{"id":22692,"date":"2013-07-19T00:46:10","date_gmt":"2013-07-18T22:46:10","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22692"},"modified":"2013-07-19T00:46:10","modified_gmt":"2013-07-18T22:46:10","slug":"mangelexemplar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22692","title":{"rendered":"M\u00e4ngelexemplar"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung eines Buches mit Themen, die mir eigentlich sehr bekannt sein m\u00fc\u00dften und die mich doch am Anfang etwas ratlos machten und ich h\u00e4tte dem Roman bis etwa zur Mitte zwei Deutungen geben k\u00f6nnen, dann kommt ein Knick und pl\u00f6tzlich wird die Fortsetzung in einem ganz anderen Ton erz\u00e4hlt und man kann sich die Geschichte wieder auf eine ganz andere Art und Weise interpretieren.<br \/>\nDa ist Karo, sie ist siebenundzwanzig und wie in der Beschreibung steht &#8220;klug, kokett, liebenswert und unnahbar und f\u00e4llt vollkommen unerwartet in einem Abgrund.&#8221;<br \/>\nAls das Buch beginnt, ist sie aber schon wieder davon heraus, geht sie doch zu ihrem neuen Psychiater und beginnt mit &#8220;Eine Depression ist ein fuckig Event!&#8221; und der Psychiater schaut auch noch ein bisschen &#8220;wie Niels Ruf, nur weniger Arschloch!&#8221; aus.<br \/>\nNun mu\u00df ich gestehen, keine Ahnung zu haben, wer Niels Ruf ist und ob es ihn wirklich gibt. Ich bin aus dem Prolog auch noch nicht wirklich klug geworden, dann geht es aber mit den Geschehnissen vor einem Jahr weiter und da beschreibt Karo sich selbst.<br \/>\nEigentlich hat sie keine Probleme, ja, den Job als Eventmanagerin hat sie verloren und jobt jetzt als Kellnerin und die Oma bezahlt die Miete und in ihrer Beziehung mit Philipp f\u00fchlt sie sich auch nicht wirklich gl\u00fccklich. Also beginnt sie eine Therapie, einfach so und fragt sich w\u00e4hrend sie die Stufen zur Praxis von Frau Diplompsychologin G\u00f6rlich, sp\u00e4ter Anette genannt, hinaufgeht, wie sie sich anstellen mu\u00df, um bei den &#8220;Psychocasting&#8221; genommen zu werden?<br \/>\n Sie wird genommen und Frau G\u00f6rlich sagt dann noch den Satz &#8220;Sie wurden einfach zu oft alleingelassen&#8221; und die schnodderige Karo witzelt weiter, ob ihre Diagnose f\u00fcr die Krankenkasse wichtig genug ist, da\u00df die Hundert Euro pro Stunde f\u00fcr sie zahlt. Was f\u00fcr ein Satz. Ist der in Deutschland wirklich so hoch? Ich arbeite f\u00fcr fast die H\u00e4lfte und die schnodderige Art der lieben Karo ging mir am Anfang auch auf die Nerven. Was ist das? Eine Parodie auf das Leben und die Psychotherapie?<br \/>\nDann f\u00e4ngt sie aber an zu weinen und h\u00f6rt nicht mehr damit auf. Zuerst trennt sie sich aber von Philipp, einfach so, als sie ihn von einer Reise abholt und sie eigentlich miteinander essen gehen wollten. Dann sagt Anette einen Satz und Karo beginnt sich nach Philipp zu sehnen, der will aber nicht mehr zu ihr zur\u00fcck.<br \/>\nKaro f\u00e4ngt an Angst vor Messern zu haben und erlebt in der Nacht Herzanf\u00e4lle, die Panikattacken sind und als sie die Geburtstagsgeschenke f\u00fcr ihren besten Freund Nelson einpacken will, bekommt sie derartige Anf\u00e4lle, da\u00df der sie in die Notaufnahme bringt.