{"id":26785,"date":"2014-02-01T00:13:39","date_gmt":"2014-01-31T23:13:39","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26785"},"modified":"2014-02-01T00:13:39","modified_gmt":"2014-01-31T23:13:39","slug":"hordubal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26785","title":{"rendered":"Hordubal"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein Buch aus dem B\u00fccherschrank meiner Eltern, in dem sich ja wahre Gustost\u00fcckerln der B\u00fcchergilde Guteberg, befanden. Karel Capeks &#8220;Hordubal&#8221;, Erscheinungsjahr gibs keines, das Buch ist aber laut Wikipedia, 1933 sowohl auf Tschechisch als auch auf Deutsch herausgekommen und noch in der alten Schrift gedruckt, dazu gibts sch\u00f6ne Illustrationen und die Geschichte in drei B\u00fcchern, die auch der erste Teil einer Trilogie ist, die, glaube ich, auch noch zu bekommen ist, ist wahrlich sehr beklemmend.<br \/>\nDer Surrealismus der Drei\u00dfigerjahre in dem da der 1890 Geborene, der als einer der bedeutensten tschechischen Dichter gilt, da das Leben in einem Dorf an der ukrainischen Grenze beschreibt, war f\u00fcr mich sehr schwer auszuhalten.<br \/>\nVor allem was das erste Buch betrifft, dann wird der Alltag des b\u00e4uerlichen Familienlebens realistischer in einer Kriminalhandlung und anschlie\u00dfender Gerichtsverhandlung erz\u00e4hlt, die aber auch sehr eindringlich ist.<br \/>\nHordubal kommt nach acht Jahre Arbeit in Amerika froh und gl\u00fccklich in das Dorf zur\u00fcck, die Frau und das Kind warten und freuen sich, glaubt er, er hat auch schon sch\u00f6ne Geschenke f\u00fcr sie, f\u00fcr das T\u00f6chterlein einen Teddyb\u00e4r, mitgebracht, wird aber h\u00f6chst unfreundlich aufgenommen. Denn da gibt es den Knecht Stefan, zu dem das T\u00f6chterlein Onkel sagt, w\u00e4hrend es den Vater kaum zu erkennen scheint. Die Frau will Geld von ihm, hat seine Felder verkauft, daf\u00fcr Pferde angeschafft und weigert sich auch mit Hordubal zu schlafen und er nimmt das alles hin und versucht sich in scheinbar unverst\u00e4ndlichen Handlungen zu wehren.<br \/>\nSo wird im erste Teil in einem \u00e4u\u00dferst beklemmenden Monolog geschildert, wie Hordubal hofft und deutet, ins Wirtshaus geht, dort auch nicht erwartet wird, keiner scheint ihn zu erkennen, obwohl man sp\u00e4ter erf\u00e4hrt, da\u00df die Nachbarn ohnehin \u00fcber sehr viel Bescheid wu\u00dften, sp\u00e4ter fordern sie ihn auf, den Knecht hinauszuwerfen, weil er es mit Polana getrieben hat.<br \/>\nHordubal tut das auch, holt ihn aber zur\u00fcck, weil sich die Frau offenbar geweigert hat, den Haushalt zu erledigen, so da\u00df er alles selber machen mu\u00dfte. Er will dann auch das T\u00f6chterlein mit Stefan verheiraten und gibt ihm Geld daf\u00fcr. Dann will er ihn wieder loswerden, st\u00f6\u00dft ihn \u00fcber einen Zaun, was in dem Dorf als Schande gilt. Er geht weg, verkauft ein Pferd, Stefans Stolz, sehr schlecht, sucht Arbeit, die er nicht findet, macht ein Testament zu Polana Gunsten und liegt dann krank im Stall oder in der Stube und wird am n\u00e4chsten Morgen tot aufgefunden.<br \/>\n&#8220;Man hat Juray Hordubal ermordet!&#8221;, beginnt so auch das zweite Buch. Da wird es realistischer, die Gendarmen treten auf, ein junger und ein alter. Der Junge will alles aufkl\u00e4ren, der alte philosophiert vom Mord in der Familie der etwas ganz Nat\u00fcrliches ist.<br \/>\nErst jetzt wird klar, Polana ist im achten Monat schwanger, Hordubal aber erst f\u00fcnf zur\u00fcck. Stefan wird verhaftet, es kommt im dritten Teil zu der Gerichtsverhandlung, die auch \u00e4u\u00dferst beklemmend geschildert wird.<br \/>\nDie Tatwaffe war eine Korbflechtnadel, der Gutachter aus Prag behauptet aber es w\u00e4re eine Pistole gewesen, vielleicht weil er von den d\u00f6rflichen Mordmethoden keine Ahnung hat und der Arzt behauptet, Hordubal w\u00e4re an einer Lungenentz\u00fcndung ohnehin schon sehr bald gestorben. Also sollte man den Mord vertuschen, um dem Kindchen nicht die Mutter zu nehmen. Das wird aber nicht, die Nachbarn kommen, sind b\u00f6se auf die Ehebrecherin, Hafia sagt in aller Unschuld aus, sie h\u00e4tte die Mutter bei dem Onkel gesehen und bekommt daf\u00fcr \u00c4pfel und Eier geschenkt, (welch Schuldgef\u00fchle wird sie sp\u00e4ter m\u00f6glicherweise haben), die Advokaten versuchen ihre Mandaten zu verteidigen. Hordubal hat sogar einen Zeugen geschickt, um die Unschuld seiner Frau zu bekr\u00e4ftigen, Stefan nimmt die Schuld auf sich und am Schlu\u00df wird er lebensl\u00e4nglich, Polana zu zw\u00f6lf Jahren verurteilt und der letzte Satz lautet dann noch Lapidar, da\u00df &#8220;das Herz des Juray Hordubal (das die Gerichtsmediziner noch untersuchen wollten) ist irgendwo verlorendgegangen und niemals bebraben worden.&#8221;<br \/>\nWirklich sehr beklemmend, das Buch von dem mir bisher unbekannten Dichter, in dem auch mehrmals das Wort &#8220;Robot&#8221; f\u00fcr Arbeit steht und in Wikipedia habe ich gelesen, da\u00df sein Bruder, das Wort Roboter erfunden haben soll.<br \/>\nKarel Capek hat bis in die Drei\u00dfigerjahre sehr viel geschrieben. Ein Buch aus den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken habe ich von ihm auch noch auf der Leseliste und ist 1938 an Lungenentz\u00fcndung gestorben, da er sich, als die Nazis kamen, weigerte, weiter Nahrung zu sich zu nehmen, was ja auch sehr ungew\u00f6hnlich ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein Buch aus dem B\u00fccherschrank meiner Eltern, in dem sich ja wahre Gustost\u00fcckerln der B\u00fcchergilde Guteberg, befanden. 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