{"id":22394,"date":"2013-07-07T11:48:50","date_gmt":"2013-07-07T09:48:50","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22394"},"modified":"2013-07-07T11:48:50","modified_gmt":"2013-07-07T09:48:50","slug":"letztes-bachmannpreiskolloquium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22394","title":{"rendered":"Letztes Bachmannpreiskolloquium?"},"content":{"rendered":"<p>Das ist ein Ausdruck, den ich vor f\u00fcnf Jahren, als der Bachmannpreis noch in der letzten Juniwoche durchgef\u00fchrt wurde und ich ihn in Wien zwischen meinen Stunden mitverfolgte, auf dem Blog der Christiane Zintzen h\u00f6rte, da habe ich von den ersten Blogs erfahren, die dar\u00fcber berichteten und ein paar Tage sp\u00e4ter, habe ich beschlossen selbst zu bloggen, so da\u00df ich am Tage der Er\u00f6ffnung des 37. Bachmannslesen, seit drei Jahren schon in der Sommerfrische, mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/03\/funf-jahre-literaturgefluster\/\">F\u00fcnfjahrjubil\u00e4um<\/a> feiere und seit ca zwei Wochen hat der Bachmannpreis eine besondere Bedeutung bekommen. Spricht die literarische Welt ja davon, da\u00df er abgeschafft bzw. eingespart werden soll und emp\u00f6rt sich dar\u00fcber. Ich, die ich mich noch an die Emp\u00f6rung der IG Autoren vor siebenunddrei\u00dfig Jahren erinnere, die meinte, da\u00df ein solch \u00f6ffentliches Zurschaustellen den Autoren unzumutbar sind, habe wahrscheinlich auch durch die Resignationsphasen  durch die ich dauernd gehe, eine differenziertere Meinung, die wahrscheinlich manche erstaunt.<br \/>\nDenn eigentlich ist es mir egal, werde ich ja ohnehin nie dort lesen und nie einen Preis erhalten und wenn ich dar\u00fcber berichte, laufe ich Gefahr, da\u00df mein Bericht als schlecht und uninteressiert empfunden wird.<br \/>\nAlso kann ich im n\u00e4chsten Jahr auch etwas anderes tun, lesen, schreiben, mich in der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/30\/sommerfrischen-stadtschreibwerkstadt\/\"> Sommerfrische in eine Schreibwerkstatt<\/a> begeben, etc, denn ich interessiere mich ja sehr f\u00fcr Literatur und wenn ich die B\u00fccher von Joachim Meyerhoff oder Nadine Kegele, etc, in den Schr\u00e4nken finde, werde ich sie genauso lesen, wie die der Autoren, die vielleicht im n\u00e4chsten Jahr lesen oder nicht lesen.<br \/>\nAber wenn es einen Bachmannpreis geben wird, was ich eigentlich glaube, werde ich ihn mir wahrscheinlich wieder genauso begeistert anschauen und genauso spannend oder langweilig, wie ich es halt kann, dar\u00fcber bloggen.<br \/>\nDie Bachmannberichterstattung hat im Literaturcafe schon am Nachmittag begonnen, da konnte man bereits Wolfgang Tischers Twittermeldungen verfolgen, die Portraits wurden auch mehrmals interpretiert und ganz am Schlu\u00df gab es noch einen Podcast mit Cornelia Travnicek in einer Klagenfurter Buchhandlung \u00fcber den ich die Er\u00f6ffnung fast verpasst h\u00e4tte und im wom\u00f6glich letzten Jahr war alles neu.<br \/>\nEin neuer Moderator, ein neuer Organisator, ein neues Jurymitglied und ein gelbes Design, so schl\u00fcpfte Cornelia Travnicek auch mit einer gelben Tasche auf ihren Platz oder lie\u00df sich mit dieser vorher von Wolfgang Tischer fotografieren und die wom\u00f6gliche Abschaffung des Bachmannpreises war auch das gro\u00dfe Thema der Er\u00f6ffnungsredner.