{"id":22956,"date":"2013-07-28T09:17:10","date_gmt":"2013-07-28T07:17:10","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22956"},"modified":"2013-07-28T09:17:10","modified_gmt":"2013-07-28T07:17:10","slug":"erstes-allgemeine-nicht-reise-buch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22956","title":{"rendered":"Erstes Allgemeines Nicht-Reise-Buch"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja im Gegensatz zum Alfred eher ein Reisemuffel und so hat mir der einmal vor l\u00e4ngerer Zeit, das &#8220;Erste Allgemeine Nicht-Reise-Buch&#8221; zu Weihnachten geschenkt und ich habs lange nicht gelesen, weil ich Geschichtenansammlungen nicht so mag, aber jetzt wo die Zeit kommt, wo wir \u00fcberlicherweise auf unsere <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/19\/sechs-landerreise\/\">Urlaubsreisen<\/a> gegangen w\u00e4ren, habe ich es herausgepackt und zu den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/13\/sommerbucher\/\">Sommerb\u00fcchern<\/a> getan.<br \/>\nEs ist ein dtv Taschenbuch von 1990. Am Titelbild  liegt einer auf deinem Bett mit einem Globus\u00fcberzug und liest ein Buch und ein Vorwort \u00fcber den Reisezwang, das allgemeine Mu\u00df, wo die Intellektuellen in die Toskna, die anderen ans Meer reisen und dar\u00fcber schreiben oder schimpfen, wenn sie im Stau stecken oder die Str\u00e4nde verschmutzt sind, gibt es auch. Die erste Geschichte, die sich dar\u00fcber lustig macht, des 1804 in Heilbronn geborenen Wilhelm Waiblinger &#8220;Picknick in der Peterskuppel&#8221; f\u00fchrt dann nach Rom, dorthin bricht n\u00e4mlich eine englische Gesellschaft mit Lord, Lady, Kapit\u00e4n und M\u00e4dchen mit rosigen B\u00e4ckchen auf. Will in der Kuppel oben nat\u00fcrlich englischen Tee trinken, scheitert an den vielen Kustoden, die allen einen Skudo oder mehr verlangen und mit denen man handeln mu\u00df. Der Tee wird dann vergessen, das Wasser gibt es nicht und ein Gewitter zieht auch noch auf.<br \/>\nTheodor Fontane, 1819-1898, plaudert \u00fcber das &#8220;Moderne Reisen&#8221; &#8220;Zu den Eigent\u00fcmlickeiten unserer Zeit geh\u00f6rt das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugt Individuen, jetzt reist jeder und jede.&#8221; von Kyff\u00e4usern bis Reinhardsbrunn beispielsweise.<br \/>\nUnd Ludwig Thoma hat einen Dialog &#8220;O Natur&#8221;, da stehen zwei im Wald, wo die Christb\u00e4ume wachsen und sind \u00fcberw\u00e4ltigen, sie w\u00fcrden ja noch gerne l\u00e4nger bleiben, k\u00f6nnen aber nicht, denn Morgen mu\u00df sie ja zur Schneiderin und Abends in den Rosenkavalier&#8221; und der Holzknecht, den sie fragen, ob er f\u00fcr immer hier lebt, antwortet m\u00fcrrisch, ja &#8220;Am&#8230;..&#8221;, ja so sind sie Proleten!<br \/>\nKurt Tucholsky 1890 bis 1935 mokiert sich \u00fcber &#8220;Die Kunst, falsch zu reisen&#8221; und gibt Ratschl\u00e4ge daf\u00fcr &#8220;Verlange alles, vorn die Ostsee und hinten die Leipziger Stra\u00dfe. Ist das nicht vorhanden, dann schimpfe.&#8221; und der &#8220;Kleine Prinz&#8221;, will vom Weichensteller wissen, was er so mache, w\u00e4hrend Heinrich B\u00f6ll von einem erz\u00e4hlt, dessen Aufgabe es wohl ist &#8220;Hier ist Tibten! Reisende, die das Grab des Tiburtius besuchen wollen, m\u00fcssen hier aussteigen&#8230;&#8221; im Zug zu sagen.