{"id":22232,"date":"2013-07-10T00:18:18","date_gmt":"2013-07-09T22:18:18","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22232"},"modified":"2013-07-10T00:18:18","modified_gmt":"2013-07-09T22:18:18","slug":"die-reise-nach-paula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22232","title":{"rendered":"Die Reise mit Paula"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung des Buches, das ich, als besser lesbar auf die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/23\/wanderwochenende-und-sommerplane\/\">Teichalm<\/a> mitgenommen habe, dann ungelesen zur\u00fcckbrachte, die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/01\/feuerlinie\/\">&#8220;Feuerlinie&#8221;<\/a> gelesen, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/05\/die-wand\/\">&#8220;Die Wand&#8221;<\/a> und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/07\/09\/entweder-olga\/\">&#8220;Entweder Olga&#8221;<\/a> vorgezogen, denn Geschichten kann ich ja an meinen Praxistagen lesen und kurz besprechen, bevor ich in die Sommerfrische fahre und zu der Demonstrationsveranstaltung der Psychotherapeuten gegen das Psychologengesetz am 26. vor dem Maria Theresia Dendenkmal hat es auch gut gepasst, denn der 1931 in Washingthon D.C. geborene Irvin D.Yalom ist ein schreibender Psychiater und in Ber\u00fchrung bin ich mit ihm vor ein paar Jahren gekommen, als die Stadt Wien <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/12\/11\/und-nietzsche-weinte\/\">&#8220;Und Nietzsche weinte&#8221;<\/a> f\u00fcr die &#8220;Stadt ein Buch Aktion ausw\u00e4hlte&#8221;, ich mir das Buch bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/11\/12\/erster-messetag\/\">Buch-Wien<\/a> holte und mich bei der anschlie\u00dfenden Lesung wunderte, wie sehr der freundliche \u00e4ltere Herr von seinen Leibw\u00e4chtern umgeben war.<br \/>\nDas Buch beschreibt eine Therapie Nietzsches bei Josef Breuer, interessant habe ich mir gedacht, als ich es gelesen habe, vielleicht ein wenig weitschweifend!<br \/>\n&#8220;Und Nietzsche ist es nicht!&#8221;, hat Robert Eglhofer in etwa gesagt. Dann habe ich noch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/02\/die-schopenhauer-kur\/\">&#8220;Die Schoppenhauerkur&#8221;<\/a> gefunden, bzw. bei diesem Flohmarkt in Stattersdorf oder auch bei einem &#8220;Thalia-Abverkauf&#8221; bekommen.<br \/>\n&#8220;Die Reise mit Paula&#8221;, sechs &#8220;Fallgeschichten&#8221;, lagen im B\u00fccherschrank und als ich mich vorher bei Amazon erkundigt habe, habe ich festgestellt, da\u00df die Leute es als sein bestes Buch bezeichnen.<br \/>\nFallgeschichten eines schreibenden Psychoanalytikers sind sicher sehr interessant, Dr. Yalom geht auch erstaunlich offen und augenzwinkernd mit seinen Fehlern und Schw\u00e4chen um.<br \/>\nBei der Danksagung wird an die Lektorin gedacht &#8220;die mich wie schon bei so vielen anderen B\u00fcchern auch diesmal gnadenlos dazu gedr\u00e4ngt hat, beim Schreiben das Beste aus mir herauszuholen.&#8221;<br \/>\nNun ja, das fehlt mir vielleicht ein bi\u00dfchen. Fallgeschichten und Gruppentherapien gibts bei mir <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_haus.html\">wohl<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_bank.html\">auch<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_schokolade.html\">zu<\/a> <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_absturzgefahr.html\">finden<\/a> und von der Psychoanalyse verstehe ich nicht so viel, obwohl ich irgendwie ein bi\u00dfchen in der Berggasse sozialisiert wurde und in den Siebzigerjahren bei den Strotzka-Vorlesungen war.<br \/>\n&#8220;Mama und der Sinn des Lebens&#8221; ist die erste Geschichte.<br \/>\nDie Mutter ist zehn Jahre tot, vorher hat sie in einem Altersheim gewohnt, mit den B\u00fcchern des Sohnes neben sich am Tischchen und auf den Knien, die sie nicht lesen konnte, weil Mama blind und auch noch Analphabetin war.<br \/>\nDer ber\u00fchmte Sohn tr\u00e4umt nun jede Nacht von ihr und  fragt und sich ob sie zufrieden ist? Die beiden werfen sich ihre Fehler vor, der Sohn erkl\u00e4rt ihr, da\u00df sie ihn loslassen soll und hat am Ende doch nur wieder Mamas Strategien \u00fcbernommen.