<br \/>\nDie meisten versicherten, da\u00df sie dagegen w\u00e4ren, der Kulturbeauftragte der Stadt Klagenfurt erkl\u00e4rte das sogar sehr entschieden und auch Burkhard Spinnen hatte viele Argumente, denn, da\u00df Wasser wichtig ist, merkt man erst, wenn man keines hat und Joe Lendle oder ein anderer Lektor k\u00f6nne dann nicht mehr vier Tage lang ohne Geldsorgen \u00fcber Literatur diskutieren und die Lehrerinnen wissen auch alle, was der Bachmannpreis ist.<br \/>\nStimmt, es ist ein Preis, den man \u00f6ffentlich mitverfolgen kann und ein paar tausend Leute tun das auch, so wie ich jetzt vier Tage lang in Deutschland, \u00d6sterreich, der Schweiz oder anderswo.<br \/>\nUnd nat\u00fcrlich besch\u00e4ftigte sich auch Michael K\u00f6hlmeiers Er\u00f6ffnungsrede, der eigentlich \u00fcber J\u00f6rg Fauser sprechen hatte wollen, der 1984 in Klagenfurt sehr verrissen wurde, mit diesem Thema, nur der 3-Sat Mann nahm wahrscheinlich berufsbedingt eine andere Meinung ein und sagte etwa sinngem\u00e4\u00df, was passieren wird, entscheiden wir!<br \/>\nDazwischen gabs immer Musik und danach wurden die vierzehn Autoren und Autorinnen aufgerufen und die erste, n\u00e4mlich Larissa Boening zog sich gleich als erste und wird am Donnerstag um 10.15 lesen. Dann gings in Klagenfurt zum Buffet.<br \/>\nDie Buttons mit der Kampfaufschrift &#8220;bleibt&#8221;, die bei der Er\u00f6ffnung ausgeteilt worden schienen, wurden  bei den Lesungen nicht getragen und der neue Moderator Christian Ankowitsch, wies bei seiner Einleitung auch darauf hin, da\u00df es jetzt, um die Texte gehen w\u00fcrde.<br \/>\nEs begann, wie erw\u00e4hnt Larissa Beoning mit einem Ausschnitt aus einem Roman mit dem Arbeitstitel &#8220;Zucker&#8221;, eine Kaptialismuskritik oder eine Krebsbew\u00e4ltigung durch Kochen, wie es in der Diskussion genannt wurde?<br \/>\nAnnemarie eine Wirtshaustochter hat Krebs und noch ein paar Monate zu leben und l\u00e4dt sich einen Verm\u00f6gensberater namens Matthias ein. Der will an ihre Millionen, sie will ihn zur Puppe machen oder ein Mutter-Sohn Verh\u00e4ltnis und beginnt ihn mit Buttercremeschnitten und Zunge vollzuf\u00fcttern und er h\u00e4lt das in dem Gedanken, sie zu beerben und nie wieder arbeiten zu m\u00fcssen, aus, obwohl er sich nicht sicher ist, ob man sich beim Geschlechtsakt nicht mit Knochenkrebs anstecken kann?<br \/>\nEin wenig dicht am Kitsch vorbeigeschrammt, k\u00f6nnte man vielleicht meinen, Wolfgang Tischer twitterte, das ist nicht die Bachmannpreistr\u00e4gerin, diskutiert wurde heftig und dann kam der Burgschauspieler und Bremer Literaturpreistr\u00e4ger Joachim Meyerhoff, den ich vor kurzem bei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/15\/rund-um-die-burg-2\/\">&#8220;Rund um die Burg&#8221;<\/a> h\u00f6rte und dessen Videoportrait einen sehr sympathischen Eindruck machte mit einem Text der den sehr interessanten Titel &#8220;Ich brauch das Buch&#8221; hat und der nat\u00fcrlich grandios vorgetragen wurde. Die Diskussion drehte sich darum, ob das Kafka, Kleist etc nachempfunden wurde und Meyerhoff war auch einer, der sich auch sein Recht, etwas dazu zu sagen nahm und der Text war meiner meiner Meinung nach, eine Pubert\u00e4tsgeschichte im typisch Meyerhoffschen \u00dcbertreibungston.