{"id":27240,"date":"2014-02-20T00:30:47","date_gmt":"2014-02-19T23:30:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=27240"},"modified":"2014-02-20T00:30:47","modified_gmt":"2014-02-19T23:30:47","slug":"kleine-kasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27240","title":{"rendered":"Kleine Kassa"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt was Aktuelles, aus der &#8220;Residenz-Fr\u00fchjahrsproduktion&#8221;, die mich immer so freundlich mit Rezensionsexemplaren versehen, n\u00e4mlich der Debutroman, des 1974 geborenen, in Berlin lebenden Martin Lechners.<br \/>\n&#8220;Ein atemloses Debut, das Provinzkom\u00f6die mit literarischer Virtuosit\u00e4t verbindet&#8221;, steht in Klappentext und das machte mich ein wenig ratlos, war die Geschichte des Lehrlings Georg, der da mit einem Koffer durch die Gegend stolpert, teilweise sehr bedr\u00fcckend und auch so turbulent, da\u00df ich M\u00fche hatte mitzukommen, um das, was da an einem Wochenende geschah zu verstehen und dann noch nach den Sinn zu fragen oder danach, ob das wirklich realistisch ist?<br \/>\nAber das soll und will Literatur gar nicht, das habe ich schon begriffen, sondern unterhalten, beziehungsweise mit sch\u00f6ner Sprache in eine andere Welt entf\u00fchren, etcetera.<br \/>\nDer Lehrling Georg R\u00f6hrs also, der laut Klappentext nicht der Schlauste ist, soll einen Koffer in die &#8220;Kleine Kassa&#8221; bringen, Schwarzgeld wahrscheinlich oder Sprengstoff, das wei\u00df man nicht so genau, er sitzt damit im Bus, beziehungsweise, steigt er aus diesem aus, weil er ein Plakat entdeckt, auf dem ein M\u00e4dchen Werbung macht, das ihn an seine gewesene Freundin Marlies erinnert und dann beginnt das Laufen, Rennen, Stolpern, das ihn das ganze Wochenende in Atem halten und sein Leben durcheinander bringen wird. Denn er vers\u00e4umt dadurch die Zeit, in der den Koffer abgeben soll, zieht ihn durch ein Feld, entdeckt dabei eine Leiche und wird von einem Feldh\u00fcter entdeckt, auf dessen Mofa er dann in ein Gasthaus fl\u00fcchtet, wo er Abendessen will. Schnaps trinkt er auch, die Tochter des Wirtes verf\u00fchrt ihn in ein Zimmer, der Feldh\u00fcter erscheint,  erz\u00e4hlt die Geschichte und fotografiert ihn, so da\u00df Georg in ein anderes Dorf fl\u00fcchtet, den Koffer l\u00e4\u00dft er vorerst, glaube ich, in dem Gasthaus stehen, sowie seine Schuhe. Er hebt aber vom Bankomaten seine Ersparnisse ab, geht zu einem Friseur, um sich Dreadlocks machen zu lassen, um nicht erkannt zu werden. Der nimmt ihn aus, und Georg hastet, fl\u00fcchtet, stolpert weiter, ger\u00e4t dabei in seine Vergangenheit, erz\u00e4hlt von seiner Mutter, seinem Vater, hat Pahantasien wann und wie er er seinem Chef den Koffer wieder zur\u00fcckgeben wird, h\u00e4lt auch gro\u00dfschnauzige Reden, wird von einem Schulkollegen angegriffen, und so weiter und so fort.<br \/>\nDann geht er mit dem Koffer in ein Hotelzimmer, wo er dieselben Schwierigkeiten hat. Jetzt wird er f\u00fcr den M\u00f6rder des Toten auf dem Feld, von dem man nur den Namen &#8220;Robert&#8221; erf\u00e4hrt und nicht, wie er dorthingekommen ist, gehalten. Georg nennt sich in dem Hotel und bei Nore, der Wirtstochter so. Er fl\u00fcchtet wieder, kauft sich Schuhe, trinkt Schnaps, landet im dritten Kapitel dann in einem Einkaufswagen, wo er von Obdachlosen geschoben wird. Er verkommt \u00e4u\u00dferlich auch immer mehr, f\u00fchrt aber ein Radio mit sich und nat\u00fcrlich auch den Koffer, besucht den Vater und einen Freund, der Zivildiener in einer psychiatrischen Klinik ist, kommt dann wieder zur\u00fcck zu Nore, die ihm eine Schere gibt, mit der schneidet er sich den Zopf wieder ab, um sich seinen Traum zu erf\u00fcllen und aus der Enge der Provinz in ein Hotel am Meer zu fahren, wo er Liftboy werden will.<br \/>\nDas hat mich teilweise, wie erw\u00e4hnt sehr bedr\u00fcckt, habe ich doch Schwierigkeiten mit den &#8220;Hans in Gl\u00fcck- Geschichten&#8221;, wo die Helden von vornherein keine Chance haben.<br \/>\nAn den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/20\/der-hundertjahrige-der-aus-dem-fenster-stieg-und-verschwand\/\">&#8220;Hundertj\u00e4hrigen der aus dem Fenster stieg<\/a>&#8220;, hat es mich erinnert, denn der fhrt ja auch mit einem Schwarzgeldkoffer durch die Gegend und an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/08\/paradiso\/\">Thomas Klupp &#8220;Paradiso&#8221;<\/a>.<br \/>\nAm Titelbild sieht man auch eine Landstra\u00dfe, die an ein Roadmovie denken l\u00e4\u00dft, aber Georg hastet ja haupts\u00e4chlich durch Felder, beziehungsweise umkreist er die heimatlichen D\u00f6rfer und ist am Ende gar nicht der Verlierer, als der er scheint? Er kommt ja immer zur\u00fcck, um den Koffer zu holen oder entkommt den ausweglos erscheinenden Situationen, mit den vielen Angreifern, die sich auf ihn st\u00fcrzen.<br \/>\nAn Evelyn Grills <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/09\/winterquartier\/\">Provinzgeschichten<\/a> erinnert es mich auch und an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=12.+Februar\">Thomas Bernhard<\/a>, was in Tagen, wie diesen nicht sehr schwierig ist, so da\u00df ich sehr gespannt bin, auf die Eindr\u00fccke der anderen, die es noch zu lesen gilt.<br \/>\nIm Netz ist derzeit nicht sehr viel \u00fcber Martin Lechner zu finden, dessen Buch erst vor ein paar Tagen erschienen ist. Es gibt einen Trailer, der auch nicht viel weiterhilft und eine Lesuung vor ein paar Tagen in Berlin, die ich nat\u00fcrlich vers\u00e4umte.<br \/>\nGeorg Klein hat das Buch &#8220;einen abenteuerlichen schmerzens\u00fc\u00dfen Heimatroman&#8221; genannt. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich ihm zustimmen soll, habe aber einen neuen, mir bisher unbekannten Autor kennengelernt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt was Aktuelles, aus der &#8220;Residenz-Fr\u00fchjahrsproduktion&#8221;, die mich immer so freundlich mit Rezensionsexemplaren versehen, n\u00e4mlich der Debutroman, des 1974 geborenen, in Berlin lebenden Martin Lechners. &#8220;Ein atemloses Debut, das Provinzkom\u00f6die mit literarischer Virtuosit\u00e4t verbindet&#8221;, steht in Klappentext und das &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=27240\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-27240","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27240","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27240"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27240\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27240"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27240"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27240"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}