{"id":22597,"date":"2013-07-13T00:21:13","date_gmt":"2013-07-12T22:21:13","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22597"},"modified":"2013-07-13T00:21:13","modified_gmt":"2013-07-12T22:21:13","slug":"der-lange-gang-uber-die-stationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22597","title":{"rendered":"Der lange Gang \u00fcber die Stationen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein sehr bed\u00e4chtiges Buch, das der 1982 in Kirchdorf an der Krems geborene Reihard Kaiser-M\u00fchlecker da 2007 geschrieben hat. In einem altmodisch fast m\u00e4rchenhaften Ton erz\u00e4hlt da einer von seiner Frau. Er, der junge Bauer, der mit der Mutter und dem kranken, unsichtbaren Vater auf dem Hof lebt, hei\u00dft Theo oder Theodor und hat eine namenlose Frau, eine St\u00e4dterin aus Linz dorthin gebracht.<br \/>\nSo erz\u00e4hlt er uns von seiner Frau, mit der in arbeitsarmen Zeiten einen Ausflug durch die Gegend macht, von seiner ersten Autofahrt, auf die ihn ein Bekannter der Frau, sozusagen als Hochzeitsgeschenk nimmt. Die Frau, die St\u00e4dterin ist schon mit dem Auto gefahren, er nur mit dem Zug und weil es an der Zeit ist, nimmt er sich auch ein halbes Jahr Auszeit und verschwindet irgendwohin Er kommt zur\u00fcck und lebt weiter mit ihr auf den Hof, nimmt einen Knecht auf, der irgendwann mit einem B\u00fcndel erscheint und dann auch  verschwindet.<br \/>\n&#8220;Irgendwann sehen wir uns wieder!&#8221;, sagt er zum jungen Bauern, der ihn vorher gefragt hat, ob er ihn nicht vielleicht zu hart halten w\u00fcrde? Es gibt Begegnungen mit einem alten Mann, mit dem Nachbarn, von der warmen K\u00fcche auf der immer irgendwelche T\u00f6pfe stehen, wird erz\u00e4hlt und von den toten V\u00f6geln, die er, von den Katzen verfolgt, in die Erde gr\u00e4bt.<br \/>\nDann f\u00e4hrt er mit der Frau in die Stadt, nicht nach Linz, sondern nach Wien, wo er nat\u00fcrlich noch nie war und sich in den Weiten nat\u00fcrlich unwohl f\u00fchlt (von den gro\u00dfen St\u00e4dten mit denen nat\u00fcrlich Innsbruck gemeint ist, hat Gerhard Kofler einmal in einem Gedicht geschrieben.)<br \/>\nTheo geht die Frau aber auf die Nerven, die ganz ungeniert in seinem Dialekt nach den Stra\u00dfen fragt, die sie eigentlich kennen m\u00fc\u00dfte, denn sie war schon einmal da. Er geniert sich f\u00fcr den Dialekt und eingeladen sind sie nat\u00fcrlich von dem Bekannten. Theo f\u00e4llt nur ein nach dem Dach zu fragen und ist entt\u00e4uscht, da\u00df man dieses ganz leicht reapieren kann.<br \/>\nAm Land zur\u00fcck gibt es Sorgen und das Ehepaar entfremdet sich noch viel mehr mehr. Der Frau ist Theo zu ungepflegt, aber der mu\u00df sparen und will sich deshalb keine Rasierklingen leisten. Es gibt zwar einen Kredit f\u00fcr den Schafstall, den er bauen will, der Bankdirektor sch\u00fcttelt aber besorgt den Kopf und wir lesen von einer Welt, wo es zwar Banken und Tanzlokale, aber keine Krankenkasse zu geben scheint. So kann sich die Mutter keine Brillen leisten und der Vater stirbt.