{"id":26072,"date":"2013-12-23T14:45:34","date_gmt":"2013-12-23T13:45:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=26072"},"modified":"2013-12-23T14:45:34","modified_gmt":"2013-12-23T13:45:34","slug":"bucheradventkalender","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26072","title":{"rendered":"B\u00fccheradventkalender"},"content":{"rendered":"<p>Dreiundzwanzigster Dezember neunzehn Uhr achtundf\u00fcnfzig und das Weihnachtsfraukost\u00fcm, der rote Samtanzug und die M\u00fctzte mit der wei\u00dfen Bommel flog in hohen Bogen in den Spind.<br \/>\n&#8220;Uff!&#8221;, seufzt Nika schon wieder in den Jeans und im schwarzen Pulli.<br \/>\n&#8220;Fast geschafft und nur noch morgen einmal bis zwei Uhr Nachmittag, als alter Mann mit Bauch verkleidet auf die Stra\u00dfe. Uff, seufz, st\u00f6hn und dann hinein in die Weihnachtsfreude, in die Ferien und danach in die Arbeitslosigkeit oder in das Institut zur Dissertation \u00fcber den gr\u00f6\u00dften Grantler aller Zeiten, um  zu Ostern als pelzigbraunes H\u00e4schen mit der Karotte und den Ostereierk\u00f6rbchen aufzutreten. Der Herr Magister hat es mir versprochen! Aber zuerst noch einmal einen halben Tag lang Bonbons und Zuckerl verteilen und dann hinein in die Weihnachtsfreude!&#8221;, dachte sie weiter, schlo\u00df den Spind ab, steckte den Schl\u00fc\u00dfel in die Tasche ihrer blauen Jacke und setzte die eigene M\u00fctze auf, die wei\u00df mit einem roten Rand war und sinnigerweise so ein glitzernden Sternchen in der Mitte hatte. Es war aber keine Weihnachtsm\u00fctze, hatte sie sie sich doch schon im November aus einer Sonderangebotskiste eines dieser billigen Groschenl\u00e4den gezogen, in denen man als umweltbewu\u00dfte Person zwar nicht einkaufen sollte, einer prek\u00e4r besch\u00e4ftigten Studentin aber nicht viel anderes \u00fcberblieb. Und ein Geschenk f\u00fcr die Schwester und die Eltern hatte sie auch noch zu besorgen und sch\u00f6n in Geschenkpapier zu verpacken. Sie selber sollte auch nicht zu kurz kommen, obwohl sie schon so m\u00fcde war. Sehr m\u00fcde war sie, da gab es keinen Zweifel, die Kinder und deren M\u00fctter hatten sie an den letzten Wochenenden sehr genervt. Aber jetzt kamen die Weihnachtsfeiertage, da blieb der Weihnachtsfrauanzug im Kasten und sie konnte zu Hause im Bett liegen bleiben und ihre B\u00fccher auflesen, beziehungsweise die Adventkalenderfenster \u00f6ffnen, mit denen sie Weihnachtsfrau bedingt im R\u00fcckstand war und \u00fcbermorgen am f\u00fcnfundzwanzigsten Dezember, w\u00fcrde sie, wenn sie von dem elterlichen Festessen zur\u00fcckgekommen war, zum offenen B\u00fccherschrank gehen und sich selber eine Weihnachtsfreude machen, wie sie auch im Dezember an fast jeden Tag zu dieser Aktion zur Belebung des \u00f6ffentliches Raumes hingegangen war und sich ein kostenloses B\u00fcchlein auf dem Schrank gezogen hatte. Das war n\u00e4mlich heuer Nika Weihnachtsfrau literarischer Adventkalender, der Germnistin war nichts besseres einfgefallen, als sich seit ersten Dezember jeden Tag ein Buch aus dem Schrank zu ziehen und diese Ausbeute im Wohnzimmer neben dem Adventkranz aufzustapeln und auch jetzt w\u00fcrde sie zum Schrank gehen und sich das dreiundzwanzigste Buch, was es da wohl geben w\u00fcrde, aus dem Kasten nehmen, damit damit in die Badewanne und lesen, lesen, lesen!<br \/>\nZweiundzwanzig andere lagen schon am Tischchen neben dem Adventkrank und die vielbesch\u00e4ftigte Weihnachtsfrau war nicht dazu gekommen alle aufzulesen. An denEinkaufswochenenden war oft nicht einmal Zeit gewesen hineinzuschauen. Das w\u00fcrde dann ab \u00fcbermorgen bis zum Jahreswechsel, den sie mit ihren Freunden und ihrer Schwester brav bei Sekt und Gl\u00fchwein am Silvesterpfad verbringen w\u00fcrde, ein Festlesen werden. W\u00fcrde sie doch ab f\u00fcnfundzwanzigsten bis zum eindundrei\u00dfigsten Dezember zu Hause bleiben und lesen lesen.<br \/>\nMorgen w\u00fcrde sie sich nach der Arbeit und dem Besorgen der Geschenke f\u00fcr die Schwester, sowie der Mama und des Papas sich noch ein B\u00fcchlein holen und am f\u00fcnfundzwanzigsten soviele, wie sich finden lie\u00dfen und dann lesen lesen lesen, im Bett, in der Badewanne bei Kerzenschein und sich zum Mittag eine schnelle Mahlzeit aus dem Eiskasten machen. Sie w\u00fcrde bis zum Silvestertag schon nicht verhungern und die liebe Mama w\u00fcrde ihr, da war sie sicher, auch die Reste des Weihnachtsschmauses und einen Berg duftender Weihnachtskekse mit einem Geschenkkorb voll Obst und Konserven, damit die lesew\u00fctige Tochter nicht verhungerte, mitgeben.