{"id":24826,"date":"2013-10-26T00:22:06","date_gmt":"2013-10-25T22:22:06","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=24826"},"modified":"2013-10-26T00:22:06","modified_gmt":"2013-10-25T22:22:06","slug":"der-kopf-meines-vaters","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24826","title":{"rendered":"Der Kopf meines Vaters"},"content":{"rendered":"<p>Von der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/20\/buchfestival-fur-verlags-autoren-und-self-publisher\/\" title=\"Buchfestival f\u00fcr Verlags-Autoren und Self\u00a0Publisher\">Hietzinger Selbst- und Verlagspublischer Messe<\/a> am Sonntag, habe ich mir &#8220;Der Kopf meines Vaters &#8211; Wien von der NS- Zeit bis zur Gegenwart &#8211; Eine Zeitzeugin erz\u00e4hlt&#8221; mitgenommen, das mir Luis Stabauer, der die Interviews mit Maxi Plotnarek, f\u00fchrte, freundlicherweise f\u00fcr das &#8220;Literaturgefl\u00fcster&#8221; zur Verf\u00fcgung stellte, denn die Zwischenkriegszeit, der zweite Weltkrieg, etc, interessieren mich ja sehr, umso mehr da ich  vor kurzem einen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/18\/in-einer-nacht\/\" title=\"In einer\u00a0Nacht\">Wien-Roman \u00fcber das Jahr 1937<\/a> gelesen habe, wo die Protagonistin in der Reiss-Bar Sekt trink und sich bei Sigmund Freud auf die Coutch legt, etwas, was es nat\u00fcrlich auch gegeben hat und interessant ist, aber es gibt ja auch das proletarische Wien, die Widerstandsk\u00e4mpfer, die Arbeiterbezirke Ottakring und Favoriten und von der Arbeiterliteratur der Zwischenkriegszeit hat uns ja Irene Wondratsch beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/19\/vom-recherchieren-zur-gav\/\" title=\"Vom Recherchieren zur\u00a0GAV\">&#8220;Kulturpolitischen Arbeitskreis&#8221;<\/a> am Freitag einiges erz\u00e4hlt.<br \/>\nSo interessiert mich nat\u00fcrlich das Schicksal der &#8220;Zeitzeugin&#8221; von Maxi Plotnarek, die 1932 in Ottakring geboren wurde und 1955 einen Peter Machalek heiratete und heute im Gustav Klimt-Pensionistenhaus wohnt, wie in dem Buch steht.<br \/>\nDer 1950 in Seewalchen geborene Unternehmensberater, Couch und Autor Luis Stabauer, der seine B\u00fccher auf der Verlagsmesse ausstellte, die Leondinger Akademie besuchte und Lesungen im Rahmen des Literaturkreises &#8220;Textmotor&#8221; h\u00e4lt, hat mit der alten Damen, deren Eltern Widerstandsk\u00e4mpfer waren und deren Vater, Franz Plotnarek, 1943 von den Nazis im Landesgericht Wien gek\u00f6pft wurde, Interviews \u00fcber die NS-Zeit bis zur Gegenwart gef\u00fchrt und das 2009 bei &#8220;Acabus&#8221; erschienene Buch in die Abschnitte &#8220;Kindheit, Jugend, Jahre bis 1968&#8221; und &#8220;Gegenwart und R\u00fcckschau&#8221; gegliedert.<br \/>\nAnh\u00e4nge mit Berichten von ber\u00fchmten Zeitzeugen wie Bruno Kreisky, Christian Broda und Ruth Mayenburg, das ist die Frau von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/08\/14\/das-fanal\/\">Ernst Fischer<\/a>, gibt es auch und am Buchr\u00fccken eine W\u00fcrdigung der Parlamentspr\u00e4sidentin Barbara Prammer.<br \/>\nEine, die Ottakring ganz gut kennt, weil die Gro\u00dfmutter in den sogenannten Jubel\u00e4umsh\u00e4usern wohnte und 1912, der sich ebenfalls sozialistisch bet\u00e4tigende Vater, dort geboren wurde, ist es ein sehr interessantes Buch, noch dazu, wo ich vorher weder von einem Franz noch von einer Maxi Plotnarek etwas h\u00f6rte und auch bei Google, au\u00dfer Luis Stabauers Buch, nicht viel fand.<br \/>\nDie Maxi, eigentlich Grete, damals ein Modename, meine beiden Tanten, die Schwester meines Vaters, als auch die, meiner Mutter, hie\u00dfen ebenfalls so, ist also in Ottakring, einem Arbeiterbezirk, ziemlich beh\u00fctet aufgewachsen. Die Eltern Franz und Anna hatten eine Putzerei. Eine Bedienerin gab es auch. Maxi hat sie in der W\u00e4scherei nicht mithelfen m\u00fc\u00dfen, ist aber viel im Keller herumgelaufen und auf der Stra\u00dfe mit einem Roller gefahren, wof\u00fcr sie von den anderen Kindern sehr bewundert wurde und Maxi wurde sie gerufen, weil an ihr ein &#8220;Max&#8221;, ein schlimmer Bub, verloren gegangen ist.