{"id":23437,"date":"2013-08-16T16:08:57","date_gmt":"2013-08-16T14:08:57","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=23437"},"modified":"2013-08-16T16:08:57","modified_gmt":"2013-08-16T14:08:57","slug":"der-augensammler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=23437","title":{"rendered":"Der Augensammler"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das auch nicht auf den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/14\/long-list-thoughts\/\">dBp-Listen<\/a> steht, obwohl es spannend ist, eine gro\u00dfe Auflage hat und es die Leser gerne lesen.  Sebastian Fitzkes 2010, erschienener &#8220;Augensammler&#8221;, war auch am Mittwoch beim &#8220;Libro&#8221; in Traisen in der Originalpreis-TB-Kiste zu finden, obwohl ich mein Buch aus dem offenen B\u00fccherschrank habe, da hat es ein Dieter Sch. mit Dezember 2011 vermerkt.<br \/>\nEs ist nicht mein erster Sebastian Fitzek, in den Schr\u00e4nken findet man ja viele Krimis und Thriller, die offenbar gerne nach dem Lesen wieder hergegeben werden. So habe ich schon <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/07\/02\/amokspiel\/\" title=\"Amokspiel\">&#8220;Amokspiel&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/07\/die-therapie\/\" title=\"Die\u00a0Therapie\">&#8220;Die Therapie&#8221;<\/a> gefunden und vor kurzem auch den &#8220;Seelenbrecher&#8221;, der demn\u00e4chst folgt.<br \/>\nBevor ich &#8220;Amokspiel&#8221; gelesen habe, habe ich den Autor 2007 damit auf der letzten Buchwoche geh\u00f6rt und war sehr beeindruckt, denn Sebastian Fitzek ist ja ein Musterbeispiel an spannender Dramaturgie. So auch beim &#8220;Augensammler&#8221;, der \u00e4hnlich wie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/13\/der-winter-tut-den-fischen-gut\/\" title=\"Der Winter tut den Fischen\u00a0gut\">Anna Weidenholzers &#8220;Fische&#8221;<\/a> von hinten beginnt und der Autor, der auch im Netz durch seine Seiten und seine Kommunikation mit den Lesern gl\u00e4nzt, so verlost er beispielsweise Wohnzimmerlesungen,  gibt auf der ersten Seite auch einen sachdienlichen Hinweis, da\u00df man das Buch, weil es mit dem &#8220;Epilog&#8221; und mit Seite &#8220;439&#8221; beginnt, nicht einfach zur\u00fcckgeben kann.<br \/>\n&#8220;Da m\u00fcssen Sie sich schon eine andere Ausrede einfallen lassen&#8221;, schreibt er launig, obwohl  Alexander Zorbach, der Protagonist und Ich-Erz\u00e4hler, in seinem &#8220;Epilog&#8221; auf der ersten Seiten mit der Nummer vierhundertneunddrei\u00dfig schreibt &#8220;Lesen Sie nicht weiter!&#8221;<br \/>\nSebastian Fitzek meint in seiner Anmerkung auch, da\u00df man am Schlu\u00df verstehen w\u00fcrde, warum das Buch mit dem Schlu\u00df beginnt. So ganz habe ich es nicht verstanden oder doch, das Leben geht weiter, die Geburt ist der Anfang vom Ende, nat\u00fcrlich und ich glaube, das ist nicht nur f\u00fcr Zyniker so, sondern ganz ernstgemeint, wie irgendwo auch steht.<br \/>\nUnd wie meistens bei Sebastian Fitzek beginnt es sehr ausschweifend. Der Beginn oder das Ende, ist die Stelle, wie der Polizist Alexander Zorbach, auf einer Br\u00fccke steht und einer geistesgest\u00f6rten Frau, die ein Kind entf\u00fchrte, dieses wieder abhandeln soll, weil es an einer unheilbaren Krankheit leidet und dringend in \u00e4rztlicher Behandlung geh\u00f6rt. Er verliert die Nerven, erschie\u00dft die Frau und verliert in weiterer Folge seinen Job, ist zu Beginn des Buches also Polizeireporter und seine Ehe soll auch geschieden werden. Er hat einen elfj\u00e4hrigen Sohn namens Julian, der bei der Mutter lebt, den er sehr liebt, aber leider keine Zeit f\u00fcr ihn, er begleitet ihn aber in Szene zwei in ein Krankenhaus, wo er seine Spielsachen hergeben soll, damit er an seinem elften Geburtstag wieder Platz f\u00fcr neue hat. Als er dem Sohn ein Cola kaufen will, was dessen esoterische Mutter nicht gefallen w\u00fcrde, merkt er, seine Brieftasche fehlt. Er verl\u00e4\u00dft das Krankenhaus, um sie zu suchen und das Spiel beginnt. Denn jetzt h\u00f6rt er den Polizeifunk ab, zieht sich einen Schutzanzug an und f\u00e4hrt zu einem Haus, wo der &#8220;Augensammler&#8221; ein Spieler, der Frauen mordet, die Kinder entf\u00fchrt und den V\u00e4tern genau f\u00fcnfundvierzig Stunden und sieben Minuten Zeit gibt, sie wiederzufinden, bevor sie sterben, t\u00e4tig war und ger\u00e4t, weil seine Brieftasche dort gefunden wird, in Tatverdacht.