<br \/>\nLesen lesen lesen, was sollte eine Germanistin und Ex-Weihnachtsfrau denn anderes tun, bis sie sich wieder im April als Osterh\u00e4schen verkleiden w\u00fcrde.<br \/>\nLesen lesen, auch wenn die kleinen Buchh\u00e4ndler st\u00f6hnen w\u00fcrden, weil Nika sich nicht an ihrer B\u00fccher-Guerilla-Aktion gegen den b\u00f6sen Interneth\u00e4ndler beteiligte, sondern sich am B\u00fccherschrank bediente und da ihren Adventkalender bis zum Jahresende in aller Ruhe auslesen w\u00fcrde, wenn niemand mehr &#8220;Mach mal sch\u00f6n Cheese, M\u00e4xchen und gib der lieben Weihnachtsfrau die Hand!&#8221;,  sagen w\u00fcrde.<br \/>\nUnd die Vorfreude war ja bekanntlich die sch\u00f6nste, so w\u00fcrde sie sich auf den Clemens J. Setz freuen, der halbgelesen am Bettk\u00e4stchen lag und jetzt hatte sie  sich, ehe sie es sich versah, auch eine uralte Pearl S. Buck aus dem Schrank gezogen.<br \/>\n&#8220;So etwas lesen Sie, Fr\u00e4ulein!&#8221;, hatte der \u00e4ltere Mann zwar ver\u00e4chtlich zu ihr gesagt, der sie dabei beobachtet hatte. Aber sie hatte fr\u00f6hlich mit dem Kopf genickt und &#8220;Nat\u00fcrlich, warum nicht geantwortet?&#8221;<br \/>\n&#8220;Und Wolfgang Herrndorfs &#8220;Sand&#8221; wartet zu Hause noch auf mich, wenn Sie es genau wissen wollen, denn den habe ich gestern im Schrank gefunden und bin noch nicht zum lesen gekommen. Daf\u00fcr habe ich Marlene Streeruwitz &#8220;Schmerzmacherin&#8221; und Rafael Chirbes &#8220;Krematorium&#8221; schon gelesen. Kennen Sie diese B\u00fccher und haben Sie sie vielleicht selber in den Schrank gestellt, so da\u00df ich Ihnen f\u00fcr die freundlichen Adventgaben herzlich danken kann!&#8221;, fragte sie fr\u00f6hlich weiter, aber der Mann mit dem strengen Lehrerblick war schon verswunden.<br \/>\nSo steckte sie Pearl S. Bucks &#8220;Gute Erde&#8221; fr\u00f6hlich in den Rucksack und \u00fcberlegte, was sie sonst im letzten Monat noch gefunden hatte und was auf dem Tisch im Wohnzimmer neben dem Advenzkranz noch auf sie wartete. Ein B\u00fccheradventkalender war schon etwas Sch\u00f6nes und wenn sie nicht darauf verga\u00df, w\u00fcrde sie sich n\u00e4chstes Jahr wieder einen solchen beschweren und jetzt hatte sie auch noch eine Idee bekommen. Wolfgang Herrndorfs &#8220;Sand&#8221; hatte sie im Schrank gefunden und morgen w\u00fcrde sie, im Kost\u00fcm der Weihnachtsfrau f\u00fcr die Schwester, wenn es sich ausging, da\u00df sie damit rasch zum Libro laufen konnte und der es lagernd hatte, sein ber\u00fchmtes Blogtagebuch &#8220;Arbeit und Struktur&#8221; besorgen. Denn um in Anna Jellers Fachgesch\u00e4ft zu gehen, war eine Weihnachtsfrau zu besch\u00e4ftigt. Aber jetzt rasch, rasch nach Hause. Sich selber einen Punsch aufbr\u00fchen, mit Rotwein, Orangensaft, Zimt und Nelken und sich dann mit dem Clemens J. Setz in die Badewanne legen. Ja, richtig ein Buch mit Weihnachtsgeschichten war am achten Dezember im Schrank gewesen, von denen sie noch nicht alle gelesen hatten, die w\u00fcrden morgen, \u00fcbermorgen oder in den n\u00e4chsten Tagen an die Reihe kommen.<br \/>\nAus der Serie &#8220;Nika, Weihnachtsfrau&#8221;, die n\u00e4chstes Jahr vielleicht ein Adventkalender werden wird. Ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/13\/nika-weihnachtsfrau\/\" title=\"Nika,\u00a0Weihnachtsfrau\">Schmankerl<\/a> gibt es davon schon jetzt zu finden und in den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/05\/achtzig-rohseiten\/\" title=\"Achtzig\u00a0Rohseiten\">&#8220;Dreizehn Kapitel&#8221;<\/a> wird es auch eines davon geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dreiundzwanzigster Dezember neunzehn Uhr achtundf\u00fcnfzig und das Weihnachtsfraukost\u00fcm, der rote Samtanzug und die M\u00fctzte mit der wei\u00dfen Bommel flog in hohen Bogen in den Spind. &#8220;Uff!&#8221;, seufzt Nika schon wieder in den Jeans und im schwarzen Pulli. &#8220;Fast geschafft und &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=26072\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-26072","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26072","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26072"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26072\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26072"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26072"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26072"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}