{"id":26493,"date":"2014-01-12T00:12:40","date_gmt":"2014-01-11T23:12:40","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26493"},"modified":"2014-01-12T00:12:40","modified_gmt":"2014-01-11T23:12:40","slug":"der-junge-der-anne-frank-liebte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26493","title":{"rendered":"Der Junge der Anne Frank liebte"},"content":{"rendered":"<p>Die Amerikanerin Ellen Feldman wurde, wie sie in ihrer Danksagung schrieb, zu dem Buch, das von Mirjam Pressler \u00fcbersetzt wurde, im Winter 1994 durch einen Besuch im Anne Frank Haus angeregt, da sie dort herausfand, da\u00df \u00fcber Peter von Daans oder Peter von Pels, wie er offenbar wirklich hie\u00df, van Daan ist die Film- und Theaterversion bzw. hat Anne Frank ihn in ihrem Tagebuch so genannt, weiteres Schicksal nicht viel bekannt war, so da\u00df sie einen Roman \u00fcber ihn schrieb.<br \/>\nIn Wahrheit scheint der 1926 in Osnabr\u00fcck geborene Peter van Pels, der sich mit seinen Eltern mit der Familie Frank in dem Haus in der Prinsengracht in Amsterdam versteckte, am 5. Mai 1945 beim Todesmarsch von Auschwitz nach Mauthausen umgekommen sein.<br \/>\nIn dem Roman kommt er nach der Befreiung nach Amerika, verheiratet sich dort mit einer J\u00fcdin, bekommt mir ihr drei Kinder und ist nat\u00fcrlich stark traumatisiert.<br \/>\nDer Roman besch\u00e4ftigt sich haupts\u00e4chlich mit der m\u00f6glichen Traumatisierung und wie es vielleicht sein k\u00f6nnte, wenn man diesem Schicksal entkommt. So leugnet Peter van Pels vor allem sein Judentum, gibt vor seiner Frau und deren Familie zwar an, da\u00df er in Auschwitz war, aber Jude, nein Jude ist er nicht, weshalb sich auch Madeleines Schwester Susannah, in die er vorher verliebt war, weigerte, ihn zu heiraten.<br \/>\nMadeleine ist da toleranter und die Beschneidung und die T\u00e4towierung ist kein Problem, da nach Ellen Feldman in den F\u00fcnfzigerjahren in den USA auch nicht j\u00fcdische Kinder aus hygienischen Gr\u00fcnden beschnitten wurden.<br \/>\nAls Peter van Pels bei seiner Frau, in den F\u00fcnfzigerjahren, wo die Handlung beginnt, das &#8220;Tagebuch der Anne Frank&#8221; am Nachtk\u00e4stchen liegen sieht, verliert er seine Stimme und geht zu einem ungarischen Psychiater, der ihn auszufragen beginnt. Die Stimme kommt erst wieder, als er das Buch auch bei dem Psychiater liegen sieht und damit beginnt sich der junge, sehr erfolgreiche Bauunternehmer, langsam mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.<br \/>\nDas hei\u00dft, er nimmt das Buch, will es zuerst einen Bahndamm hinunterschmei\u00dfen, dann holt er es wieder, beginnt zu lesen, seiner Frau erz\u00e4hlt er nichts davon und mu\u00df es aushalten, da\u00df sie sich \u00fcber sein merkw\u00fcrdiges Verhalten ihre Gedanken macht.<br \/>\nSo erwischt sie ihn einmal in der Nacht, als er den K\u00fchlschrank ausr\u00e4umt und s\u00e4mtliche Esswaren, auch die Gl\u00e4schen f\u00fcr die Kinder, in sich hineinstopft. In der Prinsengracht war man st\u00e4ndig hungrig und Hermann van Daan oder Pels wird im Theaterst\u00fcck ja als einer gezeigt, der sich in der Nacht \u00fcber die Brotvorr\u00e4te, die auch f\u00fcr seinen Sohn sind, hermacht. Das beginnt Peter dann auch zu besch\u00e4ftigen, da man das Theaterst\u00fcck auch in New York zeigt und es Madeleine mit ihrer Schwester oder Freundin besucht und er ein Problem damit bekommt, weil sein Vater nicht gestohlen hat und der Zahnarzt Dr. Pfeffer war auch nicht der &#8220;Dussel&#8221;, wie ihn Anne in ihrem Tagebuch beschreibt.<br \/>\nPeter beschlie\u00dft sich die T\u00e4towierung an der Hand entfernen zu lassen, verl\u00e4\u00dft dann aber \u00fcberst\u00fcrzt die \u00e4rztliche Praxis, als der Arzt ihm stolz erz\u00e4hlt, auch schon den Totenkopf eines SS-Mannes entfernt zu haben und als es dann zu Prozessen wegen des Theaterst\u00fcckes kommt, da hat eine Schauspielerin mit nicht so ganz anerkannter Vergangenheit, eine Wienerin namens Gusti Huber, die Frau Frank gespielt und andere Schwierigkeiten gibt es auch, nimmt er daran teil, lernt dort die Frau des Zahnarztes kennen und als er sich als Peter van Pels outet, wird ihn nicht geglaubt, denn da k\u00f6nnte ja jeder kommen und sagen er sei die Zarentochter Anastasia.<br \/>\nLangsam wird er mit seiner Vergangenheit fertig, so da\u00df er zuerst allein und 2003 mit seiner Frau nach Amsterdam ins Anne Frank-Haus, die schlie\u00dflich alles wei\u00df und erleichtert ist, da\u00df Peters Geheimnis nichts Schlimmeres zu bedeuten hat, fahren kann.<br \/>\n&#8220;Der Junge der Anne Frank liebte&#8221; ist Ellen Feldmans zweiter Roman und der erste der auf Deutsch \u00fcbersetzt wurde. Ich habe ihn im B\u00fccherschrank gefunden und war nat\u00fcrlich an dem Thema und  an dem, wie ich finde, typisch amerikanischen Fiktional interessiert und es war auch spannend das Buch zu lesen, obwohl es wahrscheinlich auch etwas problematisch ist, das Schicksal einer real gelebt habenden Person einfach weiterzuschreiben, weil man ja nicht wissen kann, wie Peter van Daan oder Pels reagiert h\u00e4tte, wenn er den Todesmarsch nach Mauthausen \u00fcberlebt h\u00e4tte und ob, ihm das Buch gefallen w\u00fcrde, wenn er es lesen k\u00f6nnte.<br \/>\n&#8220;Ein starkes Buch&#8221; schreibt die &#8220;Brigitte&#8221; am Cover, das die Originallekt\u00fcre des Tagebuchs wahrscheinlich nicht ersetzt, was ich, da ich es inzwischen ebenfalls gefunden habe, demn\u00e4chst auch tun werde.<br \/>\nDas Theaterst\u00fcck habe ich, da es meine Mutter in ihrem Kindergarten, einmal geschenkt bekommen hat, als Sch\u00fclerin oder Studentin gelesen und den Film im Fernsehen habe ich auch gesehen, beziehungsweise, das Anne Frank-Haus in Amsterdam besucht, da ich ja fr\u00fcher \u00f6fter nach Holland gefahren bin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Amerikanerin Ellen Feldman wurde, wie sie in ihrer Danksagung schrieb, zu dem Buch, das von Mirjam Pressler \u00fcbersetzt wurde, im Winter 1994 durch einen Besuch im Anne Frank Haus angeregt, da sie dort herausfand, da\u00df \u00fcber Peter von Daans &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26493\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26493","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26493","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26493"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26493\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26493"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26493"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26493"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}