{"id":26466,"date":"2014-01-11T00:09:50","date_gmt":"2014-01-10T23:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26466"},"modified":"2014-01-11T00:09:50","modified_gmt":"2014-01-10T23:09:50","slug":"wanda-wartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26466","title":{"rendered":"Wanda wartet"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das n\u00e4chste <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/01\/07\/muss-das-schon-sein\/\" title=\"MUSS DAS SCH\u00d6N\u00a0SEIN\u2026\">Buch<\/a> von Karin Ivancsics, n\u00e4mlich &#8220;Wanda wartet&#8221;, 1989 bei &#8220;Ritter&#8221; erschienen, das auch schon lange in meinen Regalen wartete, denn &#8220;Ritter-B\u00fccher&#8221;, nein, die, lese ich nicht, obwohl ich sie ebenfalls sammle, welch ein Vorurteil k\u00f6nnte man sagen, denn es ist das Beste was ich von Karin Invacsics gelesen habe, da war allerdings auch nur der &#8220;Tote Mann&#8221; \u00fcber die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/18\/mia-messer-in-der-restplatzborse\/\">&#8220;Restplatzb\u00f6rse&#8221;<\/a> habe ich in einigen Lesungen geh\u00f6rt.<br \/>\n&#8220;Wanda wartet- ein Tryptychon&#8221;,  dazwischen gibt es immer wieder schwarz wei\u00df Fotos, meist von Frauen mit sehnsuchtsvollen Blick und um das geht es auch, aber nicht nur um die Romantik, sondern auch um die Tristesse, die Gewalt, die Hemmungen, die Vorurteile, um den weiblichen Alltag halt, gezeichnet von dem scharfen Blick einer schreibenden Frau, die auch schon mal im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/09\/betrachtungen-zum-muttertag\/\">&#8220;Frauenverlag&#8221;<\/a>, den es inzwischen nicht mehr gibt, gearbeitet hat.<br \/>\nDer erste Teil der Trilogie nennt sich &#8220;Der Stadtsaal&#8221; und da geht es um Wanda und die wartet nicht, sondern geht spazieren, macht die Stadt zu ihrem erweiterten Wohnzimmer und ist offenbar auch vor dem Stiefvater, der sie &#8220;Lolita&#8221; und &#8220;raffiniertes kleines Luder&#8221; nennt, davon gelaufen, jetzt flaniert sie, offenbar ein noch sehr junges M\u00e4del, durch den st\u00e4dtischen Raum und sinniert dabei \u00fcber das Leben, denkt an die Fortbewegungsmittel mit denen sie gerne und auch nicht so gerne f\u00e4hrt. Am liebsten mit dem Bus, weil sie das von ihren Schulfahrten kennt und am Land blieben die Schulbusse offenbar auch immer stehen, weil sie ihre Kundschaft schon kannten. Geht zu den Antiquariaten und zieht sich dort ein altes Buch heraus, in dem &#8220;Sweetheart my Darling, my Dear, oh komm doch zu mir!&#8221;, steht. Geht \u00fcber die weiten Pl\u00e4tzen mit den Pizzerien und mu\u00df sich zum \u00dcberqueren zwingen, denn die Leute, vorwiegend M\u00e4nner, die auch in den Stra\u00dfencafes sitzen, starren einem an und wie sch\u00f6n die Erkenntnis, da\u00df es nicht der Pickel an der Wange, sondern sie selbst und ihre eigene Unfehlbarkeit ist, die sie bemerken.<br \/>\nEin sch\u00f6ner leiser Text \u00fcber das Erwachen und die vielen kleinen und gro\u00dfen Beobachtungen, die man beim Stadtflanieren machen kann.<br \/>\nKarin Ivancsics ist offenbar eine scharfe Bebachterin, so l\u00e4\u00dft sie Wanda einen Kollegen sehen, der auch  sehr gepflegt und mit geputzeten Schuhen durch den Bezirk streift, immer nur durch den Bezirk. Meistens steht er bei den Haltestellen und es ist ihr noch nie gelungen, so lange stehenzubleiben, um zu sehen, was er weitermacht und wie er sich fort bewegt.<br \/>\nDie zweite Abteilung hei\u00dft &#8220;Sieben&#8221; und da begleitet Karin Ivancsics sieben Frauen oder M\u00e4dchen durch eine Abtreibung.