{"id":27460,"date":"2014-02-25T21:10:51","date_gmt":"2014-02-25T20:10:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27460"},"modified":"2014-02-25T21:10:51","modified_gmt":"2014-02-25T20:10:51","slug":"die-entdeckung-der-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27460","title":{"rendered":"Die Entdeckung der Liebe"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Dieses Buch hat mich ber\u00fchrt und begeistert. Es ist wundersch\u00f6n&#8221;, schreibt Amos Oz aufs Cover von Judith Katzirs &#8220;Entdeckung der Liebe&#8221;, eine Entdeckung aus dem B\u00fccherschrank und ein Buch einer mir bisher unbekannten israelischen Autorin, 1963 in Haifa geboren, \u00fcber die im Netz sehr wenig zu finden ist.<br \/>\nBer\u00fchrt hat mich das Buch ebenfalls und die so ungehemmt geschilderte Beziehung zwischen einer vierzehnj\u00e4hrigen Sch\u00fclerin und einer zw\u00f6lf Jahre \u00e4lteren Lehrerin, mich auch ein wenig ratlos gemacht, da das ja eigentlich ein Straffall ist, eine Traumatisierung ausl\u00f6sen sollte oder als Jungm\u00e4dchenfantasie durchgehen k\u00f6nnte, vertraut, die vierzehnj\u00e4hrige Rivi, diese Geschichte ja ihrem Tagebuch an und schreibt darin Briefe an Anne Frank, was man auch als unversch\u00e4mt oder kitschig, was auch immer bezeichnen k\u00f6nnte. Ich d\u00fcrfte so etwas wahrscheinlich nicht schreiben und es ist auch die Frage, ob die Literatur das, was man im Leben verwerflich findet, verherrlichen soll?<br \/>\nZu Beginn des Buches ist Rivi achtunddrei\u00dfig und eine mehr oder weniger ber\u00fchmte Schriftstellerin, verheiratet, M\u00fctter zweier T\u00f6chter und f\u00e4hrt nach Haifa zum Begr\u00e4bnis ihrer Literaturlehrerin Michaela. Es gibt Begegnungen mit alten Freundinnen, deren Familie und was auch immer, dann f\u00e4hrt Rivi an den Strand und sucht nach in Plastikt\u00fcten verpackten Heften, in denen sie in den Siebzigerjahren Tagebuch f\u00fchrte, beziehungsweise als Kitty Briefe an die &#8220;Liebe Anne!&#8221;, schrieb.<br \/>\nSie findet sie nicht gleich, denn die hat der &#8220;Zehn Groschen Joe&#8221;, ein Obdachloser, der dort wohnt, l\u00e4ngst gefunden, gibt sie ihr wieder und so gleiten wir in drei Teilen in die Entdeckung der Liebe der vierzehnj\u00e4hrigen Rivi ein, die zwei kleinere Br\u00fcder hat, eine Mutter, die in einem Reiseb\u00fcro arbeitet, einen Vater, der von ihr hinausgeworfen wird und der dann nicht mehr mit der Tochter spricht, sondern nur mehr die Br\u00fcder abholt.<br \/>\nDie Tochter h\u00f6rt an einem Ohr schlecht, hat Panikattacken, abgebrochene Z\u00e4hne, tr\u00e4gt eine Brille und ist eine B\u00fccherw\u00fcrmin, die sich in die Welt von Sylvia Plath, Anne Frank, etc hineinversinkt und auch selbst Gedichte schreibt.<br \/>\nIn diese Situation kommt die sechsundzwanzigj\u00e4hrige Michaela in die Klasse, die sich gerade erst mit einem jungen Arzt verheiratet hat, liest den Sch\u00fclern Gedichte vor und fordert sie auf, einen Brief an Anne Frank zu schreiben. Der beste Aufsatz darf dann am Holocaust-Gedenktag vorgelesen werden. Rivi, die sich in Michaela verliebt hat, wird ausgew\u00e4hlt und leidet schrecklich, weil sie das mit einer ungeb\u00fcgelten Bluse tut und die Mutter damit unzufrieden ist.<br \/>\nMichaela findet die weinende Rivi und gibt ihr einen Ku\u00df. Im zweiten Tagebuch wird dann das zweite Jahr beschrieben, wo Michaela Rivis Liebe erwidert, sie st\u00e4ndig zu sich einl\u00e4dt, sie nach der Schule in ihrem Auto, Rosinante, der Hund hei\u00dft Dulcinea, an den Strand oder in den Wald f\u00e4hrt und sie sich dort in die Arme fallen. Der Ehemann wird eifers\u00fcchtig, die Mutter mi\u00dftrauisch, ein Polizist erwischt die Beiden und Michaela wird auch noch schwanger, damit sie ein Alibi hat.<br \/>\nIm dritten Heft, dazwischen f\u00e4hrt die erwachsene Rivi vom Begr\u00e4bnis, nach Tel Aviv nach Hause, wo sie Mann und Kinder erwarten, findet Rivi  einen Freund, den malendenden Absolon, der von den Lehrern Karikaturen zeichnet, um herauszufinden, da\u00df sie nicht nur lesbisch ist und der Freund der Mutter ist endlich geschieden, so da\u00df er bei ihr einziehen kann.<br \/>\nEr ist sehr ordnungsliebend, so findet die Mutter, Nacktfotos von Rivi und Michaela und auch die Tageb\u00fccher, schleppt sie in die Schule, Rivi wird zum Direktor gerufen, leugnet alles ab, sagt &#8220;Das ist nur Fantasie!&#8221;, vergr\u00e4bt die B\u00fccher, Michaela k\u00fcndigt in der Schule und geht mit Mann und Sohn, der Kleine, der im ersten Lebensjahr viel weint, wird sich sp\u00e4ter zum Autisten entwickeln, nach Amerika. Rivi entwickelt sich zur Schriftstellerin, lernt irgendwann ihren Mann kennen, bekommt ihre Kinder und f\u00e4hrt immer wieder nach Amerika, dazwischen schickt Michaela Geschenke an die Kinder, obwohl sie in Amerika noch andere Beziehungen zu Sch\u00fclerinnen hat.<br \/>\nAm Schlu\u00df stirbt sie an Krebs und Rivi kehrt vom Begr\u00e4bnis als erwachsene Frau zu ihrer Familie zur\u00fcck.<br \/>\nEin sehr ungew\u00f6hnliches Buch, das der Psychologin viele Fragen aufwirft, ob seiner Freiz\u00fcgigkeit. Poetisch ist es nat\u00fcrlich auch, aber die Mischung zwischen dem pubertierenden M\u00e4dchen mit den vielen Problemen und der starken Erotik, die durchaus positiv und als Entwicklungsstufe gesehen wird, von Traumatisierung keine Spur, ist f\u00fcr mich ungewohnt.<br \/>\nDazwischen wird auch immer wieder \u00fcber die israelische Politik der Siebzigerjahre erz\u00e4hlt und die Geschichte der Holocaustopfer thematisiert.<br \/>\nGeraucht wird in dem Buch auch noch sehr viel, das ist inzwischen ebenfalls sehr ungew\u00f6hnlich und geht man zu den &#8220;Amazon-Rezensionen&#8221; erstaunt, da\u00df dort die starke erotische Komponente, die ja eigentlich  verboten ist und ginge es um einen Lehrer, wohl auch Abscheu hervorrufen w\u00fcrde, als eindimensional und als Frauenroman beschrieben wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Dieses Buch hat mich ber\u00fchrt und begeistert. 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