{"id":25173,"date":"2013-11-12T00:53:47","date_gmt":"2013-11-11T23:53:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=25173"},"modified":"2013-11-12T00:53:47","modified_gmt":"2013-11-11T23:53:47","slug":"krause-haare","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=25173","title":{"rendered":"Krause Haare"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Krause Haare&#8221; ist ein &#8220;Episodenroman&#8221;, der 1959 auf den Bermudas geborenen, in K\u00e4rnten aufgewachsenen und in Wien lebenden Anita C. Schaub, das ist die Frau, die mich, glaube ich, 2002 im Literaturhaus bei der von Rolf Schwendter organisierten &#8220;Freiheit des Wortes&#8221; angesprochen hat, weil sie eine Frauengruppe des Lesetheaters bilden wollte.<br \/>\nSie ist oder war Beratungslehrerin, hat ein Buch \u00fcber das <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/poesie_und_brotberuf.html\">&#8220;Frauenschreiben&#8221;<\/a> geschrieben, in dem sie mich auch interviewte, bei Resistenz die Erz\u00e4hlungen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/06\/anita-c-schaub-auffuhrung\/\">&#8220;Tanzende Rose&#8221;<\/a> und bei Arovell &#8220;Fremdenzimmer&#8221; und eben &#8220;Krause Haare&#8221;, herausgegeben, bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Poet+Night+2012\">&#8220;Poets-Nights&#8221;<\/a> habe ich daraus geh\u00f6rt, &#8220;Krause Haare&#8221;, hat sie vorigen Oktober bei den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/30\/bedenkliche-beziehung\/\">&#8220;Textvorstellungen&#8221;<\/a> vorgestellt, wo es um &#8220;Bedenkliche Beziehungen&#8221; und auch um die Sevim Szenen aus der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_bank.html\">&#8220;Frau auf der Bank&#8221;<\/a> ging.<br \/>\nAnita C. Schaub, die ich manchmal als etwas &#8220;hart&#8221; empfinde, erz\u00e4hlt in ihrem Episoden in kurzen Abschnitten, die immer ein Vorwort haben, in einer Passivform, die ich auch einmal verwendete, von einem Frauenleben, das wohl ihr eigenes ist, zumindestens k\u00f6nnte ich einige autobiografische Zuordnungen treffen.<br \/>\nMargit Hahn hat das Vorwort geschrieben und geht, da vor allem auf die Farben ein, die manchmal die Abschnitte beenden, &#8220;Welche Farben hat der Ha\u00df, die Liebe, die Scham, ecetera?&#8221;<br \/>\nBeginnen tut es vor der Geburt von Anna, wie die Protagonistin, um deren Leben es geht, hei\u00dft.<br \/>\nDie Frau hat Kopfschmerzen und Migr\u00e4ne, der Mann will ein Kind, dann kommt die kleine Anna mit den krausen Haaren auf die Welt, mag nicht Handarbeiten, der Vater vertsch\u00fc\u00dft sich bald, Anna hat viele Beziehungen. Den Mann, den sie am See des Fremdenverkehrsortes triff, wo sie als Kellnerin jobbt, sie verbringt mit ihm eine Liebesnacht, am n\u00e4chsten Tag kommt er mit Frau und Kind ins Gasthaus und sie hat ihm &#8220;hei\u00dfe Liebe&#8221; zu servieren. Sie jobbt auch am Oktoberfest und einmal will sie ein Mann, weil es regnet mit ihrem Mofa in seinem gro\u00dfen Auto mitnehmen, der Mann nennt sich &#8220;Bankr\u00e4uber&#8221;, Anna hat ihr Handtuch am Stand vergessen, als sie zur\u00fcckkommt, sind Auto, Mann und Mofa weg.<br \/>\nMan merkt es schnell, es klappt nicht mit der Liebe, f\u00fcr Anna sind immer nur die verheiraten M\u00e4nner da, die nicht wirklich Verantwortung \u00fcbernehmen wollen. So geht sie nach Wien, macht verschiedene Ausbildungen und in dem Buch gibt es verschiedene scharfe Alltagsbeschreibungen.<br \/>\nK\u00f6stlich, die Szene, wo die literaturinteressierte Anna in eine Lesetheaterauff\u00fchrung geht, da sieht sie einen &#8220;Sandler&#8221; sitzen, denkt sich, dem armen Mann mu\u00df ich ein bi\u00dfchen Geld geben, &#8220;Danke!&#8221;, sagt der, k\u00fcndigt dann die Veranstaltung an, am B\u00fcchertisch liegen die B\u00fccher des dreifachen Doktors und Universit\u00e4tsprofessors, er geht mit dem K\u00f6rberl herum &#8220;Sie haben ja schon gespendet!