<br \/>\nDann gehts mit Doris Lessing beziehungsweise einem \u00e4lteren englischen Ehepaar nach S\u00fcdfrankreich, denn dort waren sie schon auf Hochzeitsreise und auch sonst ein paar Mal und jetzt, nachdem die Tochter gro\u00df ist will es Mary noch einmal versuchen. Es wird ein Flop, der gewohnte Hotelportier nicht mehr im Dienst, die Zimmer zu teuer und einen Sonnenbrand holen sie sich auch, dann geht der Ehemann tauchen, sie lernen ein j\u00fcngeres englisches Ehepaar kennen und zerstreiten sich mit ihm beim Abendessen.<br \/>\nKarl Magnus Enzensbergers &#8220;Theorie des Tourismus&#8221; klingt sehr kompliziert und Umberto Ecco stellt eine Theorie \u00fcber das Disneyland auf, bevor und Erich Loest etwas \u00fcber die Reise, die sein Landsmann Karl May mit Achtundf\u00fcnfzig 1900\/1901 in den Orient unternahm und Andre Heller erinnert alle Reise un-oder auch lustigen, da\u00df die wahren Abenteuer selbstverst\u00e4ndlich nur im Kopf stattfinden w\u00fcrden und sonst nirgendswo.<br \/>\nEmma  Bombeck &#8220;Nur der Pudding h\u00f6rt mein Seufzen&#8221;, gibt k\u00f6stliche Ratschl\u00e4ge, was man machen mu\u00df, wenn man eigentlich nach New York, der beste aller Ehem\u00e4nner aber Campingurlaub machen will und es st\u00e4ndig regnet &#8220;Lassen Sie (die Kinder) Spiele spielen, beispielsweise &#8220;Papi suchen oder Motorrad begraben (am besten das Motorrad, das die ganze Nach auf dem Campingplatz im Kreis herumf\u00e4hrt.)<br \/>\nUnd Hermann Peter Piwitt war in &#8220;San Teodoro&#8221;, Sizilien auf Urlaub und gibt genauso k\u00f6stliche Einblicke in die sizilianischen Touristenfallen, w\u00e4hred Hermann Kant, der Ex-Pr\u00e4sident des Ex-DDR- Schriftstellerverbandes, das Buch ist 1990 erschienen, wieder einmal mit seinen Zynismus aufwartet und Einblicke in die schreckliche Nacht eines Messevertreters aus der Freiberger Mulde, der an der Rhone etwas zu vertreten hatte, gibt, der in seinem billig Hotelbett liegt und in der Nacht nicht schlafen kann, weil aus dem Kleiderschrank die Bums-Ger\u00e4usche des Zimmers dr\u00fcben dringen.<br \/>\nJost Krippendorf gibt einen soziologischen Essay &#8220;\u00dcber die Ferienmenschen&#8221;, w\u00e4hrend Fay Weldon in gewohnt <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/21\/die-teufelin\/\">teuflicher<\/a> Manier eine Gattin von einer Reise mit Mister Pears erz\u00e4hlt, die dann f\u00fcr sie im Rollstuhl endet.<br \/>\nJoseph von Westphalen verr\u00e4t uns &#8220;Warum ich nicht nach Amerika fahre&#8221; und trotzdem \u00fcber die Schlagl\u00f6cher und die Fr\u00fchst\u00fcckseier dort Bescheid wei\u00df und in Peter Schmidts Geschichte f\u00e4hrt ein Manager von &#8220;Globeair&#8221; mit einem Billigflieger zu einer Billigcharterreise seiner Firma und erf\u00e4hrt auf dieser alles, was er vorher noch nicht wu\u00dfte. Tama Janowitz l\u00e4stert in &#8220;Sonnenstich&#8221; \u00e4hnlich \u00fcber die Pauschal und Billigreisen, wo man keinen Hummer bekommt und die Oberkellner nicht Franz\u00f6sisch verstehen, w\u00e4hrend die H\u00fctten in den Haiter-Hotelanlagen, alle wie  ein Schweizer Chalet a la Heidi aussehen. Karl Heinz Seidl sinniert \u00fcber den &#8220;Urlaub&#8221; und fragt sich warum wir reisen.  