<br \/>\nEs gibt auch ein paar Fotos, die die Eltern vor der Putzerei, etc zeigen. Maxi war mit der Erziehung ihrer Eltern sehr zufrieden und wu\u00dfte, als dann die Nazis kamen und sie schon zur Schule ging, sehr genau, was sie erz\u00e4hlen durfte und was nicht, ohne da\u00df ihr das die Eltern sagen mu\u00dften. Der Vater war in einer Widerstandsgruppe und wurde von einem eingeschleusten Mitglied denunziert, die Mutter, die gerade einen Buchhaltungskurs an einer VHs besuchte, entging der Verhaftung, obwohl sie gerade an diesem Tag illegale Flugzettel in der Tasche trug.<br \/>\nSehr beeindruckend finde ich die Stelle, wo die kleine Maxi immer wieder den &#8220;Mittersteig&#8221;, heute eine Strafanstalt f\u00fcr abnorme Rechtst\u00e4ter, damals wahrscheinlich ein &#8220;ganz normales&#8221; Gef\u00e4ngnis, besucht, wo der Vater inhaftiert ist, weil sie wei\u00df, da\u00df sie ihn sehen kann, wenn er dort Lastwagen ausladen mu\u00df und die W\u00e4chter rufen &#8220;Geh, f\u00fchrts den Plotnarek wieder hinaus, damit die Kleine heimgeht, die erk\u00e4ltet sich noch da drau\u00dfen!&#8221;<br \/>\nMaxi hat dann, obwohl sie die Tochter eines Hingerichteten war, ein Gymnasium besucht und ist sp\u00e4ter Kinderg\u00e4rtnerin geworden. Sie ist nach dem Krieg der KP\u00d6 bei und 1968 wieder ausgetreten, hat 1955 geheiratet, zwei Kinder bekommen und ist nach Hietzing gezogen.<br \/>\n1968 endet der erste Teil, in dem Luis Stabauer, Maxi Plotnarek sehr anschaulich erz\u00e4hlen l\u00e4\u00dft und auch immer wieder behutsam nachfragt.<br \/>\nIm zweiten Teil wird dann von dem Pensionistenwohnhaus erz\u00e4hlt, in das Maxi Plotnarek mit ihren Mann Peter, der inzwischen verstorben ist, zog. Sie ist sehr begeistert von der M\u00f6glichkeit rundum betreut zu sein und trotzdem gen\u00fcgend Taschengeld zu haben und eine freie Frau zu sein, die machen kann, was sie will. Sie erz\u00e4hlt von den Freunden, die sie in dem Haus getroffen hat und, da\u00df man zum Fr\u00fchst\u00fcck erscheinen mu\u00df, sich sonst aber das Essen aufs Zimmer bringen lassen kann und, da\u00df sie Angst hat, mit manchen alten Leuten \u00fcber die Zeit des Widerstands zu reden, denn vielleicht waren das Nazis, die ja auch noch leben werden.<br \/>\nEin sehr interessantes Buch, das sehr gekonnt das Alte mit dem Neuen verbindet und man viel von einer Jugend in der Zwischenkriegs- und Nazizeit und auch von dem sozialistischen Aufstieg und sp\u00e4teren Wohlstand erf\u00e4hrt.<br \/>\nMit der heutigen Zeit ist die Maxi nicht mehr so zufrieden und ich finde es k\u00f6stlich, wie sie beschreibt, da\u00df man zwar seine Kinder nicht mehr schlagen darf, &#8220;was nat\u00fcrlich v\u00f6llig in Ordnung ist&#8221;, aber wenn die dann jemanden erschlagen und sagen, &#8220;Ich war halt so aggressiv und mu\u00dfte das abbauen!&#8221;, kann das doch auch nicht sein.<br \/>\nLuis Stabauer liest \u00fcbrigens am 13. November um 19 Uhr in der &#8220;Sargfabrik&#8221; in der Goldschlagstra\u00dfe 169, 1140 Wien, wo man ihn kennenlernen und sich wahrscheinlich auch \u00fcber sein Buch informieren kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Hietzinger Selbst- und Verlagspublischer Messe am Sonntag, habe ich mir &#8220;Der Kopf meines Vaters &#8211; Wien von der NS- Zeit bis zur Gegenwart &#8211; Eine Zeitzeugin erz\u00e4hlt&#8221; mitgenommen, das mir Luis Stabauer, der die Interviews mit Maxi Plotnarek, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24826\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-24826","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24826","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24826"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24826\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24826"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24826"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24826"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}