{"id":26583,"date":"2014-01-24T00:00:41","date_gmt":"2014-01-23T23:00:41","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26583"},"modified":"2014-01-24T00:00:41","modified_gmt":"2014-01-23T23:00:41","slug":"ich-bin-kein-berliner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26583","title":{"rendered":"Ich bin kein Berliner"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Ein Reisef\u00fchrer f\u00fcr faule Touristen&#8221; des 1967 in Moskau geborenen Wladimir Kaminer, der mit seiner &#8220;Russendisko&#8221;, Fernsehauftritten, Beitr\u00e4gen in Zeitschriften und B\u00fcchern, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht &#8220;zum Bekanntesten Berliner&#8221; geworden ist.<br \/>\nIch kenne den Namen, glaube ich, aus &#8220;Leipzig&#8221;, da gab es einmal eine Probe-CD, ob aus der &#8220;Russendisko&#8221; oder aus einem anderen Buch, wei\u00df ich nicht mehr, aber in den B\u00fccherschr\u00e4nken findet man \u00f6fter seine B\u00fccher, die offenbar auch nach Wien finden.<br \/>\nSo haben sich auf meinen Leselisten schon einige angesammelt.<br \/>\n&#8220;Sch\u00f6nhauser Alle&#8221; ist das n\u00e4chste, das ich lesen werde. Jetzt einmal das 2007 erschienene &#8220;Ich bin kein Berliner&#8221;, das zwei B\u00e4ren mit Bierkr\u00fcgen am Titelbild zeigt und ich kann mich auch auf eine Diskussion im Literaturhaus anl\u00e4\u00dflich einer &#8220;Fried-Tagung&#8221; erinnern, wo nach russischen Schriftstellern gefragt und lebhaft bestritten wurde, da\u00df Kaminer, der ja auf Deutsch und \u00fcber Berlin schreibt, ein solcher w\u00e4re.<br \/>\nEr scheint auch so zu sehen, denn  im Kapitel &#8220;Zeitzonen&#8221;, schreibt er, da\u00df er seit f\u00fcnf Jahren den Job eines deutschen  Schriftstellers macht und jedesmal bei Lesungen in der Provinz gefragt wird, warum er nicht auf Russisch schreibt?<br \/>\n&#8220;Weil hier niemand Russisch versteht!&#8221;, das Publikum w\u00fcrde das aber trotzdem anders sehen und ihm Wodka auf das Lesepult stellen.<br \/>\nAber zur\u00fcck zum Anfang, beziehungsweise zum Inhaltsverzeichnis der Berlintour, die man von zu Hause, in seinem Lesezimmer, in der Badewanne oder Bett machen kann.<br \/>\nDa beginnt es, wie kann es anders sein, bei der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde, wo man seine Gr\u00fcnde angeben mu\u00df, warum man &#8220;Deutschland als Reiseziel&#8221; gew\u00e4hlt hat.<br \/>\n&#8220;Wegen der deutschen Kultur und Sprache&#8221;, schreibt so ein Asylwerber, die anderen schreiben von ihm ab und bekommen ein Zweimonatsvisum und Wladimir Kaminer ist in dem Land, beziehungsweise in der einstmals geteilten Stadt geblieben, lebt hier mit Frau und Kinder, macht f\u00fcrs ZDF Sendungen f\u00fcrs Fr\u00fcchst\u00fcckfernsehen, wo er sich vor die Kamera in den Tierpark stellt und sagt &#8220;Wir sind heute im Tiergarten, hinter mir sehen Sie die Elefanten!&#8221;<br \/>\nDa gab es aber auch einmal die Mauer und die wollen die Touristen sehen, obwohl es die schon l\u00e4ngst nicht mehr gibt, bzw. man  h\u00f6chstens am ehemaligen Checkpoint Charly in einem S\u00e4ckchen St\u00fcckchen davon mit der Aufschrift &#8220;Made in China&#8221; kaufen kann.<br \/>\nNicht Kaminer-Kennen merken jetzt, worauf das Buch hinaufl\u00e4uft, trotzdem gibt es hinter jeden Kapitel, einen &#8220;Tipp&#8221;, beim ersten Kapitel beispielsweise, da\u00df man sich den Alexanderplatz, das Polizeipr\u00e4sidium und die &#8220;Besenkammer&#8221; ansehen kann.<br \/>\nEinen Anhang mit Erl\u00e4uterungen ohne Gew\u00e4hr gibt es hinten auch und so geht es los und Kaminer erz\u00e4hlt auch viel von den Touristen, die in Berlin herumgekarrt werden, die Japaner haben es ihm besonders angetan, die gehen in die Kneipen, lassen sich ein Eisbein mit Sauerkraut bringen, sich damit fotografieren und schicken es dann wieder zur\u00fcck.<br \/>\nEs gibt aber auch die Berliner Gro\u00dfereignisse, wie die &#8220;Berlinale&#8221; und die &#8220;Gr\u00fcnen Wochen&#8221;, wohin er mit seiner Familie regelm\u00e4\u00dfig geht, im Russenpavillon nichts zu essen findet, das bei dem der Ukrainer nachholt und auch immer einen Whirlpool bestellen soll.<br \/>\nDas Berliner Literaturfestival, das sehr ber\u00fchmt sein soll, wird auch kurz erw\u00e4hnt.<br \/>\nDann geht es weiter mit dem Berliner Dialekt und dem Shoppen.