{"id":26561,"date":"2014-01-15T00:20:08","date_gmt":"2014-01-14T23:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26561"},"modified":"2014-01-15T00:20:08","modified_gmt":"2014-01-14T23:20:08","slug":"tabu-bruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26561","title":{"rendered":"TABU: Bruch"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich am Dienstag in die &#8220;Alte Schmiede&#8221; zu den &#8220;Textvorstellungen&#8221; mit Irene Wondratsch, Harald Schwinger und Peter J. Gnad, moderiert von Renata Zuniga gehen, dann habe ich aber gesehen, da\u00df es im Literaturhaus eine Veranstaltung mit Seher Cakir, Sabine Gruber und Julya Rabinowich gab und da ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/18\/schon-wieder-einer-tot\/\">&#8220;Schon wieder einer tot&#8221;<\/a> schon gelesen habe, habe ich umdisponiert und  &#8220;TABU:Bruch \u00dcberschreitungen von K\u00fcnstlerinnen&#8221;, eine Veranstaltung des Elfriede Jelinek Forschungszentrums klang auch sehr interessant. Eine junge Dame erl\u00e4uterte die Veranstaltung, von der es ein Internetportal mit inzwischen vielen Texten gibt: jelinektabu:univie.ac.at und die in drei Teilen stattfindet.<br \/>\nDer erste Teil eine Videokonferenz ist schon gelaufen, der dritte folgt im April im Literaturhaus und ist ein \u00dcbersetzersymposium, das sich mit Elfriede Jelineks &#8220;Lust&#8221; befassen wird, ein Buch, das noch heuer auf meiner Leseliste steht und zum zweiten Teil wurden die drei erw\u00e4hnten Autorinnen eingeladen, die gemeinsam haben, da\u00df sie nicht in \u00d6sterreich geboren sind und zu den weiblichen Tabus, den Grenz\u00fcberschreitungen und den Sanktionen befragt.<br \/>\nDie 1971 in Istanbul geborene und seit 1983 in Wien lebende Seher Cakir, die einen der &#8220;Exil-Preise&#8221; gewonnen hat, mehrmals das Staatsstipendium bekam und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/03\/ich-bin-das-festland\/\">zwei<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/22\/zitronenkuchen-fur-die-sechsundfunfzigste-frau\/\">B\u00fccher<\/a> in der &#8220;Edition Exil&#8221; ver\u00f6ffentlichte, die ich gelesen habe, begann und nannte die Sexualit\u00e4t und die Homosexualit\u00e4t als Tabu.<br \/>\nDie Jungfr\u00e4ulichkeit der t\u00fcrkischen Frauen, die Ehrenmorde und, da\u00df es in der T\u00fcrkei im Sommer diskutiert wurde, ob M\u00e4nner und Frauen zusammen in Studentenheimen oder WGs wohnen d\u00fcrfen, w\u00e4hrend man jetzt Atat\u00fcrk \u00f6ffentlich kritisieren d\u00fcrfte und als eigenen Tabubruch nannte sie, da\u00df sie \u00fcber alle Themen schreibe und die Sanktion w\u00e4re, da\u00df schon mal Leute ihre Lesungen verlassen h\u00e4tten.<br \/>\nDie 1963 in Meran geborene Sabine Gruber, die ich \u00f6ftermal bei Lesungen sehe, folgte und nannte neben der Sexualit\u00e4t und der Religion auch politische Tabus, bezog sich da auf ihren Roman &#8220;Stillbach&#8221; und hatte einige Autoren befragt, wo sie Tabus sehen. Die Leute sehen eher keine und Sabine Gruber outete ihren Kontostand, \u00fcber ihre sexuellen Vorlieben w\u00fcrde sie nicht sprechen und in der Literatur nicht die Biografien anderer preisgeben.<br \/>\n Dann kam Julya Rabinowitsch, 1970 in St. Petersburg oder Leningrad geboren, auch durch die &#8220;Edition Exil&#8221; bekanntgeworden und in der letzten Zeit zum literarischen Star aufgestiegen, die sich mit einem roten Stern an ihrem schwarzen Kleid, gleich einmal deklarierte, da\u00df jetzt das Unapettitlichste k\u00e4me, n\u00e4mlich &#8220;Lost in Menstruation&#8221; und dann davon las, wie peinlich der rote Fleck an Kleid und Hose w\u00e4re und wie sehr er Frauen behindern w\u00fcrde.<br \/>\nSie w\u00e4re deshalb schon einmal bei einer Lesung sitzen geblieben, weil sie sich nicht aufzustehen getraut h\u00e4tte. Das zweite Tabu war die Abtreibung, da habe ich nicht verstanden, wo da das Tabu ist? Ist sie doch sowohl in \u00d6sterreich als auch in Russland erlaubt und man kann sie, so wie ich, als Gewalt am Kind empfinden und daher ablehnen und stattdessen verh\u00fcten. In Russland wurde sie, meinte Julya Rabinowitsch als Verh\u00fctungsmethode sehr h\u00e4ufig, aber sehr gewaltvoll betrieben.<br \/>\nDann gabs eine Diskussion, die Pia Janke leitete, da wurden die einzelnen Aspekte dieser Fragen besprochen.<br \/>\nSabine Gruber meinte, sie k\u00f6nne als Schriftstellerin nicht \u00fcberall hingehen und recherchieren und sich auch nicht abends alleine in eine Bar setzen, ohne angequatscht zu werden. In Wien k\u00f6nne man im siebenten Bezirk gleichgeschlechtlich H\u00e4ndchen halten, im zehnten wahrscheinlich nicht mehr und in Istanbul w\u00fcrden T\u00fcrken gefragt, wenn sie in ein Hotel gehen, ob sie verheiratet sind? In Russland ist es mit der Homosexualit\u00e4t derzeit \u00fcberhaupt sehr schlecht, wie man t\u00e4glich in den Medien h\u00f6ren kann.<br \/>\nEin Mann meldete sich und meinte, da\u00df manche Tabus zum Schutz der Frau w\u00e4ren und griff dann den roten Stern an, den er offenbar als Provokation empfand.<br \/>\nDie Veranstaltung war sehr gut besucht, viele Leute, vorwiegend Frauen, die ich nicht kannte.<br \/>\nEs waren aber auch Rudi Pollak, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/28\/der-kalte\/\">Robert<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/27\/geburtig\/\">Schindel<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/08\/die-zeit-und-wir\/\" title=\"Die Zeit und\u00a0wir\">Christel Greller<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/12\/krause-haare\/\">Anita C. Schaub<\/a>, etc. da.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich am Dienstag in die &#8220;Alte Schmiede&#8221; zu den &#8220;Textvorstellungen&#8221; mit Irene Wondratsch, Harald Schwinger und Peter J. 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