<br \/>\nDer Freund und Nachbar mit dem und dessen toter Frau Theo in seiner Jugend tanzen war und der fr\u00fcher trank, als Theo ihn unbedarft zum Schnapstrinken auffordert, ist die Frau entsetzt, erh\u00e4ngt sich und Theo schafft es nicht, den Pfarrer zu einem christlichen Begr\u00e4bnis zu \u00fcberreden.<br \/>\nSo begr\u00e4bt er ihm am Hof. Darf man das \u00fcberhaupt? Die Frau f\u00e4hrt immer \u00f6fter in die Stadt, ob zu ihren Bekannten oder zu einer Abteibung ist nicht ganz klar. Sie antwortet nur einmal nach der R\u00fcckkehr, als Theo sie fragt, ob ihr morgens noch schlecht sei &#8220;Jetzt nicht mehr!&#8221;<br \/>\nAm Ende verschwindet Theo, der f\u00fcr Schnaps und Zigaretten doch Geld zu haben scheint, mit beiden im Wald und wir haben ein beklemmendes St\u00fcck Literatur, eines sehr jungen Mannes gelesen, das die Literaturkritik glaube ich auch ein bi\u00dfchen in Verlegenheit brachte, das Arnold Stadler, aber als &#8220;gro\u00dfes Gl\u00fcck&#8221;, am Buchr\u00fccken beschreibt.<br \/>\nEin sehr bed\u00e4chtiger, erster Roman, mit sch\u00f6nen, sehr genauen Beschreibungen, die immer wieder nicht in die Zeit zu passen scheinen, denn die Knechte, die  gar nicht mehr so hei\u00dfen, tragen, glaube ich, keine rotkarierten B\u00fcndeln mit sich herum und auch am Land ist man wahrscheinlich schon mit dem Auto gefahren, wenn die St\u00e4dterin Sommerkleider mit schmalen Tr\u00e4gern und sch\u00f6ne Stiefeln tr\u00e4gt, der 2008, f\u00fcr einen jungen Autor ungew\u00f6hnlich, gleich bei Hoffmann und Campe erschienen ist.<br \/>\nBei einer literarischen Soiree habe ich das erste Mal von ihm, der hoch gelobt und vielleicht auch ein bi\u00dfchen ber\u00e4tselt wurde, geh\u00f6rt. Ich war auch bei einigen Lesungen.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/23\/reinhard-kaiser-muhleckers-neues-buch\/\">&#8220;Wiedersehen in Fiumicino&#8221;<\/a>, das dritte Buch, habe ich <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/05\/01\/wiedersehen-in-fiumcino\/\">gelesen<\/a>. Dazwischen erschien <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/28\/reinhard-kaiser-muhlecker\/\">&#8220;Magdalenenberg&#8221;<\/a> und jetzt &#8220;Roter Flieder&#8221;.<br \/>\nAlle vier B\u00fccher bei Hoffman und Campe. Das letzte Mal habe ich Reinhard Kaiser-M\u00fchlecker, glaube ich, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/13\/privatroman-und-abschied\/\">&#8220;Aten Schmiede&#8221; bei einer Lesung, wo er Wolfgang Hermann moderierte<\/a>, gesehen. Kurt Neuman fragte ihn da nach dem neuen Roman, der inzwischen erschienen sein d\u00fcrfte.<br \/>\nEin interessanter literarischer Erstling, den ich da bei &#8220;Thalia&#8221; in der Abverkaufskiste gefunden habe und  eine  interessante literarische Karriere, die Reinhard Kaiser-M\u00fchlecker da gelungen ist, der sein Schreiben inzwischen auch ver\u00e4ndert hat und neuzeitlicher geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein sehr bed\u00e4chtiges Buch, das der 1982 in Kirchdorf an der Krems geborene Reihard Kaiser-M\u00fchlecker da 2007 geschrieben hat. In einem altmodisch fast m\u00e4rchenhaften Ton erz\u00e4hlt da einer von seiner Frau. 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