<br \/>\nDa geht ein Zweiundzwanzig- und nicht F\u00fcnfzehnj\u00e4hriger, der also die Pubert\u00e4t schon \u00fcberwunden haben sollte, in eine Buchhandlung und schaut sich ein paar Tage ein Live-Magazin mit den Beinen von Marylin Monroe an, dann beschlie\u00dft er, er mu\u00df das Buch klauen, owohl es ihm seine Gro\u00dfeltern sicher gekauft h\u00e4tten, schwarz ist er auch schon mal gefahren und lie\u00df sich dabei erwischen. Jetzt nimmt er einen Umhang probt vor dem Spiegel, ger\u00e4t im Buchladen in \u00c4ngste und rennt dann mit dem Buch davon, der Kaufhausdetektiv ihm hinter her, sie ringen um das Buch, er schreit &#8220;Ich mu\u00df es haben&#8221;, so l\u00e4\u00dft er es ihm schlie\u00dflich. In einer Kirche in die er auf der Flucht gekommen ist, sieht er einen lateinischen Spruch, zu Hause ruft er den Gro\u00dfvater an und fragt, was das bedeutet.<br \/>\n&#8220;Gl\u00fccklich, der, der ohne Schuld&#8221;, oder so. Na ja, ich w\u00fcrde sagen, ein wenig anders als die \u00fcblichen Bachmanntexte, wie weit er es in die Preisrunde bringt, wird sich zeigen, danach folgte Nadine Kegele, die ich ja von den<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/02\/zum-volksstimmefest\/\"> Volksstimme<\/a><a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/04\/linke-worter\/\">festen<\/a>, der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/13\/alltag-stimmung-spharen\/\">&#8220;Alten Schmiede&#8221;<\/a> und der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/24\/perspektive-und-performanz\/\">&#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221; <\/a>kenne und l\u00f6ste bei der Jury Ratlosigkeit aus, obwohl der Text sicher literarisch angelegt und in zwanzig Abschnitten unterteilt war und einige treffende Erkenntnisse, wie die, da\u00df das eigene Ungl\u00fcck immer das gr\u00f6\u00dfte ist, enthielt.<br \/>\n&#8220;Scherben schlucken&#8221; hie\u00df er oder der Auszug daraus, es geht um eine Frau, deren Mutter im Sterben liegt und der sie nicht verzeihen kann, da\u00df sie sie als Kind offenbar dem Vater oder Stiefvater auslieferte, jetzt ist sie von einem Mann schwanger, der sie nicht heiraten m\u00f6chte und geht auf Kinderspielpl\u00e4tze, um den unartigen Kindern zuzusehen und dabei das eigene Ungl\u00fcck zu bew\u00e4ltigen.<br \/>\nMir hat es sehr gut gefallen, die Jury fand es aber teilweise f\u00fcr unfertig und fehlerhaft.<br \/>\nIn der Pause ging es nach Wien, zum Wirtshaus beim Friedhof der Namenlosen, wo es Peter Handke Katja Gasser in einem Interview nicht leicht machte und danach las die Berliner Schauspielerin Verena G\u00fcntner einen Text, der ebenfalls von einem pubertierenden Jungen handelt, der psychologischer an seine Grenzen geht. Er schrammt an seinem K\u00f6rper um ihn zu erforschen, hat dabei ein gutes Verh\u00e4ltnis zu seiner Mutter, seinen Stiefvater mag er nicht, er mu\u00df alles unter Kontrolle haben und versucht sich st\u00e4ndig zu trainieren und als er mit den Eltern auf das Nebelhorn f\u00e4hrt, lernt er ein rosarotes dickes M\u00e4dchen kennen und alles wird scheinbar gut. Ein dichter Text, ohne Kleist und Prinz von Homburg und \u00dcbertreibungen, voll aber psychologischer Dichte, wie es auch der, der Twitterin Anousch M\u00fcller war. Die kommt auch aus Berlin und erz\u00e4hlt von einer Skandinavienreise und einer Trennung, die dabei passiert und wieder geht es um den K\u00f6rper und psychosomatische Reaktionen, denn die Frau h\u00e4lt den Mann offenbar nicht aus und reagiert sehr stark auf ihn. Die Lymphdr\u00fcsen sind geschwollen, am Mund gibt es Bl\u00e4schen und Krusten, der Mann nimmt das alles nicht ernst, er hat das Geld und bestimmt die Richtung und hat die Frau offenbar durch sein Reden \u00fcberzeugt, so da\u00df sie sich von ihm nur durch Schweigen trennen kann, was ihr auch gelingt.