{"id":25670,"date":"2013-12-04T08:48:14","date_gmt":"2013-12-04T07:48:14","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=25670"},"modified":"2013-12-04T08:48:14","modified_gmt":"2013-12-04T07:48:14","slug":"elfriede-jelinek-spielt-gameboy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=25670","title":{"rendered":"Elfriede Jelinek spielt Gameboy"},"content":{"rendered":"<p>Andrea Stifts gesammelte Geschichten von 2005 bis 2011, in der <a href=\"http:\/\/www.editionkeiper.at\/EDITION\/leser_details.php?ID=2&amp;more=1&amp;werke_ID=77\">&#8220;Edition Keiper&#8221;<\/a> erschienen, in einem Vorwort erz\u00e4hlt die 1976 in der Steiermark geborene Autorin von den Schwierigkeiten solche Geschichten zu sammeln und herauszugeben. Wie soll man sie in einem Erz\u00e4hlband zusammenfassen, wenn sie nicht viel miteinander zu tun haben?<br \/>\nAndrea Stift entschied sich f\u00fcr die Dreiteilung &#8220;Dunkel&#8221; &#8211; &#8220;Schunkel&#8221; und &#8220;Furunkel&#8221; und beginnt in der Abteilung &#8220;Dunkel&#8221; mit dem Ernst des Lebens, der uns wahrscheinlich nicht nur in der S\u00fcdsteiermark sondern auch \u00fcberall sonst auf der Welt passieren kann.<br \/>\nDa sind zwei \u00fcber f\u00fcnfzig, haben drei Kinder, ein halbfertiges Haus und einen Kredit, der ihnen im Nacken sitzt und sie zusammenschmiedet, obwohl sie sich sonst nicht mehr riechen und auch nichts mehr miteinander zu tun haben wollen.<br \/>\nDas ist ist die erste Geschichte, mit &#8220;Am n\u00e4chsten Morgen eine grausige Entdeckung&#8221; geht es gleich weiter mit den Familienidyllen, denn das ist einer Exekuter und mu\u00df in die Sozialwohnungen, den Fernseher pf\u00e4nden, weil die Alleinerziehenden Mamis nichts als das Bestellen aus Versandkatologen im Kopf haben. Manchmal kommt er auch in bessere Gegenden, wenn ihm da niemand \u00f6ffnet, seufzt er auf, ruft die Polizei und den Schl\u00fc\u00dfeldienst und manchmal findet man dann in der teuren unbezahlten Wohnung, wo die Fliesen im Badezimmer noch nicht aufgeklebt sind drei Leichen.<br \/>\nJa, Andrea Stift hat nicht eine sehr poetische, sondern auch eine sehr realistische Sprache, legt die Finger in die Wunden der Idyllen der S\u00fcdsteiermark und  besch\u00e4ftigt sich, als <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/03\/siebenter-ohrenschmaus\/\" title=\"Siebenter\u00a0Ohrenschmaus\">&#8220;Ohrenschmaus-Jurorin&#8221;<\/a> und wahrscheinlich auch sonst sehr verst\u00e4ndlich auch viel mit Behinderten, die in der sch\u00f6nen Steiermark zuerst intregriert, wenn es das Behindertenprogramm zul\u00e4\u00dft, dann aber als unbezahlte Arbeitskr\u00e4fte in den Wirtsh\u00e4usern und den Weinkellern auch ordentlich ausgen\u00fctzt und geschw\u00e4ngert werden sie obendrein auch noch oft auch.<br \/>\nAm Stammtisch der Kinderg\u00e4rten, wo sich die besser situierten und auch anderen Mamis w\u00f6chentlich treffen wird auch dar\u00fcber geredet. Denn da gibt es eine Supermutter, die ihrer Petra mit Down-Syndrom, mongoloid darf man nicht mehr sagen, denn da haben sich die Mongolen dagegen aufgeregt, schon vorzeitig mit viel M\u00fche und Aufwand das Lesen beigebracht, immer ein bi\u00dfchen am Limit voraus, hat und dann findet eine andere Mami, ehemalige Sprechstundenhilfe eines Gyn\u00e4kologen, bevor er sie geschw\u00e4ngert und geheiratet hat und nun mit der anderen Hilfe auf Kongre\u00dfe f\u00e4hrt, heraus, da\u00df die Supermami ihn auf Unterhalt klagte, weil er vergessen hat, sie auf die Behinderung bzw. die entsprechende Untersuchung hinzuweisen, das ist, denke ich ein realer Fall und leider so passiert, da\u00df Behinderung als St\u00f6rfall gilt, fortan sprechen die anderen Frauen nicht mehr mit ihr.