{"id":26514,"date":"2014-01-13T00:02:25","date_gmt":"2014-01-12T23:02:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26514"},"modified":"2014-01-13T00:02:25","modified_gmt":"2014-01-12T23:02:25","slug":"blondinentraume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26514","title":{"rendered":"Blondinentr\u00e4ume"},"content":{"rendered":"<p>Milena Mosers, 1994 in der rororo Reihe &#8220;Neue Frau&#8221; von Angela Praesent und Gisela Krahl herausgegebenen, Roman, den ich vor, glaube ich, zwei Jahren um einen Euro in dieser inzwischen geschlossenen Buchhandlung in der Wiedner Hauptstra\u00dfe kaufte, ist wahrscheinlich eine Farce und eine Parodie, auf das Leben in einer Schweizer Sozialsiedlung.<br \/>\n&#8220;Hier werden die Probleme unseres kleinkarierten Alltags gesprengt &#8211; gef\u00fchlsecht, grotesk, wirklichkeitsnah und unbeschreiblich komisch&#8221; steht am Buchr\u00fccken. In einer Ein-Stern Amazon Rezension, habe ich etwas von einer Seifenoper und langweiligen Durchschnittscharakteren gelesen, was ich nicht finden konnte, denn durchschnittlich sind die Frauen, die in diesem Wohnblock leben nicht, mir war es vielleicht ein bisschen zu rasant und vielleicht auch zu grotesk und komisch, da ich damit ja meine Schwierigkeiten habe, aber sch\u00f6n der Reihe nach, obwohl das nach den vielen Handlungsschwenkungenen und Schleifen gar nicht so eifach ist.<br \/>\nDa gibt es Lotti, das ist eine \u00e4ltere Frau, die immer Morgenm\u00e4ntel tr\u00e4gt, auch wenn sie einkaufen geht oder Krankenbesuche macht, die erwacht am Morgen aus einem Alptraum, da\u00df ihr inzwischen f\u00fcnfunddrei\u00dfigj\u00e4hriger Sohn ihr eine Muttertagszeichnung schenkt und man erf\u00e4hrt nach und nach, sie ist Tagesmutter und betreut die Kinder der anderen Sozialf\u00e4lle in der Siedlung, bringt sie in die Schule und in den Kindergarten und die ehrbaren Familienfrauen, die auch hier wohnen, zerrei\u00dfen sich den Mund \u00fcber die Alkoholikerin und schreiben Briefe an die Briefkastentante der Tageszeitung.<br \/>\nMarion Meierhans, zweifache Mutter mit dem dritten Kind schwanger tut das auch. Dann gibt es noch Natalie, das ist eine Siebzehnj\u00e4hrige mit Kinderwagen und Elma, die Alleinerzieherin von Serafina, die nicht im B\u00fcro arbeiten mag, sondern lieber einen Mann will.<br \/>\nAn diesem Morgen sind sie alle aus dem H\u00e4uschen, denn in die Siedlung zieht ein Alleinerzieher mit zwei Kindern  und alle Frauen drehen durch und Elma und Natalie steigen mit ihnen auch ins Bett oder wollen ihn heiraten, Frau Meierhans, will f\u00fcr ihn kochen und seine Kinder versorgen, aber die bringt Zeno Held schon zu Lotti.<br \/>\nDurch Frau Meierhans Briefe an Frau Donata, erf\u00e4hrt man, ihre Ehe ist nicht gut, ihr Mann mi\u00dfhandelt sie und schl\u00e4gt sie und als das dritte Kind noch ein Junge wird, m\u00fc\u00dfen ihn die Krankenschwestern erst anrufen, damit er sie besuchen kommt.<br \/>\nSie bekommt auch sowas wie eine Wochenbettdepression, wird aber von Lotti, Natalie und Zeno besucht und bei der Taufe kommt es zu einem Eklatat, weil der Kinderwagen mit Kind in der Kirche vergessen wurde, w\u00e4hrend alle beim Leichenschmaus sa\u00dfen.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag gibt Herr Meierhans seine gr\u00f6\u00dferen Kinder bei Lotti ab und verschwindet. Marion tut das auch, das Baby wird dann im Keller gefunden und Lotti mu\u00df handeln.<br \/>\nDas Zeno etwas seltsam ist, hat sie auch schon herausgefunden und seine Kinder werden von ihrer Mutter geholt, die Zeno verlassen und sich emanzipieren wollte, als Rache hat er das Haus angez\u00fcndet und Sophie die Schuld gegeben, so da\u00df ihr das Sorgerecht entzogen wurde.<br \/>\nJetzt mu\u00df er daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen, beziehungsweis die W\u00fcnsche von Natalie, die inzwischen eine Superpizzeria aufgezogen hat und Elma befriedigen.<br \/>\nDa\u00df Lotti auch einmal in einer postnatalien Depression ihr Kind get\u00f6tet hat, erfahren wir auch, bis alles fulminant endet. Elma zieht mit Serafina zu der zweiten Frau ihres Exmannes zur\u00fcck, Natalie in eine Wohngemeinschaft und Zeno scheint ein Kind von Natalies Mutter, die eine \u00fcberforderte Emanze ist, zu bekommen, er wird Kinderg\u00e4rtner und Frau Meierhans Briefkastentante, die ihre eigenen Briefe beantwortet.<br \/>\nEine Parodie auf das Elend der Alleinerzieherinnen und unterdr\u00fcckten Frauen, \u00fcberzeichnet und inzwischen vielleicht sogar ein bi\u00dfchen altmodisch wirkend. Aber ich habe mich auch schon mal ge\u00e4rgert, wenn beispielsweise bei einem Psychotherapeutentreffen sich alle Psychotherapeutinnen begierig auf den einzig anwesenden Arzt st\u00fcrzten.<br \/>\nDie Frauen k\u00f6nen vielleicht doch nicht so ganz aus ihrer Haut heraus und sind vielleicht auch ein kleines bi\u00dfchen selber schuld an ihrem Elend. Das Leben in Sozialwohnungen ist aber sicher nicht so einfach und normalerweise, kommt wahrscheinlich eher das Jugendamt auf Besuch, als der M\u00e4rchenprinz und das war es wohl auch, was die 1963 geborene, in Z\u00fcrich lebende Milena Moser, die mit &#8220;Putzfraueninsel&#8221; und &#8220;Hausfrauenschlampe&#8221; bekannt geworden ist, \u00fcberzeichnet ausdr\u00fccken wollte.<br \/>\nIch habe von ihr das 2010, erschienen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/02\/mochtegern\/\">&#8220;M\u00f6chtegern&#8221;<\/a> eine Satire auf das Schreiben beziehungsweise literarische Castingsshow gelesen und, glaube ich, noch so ein kleines Rowohlt-B\u00e4ndchen in meinen Regalen <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milena Mosers, 1994 in der rororo Reihe &#8220;Neue Frau&#8221; von Angela Praesent und Gisela Krahl herausgegebenen, Roman, den ich vor, glaube ich, zwei Jahren um einen Euro in dieser inzwischen geschlossenen Buchhandlung in der Wiedner Hauptstra\u00dfe kaufte, ist wahrscheinlich eine &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26514\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26514","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26514"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26514\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}