<br \/>\nW\u00e4hrend die Donnerstagstexte erstaunlich \u00e4hnlich waren, von Pubertierenden, Mi\u00dfbrauchserfahrungen, Schamhaaren und Br\u00fcsten handelten, wurde es am Freitag erstaunlich differenziert und spannend. Gleich zu Beginn mit dem in Brasilien geborenen Ze do Rock und seinem Text &#8220;Gott ist Brasilianer, Jesus anscheinend auch&#8221;, in dem S\u00e4tze stehen, wie &#8220;ja, die geschichte best\u00e4tigt das chlischee, aber in diesem buch wird das chlischee nich sehr oft best\u00e4tigt: die brasilianische bahn hat practisch aufgeh\u00f6rt zu existieren. er kaufte das ticket und am n\u00e4xten Tag ging er um 12 uhr zum bahnhof&#8221; und so weiter uns so fort.<br \/>\nVorher, als ich auf die \u00dcbertragung wartete, habe ich mir das Video von 1984 angesehen, wo Marcel Reich Ranicky lautstark begr\u00fcndete, warum der Fauser-Text, so gut er auch geschrieben sein m\u00f6ge, nicht nach Klagenfurt passe. Das habe ich mir dann ein bi\u00dfchen bei dem von Joachim Meyerhoff gedacht, aber jetzt nat\u00fcrlich viel mehr, denn Ze do Rock ist offenbar ein Kabarettist und hat die Rechtschreibfehler der &#8220;Kanakensprach&#8221; bestimmt mitkonstruiert und dann passt es vielleicht nicht zu fein stilisierten Texten einer Nadine Kegele, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/27\/3-bachmann-lesetag\/\">Andrea Winkler<\/a> etc und was sagt die Jury zu den Rechtschreibfehlern? Nat\u00fcrlich,&#8221;Ich bin mir ganz sicher, Herr do Rock schreibt ausgezeichnet Deutsch!&#8221;, das glaube ich zwar auch, aber der Text ist dann eine Paradie und das sollte vielleicht nicht sein oder wurde schon bei anderen Texten so argumentiert, da\u00df das dann nicht nach Klagenfurt passt, zum Beispiel wenn sich einer den Literaturbetrieb auf die Schaufel nimmt.<br \/>\nAber auf jeden Fall sehr spannend und die Jury hat das &#8220;vielleicht nicht so literarisch&#8221; auch nur sehr fein und absolut politisch korrekt angedeutet.<br \/>\nDann gings weiter mit<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/06\/auftritte-iii\/\"> Cordula Simon<\/a> und die hatte es nat\u00fcrlich schwer, obwohl sie ja aus Odessa kommt, von einer  Babuschka erz\u00e4hlte und gleich selbstbewu\u00dft andeutete, da\u00df man ihren Roman, der demn\u00e4chst erscheinen w\u00fcrde, schon bestellen k\u00f6nne.<br \/>\n\u00dcber Heinz Helle, der mir, wie die meisten anderen deutschen Autoren bisher unbekannt war,  habe ich in den Tweets gelesen, vielleicht den m\u00f6glichen Preistr\u00e4ger vor mir zu haben. Der Text von dem M\u00fcnchner Philosophen und Werbetexter, der in Biel lebt und daher als der einzige Schweizer des Bewerbs gehandelt wird, hie\u00df &#8220;Wir sind sch\u00f6n&#8221; und erz\u00e4hlt sehr bed\u00e4chtig, distanziert fast experimentell, eine Beziehungsgeschichte, bzw. die von einem Mann, der sich vielleicht von seiner Freundin trennt, obwohl er immer in &#8220;Wir-Form&#8221; spricht, also das Beziehungsthema viel weniger psychologisch, als die gestrigen Texte aufrollt.<br \/>\nPhillip Sch\u00f6nthaler, das ist der, der 2012, den Clemens Brentano-Preis bekam, hatte mich auch schon neugierig gemacht und er erz\u00e4hlte in &#8220;Ein Lied in allen Dingen&#8221;, von einem Starfl\u00f6tisten, der in allen  inszeniert wird, er wird auf einen Seil in die Vorstellung gehievt, die pers\u00f6nliche Assistentin antwortet f\u00fcr ihn und bestellt ihm das Schnitzel mit Pommes frites und Salat ohne Zwiebel. Er geht von Interviewtermin zu Interviewtermin und kann nur auf einer Zugstoilette w\u00e4hrend eines Zwischenfalls in Ruhe und f\u00fcr sich allein \u00fcben.