{"id":26546,"date":"2014-01-19T00:02:59","date_gmt":"2014-01-18T23:02:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26546"},"modified":"2014-01-19T00:02:59","modified_gmt":"2014-01-18T23:02:59","slug":"ein-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26546","title":{"rendered":"Ein Kind"},"content":{"rendered":"<p>Das zweite Buch aus der Abverkaufskiste der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/01\/vom-frauenzimmer-zur-chick-lit\/\">Buchhandlung Reichmann<\/a> ist ein sehr ber\u00fchmtes, n\u00e4mlich Thomas Bernhards Autobiografie, die einem der Freunde der Anna sehr gefallen hat.<br \/>\nMir auch, denn der ber\u00fchmte Dichter hat ja eine sehr klare Sprache und das was er da von seiner Kindheit berichtet, ist auch sehr beeindruckend, wenn ich auch anl\u00e4\u00dflich eines Bernhardjahrs einmal einen Germanisten sagen h\u00f6rte, da\u00df er da in Holland nicht wirklich in einer H\u00e4ngematte am Meer gelegen h\u00e4tte. Die typischen Bernhardschen Sprachwenungen, &#8220;das F\u00fcrchterlichste vom F\u00fcrchsterlichsten&#8221; kommen auch gelegentlich vor, sind aber in der Dichtheit der Erz\u00e4hlung als nicht so schlimm zu lesen.<br \/>\nWieder einmal eine Autobiografie. die mir gef\u00e4llt, die vom MRR hat es ja auch getan. Ich bin, wie schon beschrieben, kein unbedingter Bernhard-Fan, auch wenn ich vor zwanzig drei\u00dfig Jahren seine Romane, wie &#8220;Holzf\u00e4llen&#8221; oder &#8220;Alte Meister&#8221; sehr begierig gelesen habe.<br \/>\nDie Erz\u00e4hlung beginnt, als der Achtj\u00e4hrige mit dem Waffenrad seines Vormundes, der sich in dieser Zeit in Kriegseinsatz befindet, Bernhard wurde ja 1931 in den Niederlanden geboren wurde, von Traunstein zu seiner Tante nach Salzburg fahren will.<br \/>\nEr ist von der Schule ausb\u00fcchst, denn er ist ein schlechter Sch\u00fcler, das wird sp\u00e4ter noch beschrieben, kann nicht radfahren, verletzt sich auch am Bein, schafft es aber bis fast ans Ziel. Nur hat er keine Ahnung von der Adresse der Tante, so geht er in ein Gasthaus, wird dort versorgt und von zwei Buben wieder zur\u00fcckgebracht. Traut sich in der Nacht aber nicht in das Haus der Mutter, so geht er nach Ettendorf, wo der gebliebte Gro\u00dfvater Johannes Freumbichler in einem Bauernhof wohnt und der bringt ihn dann zur\u00fcck.<br \/>\nDenn er ist der Liebling des Gro\u00dfvaters und der ist ein Anarchist, h\u00e4lt das Schulschw\u00e4nzen f\u00fcr nicht so schlimm und alle Lehrer f\u00fcr Idioten.<br \/>\nThomas Bernhard war ein unehliches Kind, die Mutter, die damit nicht fertig wurde und den kleinen Thomas auch oft schlug, hat ihn in Holland zur Welt gebracht, dort ein Jahr als Hausgehilfin gearbeitet und das Kind auf ein Schiff in Pflege gegeben, dann ging es nach Wien zu den Gro\u00dfeltern, die in der Wernhardtstra\u00dfe, nahe dem Wilhelminenspitals, wo auch meine Gro\u00dfmutter wohnte, lebte und dann nach Seekirchen am Wallersee.<br \/>\nDas Leben am Land, die katholische Kirche, die Gewalt, die Kinder werden in der Schule und auch zu Hause mit dem Ochsenziemer geschlagen, wird sehr eindr\u00fccklich geschildert. Auch die Freunde des kleinen Thomas, aus denen sp\u00e4ter nichts &#8220;Richtiges&#8221; geworden ist, der Gedanke an Selbstmord, werden thematisiert.<br \/>\nIn der Schule war er in der ersten Klasse der Liebling der Lehrerin, bei dem sp\u00e4teren Lehrer war das nicht mehr so. In der dritten Klasse ging die Familie der Arbeit wegen nach Traunstein, dort war er der &#8220;Esterreicher&#8221;, aber das gab es dann ja nicht mehr lang.<br \/>\nSo kam der kleine Thomas mit einer Schn\u00fcrrlsamthose zum &#8220;Jungvolk&#8221; und mu\u00dfte dort singend in den Wald marschieren. Er war auch ein Bettn\u00e4\u00dfer und die Erziehungsmehtoden waren damals, das na\u00dfe Leintuch deutlich sichtbar aus dem Fenster zu h\u00e4ngen, so da\u00df es alle wu\u00dften.<br \/>\nEine Frau Dr.Popp schickt ihn dann in ein Erholungsheim, das eigentlich ein Lager f\u00fcr Schwererziehbare ist, die Familie glaubt, es ist im nahen Saalfelden und gibt ihm keinen Proviant mit. Es ist aber in Seefeld in Th\u00fcringen und sp\u00e4ter wird der Dichter nochmals hinkommen, dann ist es ein DDR Erziehungsheim f\u00fcr Schwererziebare, sonst hat sich nichts daran ge\u00e4ndert.<br \/>\nAls der kleine Thomas zur\u00fcckkommt, hat die Mutter die inzwischen verheiratet ist, ein Br\u00fcderchen geboren und der Bericht endet, als der Gro\u00dfvater, der auch einen Maler oder Musiker aus dem Enkel machen will, ihn in einer Handelsschule in Passau angemeldet. Er wird dort auch aufgenommen, geht aber nie hin, denn Passau ist das &#8220;F\u00fcrchterlichste vom F\u00fcrchterlichste&#8221;n und der Gro\u00dfvater hat sich inzwischen f\u00fcr Salzburg entschieden.<br \/>\nEin starkes Buch, das mir viel erkl\u00e4rt, obwohl vielleicht nicht alles eins zu eins umzusetzen ist, denn Thomas Bernhard habe ich einmal geh\u00f6rt, hat nicht alles so ernst gemeint, was er geschrieben hat, trotzdem sehr beeindruckend und zu empfehlen, wenn man es noch nicht gelesen hat und sich f\u00fcr den gro\u00dfen \u00f6sterreichischen Dichter, der ja noch bis heute sehr beeindruckt und viele <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/09\/wilde-landschaften\/\">Nachahmer<\/a>, die in seinem Stil schreiben, findet, interessiert.<br \/>\nUnd hier mein &#8220;Bernhard-Archiv&#8221; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/16\/recherchetag-und-bernhard-fritsch-briefwechsel\/\">1<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/03\/15\/bernhard-und-handke-in-der-osterreichischen-literatur\/\">2<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/19\/holzfallen-und-niedermetzeln\/\">3<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\">4<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/01\/18\/preisgeschehen\/\">5<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das zweite Buch aus der Abverkaufskiste der Buchhandlung Reichmann ist ein sehr ber\u00fchmtes, n\u00e4mlich Thomas Bernhards Autobiografie, die einem der Freunde der Anna sehr gefallen hat. 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