<br \/>\nSo f\u00e4hrt er in ein Bootshaus, um sich zu verstecken, dort wartet eine blinde Physiotherapeutin auf ihn, die ihm erz\u00e4hlt, der Augensammler war in ihrer Praxis und wenn sie ihm massiert, kann sie in die Vergangenheit sehen. So beginnen die beiden den Augensammler zu jagen und allm\u00e4hlich geraten wir in den Sog des Buchs.<br \/>\nSo erkl\u00e4rt ein gel\u00e4hmter Polizeipsychologe genau die Psyche des T\u00e4ters, er ist eigentlich kein Sammler, sondern ein R\u00e4cher, denn die entf\u00fchrten Kinder waren meist nicht, die ihrer V\u00e4ter. Die M\u00fctter haben ihre M\u00e4nner betrogen, deshalb m\u00fcssen sie sterben und die V\u00e4ter suchen dann nicht richtig und au\u00dferdem sticht der Augensammler auch noch das linke Auge aus, um darauf, wie in der griechischen Sagen, hinzuweisen. Alex Zorbach hatte in einem Swingerclub Charlie kennengelernt und erkennt jetzt, sie ist die tote Mutter des neunj\u00e4hrigen Toby, der in einem Sack und dann noch in einer Kiste steckt und Zorbach hat auch noch ein anderes Problem, n\u00e4mlich eine Mutter mit Wachkoma, die eigentlich sterben will, aber Zorbach traut sich jetzt nicht mehr den \u00c4rzten zu sagen, da\u00df sie die Ger\u00e4te abstellen sollen.<br \/>\nSebastian Fitzek behandelt mit all seiner Spannung also wieder sehr brisante Themen, f\u00fchrt sehr behutsam in die Welt der Blinden ein und in die der Pflegeheime mit den \u00fcberforderten Pflegerinnen und der Augensammler f\u00fchrt den Ex-Polizisten weiter an der Leine vor sich her, n\u00e4mlich zu einem schon sehr weihnachtlich geschm\u00fcckten Haus, wo &#8220;Dschigle Bells&#8221; auf einer Schleife abgespult wird und pl\u00f6tzlich steht dann noch da &#8220;Der Schl\u00fcssel liegt im Trog ben\u00fctz ihm du bist tot&#8221;.<br \/>\nAlexander nimmt den Schl\u00fc\u00dfel nat\u00fcrlich, geht in den Keller, wo eine Frau in einem Plastiksack eingeschwei\u00dft liegt und bekommt dort den Auftrag, er soll ihre Ger\u00e4te abstellen, sonst bekommt er keine Luft mehr, er kann das auch nicht, wird aber befreit und es stellt sich heraus, die Frau war eine Krankenschwester, die ihre Patienten vernachl\u00e4\u00dfigt hat.<br \/>\nDer T\u00e4ter ist also ein R\u00e4cher und die Polizei h\u00e4lt immer noch Zorbach daf\u00fcr, so da\u00df er gefoltert wird und uns Sebastian Fitzek auf vierhundert spannenden Seiten vom Anfang bis zum Ende oder von dort zum Anfang f\u00fchrt.<br \/>\nDenn Julian hat ja seinen elften Geburtstag und w\u00fcnscht sich, da\u00df der Papi dazu kommt, der verspricht es auch, steht, aber in der Fabrik, wo der kleine Tobias nur mehr ein paar Minuten hat, bevor er erstickt oder ertrinkt, also kann er  nicht so einfach weg und schickt nur den Assistenten mit seiner Uhr zu ihm, um dann, nachdem Tobias und seine Schwester gerettet sind, vor seiner toten Frau zu stehen und nun wieder ein Ultimatium von f\u00fcnfundvierzig Stunden und sieben Minuten hat, Julian zu finden&#8230;.<br \/>\nDer T\u00e4ter schickt dann auch noch, um es besonders spannend zu machen, ein paar E-Mails an die Zeitung, wo er seine Motive erkl\u00e4rt. Er hat sich als Kind mit seinem kleinen Bruder, dem das linke Auge fehlte, in einer Tiefk\u00fchltruhe versteckt, um den &#8220;Liebestest&#8221; zu machen, ob ihn die Eltern, in diesen Fall der Vater rechtzeitig finden wird? Der ging aber lieber mit seinen Freunden saufen, so da\u00df der kleine Bruder nach f\u00fcnfundvierzig Stunden und sieben Minuten erstickte und wir haben das Motiv.<br \/>\nAm Schlu\u00df gibt es eine Danksagung des Autor und ein Pl\u00e4doyer sich f\u00fcr die Welt der Blinden zu interessieren und weil das Sebastian Fitzek so intensiv getan hat, gibts gleich einen weiteren Thriller mit der blinden Physiotherapeutin Alina Gregoriev und Alexander Zorbach, namens &#8220;Der Augenj\u00e4ger&#8221;, 2011 erschienen und eine Lesprobe im Anhang, aber noch habe ich &#8220;Den Seelenbrecher&#8221; zu lesen und am Schlu\u00df des Buches nat\u00fcrlich wieder die Frage, was das Motiv ist, sich so schlimme Sachen auszudenken und warum man es und da mu\u00df ich mich nat\u00fcrlich selber an der Nase nehmen, dann so gerne liest?<br \/>\nDenn eigentlich k\u00f6nnte man auf die Welt der Blinden ja auch auf eine viel wenigere grausliche Weise hinweisen, die dann aber nat\u00fcrlich nicht so spannend ist&#8230;. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Buch, das auch nicht auf den dBp-Listen steht, obwohl es spannend ist, eine gro\u00dfe Auflage hat und es die Leser gerne lesen. 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