<br \/>\nIn der Titelgeschichte geht es um Paula und um eine Gruppe mit sterbenden Patienten, das hat es in den Siebzigerjahren noch nicht gegeben. Dr. Yalom gr\u00fcndet eine 1973 mit Paula, einer unheilbaren Krebspatientin. Das hei\u00dft er f\u00fchrt zuerst Gespr\u00e4che mit ihr. Sie ist ein B\u00fcndel an Agilit\u00e4t, irgendwo wird die Frage gestellt, die ich mir auch immer stelle, wieso es eine erst Krebsdiagnose braucht, um seine Aktivit\u00e4t zu finden und regt ihn zu der Gruppe an.<br \/>\nDie wird ein Erfolg, Dr. Yalom ist der Leiter, aber die Energie kommt von Paula, sie bringt Kerzen mit und regt zu Meditationen an und Dr. Yalom kommt auf die Idee, um Forschungsgelder anzusuchen und das Ganze evaluieren zu lassen. Das bringt ihn in Konflikt mit Paula, die die Gruppe verl\u00e4\u00dft, er hat, neben all seiner anderen T\u00e4tigkeiten zu wenig Zeit sich um sie und ihre Probleme zu k\u00fcmmern, so da\u00df er erst Jahre sp\u00e4ter von ihrem Sohn von ihrem Tod erf\u00e4hrt.<br \/>\nIn &#8220;Trost aus dem S\u00fcden&#8221; geht es auch um eine Gruppentherapie, diesmal in einem psychiatrischen Krankenhaus, die Yalom einmal in der Woche leitet, bzw. den Assistenz\u00e4rzten vorf\u00fchren soll, wie man eine solche macht. Er radelt dazu von seinem Sprechzimmer in die Klinik hin\u00fcber, denkt \u00fcber die Schw\u00e4chen und Schwierigkeiten einer solchen Therapie nach, welche Patienten werden zugelassen und \u00fcbt Kritik an Ronald Reagan, der pl\u00f6tzlich alle f\u00fcr gesund erkl\u00e4rte, so da\u00df die Patienten wieder in ihre sch\u00e4digenden, sie krankmachenden Umgebungen zur\u00fcckmu\u00dften.<br \/>\nIn der Gruppe hat er sehr schwierige Patieten, depressive, die nach mi\u00dfgl\u00fcckten Suiziden in Rollst\u00fchlen sitzen, abgemagerte, zwangsern\u00e4hrte anorektische M\u00e4dchen, Psychotiker, etc und versucht ihnen ein St\u00fcck  Lebensqualit\u00e4t zur\u00fcckzugeben. Die eigenen Unzul\u00e4nglichkeiten und Schuldgef\u00fchle nicht das Beste aus sich herausgeholt zu haben, kommt nat\u00fcrlich auch dabei vor.<br \/>\nIn &#8220;Sieben Lektionen zur Bew\u00e4ltigung von Leid&#8221; gehts um Trauertherapie. Da wird der Psychiater von einem Freund angerufen, ein anderer Freund ist an Krebs erkrankt und nun will dessen Frau zu Dr. Yalom zur Bew\u00e4ltigungsanalyse. Das ist nun schon mal ein Kunstfehler, der dachte ich, bei den Analytikern viel wichtiger als Beispielsweise bei den Verhaltenstherapeuten z\u00e4hlt. Dr. Yalom therapiert trotzdem und geht in mehreren Jahren mit seiner Patientin, einer Chirurgin, alle Trauerstadien durch. Da\u00df er von K\u00fcbler-Ross nicht viel h\u00e4lt, ist schon im vorigen Kapitel angeklungen. Jetzt erz\u00e4hlt Irene ihm ihre Tr\u00e4ume, sie hat Angst vor Verlusten, deshalb sieht sie ihren Psychiater auch nicht in die Augen, hat sie doch als junges M\u00e4dchen ihren Bruder verloren. Jack soll nicht sterben, er tut es nat\u00fcrlich und auch noch ihr Vater und die Mutter erkrankt an Alzheimer, w\u00e4hrend ihr Psychiater so unverw\u00fcstlich gesund wirkt. Darf jemand, der keinen Verlust an sich selbst erlebte, \u00fcberhaupt Trauerarbeit leisten, lautet eine weitere frage, die Dr. Yalom mit einem &#8220;Nat\u00fcrlich, denn ein Schizophrener wird ja auch nicht von einem Schizophrenen behandelt&#8221;, beantwortet. Dann stirbt ihm aber der Schwager weg. Irene wird trotzdem immer depressiver, scheint nicht loslassen und sich einen neuen Mann suchen zu k\u00f6nnen, sondern l\u00e4\u00dft alles wie es ist, Jacks Schreibtisch bleibt unber\u00fchrt, sie starrt aus dem Fenster, der Psychiater wird ungeduldig, das mu\u00df doch schneller gehen und schl\u00e4gt Irene Medikamente vor. Da bringt sie ihm ein Brodsky-Gedicht als Metapher und schlie\u00dflich, noch ein paar Jahre und hunderte Analysestunden sp\u00e4ter, stellt sie ihm einen Kevin vpor.<br \/>\n&#8220;Nimm dich in Acht&#8221;, denkt sich Dr. Yalom dann. &#8220;Pass ja gut auf sie auf. Und wehe dir, wenn du stirbst!