<br \/>\nDie Berliner wollen st\u00e4ndig was verkaufen, schreibt er einige Kapitel sp\u00e4ter und erz\u00e4hlt von zwei M\u00e4dchen, die ihm auf einer Parkbank fragten, ob er eine Freundin h\u00e4tte und dann  Nivea-Creme-Dosen aus einem Sack auspackten und meinten, er w\u00fcrde ihr sicher was mitbringen wollen?<br \/>\nDie Kneipen werden beschrieben, da gibt es den &#8220;Zwiebelfisch&#8221;, das &#8220;Kaffee Burger&#8221;,  das &#8220;Cafe Silver&#8221; und das &#8220;Yorckschl\u00f6sschen&#8221;.<br \/>\nIn &#8220;Berlin-eine Theaterhauptstadt&#8221; schreibt er von seinen Erfahrungen als Off-Theaterspieler. Der Sport wird beschrieben und das &#8220;Feilschen in Berlin.&#8221;<br \/>\nInsgesamt dreiunddrei\u00dfig Kapiteln in dem man im Schnelldurchgang, die ehemals geteilte Stadt aus der Sicht eines geborenen Moskauers erleben kann, der auch immer sehr viel von der russischen Seele und ihren Kleidungsgewohnheiten, zum Beispiel erz\u00e4hlt. Die Russinnen in Berlin erkennt man, meint er, gleich an ihren Pelzen und ihrem Make-up, w\u00e4hrend sich die Berliner Frauen und auch die M\u00e4nner immer viele Schichten \u00fcbereinander anziehen und gern bei H und M einkaufen w\u00fcrden.<br \/>\nIm Kapitel \u00fcber &#8220;Dichter in Berlin&#8221; zitiert er Majakowski und f\u00fchrt einige seiner Gedichte an, die seiner Meinung nach auf das Berliner Lebensgef\u00fchl hinweisen.<br \/>\nAls Tipp wird die &#8220;B\u00fccherstadt in W\u00fcnsdorf bei Zossen&#8221; angef\u00fchrt, &#8220;wo man aus dem ehemaligen Hauptquartier erst der kaiserlichen, dann der nationalsozialistischen und dann der sowetischen Armee einen Antiquriats-Supermarkt gemacht hat.&#8221;<br \/>\nDie &#8220;Berliner Kinder&#8221; haben auch ein eigenes Kapitel und Kaminer meint, da\u00df es dort sehr viele und daher auch viele Kinderw\u00e4gen in den Hausfluren geben w\u00fcrde und &#8220;Berliner Hochzeiten&#8221; inzwischen, weil die Berliner selber nicht mehr soviel heiraten w\u00fcrden, vorwiegend Mischehen, &#8220;schwarze junge M\u00e4nner mit \u00e4lteren Berlinnerinnen oderpickelgesichtige Jungs mit Thail\u00e4nderinnen&#8221;, beispielsweise, wo dann das &#8220;Ehef\u00e4higkeitszeignis&#8221; gefordert wird, um die Scheinehen auszuschlie\u00dfen und sich der Kreis schlie\u00dft und wir wieder bei den Einwanderungsbeh\u00f6rden angekommen sind.<br \/>\nAm Ende gibt es aber Wladimir Kaminer erste &#8220;B\u00fcrgermeisterkanditatsrede&#8221;.<br \/>\nDann kann man sich, wenn man die Stadt bereisen will, im Anhang umsehen. Ich habe das ein paar Mal getan, zuerst 1985 noch zu DDR-Zeiten, dann 1990, als es die noch gab, aber die Mauer schon durchl\u00e4ssig war und das letzte Mal 1992, wo ich einen Psychologenkongre\u00df besuchte und bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/18\/larchenau\/\">Kerstin Hensel<\/a>, im Osten in der Linienstra\u00dfe, wohnte.<br \/>\nInzwischen wird sich viel ge\u00e4ndert haben, so da\u00df ein Auffrischkurs von Wladimir Kaminer gut tun kann, so freue ich mich schon auf die &#8220;Sch\u00f6nhauser Alle&#8221; wenn ich mich durch das englischsprachige &#8220;Zoli&#8221; durchgelesen haben werde, verweise auf <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/01\/herr-lehmann\/\">Sven Regners &#8220;Herr Lehmann&#8221;<\/a> und nat\u00fcrlich auf die beiden &#8220;unw\u00fcrdigen&#8221; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/09\/28\/unnutzes-wien-wissen\/\">Wien<\/a>&#8211;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/29\/wien-wie-es-wirklich-scheint\/\">Reisef\u00fchrer<\/a>, die vielleicht vergleichbar sind und die ich im Vorjahr gelesen habe.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Ein Reisef\u00fchrer f\u00fcr faule Touristen&#8221; des 1967 in Moskau geborenen Wladimir Kaminer, der mit seiner &#8220;Russendisko&#8221;, Fernsehauftritten, Beitr\u00e4gen in Zeitschriften und B\u00fcchern, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht &#8220;zum Bekanntesten Berliner&#8221; geworden ist. Ich kenne den Namen, glaube ich, aus &#8220;Leipzig&#8221;, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26583\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26583","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26583","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26583"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26583\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26583"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26583"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26583"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}