fcr ihre kleinen Vergn\u00fcgungen kaufen, sowie f\u00fcr die Indstandhaltung ihrer Karren sorgen und wenn sie klauen und daf\u00fcr ins Gef\u00e4ngnis kommen, l\u00f6st der Patrone sie zwar aus, weil sie  noch Schulden bei ihm abzubezahlen haben, was ihre Schuld aber nat\u00fcrlich wieder, um ein Vielfaches vergr\u00f6\u00dfert.<br \/>\nBei einem Fest zum Ehren des heiligen Caralampia dessen Sitten und Unsitten, wie die Leute bei den Schie\u00dfst\u00e4nden und auf den Routlettetischen ihr Geld f\u00fcr Sachen hinlegen, die sie erstens nicht gewinnen und zweitens in jedem Laden viel billiger haben k\u00f6nnten, genau beschreibt, ebenso wie der Chefpolizist und der B\u00fcrgermeister bestochen wird, um die Spielzeiten zu verl\u00e4ngern, lernt Andreu, dann ein f\u00fcnfzehnj\u00e4hriges Fl\u00fcchtlingsm\u00e4dchen kennen, das noch keine Namen hat, weil die Mutter &#8220;Kindchen&#8221; zu ihr sagt, und der Sohn auf dem Hof dem sie aufwuchs, &#8220;Hure&#8221; und sie haben wollte, dem er einen Kamm und Enchiladas kauft, deren Zubereitungen werden auch ganz genau beschrieben, das er dann mit auf seine Carreta nimmt und das ihm verspricht, ihm immer zu gehorchen, wenn er nur gut zu ihr ist.<br \/>\nSein Kollege Manuel holt sich von der Festa auch ein entlaufenes Dienstm\u00e4dchen, das, wie alle in dem Buch, von seiner Herrschaft ausgen\u00fctzt wurde und die Karawane f\u00e4hrt mehr oder weniger zufrieden davon.<br \/>\nEin sehr eindrucksvolles Buch, in dem B. Traven mit scharfen Worten die Ungerechtigkeiten und die Zust\u00e4nde der proletarischen Indianer, wie er es nennt schildert.<br \/>\nNach den heutigen Begriffen w\u00fcrde wohl die spannende Handlung fehlen. In das Schicksal des Andreus ist immer wieder viel Sachlichkeit eingeschoben, so wird zum Beispiel ganz genau erz\u00e4hlt, wie die Indianer Reis kochen oder wie das Leben der Carreteros ist und trotzdem ist man sehr beeindruckt und betroffen von der Sch\u00e4rfe und des Realismus und ich pers\u00f6nlich habe bei der Schilderung, wie der Herr seinen Peon ausnimmt und der nie eine Chance hat, in seinem Leben aus den Schulden herauszukommen, einen Bezug zu meinem Schreiben gesehen, da bem\u00fche ich mich und bem\u00fche ich mich und es wird nichts, soviel ich mich auch anstrenge und das ist ja etwas, was mich sehr besch\u00e4ftigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder etwas aus dem B\u00fccherkasten meiner Eltern, n\u00e4mlich B. 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