{"id":27571,"date":"2014-03-02T18:51:33","date_gmt":"2014-03-02T17:51:33","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27571"},"modified":"2014-03-02T18:51:33","modified_gmt":"2014-03-02T17:51:33","slug":"der-krieg-nach-dem-frieden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27571","title":{"rendered":"Der Krieg nach dem Frieden"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt gleich die Besprechung von Ruth Asp\u00f6cks neuem Buch &#8220;Der Krieg nach dem Frieden&#8221;, das sie am Freitag in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/02\/28\/ruth-aspocks-buchpremiere\/\" title=\"Ruth Asp\u00f6cks\u00a0Buchpremiere\">Krems<\/a> vorstellte und das im April im &#8220;Stifterhaus&#8221; in Linz pr\u00e4sentiert werden wird.<br \/>\nDas im &#8220;L\u00f6ckerverlag&#8221; erschienene Buch, zeigt eine wei\u00dfe Friedenstaube auf dem roten Cover, neben den biografischen Angaben zur Autorin auf der Klappe, kann man am Buchr\u00fccken lesen, da\u00df &#8220;aus der Sicht von f\u00fcnf Personen, die Erz\u00e4hlerin Malwine, die Schwestern Rosa und Ursula und ihren Eltern, Anatol und Marie &#8211; dieser Roman die Lebensumst\u00e4nde einer Familie nach dem zweiten Weltkrieg, die Verarbeitung der Kriegserlebnisse und den m\u00fchsamen Wiederaufbau, eingebettet in die politische Zeitgeschichte&#8221; erz\u00e4hlt.<br \/>\nDas passiert in zwanzig Kapitel, die alle einen kurzen Namen tragen: &#8220;Die Art, der Weg, Die Zeit, der Trug, der Mut, etc, etc&#8221; und in diesen Kapitel treten die Personen in direkter Rede auf und erz\u00e4hlen von den Geschehnissen.<br \/>\nBei Ruth Asp\u00f6cks <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/20\/kannitverstan\/\">&#8220;Kannitverstan&#8221;<\/a> hatte ich ja einmal den Eindruck, da\u00df die Erz\u00e4hlweise durch den Schreibstil ein wenig abgeblockt wird, kein &#8220;Show dont tell!&#8221;, hier hatte ich das Anfangs auch.<br \/>\nGibt es ja eigentlich keinen Plot, keinen Spannungsbogen, nur Monologe. Aber bald merkte ich, da\u00df das der Ruth erstaunlich gut gelungen ist.<br \/>\nVielleicht auch mit den Trick, die Eltern Anatol und Marie aus dem Totenreich erz\u00e4hlen zu lassen. Das, was ja auch einmal Elfriede Jelinek tat, wirkt erstaunlich lebendig und sehr originell.<br \/>\nAber eigentlich gibt es eine Erz\u00e4hlerin. Malwine, die Freundin, die von den Schwestern Rosa und Ursula oder wahrscheinlich nur Ursulas, zwei Schuhschachteln mit Briefen ins Haus geliefert bekommt, die man beim Aufl\u00f6sen der m\u00fctterlichen Wohnung fand &#8220;Und jetzt mach etwas daraus!&#8221;<br \/>\nDa ich Ruth Asp\u00f6ck ja pers\u00f6nlich kenne und auch mit ihr befreundet bin, habe ich ja den Vorteil, die Entstehung des Buches schon ein bi\u00dfchen miterlebt zu haben.<br \/>\nObwohl so viel auch nicht, denn die Ruth spricht ja nie sehr viel \u00fcber ihre &#8220;ungelegten Eier&#8221;, da\u00df sie aber in Salzburg und wahrscheinlich auch in Linz war und dort die Archive erforschte, um vom Leben nach 1945 etwas zu erfahren, hat sie mir verraten und dann erf\u00e4hrt man in den zwanzig Kapiteln alles von der Familie.<br \/>\nAnatol, da mu\u00df ich gleich an Ruths Theaterwissenschaftstudium und an Arthur Schnitzler denken, war zwei Jahre im Krieg, in Belgien und Russland, als Sanit\u00e4ter und Quartierauftreiber und schreibt seiner Marie aus dem Feld, die zensuierten Briefe, aus denen Malwine, die etwas \u00e4ltere Freundin Ursulas,  ehemalige Sekret\u00e4rin bei der &#8220;Gesellschaft der Opernfreunde&#8221; und nach einer Kinderl\u00e4hmung leicht hinkend, etwas machen soll.<br \/>\nDie Schwestern Rosa und Ursula sind etwa 1946 bzw. 1948 in Salzburg geboren. Der Vater war \u00d6sterreicher, die Mutter Schw\u00e4bin, nach 1945 siedelte sich die Familie in Salzburg an, um dann nach zwei Jahre sp\u00e4ter nach Linz ins &#8220;Keplerhaus&#8221; zu ziehen. Ich habe die Ruth ja bei der Pr\u00e4sentation gefragt, wie weit das autobiografisch ist?