{"id":24105,"date":"2013-09-19T00:29:24","date_gmt":"2013-09-18T22:29:24","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=24105"},"modified":"2013-09-19T00:29:24","modified_gmt":"2013-09-18T22:29:24","slug":"franz-kafka-tagebucher-1910-1923","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24105","title":{"rendered":"Franz Kafka &#8211; Tageb\u00fccher 1910 &#8211; 1923"},"content":{"rendered":"<p>Dank dem offenen B\u00fccherschrank habe ich mich jetzt in Kafkas Tageb\u00fccher eingelesen, was f\u00fcr die nicht Kafka- Expertin ein Weg h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, sich dem gro\u00dfen Dichter anzun\u00e4hern, in der Realit\u00e4t aber <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/21\/wunschloses-ungluck-und-andere-prosatexte\/\">wiedereinmal<\/a> <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/16\/kaff-auch-mare-crisium\/#comments\">schwierig<\/a> war, denn der Inhalt der dreizehn Quarthefte, die Kafka da seinem Freund Max Brod hinterlassen hatte und die von diesem 1950 vollst\u00e4ndig und nur mit wenigen privaten Weglassungen herausgegeben wurden, enthalten au\u00dfer &#8220;pers\u00f6nlichen Notizen und autobiographischen Reflexionen auch Aphorismen und Entw\u00fcrfe zu zahlreichen Erz\u00e4hlungen&#8221; und sind so f\u00fcr eine Nichtexpertin nicht leicht von einander zu unterentscheiden. Es gibt zwar ein paar Seiten Anmerkungen, um sich auszukennen, aber wieder viel zu wenig und so habe ich mich durch die vierhundertsiebzig sehr klein gedruckten Seiten, meiner Fischer TB-Ausgabe von 1981, wiedermal sehr schnell und fl\u00fcchtig durchgelesen in der Hoffnung, dem Gro\u00dfen vor dem ja alle am Boden liegen und staunen, n\u00e4herzukommen, denn bisher bin ich das nicht sehr. In der Schule habe ich, glaube ich nicht viel von ihm geh\u00f6rt, weil das Schuljahr mit der Matura  zu Ende war, als wir bei Frau Professor Friedls Leseliste mit Max Mell und Anton Wildgans angelangt waren, zumindest kann ich mich nicht an Kafka-Texte erinnern.<br \/>\nIm Sommer 1973, als ich mir sehr viele B\u00fccher kaufte, um mich in die Weltliteratur einzulesen, bin ich auch an &#8220;Amerika&#8221; herangekommen, aber nicht wirklich weiter, weil ja keine Ahnung von Kafkas Schreiben und Literaturlexikons habe ich, glaube ich, weder gehabt noch ben\u00fctzt. Google hat es noch nicht gegeben. &#8220;Amerika&#8221; habe ich viel sp\u00e4ter fertiggelesen und wieder nicht verstanden. Und als die Anna in der Schule mit der &#8220;Verwandlung&#8221; nach Hause kam und dar\u00fcber etwas schreiben mu\u00dfte, habe ich auch nicht sehr viel verstanden.<br \/>\nKafka der gro\u00dfe der Unbekannte, der Surrealist und n\u00e4here mich erst jetzt ihm allm\u00e4hlich etwas an. Gab es da ja vor paar Jahren ein Buch \u00fcber seine Beziehung mit Dora Diamant, das im ORF besprochen wurde. Von dem Briefwechsel mit Milena habe ich nat\u00fcrlich schon etwas geh\u00f6rt und vor ein zwei Jahren gab es beim Thalia-Abverkauf in St. P\u00f6lten ein &#8220;Kafka-B\u00fcchlein f\u00fcr Eilige&#8221;, das ich liegengelassen habe. Jetzt in Harland eine Gesamtausgabe Alfreds entdeckt und ein paar der B\u00fccher auf meine Leseliste gesetzt, die &#8220;Verwandlung&#8221; habe ich auch gefunden, als ich im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/02\/aufgeraumt-und-angeschrieben\/\">Mai meine B\u00fccherregale umr\u00e4umte<\/a> und meine Leseliste erg\u00e4nzte und im Mai gab es in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur auch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/23\/kafka-mit-sekt-und-torte\/\" title=\"Kafka mit Sekt und\u00a0Torte\">&#8220;Kafka mit Sekt und Torte&#8221;<\/a> bzw. wurde dort das Buch &#8220;Kafkas Wien&#8221; vorgestellt und ich habe \u00fcber das gro\u00dfe Wissen der anwesenden Kafka-Experten sehr gestaunt.