<br \/>\nErz\u00e4hlt wird das von seinem Simultan\u00fcbersetzer und die Juroren h\u00f6rten heraus, da\u00df er bei der letzten Auff\u00fchrung abgest\u00fcrzt w\u00e4re oder Selbstmord begangen h\u00e4tte, weil die Geschichte nur so Sinn mache. Ein Paar bezweifelten dann, da\u00df die Geschichte so ausginge, ich habe das fanale Ende auch <a href=\"http:\/\/bachmannpreis.eu\/de\/texte\/4386\">nicht<\/a> gelesen, zeigt aber ganz sch\u00f6n, was in den K\u00f6pfen der Leser passiert und was sie sich erwarten und so war es auch bei der letzten Leserin.<br \/>\nEiner Russin aus Berlin, bzw. wurde Katja Petrowskaja 1970 in Kiew geboren und schon, als sie die ersten S\u00e4tze gelesen hat, es ging um eine Urgro\u00dfmutter, die 1941 in Kiew zur\u00fcckblieb, w\u00e4hrend die anderen evakuiert wurden, weil sie nicht mehr gehen konnten, hie\u00df es auf den Tweets &#8220;Das ist die Bachmannpreistr\u00e4gerin&#8221; und dann wurde dar\u00fcber diskutiert, ob ihr Text \u00e4hnlich, wie der von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/08\/den-bachmannpreis-gewinnen\/\">Olga Martynova<\/a> vom Vorjahr oder von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/10\/bachmannpreisverleihung\/\">Maya Haderlap, 2011<\/a> sei. <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/02\/25\/engel-des-vergessens\/\">Maya Haderlap<\/a> hat vom <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/10\/preistrager\/\">zweiten Weltkrieg und den slowenischen Partisanen<\/a> gelesen, Olga Martynova ist Russin und ich war erstaunt, da\u00df ein Text der von der Deportation und der Massenerschiessung 1941 handelt, unbedingt den Bachmannpreis bekommen mu\u00df. Wenn das so klar w\u00e4re, w\u00e4ren das die deutschen Schuldgef\u00fchle und dann k\u00f6nnte man den Text dahin konstruieren und das stand auch in den Teweets. Wolfgang Tischer hat, glaube ich, von &#8220;Weltkriegskitsch&#8221; getwittert und gemeint, da\u00df Philipp Sch\u00f6nthaler besser weggekommen w\u00e4re, h\u00e4tte er die Geschichte 1940 spielen lassen.<br \/>\nIch habe schon viele Deportationsgeschichten und Holocausttexte gelesen und war vielleicht von daher nicht so von den Socken. Das Publikum applaudierte aber stark und lang und die Jury war mit Ausnahme von Paul Jandl, der Bedenken hatte und sogar beleidigt reagierte, als ihn Hildegard Elisabeth Keller unterbrach, genauso begeistert. Jandl st\u00f6rte, da\u00df die Urgro\u00dfmutter vielleicht erfunden w\u00e4re, etwas was ich wieder nicht so nachvollziehen kann, denn wom\u00f6glich ist es autobiographisch und, da\u00df eine Tochter, die nur geboren wurde, weil der Vater durch den Zufall eines zur\u00fcckgelassenen Ficus, Platz im Lastwagen fand, sich die in Kiew verschollene Gro\u00dfmutter vielleicht phantasiert, erscheint mir aus der Traumaforschung nachvollziebar.<br \/>\nEine interessante Diskussion. Wir werden sehen, ob es die Preistr\u00e4gerin ist, mein Tip w\u00e4re es so schnell nicht gewesen, aber ich h\u00e4tte auch keine Alternative und nichts dagegen.