{"id":23855,"date":"2013-09-04T00:49:53","date_gmt":"2013-09-03T22:49:53","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=23855"},"modified":"2013-09-04T00:49:53","modified_gmt":"2013-09-03T22:49:53","slug":"como","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=23855","title":{"rendered":"Como"},"content":{"rendered":"<p>Ein junger Mann aus Belgrad, der in einigen Zeitschriften Artikel hatte, fliegt, weil ihm ein Freund ein Formularblatt der Rockefeller-Stiftung in das er hineingeschrieben hat, da\u00df er die Absicht h\u00e4tte, einen Roman zu schreiben, \u00fcber Z\u00fcrch nach Milano, da ihm die besagte Stiftung f\u00fcr ein Monat ein Stipendium in ihrer Villa am Como See gew\u00e4hrt hat.<br \/>\nEr ist verkatert, so verlangt er im Flugzeug nach Bier, das er nach einigen Verhandlungen mit der Stewardesse auch bekommt. Der Fahrer, der ihm abholt, besteht darauf, seinen Koffer zu tragen und in der Villa in Bellagio, wird ihm ein Schlaf- und Arbeitszimmer zugewiesen und der Speisesaal gezeigt, wo er Mittags und Abends essen kann. Die Villa ist voll mit etwa zwanzig Stpendiaten, meist \u00e4lteren Wissenschaftlern aus Amerika oder Australien, ein paar Nigerianer sind auch dabei.<br \/>\nZum Abendessen soll man eine Krawatte tragen, der Ich-Erz\u00e4hler, hat keine, kauft sich aber nach ein paar Tagen eine im Ort, vom Taschengeld der Rockefelder-Stiftung und verbringt seine Tage mit spazierengehen. Da gibt es einen H\u00fcgel, auf der noch keiner der Einheimischen war, weil er sich offenbar im Besitz der Rockefeller-Stiftung befindet, freundet sich mit den Kellnern Gregorio und Mahatma an, die ihn mit Wein und Whiskey bedienen und ihn auch ins Fernsehzimmer holen, wenn dort Fu\u00dfballspiele \u00fcbertragen werden.<br \/>\nSie selbst d\u00fcrfen sich die Spiele h\u00f6chstens im Stehen anschauen, weil sie sonst ihren Job verlieren w\u00fcrden.<br \/>\nUnd die umliegenden Orte sind, wie der Erz\u00e4hler bemerkt sehr reich, obwohl die Waren, die am Markt angeboten werden, viel billiger als in den Gesch\u00e4ften sind. Nach den Abendessen gibt es oft Klavierauff\u00fchrungen oder andere gesellige gesellige Veranstaltungen der G\u00e4ste, die er meidet, er geht lieber in den Ort und freundet sich in den Kneipen mit Alda und Augusto an.<br \/>\nAlda ist eine Kellnerin die kein Englisch spricht, der Erz\u00e4hler kaum Italienisch, so zeichnen sie alles in ein Heft und verstehen einander pr\u00e4chtig. Augusto, der Besitzer einer anderen Kneipe kann gut Englisch und als der Erz\u00e4hler die beiden einmal als Gast in die Villa einladen will, um ihnen den H\u00fcgel zu zeigen, gibt es Anfangs mit Frau Bella, der Verwalterin Probleme, weil sie Italiener sind und er ihre Nachnamen  nicht kennt. Dann geht auch das in Ordnung. Man kann sich in der Villa Lunchpakete geben lassen und so steigt er mit einem einmal auf einen Berg hinauf und wird dann von einem alten Professor und Vogelkenner gebeten, das aufzuschreiben.<br \/>\nDas alles tut der Ich- Erz\u00e4hler freundlich und l\u00fcgt auch manchmal ein bi\u00dfchen herum, nur eines nicht, er schreibt an keinen Roman und nur dadurch und sonst mit keinem Wort, erf\u00e4hrt man ein bi\u00dfchen was von dem Trauma, was man vielleicht haben k\u00f6nnte, wenn man Ende der Neunzigerjahre, auch das wird nicht genau angegeben, aus so einem &#8220;beschissenen Land&#8221; wie &#8220;Serbien&#8221; kommt.<br \/>\nOder doch, einmal erinnert, ihn eine alte Dame an Dubrovnik, wo sie einmal war und dort d\u00fcrfte er seine Kindheit verbracht haben. Nach einem Abend oder Mittagessen, spielt die alte Professorin eine ihm bekannte Melodie.<br \/>\n&#8220;Kennen Sie sie?&#8221;, fragt sie und wiederholt sie noch einmal f\u00fcr ihn. Dann kommt er darauf, das wurde in der Kathedrale von Korcula, in der nun acht Jahre schon nicht mehr war, immer gespielt.<br \/>\nAm Abend zeichnet der das f\u00fcr Alda auf und als das Monat beendet ist, er hat inzwischen noch Brenda, eine New Yorkerin mit einem sehr bekannten Mann, kennengelernt, betrinkt er sich wieder und mu\u00df beim Abendessen, weil das so \u00fcpblich ist, eine Abschiedsrede halten.<br \/>\nErst bl\u00f6delt er herum, dann erz\u00e4hlt er das Erlebnis und bekennt, da\u00df er das ganze Monat nichts an dem Roman gearbeitet hat, was Frau Bella versteht und meint, da\u00df das wenn es f\u00fcr ihn gut ist, auch in Ordnung ist.<br \/>\nEr wird auch von Augustos Bruder eingeladen, legal oder illegal in Bellagrio zu bleiben und Zigaretten zu schmuggeln und von Brenda zu ihr nach Brooklyn zu kommen, reist dann aber mit zwei Flaschen Whiskey, die er von seinen Lieblingskellnern bekommen hat, doch wieder in sein &#8220;beschissenes Serbien&#8221; zur\u00fcck, das hei\u00dft die eine Flasche schenkt er dem Chauffeur, der auch alles \u00fcber ihn wei\u00df, alles versteht und trotzdem seine Koffer tragen mu\u00df.<br \/>\nEin sehr unaufdringliches Buch, mit dem der 1967 in Belgrad geborene Srdan Valjarevic, 2008 den zweiten &#8220;Bank Austria Literaris&#8221; bekommen hat, wie ich wieder nicht dem Buch, aber der &#8220;Wieser-Verlagsseite&#8221; entnehme, das in seiner lakonischen Art zwischen den Zeilen, sehr viel vom Leben eines Serben w\u00e4hrend des Kriegs erz\u00e4hlt und auch, wie es bei den Stipendiatsaufenthalten der &#8220;Rockefeller&#8221;- oder anderen Stiftungen, in deren Genu\u00df ich noch nicht gekommen bin, zugehen kann.<br \/>\nEin Buch das vom Saufen, der Liebe, der Verzweiflung und auch von der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung handelt, die entstehen kann, wenn sich zwei Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen, miteinander trinken und sich ihre Geschichten einfach in ein Heftchen zeichnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein junger Mann aus Belgrad, der in einigen Zeitschriften Artikel hatte, fliegt, weil ihm ein Freund ein Formularblatt der Rockefeller-Stiftung in das er hineingeschrieben hat, da\u00df er die Absicht h\u00e4tte, einen Roman zu schreiben, \u00fcber Z\u00fcrch nach Milano, da ihm &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=23855\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-23855","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23855","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23855"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23855\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}