<br \/>\nDort sagt man ihr, gehen Sie zum Psychiater und machen Sie die Therapie weiter. Als der Vater anruft ist er sehr besorgt und sie mu\u00df ihm versprechen, da\u00df sie sich nicht umbringt. Und die harte Mutter holt sie in ihre Wohnung zur\u00fcck, kauft ihr Autogene Training Kassetten und die Beschreibung, wie die ungeduldige Karo, die einzelnen Abschnitte l\u00f6scht, um schneller zum Ziel zu kommen, k\u00f6nnte man Kabarett reif nennen. Eine f\u00fcrchterliche Person, diese Karo k\u00f6nnte die Therapeutin denken, Anette tut das nicht und treibt sie offenbar auch nicht, wie man ebenfalls denken k\u00f6nnte, in die Krise hinein, denn langsam, langsam kommt Karo aus ihr heraus und der schnodderige Ton, beginnt sich zu \u00e4ndern und sie beginnt wieder Gl\u00fcck zu haben, denn ihr Eventmanager ruft an und bietet ihr an, zusammen mit Kollegen Max einen Kindergeburtstag zu gestalten. Da bl\u00f6delt Karo zwar noch eine Weile vor sich hin und schl\u00e4gt Max vor, den Kinder Schnaps,  Bier und Kokain zu servieren. Max sagt ruhig, das geht nicht, die Party wird ein Erfolg und schlie\u00dflich bahnt sich auch eine Beziehung mit Max an. Zur Krise kommt es dann wieder, als sie mit ihm in Urlaub fahren will, da fahren sie dann mit gepackten Koffern zu Anette und die gibt Karo f\u00fcr alle F\u00e4lle Notfallstropfen, denn die ungeduldige Karo hat ihre Tabletten inzwischen wieder abgesetzt. Da kommt es dann, als sie schon eine vorsichtige Beziehung zu Max akzeptiert, zu einem erneuten R\u00fcckfall, so da\u00df sie zu ihrem Traumpsychiater, der die Karenzvertretung f\u00fcr ihre fr\u00fchere Psychiaterin Frau Dr. Kleve ist, die ihr erz\u00e4hlte, nur eine depressive Verstimmung zu haben. Der neue Psychiater erkl\u00e4rt ihr dann, es ist schon eine richtige Depression und sie braucht auch ihre Tabletten nicht absetzen, nur vielleicht etwas weniger zu Anette zu gehen, denn zu viel denken ist  nicht gut.<br \/>\nUnd ich habe verstanden, da\u00df es die etwas schnodderig erz\u00e4hlte Geschichte eine Depression ist und nicht die Gegenattacke darauf, wie anfangs f\u00fcr mich fast r\u00fcberkam.<br \/>\nDas Buch &#8220;M\u00e4ngelexemplar&#8221;, der 2009 erschienene Debutroman ist auch ein Bestseller geworden und die 1979 in Ostberlin geborene Sarah Kuttner war auch zuerst Fernsehmoderatorin und Kolumnistin, vielleicht deshalb der schnodderige Ton.<br \/>\nEin bi\u00dfchen k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich sagen, da\u00df es zusehr nach dem Lehrbuch geschrieben ist und der Knick f\u00e4llt mir auch auf. Zuerst ist die Karo eine f\u00fcrchterliche Person, die nichts und niemanden erst nehmen kann und sich ihr Leben selbst kaputt zu machen scheint. Dann kommt sie pl\u00f6tzlich aus der Krise und  beginnt ganz zaghaft ihre Wunden und die Verletzungen zu zeigen und das mit der Psychotherapie werden die Therapeuten vielleicht auch ein bi\u00dfchen anders, als die Psychiater sehen.<br \/>\nTrotzdem habe ich eine treffende Beschreibung einer Depression und Angstst\u00f6rung gelesen und freue mich  auf das Buch &#8220;Wachstumsschmerz&#8221;, das im n\u00e4chsten Jahr an die Reihe kommen soll.<br \/>\nInteressant ist vielleicht noch ein Detail. Zu Beginn des Buches, als Karo einfach so eine Therapie beginnt und sich von Stunde zu Stunde immer mehr in ihren Schmerz fallen l\u00e4\u00dft und dar\u00fcber schnoddert, habe ich gedacht, ich lese schon den &#8220;Wachstumssmerz&#8221; und h\u00e4tte mir das Buch als eine pubert\u00e4re Entwicklung deuten k\u00f6nnen, aber &#8220;M\u00e4ngelexemplar&#8221; hei\u00dft es, weil Max ihr sagt, da\u00df er keine Angst vor solchen h\u00e4tte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung eines Buches mit Themen, die mir eigentlich sehr bekannt sein m\u00fc\u00dften und die mich doch am Anfang etwas ratlos machten und ich h\u00e4tte dem Roman bis etwa zur Mitte zwei Deutungen geben k\u00f6nnen, dann kommt ein &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22692\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22692","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22692"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22692\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}