{"id":26206,"date":"2013-12-28T11:40:33","date_gmt":"2013-12-28T10:40:33","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26206"},"modified":"2013-12-28T11:40:33","modified_gmt":"2013-12-28T10:40:33","slug":"juttas-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26206","title":{"rendered":"Juttas Tod"},"content":{"rendered":"<p>In den Abverkaufskisten im Sommer beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/08\/lyrische-kommunikation\/\" title=\"Lyrische\u00a0Kommunikation\">&#8220;Morawa&#8221;<\/a>, lag auch ein kleines d\u00fcnnes B\u00e4ndchen,  2010 im Voralberger &#8220;Limbus-Verlag&#8221; erschienen, bei dem auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/10\/entlassung-aus-dem-paradies\/\" title=\"Entlassung aus dem\u00a0Paradies\">Erika Kronabitter<\/a> ihre B\u00fccher hat, von Uwe Bolius, das bisher an mir vorbeigegangen ist.<br \/>\nObwohl ich den in 1940 Geborenen, der beim Margaretenplatz lebt und auch mal Bezirksrat der Gr\u00fcnen war, schon lange kenne. \u00dcber seine B\u00fccher habe ich, glaube ich, schon in den Siebzigerjahren geh\u00f6rt, aus &#8220;Standhalten&#8221; 1979 bei &#8220;Suhrkamp&#8221; erschienen, hat er, glaube ich, beim ersten &#8220;Bachmannpreis&#8221; gelesen, das Buch steht inzwischen auch auf meiner Leseliste.<br \/>\n&#8220;Der lange Gang&#8221;, 1983 erschienen, war eine Autoreninitiative und ein Vorl\u00e4ufer des &#8220;do it self&#8221;. Jedenfalls lag dem Buch, das ich irgenwo kaufte, eine Bestellkarte bei, womit man es beim Autor beziehen konnte.<br \/>\nBesucht habe ich Uwe Bolius, glaube ich, 1989 in seiner Wohnung, das ist auch die Zeit, in der das Buch \u00fcber den Tod seiner Schwester spielt, beziehungsweise sie gestorben sein d\u00fcrfte.<br \/>\nEs hat aber auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/18\/larchenau\/\">Kerstin Hensel<\/a> in Klagenfurt gelesen und die hat bei Uwe Bolius gewohnt und ich habe sie bei ihm getroffen. 2002 hat er dann ein Buch bei &#8220;Book on Demand&#8221; herausgebracht. Ich habe ihn auch zu meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/28\/literaturverhinderungshaus-priessnitzpreis\/\">&#8220;Selbstgemacht-Veranstaltung&#8221;<\/a> ins Literaturhaus eingeladen und hatte da ein bi\u00dfchen Schwierigkeiten, weil er unbedingt wollte, da\u00df ich eine Frau, die in Bremenen einen BoD-Erfolg hatte, dazu einlade.<br \/>\n2004 oder so haben wir bei dieser Halbpreisschiene in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; in den Semesterferien um f\u00fcnf Uhr Nachmittag vor meinen Freunden und Christel Greller gelesen und als ich 2008 in der Jury f\u00fcr den Buchpreis war, stand &#8220;Hitler von Innen&#8221; auf der Liste. Da war ich dann auch bei der Lesung in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/10\/buchaussendung-und-romane-vom-nationalsozialismus\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> und jetzt ein neues Buch von Uwe Bolius, der auch Filmemacher ist oder war und einen \u00fcber Margarete Sch\u00fctte-Lihodzky drehte.<br \/>\nDas Buch geht \u00fcber den Krebstod seiner Schwester, die er in Holland kurz vor ihren Tod besucht und sich danach im Sommer 1989 an die Dechantlacke setzt um \u00fcber ihren Tod zu schreiben.<br \/>\nAlles alles kommt dabei hoch, die Kindheit in Linz, die ungl\u00fcckliche Beziehung zur Mutter, einer Kriegswitwe, die sehr streng war und keine Gef\u00fchle zeigen konnte und die Tochter, als sie im Hof fast vergewaltigt wird, an den Z\u00f6pfen hochzieht und sie bestraft. Die auch will, da\u00df sie sich von ihrem \u00e4lteren Freund trennt. Die Tochter geht nach Beendigung der Schule nach London und wird dort eine sehr erfolgreiche Sekret\u00e4rin.