K\u00f6nnte man doch &#8220;beispielsweise banz bequem zu Hause bleiben, B\u00fccher lesen, Freunde treffen, in schattigen Bierg\u00e4rten Brotzeit machen, spazieren oder in sich gehen-&#8221;<br \/>\nIch denke, da\u00df man es doch der Bildung wegen macht, um hinauszukommen, etwas anderes zu sehen und, da\u00df es auch nicht stimmt, wie Nestroy seinen \u00fcbers\u00e4ttigten Herrrn von Lips sagen l\u00e4\u00dft, da\u00df alles \u00fcberall gleich aussieht, auch wenn nat\u00fcrlich nicht jeder der &#8220;als Goethe nach Italien f\u00e4hrtmals Klassiker wieder zur\u00fcckkommt&#8230;&#8221;<br \/>\nAuch Sybil Gr\u00e4fin Sch\u00f6nfeldt meint &#8220;Reisen mu\u00df verboten werden&#8221; und sehnt sich nach der Sommerfrische, dazu denke ich, da\u00df man, wie ich es tat, beispielsweise in Amerika, Japan, Italien und wo auch immer gewesen sein sollte, um den Wert des eigenen Balkons zu erkennen und, da\u00df ich die Sommerfrische bevorzugt, um zu schreiben n\u00fctze, was auch nicht jeder will oder kann, w\u00e4hrend der 1944 in Dresden geborene Ingomar von Kiseritzky wieder litarischer wird wenn er von den &#8220;Unnahmlichkeiten der Reise mit Brant&#8221; erz\u00e4hlt.<br \/>\nEinen Text \u00fcber die Staus vor dem Gotthardtunnel gibt es auch Paula Almquist gibt eine Auz\u00e4hlung \u00fcber die Typen, die das Reisen so unverge\u00dflich machen, w\u00e4hrend Elfriede Hammerl in &#8220;Ein Mann f\u00fcr Manhattan&#8221; vom Kosmopoliten Peter erz\u00e4hlt, der in Rosenheimj, wo er lebt eigentlich stinklangweilig ist, in Manhatan aber, wo er neulich wieder war, offenbar unwiderstehlich und ein Draufg\u00e4nger erster Sorte.<br \/>\nAndre Heller h\u00e4lt dann noch eine &#8220;Rede auf einem Forum f\u00fcr Touristen, w\u00e4hrend Rober Jungk zum Schlu\u00df des Buches den sanften Tourismus will.<br \/>\nEine F\u00fclle von unterschiedlichen Essays, Texten, Gedichten f\u00fcr und wider das Reisen, die einer, die diesen wundersch\u00f6nen Sommer f\u00fcnf Tage auf der Harlander Terrasse, mit dem Fahrrad an der Traisen, schreibend und mit ihren Sommerb\u00fcchern verbringt, einen Einblick auf das wie es einmal war und was man wahrscheinlich nicht vers\u00e4umt gibt.<br \/>\nDer wohlverdiente Urlaub sei jeden geg\u00f6nnt, eine Sommerreise durch ein Reiseb\u00fcro gebucht, die einen dann in einen Ferienclub all inclusive bringt, wo drau\u00dfen die W\u00e4chter stehen und die Einheimischen abh\u00e4lt einen anzubetteln oder eine Reise wo man nichts als den Tourismus sieht und pro Nach hundert oder mehr Euro f\u00fcr sein Zimmer zahlen mu\u00df, ist aber auch nicht nach meinem Geschmack. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/13\/sommerbucher\/\">Sommerb\u00fccher<\/a>, die auch Reisen schildern aber schon, deshalb habe ich noch einen kleinen <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/16\/meine-erste-reise\/\">Link<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja im Gegensatz zum Alfred eher ein Reisemuffel und so hat mir der einmal vor l\u00e4ngerer Zeit, das &#8220;Erste Allgemeine Nicht-Reise-Buch&#8221; zu Weihnachten geschenkt und ich habs lange nicht gelesen, weil ich Geschichtenansammlungen nicht so mag, aber jetzt &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22956\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22956","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22956","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22956"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22956\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22956"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22956"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22956"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}