<br \/>\nDie Jury hat wieder \u00fcberzogen, so da\u00df die Diskussion erst richtig angefangen hatte, als das Fernsehen schon abgedreht wurde, im Internet kann man aber weitersehen und es war ein spannender Tag mit interessanten Erfahrungen.<br \/>\nAm Samstag ging es weiter mit einem Text \u00fcber ein blindes Kind. Die 1977 geborene, in Berlin lebende Hannah D\u00fcbgen, hat, eingeladen vom neuen Jurymitglied Juri Steiner aus der Schweiz, &#8220;Schattenlider&#8221; vorgetragen und da war es interessant, gleichzeitig mit dem Lesen und den H\u00f6ren die Tweets mitzuverfolgen und immer wieder von &#8220;Behindertenkitsch&#8221; und &#8220;Betroffenheitsprosa&#8221; zu h\u00f6ren. Das habe ich mit der <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_mimi.html\">&#8220;Mimi&#8221; <\/a> schon einmal <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/26\/vorschau-auf-zwillingswelten\/#comments\">selbst erlebt<\/a> und die Twitterer sind unerbittlich, gingen mir mit ihrem Urteil aber manchmal auf die Nerven und wenn ich am Donnerstag nicht so schnell war, bei Katja Petrowskaja sofort sagen zu k\u00f6nnen, die w\u00fcnsche ich mir als Siegerin, habe ich bei Frau D\u00fcbgen umdisponiert, denn ich habe ja Nadine Kegele meine Stimme geben wollen. Aber dieser Text hat mir sehr gefallen und liebe Kritiker, wenn dir die Schwester im Krankenhaus ein Kind ohne Augenlicht zeigt, kapierst du das manchmal nicht sofort, auch wenn du sonst nicht bl\u00f6d bist, das nennt sich Abwehrmechanismus und meiner Meinung nach hat diese Mutter, diese Familie alles das perfekt durchgemacht, was eine Familie mit behinderten Kind in dieser Gesellschaft erlebt und das, das bei den Zuh\u00f6rern Abwehr, Angst und Widerwillen ausl\u00f6st war an den Tweets zu merken.<br \/>\nKompliment!<br \/>\nDann kamen die H\u00f6hepunkte des Samstags n\u00e4mlich zwei m\u00f6gliche Preistr\u00e4ger, zuerst Roman Ehrlich mit einem Ausschnitt aus einem Roman, der schon am Dienstag bei Dumont erscheinen wird und die Twitterer und die Jury an einen Vorvorjahressieger &#8220;Schimmernder Dunst \u00fcber Coby Country&#8221; erinnerte und dann Benjamin Maack, der  schon in seinem Vorstellungsfilm sehr witzig war.<br \/>\nSetzte er sich doch mit einem Eis auf den Spielplatz und sagte &#8220;Mein Traum ist Schriftsteller zu werden, bitte, bitte geben Sie mir Ihre Stimme!&#8221;<br \/>\nDie Twitterer meinen, er wird einen Preis bekommen und &#8220;Wie man einen K\u00e4fer f\u00e4ngt von Joachim Kaltenbach&#8221;, war wieder, \u00e4hnlich wie der G\u00fcntner Text psychologisch interessant, aber auch sehr literarisch. Da ist einer in der Pubert\u00e4t, sagt seiner Mutter alles nach, f\u00e4ngt K\u00e4fer und ger\u00e4t \u00fcber das Tampon seiner Angebeteten, der er so gerne die K\u00e4fer zeigen will, ihn gro\u00dfe N\u00f6te. Spannend, spannend,  ich habe nichts gegen diesen Preistr\u00e4ger, wie ich \u00fcberhaupt finde, da\u00df dieser Bachmannpreis ein sehr perfekter war.<br \/>\nSehr gute, sehr verschiendene Texste, selbstbewu\u00dfte Autoren, ein bi\u00dfchen zu \u00fcberhebliche Twitterer, das mu\u00df sich vielleicht noch einspielen, die werfen mit ihren Floskeln und Bewertungen vielleicht noch ein bi\u00dfchen zu vorschnell herum und eine Jury, die das nicht mehr macht, sondern h\u00f6chst professionell agiert, obwohl die letzte Leserin Nikola Anne Mehlhorn sehr schlecht weggekommen ist.