{"id":24944,"date":"2013-11-01T00:37:48","date_gmt":"2013-10-31T23:37:48","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=24944"},"modified":"2013-11-01T00:37:48","modified_gmt":"2013-10-31T23:37:48","slug":"russland-mit-und-ohne-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24944","title":{"rendered":"Russland mit und ohne Seele"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder etwas Interessanes aus dem B\u00fccherschrank, n\u00e4mlich der 2009 bei EcoWin erschienene Band &#8220;Russland mit und ohne Seele&#8221;, der 1949 geborenen Auslandskorrespondentin Susanne Scholl, die inzwischen auch als Schriftstellerin hervorgetreten ist.<br \/>\nSo publiziert sie, glaube ich, in der Literarturzeitschrift &#8220;Driesch&#8221; und hat einige Romane, Erz\u00e4hlb\u00e4nde und Gedichte ver\u00f6ffentlicht, aber auch B\u00fccher, die sich mit Russland besch\u00e4ftigen, wo sie lange Korrespondentin war.<br \/>\nIhr Lebenslauf liest sich auch sehr spannend, n\u00e4mlich Tochter einer assimilierten j\u00fcdischen Medizinerfamilie. Ihre Eltern lernten sich im &#8220;Austrian Center&#8221; in London kennen und kehrten 1947 nach Wien zur\u00fcck, um am Aufbau der KP\u00d6 mitzuwirken.<br \/>\nSusanne Scholl studierte Slavistik in Russland und Rom, arbeite f\u00fcr das Radio \u00d6sterreich International und f\u00fcr die APA und wurde von Paul Lendvai 1986 in die ORF-Osteuropa-Redaktion geholt.<br \/>\n1991 ging sie nach Moskau, von 1997 bis 2000 leitete sie das Europajournal und ging dann noch einmal nach Moskau zur\u00fcck.<br \/>\nSie hat verschiedene Preise und Auszeichnungen bekommen und spielt auch in Eva Rossmanns 2008 erschienen Krimi <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/29\/weihnachtsbucher\/\">&#8220;Russen kommen&#8221;<\/a> eine Rolle. Ich habe verschiedene Interviews von ihr und sie auch auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/12\/dritter-messetag\/\">Buch-Wien <\/a>geh\u00f6rt und das Thema Russland interessiert mich allemal.<br \/>\nDas Cover ziert jene ber\u00fchmten und gar nicht gleich aussehenden Russland-Puppen, die  &#8220;Matrjoschkas&#8221;, dann gibt es ein Gedicht und in &#8220;Unruhige Zeiten&#8221; beschreibt Sabine Scholl eine Fahrt vom Moskauer Flughafen in ihre Moskauer Wohnung.<br \/>\nDann gibts noch ein Gedicht &#8220;Russische Seele 1&#8221; und es kommen ein paar Interviews, das erste ist Galina Musaliewa, einer armenischen Journalistin, die aus Baku stammt, gewidmet. Dann erkl\u00e4rt Susanne Scholl die kaukasische Nationalit\u00e4t und berichtet im n\u00e4chsten Kapitel von einem Frauentaxi, das zwar etwas teuer ist, das aber Frauen und Kinder in Moskau sicher ans Ziel bringt. Anna und Lena sind die Chauffeurinnen. Dann wird ein russischer Freiheitsk\u00e4mfer interviet und dazwischen berichtet Susanne Scholl immer wieder, was ich sehr interessant fand, von ihren Moskauer und anderen Erfahrungen, so wie sie sich zum Beispiel um Brot anstellt und als ausl\u00e4ndische Jounalistin kein Problem hat, das teurere zu kaufen. Die Russen beschweren sich dar\u00fcber, sie hat ein schlechtes Gewissen, geht aber trotzdem mit dem Brot weg, weil sie es jemanden mitbringen soll und 1968 war sie Studentin und hatte in Wien eine Russische Reisegruppe herumzuf\u00fchren, die sich, da sich ja h\u00f6chstwahrscheinlich Spitzeln unter ihnen befanden, nicht sehr authentisch zum Einmarsch in die CSSR \u00e4u\u00dfern durften.<br \/>\nIm zweiten Teil wieder von einem Gedicht eingeleitet, wird die Dolmetscherin Swetlana interwiet, die &#8220;Sowok&#8221; 1940 in eine sehr arme Familie, in einer Gemeinschaftswohnung, neben dem Wei\u00dfrussischen Bahnhof hineingeboren, die Deutsch studierte, als Lehrerin arbeite, danach heiratete, weil das alle taten, ein Jahr in der DDR arbeitete, danach DDR-Kindern in Moskauf Russisch beibrachte, bevor sie f\u00fcr die Auslandskorrespondenten arbeitete, die sie nat\u00fcrlich zu bespitzeln hatte.<br \/>\nDie Schriftstellerin  Ljudmila Ulizkaya, die ich einmal bei der Literatur im M\u00e4rz h\u00f6rte und von der ich noch ein Buch zu lesen habe, die Schriftstellerin, der &#8220;kleinen Leute&#8221;, wie Susanne Scholl meint und dann noch eine j\u00fcdische Menschenrechtsaktivistin. Einen Artikel \u00fcber arm und krank, der beschreibt, da\u00df die Rettung nicht zu armen alten Leuten kommt und die nicht mehr behandelt werden gibt es auch.<br \/>\nIm dritten Teil gibt es das  Portrait der Verk\u00e4uferin Tanja, die einmal sch\u00f6ne Puppen erzeugte und der Familie Jerofejew, wo der Vater Stalins Dolmetscher war und der Sohn ein Buch \u00fcber ihn schrieb.<br \/>\nZwischen dem Gedicht &#8220;Literaturclub&#8221; und &#8220;Metro&#8221; kommen Portraits von Julia Chrustschowa, der Tochter Enkeltochter Nikita Chrustschows, die an die Freiheit glaubt, priveligiert aufgewachsen ist, als Journalistin und dann im Theater arbeitete und die Susanne Scholl oft in der Nacht anruft, um sie auf eine besondere Auff\u00fchrung aufmerksam zu machen, von Alexander, dem Tonmeister und Chauffeur des ORF B\u00fcros, der eigentlich Medizin studierte und weil er lieber Ralleys fahren wollte, \u00fcberall als sogenannter Sportarzt angestellt war und \u00fcber Olga Soldatowa, der bekannten Designerin, die ihrem Sohn zuliebe aus dem Ausland wieder nach Moskau zur\u00fcckkehrte. Dazwischen gibt es Einsch\u00fcbe \u00fcber Stalins Geschichtsverf\u00e4lschung, das russische &#8220;Disneyland&#8221; namens Turkmenistan und den &#8220;Kitsch&#8221;, den Susanne Scholl sehr mag.<br \/>\nDann wird noch Oleg, der Computerfachmann vorgestellt, der sehr jung aussieht und das ORF B\u00fcro vor s\u00e4mtlichen Computerabst\u00fcrzen rettete und man hat zwischen der Schollschen Lyrik und den Portraits interessanter russischer Menschen indirekt sehr viel \u00fcber die russische Seele beziehungsweise das Leben in Moskau erfahren. Einen Ausblick, wie es weitergehen k\u00f6nnte, gibt es auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder etwas Interessanes aus dem B\u00fccherschrank, n\u00e4mlich der 2009 bei EcoWin erschienene Band &#8220;Russland mit und ohne Seele&#8221;, der 1949 geborenen Auslandskorrespondentin Susanne Scholl, die inzwischen auch als Schriftstellerin hervorgetreten ist. 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