{"id":22767,"date":"2013-07-19T17:19:28","date_gmt":"2013-07-19T15:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22767"},"modified":"2013-07-19T17:19:28","modified_gmt":"2013-07-19T15:19:28","slug":"der-fall-des-okonomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22767","title":{"rendered":"Der Fall des \u00d6konomen"},"content":{"rendered":"<p>Das dritte Buch des <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/21\/funf-bucher-in-viereinhalb-tagen\/?preview=true\">viereinhalb Tage Lesemarathon<\/a> f\u00fchrte mich nach Ungarn, in das Budapest von 1962 bis 2006 und mit dem Fahrrad an der Traisen bis zu den Seen, den Naturlehrpfad und damTraisencenter.\u00a0 Gy\u00f6rgy Dalos &#8220;Der Fall des \u00d6konomen&#8221; kannte ich auch schon ein bi\u00dfchen, habe ich von dem Buch doch, glaube ich, auf der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/12\/dritter-messetag\/\">Buch-Wien<\/a> und oder in <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/18\/zuruck-aus-leipzig\/\">Leipzig<\/a> etwas geh\u00f6rt, war bei einer Lesung in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/19\/ein-uberlebenskunstler\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> und bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/14\/literatur-und-wein\/\">&#8220;Literatur und Wein&#8221; in G\u00f6ttweig<\/a> und da hat es mir der Alfred auch gekauft.<br \/>\nEin interessantes Buch ber\u00fchrt es ja viele Themen, die mich auch besch\u00e4ftigen und \u00fcber die ich mehr oder weniger dicht und spannend, der 1943 in Budapest geborene und in Berlin lebende Autor, der glaube ich, auch mit Ditha Brickwell befreundet ist, hat ja eine eigene unverwechselbare Sprache, auch schon geschrieben habe.<br \/>\nEs geht um Gabor Kolozs und beginnt 2001 mit dem Tod des Vaters, bei dem und von dem der \u00d6konom, er hat nach dem Gymnasium in Moskaus \u00d6konomie studiert, nach dem Tod der Mutter, alleine lebt, hat der Vater als Holocaust\u00fcberlebender, er war in Mauthausen, ist von dort zerbrochen zur\u00fcckgekommen und konnte seinen Arztberuf nie wieder aus\u00fcben, von einer Schweizer Stiftung doch eine monatliche Wiedergutmachungsrente und die j\u00fcdische Gemeinde versorgt ihm mit dem Mittagessen.<br \/>\nDavon haben Sohn und Vater gelebt, denn der \u00d6konom ist seit der Wende arbeitslos, erstmal ist er auch schon \u00fcber Sechzig und dann braucht man in dem neoliberalen Budapest weder seine sozialistische \u00d6konomie noch seine Russischkenntnis.<br \/>\nDer Sohn begr\u00e4bt den Vater also in dem schon vorausbezahlten Grab in Kosice, von dort kommen die Eltern her, die Mutter ist schon begraben und vergi\u00dft den Personalausweis des Vaters abzugeben und der Brief, den er an die Stiftung schickt, bekommt er zur\u00fcck, was ihn auf die Idee bringt, bis 2007, wo er eine staatliche Rente bekommt, den Tod des Vaters zu verheimlichen, um weiter die Rente und das Mittagessen zu bekommen, um zu \u00fcberleben.<br \/>\nDann geht es in das Jahr 12962, also in den Sozialismus, Gabor, der zuerst Schulschwiergkeiten hatte, ist jetzt ein guter Sch\u00fcler und wird zum Studium nach Moskau vorgeschlagen werden, eigentlich will er Puschikinforscher werden, aber Marx und Engels tun es schlie\u00dflich auch. Dann wird er Assistent eines Professors und heiratet Marta, um Sex mit ihr zu treiben, weil in der sch\u00e4bigen Wohnung seiner Eltern ist kein Platz und die der ihren zwar gro\u00df genug, aber ohne Trauschein darf er dorthin nicht kommen. Also l\u00e4\u00dft sich der Unentschlossene, die Ehe h\u00e4lt aber nicht lang, weil als sie nach Krakau auf Hochzeitsreise wollen, gerade die Russen in die CSSR einmarschien und die Z\u00fcge daher nicht fahren. Nach der Wende wird Gabor eine Zeit lang Paralentarier und verdient genug, um sich eine eigene Wohnung zu leisten, in der eines Freundes der in Pars arbeitete, hat er auch einige Zeit gewohnt. Als es mit der Partei nicht klappt, zieht er wieder zu den Eltern und bewirbt sich &#8220;zwischen 1995 und 2001 rund vierhundertmal als Manager, Lehrer, Dolmetscher, Telefonist, Hausmeister, Hotelportier etc und wird \u00fcberall abgelehnt&#8221;, so da\u00df er sich mit dem Vater das Essen teilt und am Abend auf seinen alten Computer zwei Stunden die sch\u00f6nsten Reisen an allen Orten der Welt plant, denn fr\u00fcher hatte er keinen Pa\u00df dazu, jetzt hat er den, das Geld ist aber nicht da.<br \/>\nNach dem Tod des Vaters nehmen Gabors finanziellen Schwiergkeiten zu, das Haus ist renoverungsbed\u00fcrftg, die Waschmaschine geht ein, die Schuhe haben L\u00f6cher und und und als noch der Computer draufgeht beschlie\u00dft Gabor schweren Herzens, den Tod des Vaters noch einmal f\u00fcr ein Jahr aufzuschieben, was ihn aber auch in Schwierigkeiten bringt, denn bald w\u00fcrde der Vater hundert und da schickt die Stiftung ein Fernsehteam, um ihren \u00e4ltesten Holocaust\u00fcberlebenden zu interviewen.<br \/>\nEin sehr interessantes und dichtes Buch in dem Gy\u00f6rgy Dalos mit feiner Ironie Kritik am Sozialismus und wahrscheinlich auch am neoliberalen Orban-Budapest \u00fcbt, das seine \u00d6konomen und Intellektuellen in das soziale Elend treibt. Jetzt verstehe ich auch, warum sich Gabor nicht einfach an das AMS wendet, sondern einen Betrug begeht, das habe ich Gy\u00f6rgy Dalos damals in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; ja gefragt. Das ist die \u00dcberhebung, ist das Ganze ja ein Schelmenroman, nicht chronologsich geschrieben, sondern springt zeitlich hin und her. Am dichtesten habe ich die Stellen empfunden, wo Gabor seinen Vater begr\u00e4bt und nach und nach seinen Tod verheimlicht und von Gy\u00f6rgy Dalos, den ich ja immer wieder bei Lesungen sehe, habe ich  einmal in Andalusien im hei\u00dfen Zelt &#8220;Der Versteckspieler&#8221; gelesen, das mich auch sehr beeindruckt hat, weil es ebenfalls, um einen &#8220;sympathischen Taugenichts im ungarischen Kommunsmus zwischen Anpassung und Widerstand geht.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das dritte Buch des viereinhalb Tage Lesemarathon f\u00fchrte mich nach Ungarn, in das Budapest von 1962 bis 2006 und mit dem Fahrrad an der Traisen bis zu den Seen, den Naturlehrpfad und damTraisencenter.\u00a0 Gy\u00f6rgy Dalos &#8220;Der Fall des \u00d6konomen&#8221; kannte &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22767\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22767","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22767"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22767\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}