<br \/>\nDie ist auch Musikerin und erz\u00e4hlte, wieder eingeladen von Juri Steiner, in dem Auszug aus &#8220;Requiem einer Vierzigj\u00e4hrigen&#8221;, vielleicht das, was man schon Chicklit oder Unterhaltungsroman nennen k\u00f6nnte und daher nat\u00fcrgem\u00e4\u00df bei Jury und Twitterer, die wahrscheinlich alle elit\u00e4re Literaturkritiker sind, schlecht ankam. Vielleicht unn\u00f6tig zu sagen, mir hats gefallen, schade, da\u00df ich keine zweite oder dritte Stimme habe.<br \/>\nEine Frau ist in ihrer Musikerkarriere gescheitert, sammelt Teebeutelspr\u00fcche, hat einen Mann, den sie nicht mag und den sie daher geschnetzelte Regenw\u00fcrmer in die Spaghetti mischt. Ihr Kind verschwindet, der Vater ist nicht der verha\u00dfte Oliver, sondern der Polizist, der ihr das Verschwindet meldet und sie denkt in diesem ersten Kapitel an das Millenium zur\u00fcck und wie sich ihr Leben seitherentwickelt hat. Alles was man in unz\u00e4hligen Unterhaltungsromanen lesen kann und wie es die Leute auch m\u00f6gen.<br \/>\nKompliment an Juri Steiner, der immer sehr fein argumentierte und auch gro\u00dfen Zuspruch bekam, da\u00df er den Mut hatte, einen solchen Text ins Gespr\u00e4ch zu bringen und ich finde die Themenvielfalt des heurigen Wettbewerbs wirklich sehr interessant. Habe, wie meine Leser wissen, mit den vielleicht etwas \u00fcbertriebenen Texten meine Schwierigkeiten, bin aber gespannt, wer Publikumspreistr\u00e4ger wird? Joachim Meyerhoff vermuten Wolfgang Tischer und die Twitterer oder vielleicht doch Katja Petraskaja?<br \/>\nIn der Nacht auf Sonntag beziehungsweise am Vormittag kam dann die \u00dcberraschung, ORF-Direktor Alexander Warabetz hat f\u00fcr &#8220;Bachmann bleibt&#8221; unterschrieben und gab das dann auch im ORF-Theater bekannt.<br \/>\nDie Shortlist bestand f\u00fcr mich \u00fcberraschend aus Larissa Boening, Roman Ehrlich, Verena G\u00fcntner, Heinz Helle, Benjamin Maack, Joachim Meyerhoff und Katja Petroskaja, die dann gleich im ersten Durchgang den Preis, wie ja schon am Donnerstag deutlich wurde gewann.<br \/>\nDer Kelag-Preis ging an Verena G\u00fcntners Text &#8220;Es bringen&#8221;. Dann wurde es endlich Benjamin Maack, wie sich das die Twitterer schon lange w\u00fcnschten und der Ernst Willner Preis ging an Hein Helle mit seinem Beziehungstext &#8220;Wir sind sch\u00f6n.&#8221; Und der Publikumspreis ging sehr \u00fcberraschend nicht an Joachim Meyerhoff oder Katja Petrowskaja, sondern an Nadine Kegele, die sich sehr freute und auch \u00fcberrascht wirkte. Der Preis der automatischen Textkritik ist schon vor einer Stunde an Roman Ehrlich gegangen, den sich auch Katja Petrowskaja als Preisr\u00e4ger w\u00fcnschte.<br \/>\nUnd hier mein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/07\/08\/den-bachmannpreis-gewinnen\/\">Archiv<\/a> der Bachmannpreisberichterstattung der letzten f\u00fcnf Jahre, das meiner Meinung nach sehr interessant ist, auch wenn es nat\u00fcrlich nur meine subjektive Meinung widergibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ein Ausdruck, den ich vor f\u00fcnf Jahren, als der Bachmannpreis noch in der letzten Juniwoche durchgef\u00fchrt wurde und ich ihn in Wien zwischen meinen Stunden mitverfolgte, auf dem Blog der Christiane Zintzen h\u00f6rte, da habe ich von den &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22394\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22394","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22394"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22394\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}