<br \/>\n&#8220;Ich schw\u00f6re nichts!&#8221;, hat sie geantwortet und dann dazugef\u00fcgt, da\u00df die Erz\u00e4hlerin Malwine, eine Freundin w\u00e4re. Die war, glaube ich, auch bei der Pr\u00e4sentation und als wir 2007 bei Ruths Radkarawane in Linz Halt machten, sind wir vor dem Keplerhaus gestanden, in dem die Ruth mit ihren Eltern und der Schwester ihre Kindheit verbrachte.<br \/>\nNun gut, da\u00df alles autobiografisch ist und alles auch gleichzeitg nicht, ist das, was ich immer sage, wenn mir jemand diese Frage stellt.<br \/>\nDie Rosa ist in dem Buch P\u00e4dagogin und lebt in Deutschland, Ruths \u00e4ltere Schwester tut das auch und das Haus im M\u00fchlviertel, das inzwischen nur mehr der Schwester geh\u00f6rt, kommt auch vor. Da fressen dann die Rehe die Obstb\u00e4ume ab und die dumme St\u00e4dterin wird von den Bauern deshalb ausgelacht.<br \/>\nDann wird allerdings Ursulas Sohn Matteo von der Schwester, die nach Mi\u00dfbrauchserfahrungen ihres Vaters, als Nonne lebt und keinen Kontakt zu M\u00e4nnern will, aufgezogen und das wird  wohl erfunden sein.<br \/>\nBriefe hat es m\u00f6glicherweise gegeben, denn so dichte Kriegsbeschreibungen kann man wahrscheinlich nicht nur den Archiven entnehmen.<br \/>\nDie Atmosph\u00e4re wird sehr dicht geschildert und ist auch in der abgehackten Art sehr spannend. Die Gewalt an den T\u00f6chtern, die M\u00e4dchen wurden, wie das fr\u00fcher \u00fcblich war, mit dem Pracker und dem Kochl\u00f6ffel, geschlagen, Ursula, die Soziologie studierte, ist die aufm\u00fcpfige, Rosa mehr die traumatisierte und sie ist offenbar auch das Opfer einer Vergewaltigung, also nicht Maries Kind.<br \/>\nMan sieht schon, die Ruth hat in ihren Familienrahmen sehr viel hineingepackt und ich finde diese Gradwanderungen sehr spannend, auch wenn sie mich anfangs verwirrte und habe als 1953 geborene ja auch selber noch sehr viel von dieser Atmosph\u00e4re erfahren. Ein Tagebuch meiner Mutter gefunden, in dem sie auf die R\u00fcckkehr meines Vaters aus der Gefangenschaft wartete, als wir die Wohnung in der Wattgasse r\u00e4umten und interessant ist auch, da\u00df meine 1942 geborene und 1978 verunfallte Schwester, Ursula hie\u00df und meine Mutter, 1915-1991, Rosa, etwas, was die Ruth bestimmt nicht wei\u00df.<br \/>\nIch habe in den Nachkriegserlebnissen also ein bi\u00dfchen Ruths Familiengeschichte hineingelesen. Ihre Mutter habe ich ja einmal gesehen, der Vater ist schon fr\u00fcher gestorben und, da\u00df, die in den Vierzigerjahren Geborenen kaum Zeit hatten, ihre Traumatisierungen aufzuarbeiten, kommt auch sehr gut heraus.<br \/>\nBeide T\u00f6chter haben studiert und sind m\u00e4nnerlos geblieben. Ursula hatte aber einen Verlobten und ein Kind, das sie nach der Geburt zur Adoption freigab, Rosa hat es aufgezogen und jetzt eine Beziehung zu einem franz\u00f6sischen Weinbauern zu dem sie immer weinlesen f\u00e4hrt und der ihr Gedichte schreibt.<br \/>\nDas Buch spielt ja in die Gegenwart hinein oder erz\u00e4hlt von dort r\u00fcckw\u00e4rts.<br \/>\nSpannend, spannend und allen, die mehr \u00fcber die Zeit nach 1945 und das Aufwachsen nach dem Krieg, mit all seiner Gewalt, Armut und Enge, wissen wollen, zu empfehlen und denen, die wie ich ein bi\u00dfchen in der Biografie schnuppern m\u00f6chten, nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt gleich die Besprechung von Ruth Asp\u00f6cks neuem Buch &#8220;Der Krieg nach dem Frieden&#8221;, das sie am Freitag in Krems vorstellte und das im April im &#8220;Stifterhaus&#8221; in Linz pr\u00e4sentiert werden wird. 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