<br \/>\nSie heiratet nach Holland, bekommt zwei Kinder und l\u00e4\u00dft sich von ihren Mann Joop scheiden, nachdem er  eine Psychose bekommt, die Kinder wollen es so.<br \/>\nVon Juttas Krebserkrankung, die eigentlich Dagmar hei\u00dfen sollte, wie es sich der Vater, bevor er im Felde der Ehre liegengeblieben ist, w\u00fcnschte, was die Mutter aber ignorierte, erf\u00e4hrt er durch die Mutter, die ist inzwischen in der Schweiz verheiratet oder verwitwet, hat ein paar Hunde und reist sofort nach Arnheim, wo ich den Tag verbrachte, als die Reakterkatastrophe von Tschenobyl passierte, bringt dort den Haushalt der Familie in Unordnung und als Bolius kommt, seine Schwester zu besuchen, holt Joop ihn ab.<br \/>\nDie Schwester ist abgemagert, das holl\u00e4ndische Krankenhaus unterscheidet sich aber in seiner Atmosph\u00e4re von dem bei uns gewohnten. Die Schwestern sind freundlich, ihre Gehaltsforderungen h\u00e4ngen aber doch an der Eingangst\u00fcr und Jutta h\u00e4ngt an Schleuchen tr\u00e4gt einen Turban und verbindet die Krebserkrankung, was ich nicht mehr glaube, da\u00df es so ist, mit ihrem ungl\u00fccklichen Leben.<br \/>\nDa ist erstens die Mutter, die ihr ihr das Leben vermurkste und dann die Tatsache, da\u00df sie sich der Kinder willen, von ihrem kranken Mann trennte, was sie eigentlich gar nicht wollte.<br \/>\nJutta will  ihre Mutter nicht beim Begr\u00e4bnis haben oder, da\u00df sie gleich danach wieder abreist. \u00dcber das Wort Begr\u00e4bnis und das &#8220;danach&#8221; wird nicht gesprochen oder nur von der Cousine gescherzt, da\u00df sie sie von &#8220;dr\u00fcben&#8221; gr\u00fc\u00dfen soll und die Mutter st\u00fcrzt zw\u00f6lf Jahre nach Juttas Tod \u00fcber eine Hundeleine und verstirbt daran.<br \/>\nEin packendes Buch und ein ein sehr eindrucksvoller Bericht \u00fcber das Sterben. Bei Amazon habe ich etwas \u00fcber Sterbehilfe gelesen, das habe ich nicht so interpretiert. Das heutige Sterben und der heutige Stand der Krebsforschung wird auch sicher ein anderer sein.<br \/>\nIm Buch steht &#8220;Erz\u00e4hlung&#8221;. Ich denke wieder, da\u00df es das ist, was die Amerikaner &#8220;Memoir&#8221; nennen und frage mich auch, wie es Uwe Bolius Schwester damit gehen w\u00fcrde, da\u00df ich jetzt ein Buch \u00fcber ihr Sterben lese?<br \/>\nAm Beginn des Buches steht eine Erz\u00e4hlung \u00fcber die Mutter, die Uwe Bolius schon fr\u00fcher geschrieben hat und wenn ich mich nicht irre, in dem Buch enthalten ist, das ich 2004 mit ihm tauschte und im Gespr\u00e4ch mit der Schwester am Krankenbett wirft sie ihm vor, da\u00df er so etwas Intimes ver\u00f6ffentlicht hat.<br \/>\nEs ist aber nat\u00fcrlich nicht falsch sich mit dem Tod und dem Sterben zu besch\u00e4ftigen. Tun wir das ohnehin viel zu wenig. Die Schriftsteller sind da eine Ausnahme. So hat ja auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/12\/julian-schuttings-herrenrunde\/\">Julian Schutting<\/a> \u00fcber das Sterben seiner Mutter geschrieben und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/20\/elfriede-haslehners-und-maria-gornikiewicz-neue-bucher\/\">Elfriede Haslehner<\/a> hat mir auch einmal einen solchen Text gebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Abverkaufskisten im Sommer beim &#8220;Morawa&#8221;, lag auch ein kleines d\u00fcnnes B\u00e4ndchen, 2010 im Voralberger &#8220;Limbus-Verlag&#8221; erschienen, bei dem auch Erika Kronabitter ihre B\u00fccher hat, von Uwe Bolius, das bisher an mir vorbeigegangen ist. 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