{"id":27716,"date":"2014-03-13T00:01:40","date_gmt":"2014-03-12T23:01:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27716"},"modified":"2014-03-13T00:01:40","modified_gmt":"2014-03-12T23:01:40","slug":"schneeweischen-und-partisanenrot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27716","title":{"rendered":"Schneewei\u00dfchen und Partisanenrot"},"content":{"rendered":"<p>Eine herrliche Politsatire, w\u00fcst, steht im Klappentext, erz\u00e4hlt der 1966 in Sofia geborene Alek Popov in dem bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen und von Alexander Sitzmann \u00fcbersetzten Roman &#8220;Schneewei\u00dfchen und Partisanenrot&#8221;, das mit einer umfangreichen Erl\u00e4uterung, da\u00df diese Geschichte wirklich und wahrhaft erfunden ist und zur G\u00e4nze ins Reich der Fantasie geh\u00f6ren w\u00fcrde, beginnt.<br \/>\nDann geht es weiter mit einem Prolog, in Sofia gibt es eine kleine Stra\u00dfe, die Jara Palaveeva-Stra\u00dfe, an deren Benennuung sich nur mehr ein altes M\u00fctterchen besinnt und die viel zu unbedeutend ist, da\u00df man sie umbenennt. Im Jahr 1952 sah sich als kleines M\u00e4dchen ein paar M\u00e4nner mit Schirmm\u00fctzen und eine Frau im strengen braunen Kost\u00fcm, das war war Mayor Kara Grebenarova, die sich daf\u00fcr einsetzte, da\u00df diese Stra\u00dfe ihrer im Partisanenkampf gegen Faschismus und Kapitalismus gefallenen Schwester gewidmet wird.<br \/>\nDann geht es richtig los in die Vierzigerjahre und ins Balkangebirge. Ein Hirtenjunge f\u00fchrt dort einen Studenten und zwei Zwillingsschwestern, Gymnasiastinnen vom M\u00e4dchengymnasium, die zu den Partisanen wollen, weil sie das Zarenbild verunziert hatten und auch das Innenministerium in die Luft sprengen wollten.<br \/>\nDer Hirte wundert sich, macht dann doch den Kuckucksruf, um die Partisanen auf ihn aufmerksam zu machen. Er macht ihn falsch und das Partisanengr\u00fcppchen das dort herumzieht, wird auch von einem angeblichen Russen Russen namens Medved regiert. Sie tragen alle Decknamen, Lenin zum Beispiel, Stalin nicht, denn was macht man, wenn einem solchen Genossen etwas Unehrenhaftes passiert? Verst\u00e4ndigen sich durch Vogelrufe, was zwar ein wenig seltsam ist, weil die Bev\u00f6lkerung sofort erkennt, da\u00df es diese V\u00f6gel zum Beispiel in dieser Jahreszeit nicht gibt.<br \/>\nEs gibt auch eine Frau bei der Truppe, die Extra-Nina, die vom Klassenfeind einmal sehr vergewaltigt wurde und nun die Gewehre reinigt. Die Truppe ist sich uneins, ob sie die zwei M\u00e4dchen, noch dazu mit b\u00fcrgerlichen Hintergrund, sie f\u00fchren englische Sandwiches gef\u00fcllt mit feinster Salami, Schokolade und Malzbonbons mit sich, zu sich lassen sollen, wo sich doch die Truppe nur aus harten Bohnen und Zwieback ern\u00e4hrt.<br \/>\nDie Bohnen gibt es diesmal strafweise nicht, die Truppe wird auch noch von der Armee \u00fcberfallen und mu\u00df fl\u00fcchten, da stellt sich heraus, da\u00df die Mannschaft schon ihre Notration gegessen hat und wahrscheinlich verhungern mu\u00df.<br \/>\nEs gibt aber einen Ausweg, n\u00e4mlich in einen Wald zu fl\u00fcchten, aber dort sollen Vampire und Geister herrschen und die antifaschistische Gruppe die gegen den Kapitalismus k\u00e4mpft und ein revolution\u00e4res wissenschaftliches Weltbild hat, entpuppt sich auf einmal als sehr abergl\u00e4ubisch.<br \/>\nDa gehen Gabriela und Monika, das sind die Decknamen der beiden M\u00e4dchen, tapfer voran. Was ihnen zuerst aber nicht gut bekommt. Denn sie werden tats\u00e4chlich \u00fcberfallen und gefesselt. Allerdings nicht von Geistern und von Vampiren, sondern von drei ehemaligen Bankr\u00e4ubern, die die M\u00e4dchen gleich vergewaltigen wollen.