{"id":24646,"date":"2013-10-18T00:54:03","date_gmt":"2013-10-17T22:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=24646"},"modified":"2013-10-18T00:54:03","modified_gmt":"2013-10-17T22:54:03","slug":"in-einer-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24646","title":{"rendered":"In einer Nacht"},"content":{"rendered":"<p>In dem Roman der in Hamburg geborenen und in M\u00fcnchen lebenden Journalistin Gabriele Droste &#8220;In einer Nacht&#8221; geht es nicht nur um diese, denn das ist ein Theaterst\u00fcck von Franz Werfel, das 1937 im Theater in der Josefstadt aufgef\u00fchrt wurde und Gabriele Drostes Roman spielt in Wien 1937-1938 und dann noch einmal 1995 und in M\u00fcnchen beginnt und endet er.<br \/>\nDenn da stirbt 1995, die Gro\u00dftante der Journalistin Sophie Kluge, sie geht mit ihrer Mutter in die Wohnung, um sie aufzul\u00f6sen und erf\u00e4hrt, da\u00df die Mutter Perdita, die Verlorene, von Tante Margarete aufgezogen wurde, weil ihre Mutter Clara, 1937 hochschwanger vom Balkon in ihrer Wohnung in der Wiener Kirchengasse st\u00fcrzte. Sie starb, das Kind wurde geboren und Tante Margarete hinterl\u00e4\u00dft Sophie ein paar Fotos und Briefe und so f\u00e4hrt sie mit ihrem Freund Phillip nach Wien um zu recherchieren.<br \/>\nSie quartiert sich in einer Pension in der Kirchengasse ein und hat an einem Tag gleich drei Begegnungen mit alten Menschen, die nichts von ihr wissen wollen, sie aber entsetzt anstarren und sie Clara nennen. Offenbar sieht Sophie der Gro\u00dfmutter sehr \u00e4hnlich. Beim Grab auf dem Zentralfriedhof trifft sie einen alten S\u00e4nger, der t\u00e4glich dort steht und f\u00fcr die tote Clara singt und f\u00fcr die Grabkosten kommt er auch auf. Und in der Wohnung der Gro\u00dfeltern, die Gro\u00dfmutter war mit einem um zwanzig Jahre \u00e4lteren j\u00fcdischen Arzt verheiratet, der noch vor ihrem Tod in Dachau umgekommen ist, wohnt eine alte Dame namens Nina Wolle. Die Gro\u00dfmutter stand in den Briefen, war in einer K\u00fcnstlerclique und eine ihrer Freundinnen war eine Schauspielerin namens Nicoletta.<br \/>\nDann gehts zur\u00fcck ins Jahr 1937, die junge Clara sitzt schwerm\u00fctig im ihren Zimmer und frisiert sich, ihr Mann ist zwar nett und gut, hat aber keine Zeit f\u00fcr sie und behandelt sie wie ein Kind, so schleudert sie ihre B\u00fcrste in den Spiegel, ein Hochzeitsgeschenk der Schwiegermutter, darauf schickt Dr. Freund, so hei\u00dft er, Clara zu Sigmund Freud in die Praxis und daraufhin lernt sie Nicoletta und ihre Freunde, die S\u00e4nger Gustav und Robert und auch noch einen j\u00fcdischen Journalisten kennen.<br \/>\nRobert und Gustav verdienen sich ihre Gagen auch am Zentralfriedhof beim Singen auf Begr\u00e4bnissen und sehr starke Stellen in dem Buch sind die, wenn die unerfahrene Clara, der vor dem Sex mit Max ekelt, Freud ihre Tr\u00e4ume erz\u00e4hlt. Die Schlange ist der Penis und Dr. Freud sitzt verst\u00e4ndnisvoll hinter der Coutch und sagt &#8220;Hm!&#8221;<br \/>\nClaras neue Freunde sind dagegen viel aufgeschlossener, sie nehmen sie zu Landpartien und ins Theater mit und zwischen Clara und Gustav kommt es zu einer Liebesaffaire. Sie schaut sich auch &#8220;Faust&#8221; im Theater an und ist von dem Gretchen hingerissen und au\u00dferdem kommen noch die Nazis und die Ereignisse \u00fcberst\u00fcrzen sich.