<br \/>\nDas werde ich nun sicher nicht, habe durch die schnelle Badewannelekt\u00fcre aber doch einige sehr interessante Eindr\u00fccke bekommen und einiges erfahren, was ich so nicht wu\u00dfte. Denn ich habe, glaube ich, nicht einmal gewu\u00dft, da\u00df er 1924 in  Klosterneuburg gestorben ist und auch nicht, da\u00df erst Max Brod seine Romanfragmente herausgegeben hat und zwar gegen seine ausdr\u00fcckliche Anweisung, weil er die Texte vernichtet haben wollte und, da\u00df er zu Lebzeiten nur Erz\u00e4hlungen ver\u00f6ffentlicht hatte und ihn also erst Max Brod zu dem gro\u00dfen Dichter machte.<br \/>\nAlso auch einer, der zu Lebzeiten von seinem Ruhm nicht viel mitbekam und, da\u00df sich Max Brod nicht an die Anweisungen gehalten hat, mi\u00dff\u00e4llt mir, auch wenn ich schon wei\u00df, da\u00df wir dann um ein gro\u00dfes Literaturgenie gekommen w\u00e4ren, aber ich habe einmal Respekt vor pers\u00f6nliche Anweisungen.<br \/>\nAlso sollte ich auch dieses Tagebuch nicht lesen, habe mich nach dem Kafka-Vortrag im Mai aber schon sehr darauf gefreut und da es ohnehin schon ver\u00f6ffentlicht ist, ist es auch egal und viele der Namen hat Max Brod ohnehin nur abgek\u00fcrzt, um die Pribvatsph\u00e4ren zu sch\u00fctzen.<br \/>\nEs beginnt also mit 1910 und da springt der Autor gleich ganz untagebuchhaft in das Buch mit den Worten &#8220;Die Zuschauer erstarren, wenn der Zug vorbei f\u00e4hrt&#8221; in das Buch hinein. Was hat das mit einem Tagebuch zu tun? Bei Kafka ist aber alles anders und in Wikipedia und auch im Buch habe ich gelesen, da\u00df Kafka seinen Freunden Max Brod, Franz Werfel etc die Tageb\u00fccher auch vorgelesen hat, bzw. haben sich das die Freunde gegenseitig.<br \/>\nKafka hat sehr lange bei seinen Eltern und seinen drei Schwestern, die alle im Holocaust umgekommen sind, gelebt, hatte ein schwieriges Verh\u00e4ltnis zu seinem Vater und hat bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung wegen seiner Lungenkrankheit im Bureau einer Versicherungsanstalt gearbeitet. Da kommen Stellen vor, da\u00df ihm das nervt und gleich am Anfang gibt es auch eine Stelle &#8220;Oft \u00fcberlege ich es, und immer mu\u00df ich dann sagen, da\u00df mir meine Erziehung sehr geschadet hat.&#8221;<br \/>\nDiese Stelle wird mehrmals wiederholt und abgewandelt und einmal wird auch beschrieben, was der Vater zu dem Kind der Tochter, die diese gerade geboren hat, sagte &#8220;Als vorgestern die Mutter um ein Uhr in der Nacht von meiner Schwester zur\u00fcckkam, mit der Nachricht von der Geburt des Jungen, zog mein Vater im Nachthemd durch die Wohnung, \u00f6ffnete alle Zimmer, weckte mich, das Dienstm\u00e4dchen und die Schwestern und verk\u00fcndete, die Geburt in einer Weise, als sei das Kind nicht nur geboren worden, sondern als habe es auch ereits ein ehrenvolles Leben gef\u00fchrt und sein Begr\u00e4bnis gehabt.&#8221;<br \/>\nKafka geht viel ins Theater und liest auch viel, Goethe aber auch Otto Stoe\u00dfl und von einer Schnitzer- Auff\u00fchung wird berichtet, die aber nicht sehr gut gefallen hat.<br \/>\n1912 lernt er Felice Bauer kennen, im Buch F. genannt, verlobt sich 1914 mit ihr und es gibt einige Abschnitte, wo er seine Zweifeln \u00fcber eine etwaige Heirat ausdr\u00fcckt und \u00fcberlegt, wo er mit ihr leben soll, Wien kommt, daf\u00fcr nicht in Frage, &#8220;er dieses hasst und er in ihm nur ungl\u00fccklich werden m\u00fc\u00dfte&#8221;, die Verlobung passiert in Berlin, er l\u00f6st sie aber bald wieder auf und 1914 ist \u00fcberhaupt ein entscheidendes Jahr, der Krieg beginnt und Kafka beginnt auch seine wichtigsten Werke zu schreiben.<br \/>\n&#8220;Ich schreibe seit ein paar Tagen!