{"id":22200,"date":"2013-07-05T00:08:49","date_gmt":"2013-07-04T22:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22200"},"modified":"2013-07-05T00:08:49","modified_gmt":"2013-07-04T22:08:49","slug":"die-wand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22200","title":{"rendered":"Die Wand"},"content":{"rendered":"<p>Das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/20\/grundbuch-wand\/\">Grundbuch &#8220;Wand&#8221;<\/a> habe ich vor einigen Jahren ein paar Monate in meinem Regal liegen gehabt. Judith GruberRizy die mit dem Lesetheater Marlen Haushofer aufgef\u00fchrt hat, hat es mir geborgt. Ich habe es ihr ungelesen wieder zur\u00fcckgegeben, denn aus irgendeinen Grund hat mich das Buch damals nicht so interessiert. Marlen Haushofer aber schon, von ihr habe ich in den Siebzigerjahren das erste Mal etwas geh\u00f6rt, mir dann die &#8220;Tapetent\u00fcr&#8221; aus einer B\u00fccherkiste gezogen und gelesen.<br \/>\nDaniela Strigl hat vor einigen Jahren eine Biografie \u00fcber sie geschrieben, dar\u00fcber habe ich in Ex Libris geh\u00f6rt, aber nicht recht zugeh\u00f6rt, denn bei der ersten literarischen Soiree im Radio Kultur Cafe wurde das Buch vorgestellt, man konnte es gewinnen, wenn man ein paar Fragen, wie beispielsweise wo Marlen Haushofer geboren wurde, beantwortete und ich hatte sehr viel falsch.<br \/>\nMit der Hilfe eines Herrn hatte ich aber die gleiche Punktzahl wie er und er hat mir das Buch auch \u00fcberlassen. Dann kam die Grundbuchveranstaltung in der Alten Schmiede.<br \/>\nDie &#8220;Wand&#8221; wurde verfilmt, im B\u00fccherschrank habe ich das Buch auch gefunden und jetzt hat es gepasst, bzw. bin ich jetzt disziplinierter im Lesen und es interessiert mich auch.<br \/>\nEin tolles Buch, der 1920 in Frauenstein O\u00d6, geborenen Marlen Haushofer, das von den Feministen vereinnahmt wurde und von Paulus Hochgatterer, als die Metapher f\u00fcr eine Depression bezeichnet wurde. Da wei\u00df ich nicht recht. Eine unsichtbare Wand, die einem von der Welt abtrennt ist zwar die perfekte Depressionsmetapher, aber die namenslose Ich-Erz\u00e4hlerin, von der in dem Buch die Rede ist, scheint mir  andere Motive zu verfolgen und sich auch nicht besonders depressiv zu verhalten, k\u00e4mpft sie doch um ihr Leben.<br \/>\nIch w\u00fcrde es eher als Methapher f\u00fcr die atomare Bedrohung bezeichnen und als Reaktion der traumatisierten Marlen Haushofer bez\u00fcglich ihrer Kriegserfahrungen.<br \/>\n1963 ist das Buch erschienen, es hat wirklich eine sehr dichte Sprache und erz\u00e4hlt die Geschichte einer vierzigj\u00e4hrigen Frau, die keinen Namen hat, bzw. will sie den ihren m\u00f6glichen Verfolgern oder Feinden nicht preisgeben und auch keine rechte Biographie, da\u00df sie verwitwt ist und zwei halbw\u00fcchsige T\u00f6chter hat, erf\u00e4hrt man, viel mehr nicht.<br \/>\nJa, noch, da\u00df sie am Land aufgewachsen ist und daher Melken und Heuen kann, was ich f\u00fcr eine Konstruktion Marlens Haushofers halte, um das \u00dcberleben in der Einsamkeit zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nDie Frau setzt sich zu ihrem letzten Papier und ihren letzten Bleistiften und schreibt auf, was ihr in den letzten zweieinhalb Jahren widerfahren ist.<br \/>\nIm April vor zwei Jahren ist sie mit Hugo, dem Mann ihrer Cousine Louise und mit ihr in sein Jagdh\u00e4uschen gefahren. Hat Reisfleisch gekocht, w\u00e4hrend sich Hugo und Louise ins Dorf aufmachten. Der Hund Lux ist zur\u00fcckgekommen. Hugo und Louise tun das nicht mehr und als sie sie am n\u00e4chsten Tag suchen will, st\u00f6\u00dft sie auf eine unsichtbare Wand und die Leute die sich dahinter befinden scheinen zu Stein erstarrt.<br \/>\nWas ist das? Die atomare Bedrohung, man wei\u00df es nicht recht. Die Frau geht mit Lux zur\u00fcck, erkundet ihre Umgebung, findet sp\u00e4ter die Kuh Bella, eine Katze kommt auch noch zu ihr, beginnt zu heuen, die Kuh zu melken, Kartoffeln anzupflanzen, Verantwortung \u00fcber ihre Gesch\u00f6pfe zu \u00fcbernehmen und lebt zweieinhalb Jahre ein Leben in der Einsamkeit, fernab von aller Zivilisation.<br \/>\nDer Mercedes in der Garage beginnt zu verrosten, bzw. dient er als Brutplatz f\u00fcr allerhand Getier. Die Frau f\u00e4ngt Forellen, schie\u00dft sich Wild, zieht im Sommer auf die Alm, schl\u00e4gt Butter, ernten Himbeeren und Preiselbeeren und gew\u00f6hnt sich an ein Leben ohne Zucker.<br \/>\nMedikamente und Schnaps gibt es noch etwas. Sie geht auch nie ohne Gewehr aus dem Haus. Die Katze bekommt Junge, irgendeinen Kater scheint es im Wald doch zu geben, Bella bekommt einen Stier und am Schlu\u00df ist pl\u00f6tzlich ein Mann auf der Alm, der Lux und Stier t\u00f6tet, bevor er von ihr get\u00f6tet wird.<br \/>\nDas ist wahrscheinlich wieder Metaphernreich und die Geschichte ist wirklich sehr dicht und eindrucksvoll erz\u00e4hlt und wird, wahrscheinlich dank des Filmes, auch heute noch <a href=\"http:\/\/writeaboutsomething.wordpress.com\/2013\/06\/16\/marlen-haushofer-die-wand\/\">gelesen<\/a>.<br \/>\nEinen Marlen Haushofer Geschichtenband habe ich auch noch gefunden und &#8220;Wir t\u00f6ten Stella&#8221;. Jetzt m\u00fc\u00dfte ich nur noch die &#8220;Mansarde&#8221; bekommen, dann w\u00e4re ich eine halbe Haushofer-Expertin und kann das Lesen des Buches wirklich nur empfehlen. Den Film habe ich nicht gesehen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Grundbuch &#8220;Wand&#8221; habe ich vor einigen Jahren ein paar Monate in meinem Regal liegen gehabt. Judith GruberRizy die mit dem Lesetheater Marlen Haushofer aufgef\u00fchrt hat, hat es mir geborgt. 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