<br \/>\nDazwischen hat Sophie mit ihrem Phillip Schwierigkeiten, der sich als ziemmlicher Oarsch entpuupt und ihr auch dreinreden will, wie sie recherchieren soll. So trennt sie sich von ihm und lernt vor der St. Ullrichskirche einen Wolfgang Amadeus Franz Schubert kennen. Noch klischheehafter gehts wohl nicht mehr. Das ist vielleicht ein bi\u00dfchen das Manko des Buches, das sich stellenweise liest, wie ein Reisef\u00fchrer, nur werden manchmal die Routen falsch erkl\u00e4rt, denn um von der Kirchengasse in die Berggasse zu gelangen, braucht man nicht zur W\u00e4hringerstra\u00dfe und das Essen von Schnitzel wird als die Sensation angepriesen, das lockt wahrscheinlich die Touristen, nicht mehr nach Wien. Es werden aber auch Parties in den Katakomben gefeiert, ob das realistisch ist, wei\u00df ich nicht und das &#8220;Orienthotel&#8221;, ein Wiener Nobelpuff wird auch frequentiert, sowohl von Clara und ihren Freunden,  als auch von Sophie und Phillip.<br \/>\nDie Nazis machen aber der Idylle ein Ende und Clara ist schwanger geworden, wei\u00df nicht von wem, verbirgt es solange es geht von beiden M\u00e4nnern, denn Gustav dr\u00e4ngt sie mit Max zu sprechen und sich scheiden zu lassen. Das verlangen auch die Nazis von den arischen Ehefrauen und ein arischer Kollege \u00fcbernimmt die Praxis im Erdgescho\u00df. Er will auch die Wohnung haben, da zieht aber Nicoletta mit Robert fr\u00fcher ein und weil Clara sich nicht entscheiden kann, denunziert Gustav Max und er wird ausgerechnet in dem Moment verhaftet, als Clara ihm alles erz\u00e4hlen will, so da\u00df er mit dem Zweifel, da\u00df das Kind vielleicht nicht von ihm ist, ins KZ geht. Clara bekommt bald die Asche zugesandt und als sie erf\u00e4hrt, da\u00df Gustav, der Verr\u00e4ter war, st\u00fcrzt sie aus dem Fenster.<br \/>\nSophie, die sich mit einem Kleid aus den Neunzehnhundertdrei\u00dfigerjahren, den alten Leuten angen\u00e4hert hat, hat sich inzwischen mit Nicoletta angefreundet und bekommt von ihr 2005, da ist sie schon mit Wolfgang Amadeus Schubert verheiratet und selber Mutter, einen Brief. Sie soll nach Wien kommen, Gustav liegt im sterben und will ihr alles sagen und so endet der Roman, der sicher ein wenig kitschig und klischeehaft ist, aber Gabriele Droste hat sehr genau recherchiert und gibt und zeichnet sehr anschaulich, das Wien der Neunzehnhundertdrei\u00dfigerjahre. So gibt sie Einblick in das Theaterprogramm. Hans Lothar war damals Direktor der Josefstadt und Franz Werfel offenbar in allen Cafeh\u00e4usern gegenw\u00e4rtig. Es wird in dem Wien von 1937 nur sehr oft Champagner getrunken, w\u00e4hrend meine Eltern in dieser Zeit wahrscheinlich zu den Arbeitslosen geh\u00f6rten. Davon liest man in dem Buch nichts.<br \/>\nAber nat\u00fcrlich hat Sigmund Freud in dieser Zeit die verklemmten b\u00fcrgerlichen M\u00e4dchen und Ehefrauen behandelt und nat\u00fcrlich gab es Sekt in den gro\u00dfen Wohnungen, von denen ich inzwischen ja auch in einige gekommen bin. Ein interessantes  Buch also f\u00fcr eine Wienerin, die sich auch an trivialeren Romanen nicht zur\u00fcckschreckt und sich f\u00fcr das Wien von 1937 und 1938 sowieso sehr interessiert und das ist mir jetzt noch ein bi\u00dfchen plastischer und vorstellbarer geworden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem Roman der in Hamburg geborenen und in M\u00fcnchen lebenden Journalistin Gabriele Droste &#8220;In einer Nacht&#8221; geht es nicht nur um diese, denn das ist ein Theaterst\u00fcck von Franz Werfel, das 1937 im Theater in der Josefstadt aufgef\u00fchrt wurde &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24646\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-24646","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}