&#8221;, merkt er so am 15. August 2014 an und Max Brod erl\u00e4utert, da\u00df es sich dabei um den &#8220;Proze\u00df&#8221; gehandelt hat. &#8220;Das Urteil&#8221; hat er im September 1912 in einer Nacht in nur acht Stunden hingeschrieben, Teile von &#8220;Amerika&#8221; und die &#8220;Verwandlung&#8221; sind auch 1912 entstanden. Es gibt auch ein paar Stellen \u00fcber das Schreiben bzw. dazu, da\u00df ihm das nicht oder nur zu wenig gelungen ist und auch eine Einladung von Robert Musil sich bei einer Zeitschrift zu beteiligen, wo er aber offenbar keine Texte daf\u00fcr hatte.<br \/>\nMit Felice Bauer, der er auch sehr viele Briefe geschrieben hat, die sie dann sp\u00e4ter im Exil in Amerika aus Not verkaufte, war er noch ein zweites Mal verlobt und eine sehr eindrucksvolle Reiseschilderung, als er Mitten im Krieg mit dem Zug nach Wien f\u00e4hrt, gibt es auch.<br \/>\n1917 wird bei Kafka dann die Tuberkolose diagnostiziert. Ab da werden die Tagebucheintragungen d\u00fcnner. 1918 gibt es gar keines, die von 1919 und 1920 passen auf zwei Seiten.<br \/>\nAnfang 1920 hat er, wie Max Brod anmerkt &#8220;Milena Jensenska, die begabte tschechische Schriftstellerin kennengelernt, die 1939 in Prag ins Gef\u00e4ngnis geworfen wurde und in einem Konzentrationslager ermordet wurde.&#8221;<br \/>\n1921 und 1922 schreibt er wieder mehr, die Texte beziehen sich \u00f6fter auf seine Krankheit und seine Erholungsaufenthalte, Refelxionen auf das Leben kommen auch immer wieder vor. Mit 1923 schlie\u00dfen die Tageb\u00fccher.<br \/>\nEs sind dem Buch dann noch Reisetageb\u00fccher von drei Reisen angef\u00fcgt, die Kafka zwischen 1911 und 1912 unternommen hat. Im Februar 1011 ist er offenbar in Auftrag seiner Versicherung nach Friedland und Reichenberg gefahren und hat in einem Schlo\u00df gewohnt, das laut Max Brod das Vorbild f\u00fcr sein &#8220;Schlo\u00df&#8221; sein k\u00f6nnte, eine sehr sch\u00f6ne Beschreibung von einer Buchhandlung, wo er eine Zeitschrift in einer Auslage sieht und dann wegen der Umst\u00e4ndlichkeit der alten Verk\u00e4uferin doch nicht nimmt, danach mit Max nach Paris, wo er sich mit diesen wegen etwas so Banalen wie das Waschen des Gesichtes zerstreitet und sowohl B\u00e4ckereien als auch Bordelle besucht und nach Weimar in das ber\u00fchmte Goethehaus und vorher nach Leipzig, wo er Rowohlt besucht gibt es nat\u00fcrlich auch, zwei Kafka-Zeichnungen sind dem Buch auch noch angef\u00fcgt.<br \/>\nDann habe ich das Buch weggelegt, bin in das Internet gegangen und habe mir fast einen Tag lang, ich wei\u00df auch nicht genau wieso, wahrscheinlich haben mich Kafkas Schwestern dazu angeregt, Filme \u00fcber das Warschauer Ghetto angeschaut und bin dabei nat\u00fcrlich auf den jungen Marcel Reich-Ranicki gesto\u00dfen, der dort im Judenrat gearbeitet hat, bevor er mit seiner Frau Tosia geflohen ist und der auch ein Buch \u00fcber Kafka geschrieben hat.<br \/>\nAls ich vorhin, was ich sehr gerne tue, www.buecher.at, aufrief, habe ich gelesen, da\u00df der Kulturgewaltige gestorben ist und bin, was mir nicht sehr oft passiert, zusammengezuckt und habe sehr betroffen &#8220;Uje!&#8221;, ausgerufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank dem offenen B\u00fccherschrank habe ich mich jetzt in Kafkas Tageb\u00fccher eingelesen, was f\u00fcr die nicht Kafka- Expertin ein Weg h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, sich dem gro\u00dfen Dichter anzun\u00e4hern, in der Realit\u00e4t aber wiedereinmal schwierig war, denn der Inhalt der dreizehn &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=24105\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-24105","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24105","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=24105"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/24105\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=24105"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=24105"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=24105"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}