<br \/>\nAber auch die Geschichte von dem &#8220;Priesteraltersheim&#8221;, wohin Schriftsteller \u00fcber achtzig zwangsweise deportiert werden, weil sie  vorher dem Staat f\u00fcr Stipendien alle ihre Werke \u00fcberschrieben haben, ist zwar ein bi\u00dfchen skurril \u00fcberhoben, entbehrt aber wahrscheinlich nicht die Realit\u00e4t des Schriftstellerlebens und kann uns in der direkten Sprache das Gruseln lehren.<br \/>\nWeiter geht es mit dem Trinken, die eher Jungen tun es und stinken dann so stark in der U-Bahn, da\u00df sich niemand zu ihnen setzt und der Luis der Gelegenheitsarbeiter am Land der f\u00fcr ein zwei Flaschen Weinbrandt f\u00fcr jede Arbeit zu haben ist, bis ihn dann so sehr der Krebs erwischt, da\u00df er sich erh\u00e4ngt. Die Kinder entdecken ihm beim Fu\u00dfballspielen, die V\u00e4ter holen ihn von der W\u00e4scheleine herunter.<br \/>\n&#8220;Einmal Villach -Lilienfeld, Bitte&#8221;, habe ich schon in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/30\/bedenkliche-beziehung\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> bei den &#8220;Bedenklichen Beziehungen&#8221; geh\u00f6rt, als ich dort meine <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_bank.html\">&#8220;Sevim&#8221;<\/a>, Andrea Stift ihren Erz\u00e4hlband vorstellte. Und dunkel geht es auch in den neuerbauten H\u00e4usern zu, die Lehrer f\u00fcr ihre Kinder bauen und die T\u00f6chter dann des Nachts in einer Kiste, die man sich wohl als Sarg vorstellen mu\u00df, wem wunderts, da\u00df dann Verhaltensst\u00f6rungen entstehen, die auch wohl &#8220;Pia&#8221; hat, die sich schneidet und in der Psychiatrie auf Medikamente eingestellt wird, so da\u00df man mit ihr die H\u00f6lle erlebt.<br \/>\nIn der Abteilung &#8220;Furunkel&#8221; besch\u00e4ftigt sich Andrea Stift mit dem, das Samuel Beckett angeblich am Hintern hatte und beweist in brillant satirischer Art, da\u00df man auch \u00fcber einen Dichter einen Text schreiben kann, zu dem einer nichts einf\u00e4llt.<br \/>\nSonst gehts um Sex in der Abteilung, sowohl um den mit M\u00e4nnern, als auch mit einem Auto und in &#8220;Fremder Welt&#8221; tr\u00e4umt die Mutter von einem Fick mit einem Schauspieler und bringt sich danach um, die Tochter sucht Kontakt mit dem Schauspieler, der Vater heiratet eine Feuerwehrfrau, der Sohn err\u00e4t alle Tr\u00e4ume und verschenkt sein letztes Geld und der Vater verbrennt sich in seinem Gartenh\u00e4uschen, als ihm die Tochter den Schauspieler vorstellen will.<br \/>\nDie beeindruckenste Gescvhichte f\u00fcr mich war aber &#8220;Haben wollen&#8221;, da f\u00e4hrt die Murschak jeden Samstag mit einem Fahrrad zu einem kleinen Haus am Waldrand, das sie unbedingt besitzen will und das einen kleinen Mann geh\u00f6rt. Die Murschak hat Geld, hat sie doch schon drei M\u00e4nner unter die Erde, beziehungsweise zu einem Schlaganfall gebracht und offenbar Zeit, so setzt sie sich vor das Haus und jausnet und nachher fallen die N\u00fc\u00dfe und die \u00c4pfel vom Baum, das Gras verd\u00f6rrt, der Holunder geht ein, so da\u00df der kleine Mann bei der &#8220;Hexe&#8221; zur Selbsthilfe greifen mu\u00df, jetzt kann man die ja nicht mehr einfach anzeigen und am Scheiterhaufen verbrennen lassen, also mu\u00df der Flobert des Gro\u00dfvaters her, was auch gelingt, nur leider trifft der letzte Schu\u00df ihn selbst, so da\u00df auch er verstirbt.