<br \/>\nDie wehren sich aber tapfer und erschie\u00dfen die drei, das Geld und sehr viel essen finden sie auch und sie bekommen noch ein bi\u00dfchen Geld, beziehungsweise wird es f\u00fcr den Freiheitskampf gespendet, denn sie haben eine Entf\u00fchrung fingiert und den Eltern einen Brief geschrieben, da\u00df sie nun f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfen und vielleicht sterben werden.<br \/>\nDie Partisanen essen sich inzwischen satt, erhalten politischen Unterricht und Medved erz\u00e4hlt ihnen auch noch von den herlichen Moskauer U-Bahnstationen und den vielen Eissorten, die man dort kaufen kann.<br \/>\nDann f\u00e4ngt es an rund zu gehen, zuerst wird Gabrielas Spitzenunterh\u00f6schen gestohlen und in einem der Partisanenrucks\u00e4cke gefunden, die M\u00e4dchen glauben nicht den Geschichten von der Epilepsie und den anderen Krankheiten, die man durch das &#8220;Herunterholen&#8221;, ein Wort das sie nicht verstehen, bekommt und fordern, dann die Freiheit der Masturbation als sozialistische Errungenschaft. Sie werden aber trotzdem f\u00fcr Spioninnen gehalten und sollen erschossen werden. Extra Nina, die selber die Verr\u00e4terin, mit einer brennenden Kerze im After verr\u00e4t man alles, rettet sie. Die Armee erscheint wieder, alle fallen, nur die M\u00e4dchen k\u00f6nnen mit Medved entkommen, erfrieren aber fast, so ordnet er an den Schnellkurs in Leninismus zu verbrennen, die M\u00e4dchen wundern sich, dachten sie doch, das w\u00e4re sein Heiligtum. Er verr\u00e4t ihnen aber die Wahrheit der SU, in deren Lager er war. Die M\u00e4dchen, die noch von Kannibalismus reden und ob es erlaubt ist sich gegeneinander aufzuessen, wenn man sonst verhungert, werden getrennt. Gabriela scheint  umzukommen und zehn Jahre sp\u00e4ter geht in am Tag von Stalins Tod in der bulgarischen Botschaft in London weiter.<br \/>\nDa treffen wir Majorin Grebenarova im strengen brauen Kost\u00fcm, es wird um Stalin geweint, dann marschiert sie in ein Kleidergesch\u00e4ft, um sich einen Hut zu kaufen, wird dort f\u00fcr eine Missis Finnegan gehalten und die Schwestern stehen sich wieder gegen\u00fcber.<br \/>\nEine k\u00f6stliche Satire, die wieder einmal zeigt, wie es im Sozialismus zugegangen sein k\u00f6nnte und, da\u00df letztlich alles sinnlos ist. Andrej Kurkow hat ja etwas \u00e4hnliches mit seinem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/20\/der-wahrhaftige-volkskontrolleur\/\">&#8220;Volkskontrolleur&#8221;<\/a> versucht, wo es jetzt eine Fortsetzung gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine herrliche Politsatire, w\u00fcst, steht im Klappentext, erz\u00e4hlt der 1966 in Sofia geborene Alek Popov in dem bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenen und von Alexander Sitzmann \u00fcbersetzten Roman &#8220;Schneewei\u00dfchen und Partisanenrot&#8221;, das mit einer umfangreichen Erl\u00e4uterung, da\u00df diese Geschichte wirklich und wahrhaft &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27716\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-27716","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27716","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27716"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27716\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27716"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27716"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27716"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}