<br \/>\nCarolyn, siebzehn, wird von ihrer Mutter begleitet und ist schon zum zweiten Mal hier. Christine zweiundzwanzig hat einen Freund, der sie begleitet und wieder abholen wird, weil er an einem anderen Freund, dem es passierte und der dann auch fremdging, sah, da\u00df er kein Kind will und  es bei Christine mit sanfteren Methoden, wie eine Gruppentherapie nicht geholfen hat. Daniela siebenundzwanzig, die von einer Freudin begleitet wird, ist nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung ist, das Kind ist von einem schwarzen Musiker, der ist verheiratet und will sich nicht von seiner Frau trennen, obwohl er nur Daniela liebt. Natascha ist dreiunddrei\u00dfig und schon zum f\u00fcnften Mal hier, weil sie eigentlich Kinder will, aber offenbar nie die richtigen M\u00e4nner dazu findet. Dann gibt es noch Grudrun, eine T\u00fcrkin mit Kopftuch und einer Schwester als Dolmetscherin und eine Mutter von zwei Kindern.<br \/>\nSehr behutsam, immer wieder mit Einsch\u00fcben von Stimmen und Erinnerungen, wird der Alltag in so einer Abtreibungsklinik erz\u00e4hlt.<br \/>\nZuerst sitzen sie mit ihren Begleitpersonen im Zimmer, werden beraten, m\u00fc\u00dfen unterschreiben, dann m\u00fc\u00dfen die Begleiter hinaus, die Sozialarbeiterin bittet in ein anderes Stockwerk, teilt Waschk\u00f6rbe f\u00fcr die Kleider und Krankenhausnachthemden aus und erkl\u00e4rt die Routine. Carolyn denkt dabei an ihre Mathematikschularbeit und rechnet aus, was die in der Klinik so an einem Tag an den Abtreibungen, die nat\u00fcrlich keine Verh\u00fctungsmittel sind, wie der \u00c4rztin mahnend der Mutter sagt, verdienen.<br \/>\nInterviews mit den Frauen und Refelexionen in die Kindheit der Autorin mit Erinnerungen an ihre Gro\u00dfmutter, die sie zum Beispiel einmal fragte, wie Kinder Engel w\u00fcrden, gibt es auch, bevor es wieder mit Kaffee und Keksen in den Warteraum und zur\u00fcck in den Alltag geht.<br \/>\nIm Teil III &#8220;Leere Kabine&#8221; geht es wieder in das Stadtflanieren einer Frau, die im Ballkleid offenbar von einem Liebhaber kommt, jetzt in einer H u. M Kabine steht, zwei Kleider \u00fcberanderzieht, sie bezahlt und anbeh\u00e4lt, die Schuhe der Verk\u00e4uferin schenkt und dann sinnierend \u00fcber die Stra\u00dfen zieht, in einem Plattengesch\u00e4ft verschwindet, fr\u00fcher war sie gut im Platten mitgehen lassen, jetzt verl\u00e4\u00dft sie das Gesch\u00e4ft ohne was gekauft oder gestohlen zu haben, sinniert \u00fcber ihre Liebhaber nach, geht in ein Ramschgesch\u00e4ft, wo es Duftkerzen und Osterhasen gibt, bevor sie in der Konditorei Aida landet, sich einen Cognac bestellt und sich immer wieder Notizen mit beispielsweise den Vors\u00e4tzen, nie wieder etwas bei H u. M zu kaufen macht.<br \/>\nIm Buch gibt es noch einen Hinweis auf die &#8220;Aufzeichnungen einer Blumendiebin&#8221; ein weiteres bei Ritter erschienenes Ivancsics Buch. Ob sich das wohl noch finden l\u00e4\u00dft?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das n\u00e4chste Buch von Karin Ivancsics, n\u00e4mlich &#8220;Wanda wartet&#8221;, 1989 bei &#8220;Ritter&#8221; erschienen, das auch schon lange in meinen Regalen wartete, denn &#8220;Ritter-B\u00fccher&#8221;, nein, die, lese ich nicht, obwohl ich sie ebenfalls sammle, welch ein Vorurteil k\u00f6nnte man &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26466\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26466","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26466","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26466"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26466\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26466"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26466"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26466"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}