{"id":22839,"date":"2013-07-23T00:01:14","date_gmt":"2013-07-22T22:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22839"},"modified":"2013-07-23T00:01:14","modified_gmt":"2013-07-22T22:01:14","slug":"samstag-in-st-polten-stadtschreibertext","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22839","title":{"rendered":"Ein Stadtschreibertext"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185156.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185156.jpg?w=300\" alt=\"20130721-185156\" width=\"300\" height=\"198\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22864\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185232.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185232.jpg?w=300\" alt=\"20130721-185232\" width=\"300\" height=\"198\" class=\"alignright size-medium wp-image-22865\" \/><\/a><\/p>\n<p>Xenia hatte das Handy in der Hand und blickte Hubert an, ihren Mann, ihren Gatten, ihren Liebsten, angetraut seit fast f\u00fcnfzig Jahren und sie w\u00fcrde in drei Monaten ihren Siebziger feiern. Ja, damals heiratete man noch so jung. Damals vor f\u00fcnfzig Jahren, als sie gerade zwanzig und mit dem College fertig war. Da war sie ein bi\u00dfchen in die Welt gereist. Das hei\u00dft nach Capri an den Strand gefahren, wie man das in den Sechzigerjahren so machte und dort Hubert kennengelernt, der aus Wagram stammte. Sie kam aus Spratzern und wohnte noch bei ihren Eltern. Jetzt besa\u00dfen sie ein Haus am M\u00fchlenweg und Hubert hatte Krebs diagnostiziert bekommen.<br \/>\nDabei sah man ihm das gar nicht an, wie er so da sa\u00df in seinem dunkelbrauen Hemd, die wei\u00dfe Baseball Kappe auf den kurzen Haaren und seiner tief gebr\u00e4unten Haut. Fast strahlend sah er sie an, da\u00df sie es gar nicht glauben konnte und hoffte Norbert h\u00e4tte sich geirrt. Aber Norbert, ihr \u00e4ltester, der auch schon bald f\u00fcnfzig wurde, genaugenommen in einem knappen Jahr, irrte sich nie und galt als anerkannter Onkologe und ausgezeichneter Diagnostiker im Landeskrankenhaus. Also w\u00fcrde es schon stimmen und das trieb ihr die Tr\u00e4nen in die Augen, w\u00e4hrend Hubert, sie tapfer anzul\u00e4cheln versuchte, obwohl es ihm bestimmt genauso beschi\u00dfen ging. Was sollte sie ohne ihn beginnen? Also tapfer zur\u00fcckl\u00e4cheln. Theaterspielen und nach dem Handy greifen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185257.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185257.jpg?w=300\" alt=\"20130721-185257\" width=\"300\" height=\"198\" class=\"alignleft size-medium wp-image-22866\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185318.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/literaturgefluester.files.wordpress.com\/2013\/07\/20130721-185318.jpg?w=300\" alt=\"20130721-185318\" width=\"300\" height=\"198\" class=\"alignright size-medium wp-image-22867\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#8220;Hallo, Mony, bist du dran?&#8221;, rief sie die Freundin an.<br \/>\n&#8220;Kommst du auf den Rathausplatz? Ich sitze mit dem Hubert noch in der Cafebar am Markt, aber nachher kommen wir dorthin auf ein paar Scampi und ein Eis und treffen dort die Ilona. Der Norbert ist noch im Krankenhaus und wir waren einkaufen!&#8221;, rief sie scheinbar munter und sp\u00fcrte Tr\u00e4nen aufsteigen.<br \/>\nHubert l\u00e4chelte sie beruhigend an.<br \/>\n&#8220;Du bist so sch\u00f6n, Xenia!&#8221;, behauptete er. Sie nickte und glaubte es ihm nicht.<br \/>\n&#8220;Der Strohhut steht dir ausgezeichnet. Da schaust du jung und frisch aus, wie du es damals am Strand von Capri, am Mittelmeer in bella Italia warst, erinnerst du dich noch?&#8221;<br \/>\n&#8220;Oder wie damals in der Manhattenbar!&#8221;, setzte sie in dem Versuch tapfer zu sein, hinzu.<br \/>\n&#8220;Komm trink den Caffe Latte aus. Wir sollten gehen. Ich mu\u00df meine Medikamente nehmen!&#8221;, sagte er und sie nickte erneut.<br \/>\nDer Kn\u00f6del war wieder da, w\u00fcrgte im Hals und \u00fcberhaupt und lie\u00df sich nicht vertreiben.<br \/>\n&#8220;Geht es dir gut?&#8221;, fragte er, der sie kannte. Sie nickte wieder und wu\u00dfte, da\u00df die Ilona und die Mony auf sie warten mu\u00dften, denn sie w\u00fcrden in das Haus am M\u00fchlweg gehen, wo Hubert seine Infusion und Tabletten brauchte.<br \/>\n&#8220;Du bist sch\u00f6n, wie ein junges M\u00e4dchen, Xenia, wei\u00dft du das?&#8221;, wiederholte er fast dr\u00e4ngend und sie nickte erneut und schmiegte sich an ihm. Das war jetzt schon ehrlicher und es war ihr auch egal, was die Leute denken w\u00fcrden.<br \/>\nIhre Apothekerin fuhr mit dem Fahrrad an Ihnen vor\u00fcber und gr\u00fc\u00dfte freundlich.<br \/>\n&#8220;Geht es Ihnen gut, Frau Richter?&#8221;, rief sie fr\u00f6hlich und radelte weiter. Wieder hatte sie genickt und das Handy in ihre Tasche vergraben. Ilona und Mony konnten warten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Xenia hatte das Handy in der Hand und blickte Hubert an, ihren Mann, ihren Gatten, ihren Liebsten, angetraut seit fast f\u00fcnfzig Jahren und sie w\u00fcrde in drei Monaten ihren Siebziger feiern. Ja, damals heiratete man noch so jung. 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