&#8221;, sagt er zu Anna.<br \/>\n&#8220;Welche Farbe hat die Scham?&#8221;<br \/>\nWas sich<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Nachruf+auf+Rolf+Schwendter\"> Rolf Schwendter<\/a> wohl dazu gedacht haben k\u00f6nnte, der aus dem Buch vielleicht bei einer der Veranstaltungen h\u00f6rte.<br \/>\nK\u00f6stlich aber auch die Fallbeschreibungen aus der Psychiatrie, wo Anna ihr Praktikum macht. Da trifft sie eine Kollegin, die einen Verfolgungswahn bekommen hat, weil sie sich nicht abgrenzen kann und Anna \u00fcberlegt, welche ihrer Verwandten vielleicht auch &#8220;eingeliefert&#8221; werden k\u00f6nnen und denkt an eine hysterische Person. Wenn die kommt, wird sie das Krankenhaus verlassen und geht dann gerne auf ihre &#8220;depressive&#8221; Abteilung zur\u00fcck. Weil die Patienten dort unauf\u00e4lliger und stiller sind. Das meine ich mit &#8220;hart&#8221;, aber vielleicht ist es nur ehrlich und dient zur Abgrenzung.<br \/>\nK\u00f6stlich auch die Geschichte von der dicken Direktorin, die dem Klo gegen\u00fcbersitzt, keine andere Arbeit machen kann, als intrigieren, heimlich i\u00dft und am Ende an Kehlkopfkrebs erkrankt.<br \/>\nWeniger tragisch, sondern sehr originell ist die, wo der Einbrecher sich durch Annas Wohnhaus schleicht. Er ist ein gebildeter Einbrecher und abgebrochener Geschichtsstudent und  macht sich genaue Gedanken \u00fcber die Wohnungen, in die er kommt, passt auf, da\u00df niemand drinnen ist, etc. Annas Wohnung ist leer und sehr funktionell, viele B\u00fccher, nur gesundes Essen im K\u00fchlschrank, er verliebt sich fast in die Wohnung, l\u00e4\u00dft ein Kleeblatt zur\u00fcck und trifft Anna beim Verlassen des Hauses am Gang.<br \/>\nAnita C. Schaub beschreibt auch eine Psychoanalytkerin, die von ihren Klienten drei\u00dfig Euro pro Stunde verlangt, obwohl sie siezigtausend f\u00fcr ihre Ausbildung zahlte, aber sonst kommen die Leute nicht viermal in der Woche, die von ihren Klienten Kuchen bekommt und sich auf die Steiermark und ihre Fr\u00fchpension freut.<br \/>\nAnna macht dann auch eine Therapie, hat viele S\u00fcchte und f\u00e4ngt irgendwann zu schreiben an. Dazu setzt sie sich  in ein Kaffee, ein Mann setzt sich zu ihr, ignoriert ihr Schreiben, fragt sie aus und wundert sich, da\u00df sie nur Alltagssituationen beschreibt, weil das ja unwichtig ist und niemanden <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Augustin+Schreibwerkstatt\">interessiert<\/a>. Schlie\u00dflich fl\u00fcchtet er vor der schreibenden Anna und l\u00e4\u00dft ihr ihren roten Schal zur\u00fcck.<br \/>\nEin wenig abgehackt w\u00fcrde ich die Episoden finden, aber ich habe manchmal auch Schwierigkeiten fl\u00fc\u00dfiger zu werden, sonst erinnert der klare realistische Stil, der mir sehr sympathisch ist und den ich ja auch selbst verwende, an <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/13\/der-winter-tut-den-fischen-gut\/\">Annas Weidenholzers &#8220;Fische&#8221;<\/a>, die ja mit der &#8220;Realistik&#8221; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/28\/priessnitzpreis-an-anna-weidenholzer\/\" title=\"Priessnitz-Preis an Anna\u00a0Weidenholzer\">gro\u00dfen Erfolg<\/a> zu haben beginnt.<br \/>\nMann kann also auch die kleinen leisen Alltagsbeobachtungen beschreiben, die ja eigentlich sehr wichtig sind, um das Leben kennenzulernen und schade, da\u00df es Anita C. Schaub, wie, sie einmal bedauerte, mit ihren B\u00fcchern keine Aufmerksamkeit in gr\u00f6\u00dferen Verlagen bekommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Krause Haare&#8221; ist ein &#8220;Episodenroman&#8221;, der 1959 auf den Bermudas geborenen, in K\u00e4rnten aufgewachsenen und in Wien lebenden Anita C. 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