<br \/>\n&#8220;Schunkel&#8221; sind die lustigen Geschichten, aber so lustig ist die, wo die Protagonistin, Schriftstellerin, die offensichtlich, ob der biografischen Angaben, Andrea Stift selber ist, eine Stunde zu sp\u00e4t von der Lesung in der &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; in Wien, nach Graz kommt, wo die zwei S\u00f6hne warten und sich au\u00dferdem noch einen tollen Titel f\u00fcr eine tolle Geschichte, mit der sie den n\u00e4chsten Wettbewerb gewinnt, um als Schriftstellerin \u00fcberleben zu k\u00f6nnen, einfallen lassen mu\u00df, nicht.<br \/>\n&#8220;Elfriede Jelinek spielt Gameboy&#8221;, f\u00e4llt ihr dann ein und im Vorwort kann man noch lesen, da\u00df die Nobelpreistr\u00e4gerin Andrea Stift versichert hat, noch nie damit gespielt zu haben.<br \/>\nDazu passt noch die &#8220;Furunkel-Geschichte&#8221;  &#8220;Nicaragua wohltemperiert&#8221; von einer Lesereise mit Andreas Unterweger und Sonja Harter zum dortigen Poetenfestival. Wo die Leute von der Poesia sehr begeistert sind, laut &#8220;Viva!&#8221;, br\u00fcllen, die freundliche Polizei aber vor dem Eingang steht, um die bettelnden Kinder zu vertreiben und die weniger freundlichere ein paar D\u00f6rfer weiter. Da w\u00fcrde auch ich mich nach dem Sinn eines solches Festivals fragen, obwohl ich zu einem solchen auch gern eingeladen werden w\u00fcrde, aber ich schreibe ja keine Poesia.<br \/>\nIn &#8220;Schunkel&#8221;, das ich, wie gesagt gar nicht immer so lustig empfunden habe, geht es noch einmal ums Auto, beziehungsweise ums Fahren lernen und um die Frage, warum die meisten Schriftsteller kein solches haben?<br \/>\nDie Geschichte von dem Vater der zum Autorennspielen zur Tochter kommt, weil die ihm, um seinen Pensionsschock zu mildern ein solches kaufte, er aber keinen Computer hat und dann in ihrer Verzweiflung, der Schwester auch ein solches schenkt, verlautet, da\u00df es bei ihr viel bequemer ist und sich dann wundert, da\u00df die nicht mehr mit ihr redet, w\u00fcrde ich aber als ganz lustig bezeichnen.<br \/>\nDann gibt es noch eine \u00fcber &#8220;Parcelsus&#8221;, \u00fcber eine &#8220;Slowenienreise&#8221;, \u00fcber den &#8220;Tomatenfisch&#8221; und dann noch eine h\u00f6chst satirische, \u00fcber die Zahnspange, die den Mund der Schriftstellerin f\u00fcr einige Zeit entstellte und auch sonst zu Komplikationen f\u00fchrte.<br \/>\nH\u00f6chst interessante, satirische, bitter b\u00f6se, aber auch sicher realistische Texte, die zum Teil schon in Zeitschriften, wie den &#8220;Mansukripten&#8221; ver\u00f6ffentlicht wurden und deren Lekt\u00fcre ich nur sehr empfehlen kann. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrea Stifts gesammelte Geschichten von 2005 bis 2011, in der &#8220;Edition Keiper&#8221; erschienen, in einem Vorwort erz\u00e4hlt die 1976 in der Steiermark geborene Autorin von den Schwierigkeiten solche Geschichten zu sammeln und herauszugeben. 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