{"id":24259,"date":"2013-09-27T08:21:25","date_gmt":"2013-09-27T06:21:25","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=24259"},"modified":"2013-09-27T08:21:25","modified_gmt":"2013-09-27T06:21:25","slug":"aus-meinem-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24259","title":{"rendered":"Aus meinem Leben"},"content":{"rendered":"<p>Der Name Franz Michael Felder hat sich bei mir durch das Vorarlberger &#8220;Felder-Archiv&#8221; eingepr\u00e4gt, von dem Ulrike L\u00e4ngle, auf den GAV- Sitzungen immer wieder erz\u00e4hlte und irgendwie die Vorstellung, da\u00df das ein ber\u00fchmter Vorarlberger Dichter ist, aber sonst nicht sehr viel von ihm geh\u00f6rt und auch nichts gelesen. Vor einiger Zeit wurde in &#8220;Von Tag zu Tag&#8221; ein Buch \u00fcber die \u00f6sterreichische Literatur vorgestellt und dort Franz Michel Felder f\u00fcr bedeutender als Peter Rosegger und Stefan Zweig ger\u00fchmt, dann habe ich im Schrank die 1985 bei &#8220;Residenz&#8221; erschienene Autobiografie &#8220;Aus meinem Leben&#8221;, des 1839 geborenen und schon 1869 in Schopperau gestorbenen gefunden und mich in das Leben eines Vorarlberger Bauern eingelesen, der sich immer als Sonderling erlebte und dabei in seinen knapp drei\u00dfig Lebensjahren erstaunlich viele Leistungen und Ver\u00e4nderungen erbrachte.<br \/>\nPeter Handke hat das Vorwort geschrieben und den Dichter sehr gelobt, das Buch wurde \u00fcbrigens aus der St\u00e4dtischen B\u00fccherei ausgeschieden und wurde dort von 1985 bis 1991 dreizehnmal ausgeborgt.<br \/>\nDie ersten Kapiteln beschreiben die Kindheit. Vor Franz Michael ist ein Bruder gestorben und als der kleine Franz Michel durch eine Nachl\u00e4\u00dfigkeit eines betrunkenen Arztes ein Auge verliert, verliert die Mutter ein weiteres Kind.<br \/>\nAufgezogen wird der Bub vom &#8220;Gottle&#8221;, einer im Haus lebenden Base, die ihm Lieder vorsingt und das Musizieren beibringt. Als Franz Michel das erste Mal in die Kirche darf, ist er so ger\u00fchrt, da\u00df er Weinkr\u00e4mpfe bekommt, worauf ihn der Vater nicht mehr in die Gottesdienste und auch nicht zur Schule gehen lassen will.<br \/>\nDer Lehrer bzw. der Pfarrer verhindert das, so wird Franz Michel ein sehr flei\u00dfiger Sch\u00fcler, dem das Lesen sehr wichtig ist, im Sommer geht es auf die Almen, er zieht auch mit einer Bettlerin herum und kommt ins Gerede, weil die f\u00fcr den Lebensunt\u00fcchtigen bettelt, wovon er keine Ahnung hatte. F\u00fcr das Abonnieren einer Zeitung wird gespart und die dann auch weitergereicht und als Franz Michel erkl\u00e4rt, da\u00df er Bibliothekar werden will, bekommt der Lehrer so einen Schreck, da\u00df er ihm B\u00fccher aus seiner Bibliothek verspricht.<br \/>\nSonst werden in den Bauernh\u00e4usern meistens nur Kalender gelesen, die Frauen sticken in Heimarbeit, es wird K\u00e4se erzeugt, die die Bauern, dann nur sehr billig und nicht auf dem freien Markt verkaufen k\u00f6nnen und Franz Michel beginnt sich auch die B\u00fccher von Schiller und Goethe zu bestellen.<br \/>\nIrgendwann lernt er Anna Katharina  Moosbrugger, die Schwester eines studierten Freundes, kennen, ein sehr gelehrtes M\u00e4dchen, das Gedichte schreibt, den Garten pflegt, was f\u00fcr die Vorarlberger Bauern f\u00fcr wahrscheinlich genauso nutzlos, als das B\u00fccherlesen gilt und so gibt es anfangs auch mit der Beziehung Schwierigkeiten.<br \/>\nAnna Katharina, genannt Nanni, mu\u00df auf Anraten ihrer Familie mit einem anderer aufs Tanzfest gehen, damit sie mit Franz Michael nicht ins Gerede kommt, dann st\u00fcrzt der mit seinen K\u00fchen ins Wasser und ertrinkt beinahe weil er nicht schwimmen kann. Da kommt Nanni am Sonntag zu ihm in die Stube und schl\u00e4gt ihm selber eine Heirat vor, der schlie\u00dflich ihre Mutter zustimmt, so da\u00df es am 4 Februar 1861 zur Hochzeit kommt.<br \/>\nEin paar Seiten sp\u00e4ter endet der erste Teil der Autobiografie. Dem Nachwort von Walter Methagl entnimmt man, da\u00df der Ehe f\u00fcnf Kinder entsprangen, Nanni 1868 stirbt, worauf er in kurzer Zeit seine Autobiografie verfa\u00dft und selbst sieben Monate sp\u00e4ter kaum drei\u00dfigj\u00e4hrig an TBC verstirbt. Dazwischen hat er nicht nur drei Romane geschrieben, sondern auch eine Bibliothek im Dorf geschaffen, sich f\u00fcr die Verbesserung bei der K\u00e4serei eingesetzt und mit seinem Schwager eine politische Partei gegr\u00fcndet, die allerdings von der Kirche und vom Pfarrer sehr angefeindet wurde.<br \/>\nEin sehr beeindruckendes Leben und ein sehr beeindruckendes Buch, an dem ich trotzdem eher lang gelesen habe, in dem vor allem die Stellen ber\u00fchren, wo Felder \u00fcber seine Liebe zu B\u00fcchern und das Lesen spricht, in einer Zeit wo B\u00fccher nur von den Wohlhabenden gekauft wurden und daher auch die entsprechenden Inhalte hatte.<br \/>\nEs gibt auch einen &#8220;Franz Michael Felder-Verein&#8221;, in dem man Auskunft \u00fcber die vergriffenen und erh\u00e4ltlichen Publikationen bekommen kann und ich will der literarischen Bedeutung des Vorarlberger Dichters nichts entgegenreden, denke aber doch, da\u00df Peter Rosegger zumindestens als gleichwertig zu betrachten ist und Stefan Zweig hat ohnehin einer Bildungsschicht angeh\u00f6rt, die sich den Zugang zu B\u00fcchern niemals erk\u00e4mpfen mu\u00dfte, sondern, wie er in seiner &#8220;Welt von Gestern&#8221; schrieb, die neuesten Dichter in der Schulbank las, w\u00e4hrend die Professoren drau\u00dfen das langweilige Veraltete beschwafelten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name Franz Michael Felder hat sich bei mir durch das Vorarlberger &#8220;Felder-Archiv&#8221; eingepr\u00e4gt, von dem Ulrike L\u00e4ngle, auf den GAV- Sitzungen immer wieder erz\u00e4hlte und irgendwie die Vorstellung, da\u00df das ein ber\u00fchmter Vorarlberger Dichter ist, aber sonst nicht sehr &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24259\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-24259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24259"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24259\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}