{"id":26261,"date":"2013-12-30T00:03:25","date_gmt":"2013-12-29T23:03:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26261"},"modified":"2013-12-30T00:03:25","modified_gmt":"2013-12-29T23:03:25","slug":"venushaar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26261","title":{"rendered":"Venushaar"},"content":{"rendered":"<p>Von  Michail Schischkin und seinem Roman &#8220;Venushaar&#8221; habe ich das erste Mal etwas geh\u00f6rt als er 2011 in Frankfurt auf dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/17\/buchmessen-surfing\/\">&#8220;Blauen Sofa&#8221;<\/a> sa\u00df, dann las er daraus bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/30\/via-donau-ii\/\">&#8220;Literatur im Herbst&#8221;<\/a> etwas vor.<br \/>\n2012 wurde sein Roman &#8220;Briefsteller&#8221; auf dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/14\/von-der-buchmesse\/\">&#8220;Blauen Sofa&#8221;<\/a> vorgestellt und diesen Sommer lag &#8220;Venushaar&#8221;, der Roman der zuerst in Russland sehr erfolgreich war und dessen in der Schweiz lebender Autor mit <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/26\/der-meister-und-margarita\/\">Bulgakow<\/a>, Tolstoi, Puschkin, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/13\/lolita\/\">Nabokov<\/a>,etc, verglichen wird, was ich damals noch nicht so wu\u00dfte, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/08\/lyrische-kommunikation\/\" title=\"Lyrische\u00a0Kommunikation\">&#8220;Morawa-Abverkauf-Kiste&#8221;<\/a> und jetzt habe ich das f\u00fcnfhundertf\u00fcnzig Seiten Buch auf drei Tranchen in der Badewanne gelesen, um es noch in diesem Jahr <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/21\/weihnachtslesemarathon\/\" title=\"Weihnachtslesemarathon\">zu schaffen<\/a>, das ganz harmlos und realistisch beginnt.<br \/>\nDenn da gibt es ja einen Dolmetscher, der, wie der 1961 in Moskau geborene Schischkin selbst, bei Asylwerbern dolmetscht und die Fragen und die Antworten &#8220;Warum sind Sie in die Schweiz gekommen, warum wollen Sie Asyl beantragen\u00df&#8221;, etc, werden angef\u00fchrt, bevor das Ganze auszuufern beginnt und, wie im Klapppentext steht, &#8220;Ein Jahrhundert russischer Geschichte eingebettet in das Leben des Dolmetschers mit Verweisen, Allegorien, Metaphern im Kosmus der gesamten Weltliteratur erz\u00e4hlt.&#8221;<br \/>\nAuf den letzten Seiten gibt es einen Anhang, wo man ein bi\u00dfchen nachlesen und sich zu orientieren versuchen kann, denn Schischkins Ideereichtum ist wirklich ausufernd und macht es der Lesenden nicht leicht, gibt es doch keine Kapitel, keine Teile, keine \u00dcberschriften, die verschiedenen Erz\u00e4hlstr\u00e4nge gehen ineineinander \u00fcber und der Dolmetscher hat nicht einmal einen Namen, obwohl er auch aus seinem Leben erz\u00e4hlt.<br \/>\nAm Anfang steht etwas, da\u00df der Verwaltungsbeamte, der sich die Fragen \u00fcbersetzen l\u00e4\u00dft, Peter hei\u00dft und Petrus ist ja auch der mit dem Himmelschl\u00fc\u00dfel an der Himmelsst\u00fcr, der den dort Eintretenden die Tore \u00f6ffnet, der Verwaltungsbeamte verschlie\u00dft sie den Asylsuchenden oft genug, indem er etwas in ihren Akt stempelt und die geh\u00f6rten Geschichten nicht glaubt, etc.<br \/>\nDie Ebenen werden auch sehr rasant gewechselt, da liest der Dometscher dem Asylwerber zuerst die Regeln vor und dann wird in dem Frage-Antwortspiel, das Leben russischer Polizisten, Soldaten bei den Eins\u00e4tzen in Tschetschenien, etc, erz\u00e4hlt, bevor man erf\u00e4hrt, da\u00df der Dolmetsch fr\u00fcher Lehrer war und die Biografie einner russischen Romances\u00e4ngerin namens Isabella Jurewa, 1899 in Rostow am Don geboren wurde, schreiben sollte, als er sie aber besuchen will, ist sie im Krankenhaus und schlie\u00dflich stirbt sie auch im Jahre 2000, was der Realit\u00e4t entspricht und man nachgooglen kann.