{"id":27343,"date":"2014-02-22T00:53:42","date_gmt":"2014-02-21T23:53:42","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27343"},"modified":"2014-02-22T00:53:42","modified_gmt":"2014-02-21T23:53:42","slug":"rauschen-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27343","title":{"rendered":"Rauschen im Kopf"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt gibt es die Besprechung von &#8220;Rauschen im Kopf&#8221;, dem Roman des 1948 in Maribor geborenen slowenischen Schriftstellers, Drago Jancar, der 1998 als bester slowenischer Roman ausgezeichnet wurde, bei Zsolnay erschienen ist, von der st\u00e4dtische B\u00fccherei ausgeschieden im Schrank landete, wo ich ihn  gefunden habe.<br \/>\nDrago Jancar ist mir wahrscheinlich schon wegen der \u00c4hnlichkeit des Namens, obwohl meiner, beziehungsweise meine Gro\u00dfmutter ja aus der Tschechei stammt, ein Begriff.<br \/>\nVon &#8220;Katharina und der Pfau&#8221; habe ich eine Leseprobe. In der&#8221;Alten Schmiede&#8221; beziehungsweise bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/07\/jugoslawija-revisited-ii\/\">&#8220;Jugoslawia Revisited&#8221;<\/a> habe ich ihn geh\u00f6rt.<br \/>\nDer Roman beginnt ganz altmodisch mit einem Erz\u00e4hler, der im Sommer 1975  in einer uralten k.u.k Strafanstalt der Stadt M., von dem Insassen Keber, der als Weltmann und Soldat, der die Welt bereiste, und vielerlei gesehen und in viele K\u00e4mpfe verwickelt war, geschildert wird, die Geschichte des Gef\u00e4ngnisaufstandes der Livada geschildert bekommt, die er mit dem j\u00fcdischen Aufstand und der Belagerung Masadas vermengt.<br \/>\nGanz idyllisch wird das geschildert. Von der Hotelterrasse nebenan klingen Musikkl\u00e4nge und der gro\u00dfe Keber hat nur zwei Macken, er kann keine obsz\u00f6nen Gesten, kein &#8220;Leck mich am Arsch&#8221;, sehen und h\u00e4lt das Scharren von Metalll\u00f6ffeln nicht aus, hat er doch st\u00e4ndig ein &#8220;Rauschen im Kopf&#8221;, so der Name der Geschichte und damit hat es in der Livada auch angefangen.<br \/>\nDenn da wurde ein Basketballspiel, Jugoslawien gegen Amerika \u00fcbertragen, das die H\u00e4ftlinge gerne sehen wollte. So handelte Keber mit dem &#8220;Alten&#8221;, das ist der Direktor und ein bed\u00e4chtiger Mann, aus, da\u00df nur drei Wachen dabei sein sollten, damit es auch gem\u00fctlich ist. W\u00e4rter Albert spielte nun mit seiner Waffe, provozierte damit Keber und als er noch den Fernseher abdrehen wollte, drehte der durch und schmi\u00df den Fernseher aus dem Fenster und so kam es zu dem Aufstand.<br \/>\nW\u00e4rter wurden als Gefangene genommen und Keber und sein Kumpan Johann mit dem Goldzahn marschierten in die Zelle des Buchhalters Alois Mraks, einen belesenen Mann, der den Gefangenen die Gesuche schreibt und machten ihn zum Sprachrohr und damit entglitten die Ereignisse, mit denen Dragor Jancar wohl zeigen wollte, da\u00df Revolten meistens oder auch immer in Terror und Unterdr\u00fcckung ausarten.<br \/>\nVergleiche mit der russischen Revolution und der &#8220;Animal Farm&#8221; werden in den Rezensionen angestimmt und Dragor Jancar erz\u00e4hlt den Verlauf der gescheiterten Revolution sehr langsam und bed\u00e4chtig in \u00fcber zweihundersechzig Seiten mit vielen R\u00fcckblicken und den allt\u00e4glichen Grausamkeiten eines Gef\u00e4ngnisalltages, die sehr bald entgleitet.<br \/>\nFrauen aus Kebers Leben, die Huren Katharaina und Mascha in Odessa und die Kellnerin Leonica in Ljubljana, von der sich Keber nicht ganz sicher ist, ob nicht Johann etwas mit ihr hatten, kommen in Kebers Gedanken vor und auch der j\u00fcdische Aufstand wird als Methapher immer wieder daneben gesetzt.<br \/>\nIn der Levada werden aber zuerst Forderungen aufgestellt, nach besseren Essen, besseren Haftbedingungen, besserer Hygiene, wogegen wahrscheinlich nichts zu sagen ist, Keber fordert aber auch die Wiederholung des Basketballspiels, worauf der Minister mit dem Alois Mrak verhandelt, zu lachen beginnt.<br \/>\nEine sch\u00f6ne Journalistin wird eingeschleust und Keber darf sich mit ihr unterhalten und als der Gef\u00e4ngnispsychologe, die Haftbedingungen der W\u00e4rter inspizieren soll, l\u00e4\u00dft man ihn nicht mehr hinaus. Alois Mrak rei\u00dft indessen bald die Macht mit sich, ein Denunizant macht sich zum Polizeiinspektor, die anderen H\u00e4ftlinge werden gequ\u00e4lt, mi\u00dfhandelt, gefoltert in der Friseurstube, in der ein Richterm\u00f6rder das Kommando hat.<br \/>\nAuch Keber wird bald die Macht entrissen, man mu\u00df sich anmelden, wenn man zum Direktor will, der philosophiert in der Nacht mit dem Gef\u00e4ngnispsychologen, bringt ihm das Saufen bei und verkauft die W\u00e4chter nach und nach gegen Essen, das nicht gerecht verteilt wird.<br \/>\nSo kommt es wie es kommen mu\u00df, Mrak gibt die Erlaubnis, da\u00df der Innenminister mit dem Hubschauber landen darf, drinnen war aber ein Sonderkommando und Mrak wird ganz genau, wie in der franhz\u00f6sischen Revolution von ihr aufgefressen.<br \/>\nRevolutionen lohnen sich nie und Aufst\u00e4nde geraten schnell in eine Diktatur, ist wahrschein das, was  Drago Jancar, der selbst einige Jahre wegen &#8220;feindlicher Proaganda&#8221; inhaftiert war, sagen will.<br \/>\nEin interessanter Roman schon wegen seiner Schreibweise und der bed\u00e4chtigen Art in der mit vielen Wiederholungen, das erz\u00e4hlt wird, was eigentlich schon auf den ersten Seiten klar ist.<br \/>\nAm Schlu\u00df geht es wieder an den Anfang, das hei\u00dft in das k.u.k Gef\u00e4ngnis der Stadt M. zur\u00fcck, wo Keber erz\u00e4hlt und die Band auf der gGegen\u00fcberliegenden Hotelterrasse ihr &#8220;Besa me mucho&#8221; &#8220;K\u00fc\u00df mich wild&#8221; spielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt gibt es die Besprechung von &#8220;Rauschen im Kopf&#8221;, dem Roman des 1948 in Maribor geborenen slowenischen Schriftstellers, Drago Jancar, der 1998 als bester slowenischer Roman ausgezeichnet wurde, bei Zsolnay erschienen ist, von der st\u00e4dtische B\u00fccherei ausgeschieden im Schrank landete, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27343\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-27343","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27343","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27343"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27343\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27343"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27343"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27343"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}