{"id":26885,"date":"2014-02-07T00:12:07","date_gmt":"2014-02-06T23:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26885"},"modified":"2014-02-07T00:12:07","modified_gmt":"2014-02-06T23:12:07","slug":"jessica-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26885","title":{"rendered":"Jessica, 30"},"content":{"rendered":"<p>Durch den offenen B\u00fccherschrank und der literarischen Soiree des Radio-Kulturcafe bin ich auf dem Weg eine Streeruwitz-Expertin zu werden, vorher war mir die 1950 in Baden geborene Autorin immer etwas zu theoretisch und zu abstrakt, beziehunsweise zu intellektuell, so da\u00df ich ihre Argumente nicht immer nachvollziehen konnte.<br \/>\nJetzt habe ich die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/01\/die-schmerzmacherin\/\">&#8220;Schmerzmacherin&#8221;<\/a> gelesen, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/08\/lisas-liebe\/\">&#8220;Lisas Liebe&#8221;<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/18\/majakowskiring\/\">&#8220;Majakowskring&#8221;<\/a> und vorher schon \u00fcber das Internet den sogenannten &#8220;Wahlkampfroman&#8221;.<br \/>\n&#8220;Jessica,30&#8221;, 2004 erschienen, auch ein Fund aus dem &#8220;Wortschatz&#8221; ist leichter zu lesen und verst\u00e4ndlicher, als die &#8220;Schmerzmacherin&#8221; beispielsweise, bei der die obigen Argumente auch zutrafen. Dieser Monolog einer jungen Frau, die durch den Prater rennt, dabei st\u00e4ndig ans Essen, an den Sex und auch noch an literarische Theorien denkt, die sie im Kopf hat, liest sich sehr leicht herunter und der Entstehungsprozess ist mir als politisch engagierte Wienerin auch nicht unbekannt.<br \/>\nHabe ich 2000 in der &#8220;Viertagebuchfrau&#8221; ja auch einen Roman \u00fcber die ersten hundert Tage von schwarz-blau <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/buecher.html\">geschrieben<\/a> und die Monologform ist mir auch nicht unbekannt, auch wenn ich gerne zugeben, da\u00df das Marlene Streeruwitz vielleicht etwas flotter als mir gelingt.<br \/>\nJessica Sommer rennt also durch den Prater, sie joggt vor ihrem Volontariat in einer Frauenzeitschrift, die, wie mich Wilkipedia belehrte &#8220;News&#8221; oder &#8220;Woman&#8221; sein d\u00fcrfte, ich gebe aber zu, da\u00df ich diese Zeitschriften auch schon mal gelesen habe und ist gepr\u00e4gt von Schuldgef\u00fchlen, weil sie vorher eine Packung M\u00f6wenpic-Eis mit viel Schlagobers verzehrte und zwischendurch auch immer wieder resumiert, ob sie nach dem Joggen und bevor sie der Chefin Claudia ihre Konzepte unterbreiten wird, Sphagetti mit Butter und Parmesan oder doch lieber den ges\u00fcnderen Salat verzehren soll?<br \/>\nSie schreibt in ihrem Volontariat, Jessicia hat Germanistik und Philosophie studiert und ist in den Zeiten des Praktikums, die es offenbar schon 2004 gab, noch von ihren Eltern abh\u00e4ngig, Serien \u00fcber Sex und an den denkt sie auch st\u00e4ndig.<br \/>\nDa gab es eine Wohngemeinschaft mit zwei Freundinnen in der Josefst\u00e4dterstra\u00dfe, jetzt wohnt Jessica allein und hat eine Beziehung zu einem \u00d6VP-Politiker, das Buch spielt in der zweiten Auflage von &#8220;schwarz blau&#8221; und Marlene Streeuwitz ist eine sehr pointierte und politische Autorin.<br \/>\nJessica rennt also und denkt, ist st\u00e4ndig mit sich unzufrieden, dann f\u00e4hrt sie mit ihrem Auto nach Hause, um schnell zu duschen, bevor sie zur Redaktionssitzung geht.<br \/>\nDann ist der erste Teil des inneren Monologs vorbei und in einem zweiten Kapitel ist Jessica schon zu Hause und wartet auf Gerhard den \u00d6VP-Politiker, verheiratet Vater von zwei Kinder, der immer erst nach seinen Sitzung zu ihrkommt und der hatte etwas mit ihrer Freundin Mia, beziehungsweise ist die dabei ein Buch \u00fcber seine Sado-Maso-Praktiken, wie er sie ans Bett fesselte, beispielsweise, zu schreiben und Jessica resumiert dar\u00fcber. Dann kommt der Gerhard mit einem veganen W\u00fcrstel, das sie ihm in der Mikrowelle erhitzen soll und bekommt w\u00e4hrend des Sex mit ihr einen Anruf von seiner Frau, der er etwas vorliegt, um Jessica seinen Penis in den Mund zu stopfen, worauf sie ihn nach seinen Sexualpraktiken befragt und ihn von Mias Enth\u00fcllungen erz\u00e4hlt.<br \/>\nIm dritten Teil sitzt sie im Flugzeug nach Hamburg um einem &#8220;Stern-Reporter&#8221; ihre Recherchen zum Fall Hollitzer zu \u00fcberbingen. Es gab da eine Sex-Orgie im &#8220;Panhans&#8221; mit slowakischen Prostituierten und denkt auch da an allerhand, wie zum  Beispiels ans Begr\u00e4bnis ihres Oknels, dem Fl\u00f6tenspiel der Frau Ex-Minister Gehrer und in welchen Sitzbez\u00fcgen man die Essensflecken weniger bemerkt. Kommt vom Hundersten ins Tausenste und in Hamburg vielleicht endlich mal zu einer festen Stelle, obwohl die ja auch sicher nur mehr mit Praktikanten arbeiten.<br \/>\n&#8220;Eine e\u00dfgest\u00f6rte, modegeile dumme Tussie diese Jessica!&#8221;, k\u00f6nnte man vielleicht sagen und &#8220;Ach, wie dumm sind doch die modernen Frauen, da bin ich doch viel intellektueller (und ich habe einmal an Uschi Fellner einen Brief geschrieben, wo ich mich \u00fcber sie vielen spitzen Schuhe, die in ihrer Zeitung gezeigt wurden aufregte und keine Antwort bekommen)!&#8221;<br \/>\nMan hat aber trotzdem in aller Streeruwitzischer \u00dcberh\u00f6hung und \u00dcbertreibung einen spannenden Roman \u00fcber das Leben in \u00d6sterreich Anfang 2000 gelesen und einen Einblick in das politische und gesellschaftliche Klima dieser Zeit bekommen, kann vergleichen, was sich seither verschlechtert oder verbessert kann und so kann ich dieses Buch sehr empfehlen und freue mich auch schon auf das n\u00e4chste &#8220;Nachkommen&#8221;, das bei S. Fischer im Juni erscheinen soll und bin gespannt wann und wo es zu mir kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch den offenen B\u00fccherschrank und der literarischen Soiree des Radio-Kulturcafe bin ich auf dem Weg eine Streeruwitz-Expertin zu werden, vorher war mir die 1950 in Baden geborene Autorin immer etwas zu theoretisch und zu abstrakt, beziehunsweise zu intellektuell, so da\u00df &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26885\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26885","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26885","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26885"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26885\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26885"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26885"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26885"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}