<br \/>\nIn weiteren wird viel aus dem Leben an Hand von Briefen und Tagebuchausz\u00fcgen dieser S\u00e4ngerin erz\u00e4hlt, die den ersten Weltkrieg als Gymnasiastin erlebte, sich verliebte, die Untreue ihres Vaters miterlebte, etc.<br \/>\nDer Dolmetscher wohnt in einem Haus nahe dem Friedhof, wo die Mieten billig sind, so da\u00df au\u00dfer ihm nur alte Leute dort wohnen und so fliegen auch \u00f6fter Gegenst\u00e4nde aus den Fenstern und als er nachschauen will, wer das tut, \u00f6ffnet ihm eine alte Frau.<br \/>\nVon solchen Einf\u00e4llen und Momentaufnahmen lebt das Buch. Es geht auch um die gescheiterte Liebe des Dolmetschers zu seiner Isolde, sie hat ihn mit seinem Kind verlassen, vorher hatte sie einen Liebsten namens Tristan und als sie in Rom waren, spionierte er in ihrem Computer und fand heraus, da\u00df immer, wenn Isolde mit ihm ungl\u00fccklich war, sie sich \u00fcber ihn bei Tristan beschwerte, so da\u00df er auf ihn eifers\u00fcchtig wurde und den Aufenhalt mit ihr in Rom nicht mehr genie\u00dfen konnte.<br \/>\nSchlie\u00dflich ist er allein in Rom, wohnt im &#8220;Instituto Schwizzero&#8221; und triff seine alte Lehrerin, die die Kinder liebte, sie jede Woche in ein Museum f\u00fchrte und ihnen von Janusz Korczak erz\u00e4hlte, die das alte Fr\u00e4ulein aber ha\u00dften, wieder und das Ganze l\u00f6st sich in einen vielstimmigen Gesang auf das Leben, auf das verlorene Paradies, auf die Liebe, etc, auf.<br \/>\n&#8220;Und ihr Br\u00e4utigam ist das Venushaar. Der Tag bricht an. Auf der spanischen Treppe t\u00fcrmt sich der M\u00fcll von gestern. &#8211; Wo seid ihr? Mir nach! Ein Kr\u00e4utlein will ich euch zeigen, ein gr\u00fcnes, gr\u00fcnes Gras!&#8221;<br \/>\n&#8220;Z\u00fcrich-Rom 2002-2004&#8221;, steht dann noch darunter.<br \/>\nEin schwer oder auch leicht zu lesender Roman, leicht durch die Musikalit\u00e4t der Sprache, schwer durch die verschienensten Anspielungen, Metaphern, Hin- und Herspr\u00fcnge, Querverweise, etc, die man auch trotz der Hilfen im Anhang, wahrscheinlich nicht ganz nachvollziehen kann.<br \/>\n&#8220;Ein komplexes, monomental angelegtes, philosophisch wie \u00e4stehtisch nach den Sternen greifendes Buch von einem der originellsten  Autoren der russischen Literarurszene&#8221;, schreibt so auch die &#8220;Neue Z\u00fcrcher Zeitung&#8221; auch auf dem Buchr\u00fccken.<br \/>\n&#8220;Venushaar&#8221; hat auch einige Literaturpreise bekommen und ist inzwischen in allen wichtigen europ\u00e4ischen Sprachen \u00fcbersetzt und ich habe das Lesen, trotz der oben angef\u00fchrten Schwierigkeiten genossen, habe ich von 2007 bis 2008 doch auch Asylwerberdiagnostik gemacht, so da\u00df ich zumindest den realistischen  Fragenteil nachvollziehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Michail Schischkin und seinem Roman &#8220;Venushaar&#8221; habe ich das erste Mal etwas geh\u00f6rt als er 2011 in Frankfurt auf dem &#8220;Blauen Sofa&#8221; sa\u00df, dann las er daraus bei der &#8220;Literatur im Herbst&#8221; etwas vor. 2012 wurde sein Roman &#8220;Briefsteller&#8221; &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26261\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26261","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26261","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26261"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26261\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26261"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26261"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26261"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}