&#8221;<br \/>\n&#8220;Doppelbelichtung&#8221; gibt wieder augenzwinkernd Einblick in den Analysebetrieb. Diesmal ist ein Dr. Lash der Protagonist. Myrna kommt zu ihm, weil sie Beziehungsschwierigkeiten hat und ist mit der Therapie eigentlich unzufireden und der Anlytiker ist es auch ein bi\u00dfchen. Er nimmt die Gespr\u00e4che aber immer auf Tonband auf und gibt sie seiner Analysantin mit, damit sie sie sich nochmals anh\u00f6ren kann. Einmal passiert ein Lapsus. Der Analytiker dreht nicht ab, so da\u00df Myrna seine Aufzeichnungen \u00fcber den Fall &#8220;Myrna&#8221; mitbekommt, die er sich f\u00fcr eine Gegen\u00fcbertragungsgruppe macht. Da h\u00f6rt sie dann etwas, das sie ih langweilt und da\u00df der Analytiker gerne auf ihre Titten starrt und das, was eigentlich ein Kunstfehler ist, rettet die Therapie. Myrna wird w\u00fctend, denkt sich &#8220;Na, den Kerl lass ich jetzt f\u00fcr mein Geld arbeiten!&#8221; und ein paar Monate sp\u00e4ter, stellt sie Gedichte auf eine Internetplattform und eine neue Beziehung wird sie demn\u00e4chst wahrscheinlich auch beginnen.<br \/>\nIn der letzten Geschichte &#8220;Der ungarische Katzenfluch&#8221;, wird wieder, wie Yalom in seinem Nachwort meint, die Fiction mit den Therapieerlebnissen  durcheinandergew\u00fcrfelt. Der Protagonist erneut Ernest Lash macht Fehler um Fehler, um \u00fcber sich hinauszuwachsen und therapiert am Ende eine Katze, um herauszufinden, was man mit langweiligen Patienten macht und wie man mit Therapiebeendigungen umzugehen hat.<br \/>\nEin Schwarzer aus Trinidad, der in England auf Elitecolleges studierte, will das nach der vierten Stunde tun, begonnen hat er, nach einem Alptraum, als er in Panik in eine Notklinik gelaufen ist und Ernest bringt ihm durch seine Frage nach dem Fr\u00fchst\u00fcck vom Vortag dazu, vorl\u00e4ufig zu bleiben. Denn am Vortag hat er, der Langeweiler, in einem Cafe eine tolle Frau getroffen, die ihm am Abend in ihrem Haus Schwammerln gekocht hat, danach erwachte er von einer Katze gejagt, stand bis zu den Schenkeln in einer S\u00e4ure und rannte von Artemis davon. Das erweckt wieder Ernests Gef\u00fchle, sowas kann man einer Frau nach einer tollen Liebesnacht nicht anzutun! So kauft er sich Thomas Mann &#8220;Erw\u00e4hlter&#8221; und qu\u00e4lt den armen Mister Halston so lang, bis der ihm den Namen des Cafes verr\u00e4t. Das sich die vegane Artemis f\u00fcr deutsche Literatur interessiert, hat er schon vorher aus ihm herausgebracht. Das Spiel widerholt sich, Artemis kocht wieder Schwammerln, jetzt hat Lash den Alptraum und rennt davon. Er kommt aber wieder und Artemis ist gar nicht so erstaunt, wie er dachte, sondern liest ihm den Brief ihrer Gro\u00dfmutter vor. Die hat in Budapest anno 1931 einen Kater in die Donau versenkt und wurde von ihm verflucht, da\u00df fortan sie und ihre Kindes-und Kindest\u00f6chter von der Liebe jejagt und von den M\u00e4nnern verlassen werden. Dr. Lash gibt nicht auf. Er bringt vietnamesisches Essen, statt der Schwammerln, therapiert den Kater, w\u00fcnscht ihm ein gutes Leben und kann fortan ein solches bei Artemis haben. Mister Hash hat die Therapie inzwischen endg\u00fcltig abgebrochen.<br \/>\nEin spannendes Buch, das ich in einigen Tranchen gelesen habe und das auch einer Verhaltenstherapeutin gefallen kann. Ich w\u00fcrde mich auch dem Urteil der anderen Leser anschlie\u00dfen und es f\u00fcr das beste zu halten, das ich bisher von Irvin D. Yalom gelesen habe.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt die Besprechung des Buches, das ich, als besser lesbar auf die Teichalm mitgenommen habe, dann ungelesen zur\u00fcckbrachte, die &#8220;Feuerlinie&#8221; gelesen, &#8220;Die Wand&#8221; und &#8220;Entweder Olga&#8221; vorgezogen, denn Geschichten kann ich ja an meinen Praxistagen lesen und kurz besprechen, &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22232\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22232"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22232\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}