{"id":22077,"date":"2013-06-18T21:26:28","date_gmt":"2013-06-18T19:26:28","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22077"},"modified":"2013-06-18T21:26:28","modified_gmt":"2013-06-18T19:26:28","slug":"randfigur-oder-kultfigur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22077","title":{"rendered":"Rand- oder Kultfigur?"},"content":{"rendered":"<p>Diese Frage habe ich beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/06\/07\/aufgehoben-and-or-not-ausgehoben\/\">&#8220;Archivierungssymposium&#8221;<\/a> im Literaturhaus vor zwei Wochen gestellt, als der junge Literaturwissenschaftler, der an Christa G\u00fcrtler Seite \u00fcber das &#8220;Elfriede Gerstl-Archiv&#8221; referierte, meinte, da\u00df man sie vielleicht   genauer vorstellen m\u00fc\u00dfte und stellte sie mir auch vor Jahren, als ich ihr Portrait in dem Hilde Schm\u00f6lzer Buch &#8220;Frau sein und schreiben&#8221;, nicht entdeckte.<br \/>\nDas war in den sp\u00e4ten Siebzigerjahren, als wir im Arbeitskreis auf das Buch gekommen sind und damals war mir Elfriede Gerstl ein Begriff. Wo und wie ich auf die kleine zarte Frau aufmerksam wurde, wei\u00df ich zwar nicht so genau, bin ich ja keine fr\u00fche Kennerin der Avantgarde und habe, als ich 1973 die Schule verlassen habe, Hofmannsthal, Doderer und Musil gelesen und nicht H.C. Artmann oder Peter Handke, deren Namen ich h\u00f6chsten vom Literaturgeschichtelehrbuch kannte.<br \/>\nTrotzdem kann ich mich erinnern und da habe ich wahrscheinlich noch studiert, sie einmal mit Hut und altem Kleid in der Konditorei Aida in der Wollzeile gesehen zu haben und wu\u00dfte erstens, wer das war, zweites war sie f\u00fcr mich schon damals eine Kultfigur der Wiener Literaturszene.<br \/>\n&#8220;Wow und eh schon wissen!&#8221;<br \/>\nSo habe ich mir, 1983 wahrscheinlich, an der II. HNO Klinik arbeitend und in der Otto Bauer Gasse wohnend, die in der &#8220;Edition Neue Texte&#8221; erschienene &#8220;Wiener Mischung&#8221; gekauft und zuerst ist mir wahrscheinlich nicht einmal aufgefallen, da\u00df ihr Portrait in dem &#8220;Frauen schreiben-Buch&#8221; fehlte. Sp\u00e4ter habe ich Hilde Schm\u00f6lzer danach gefragt und war von ihrer Antwort, da\u00df sie damals unbekannt gewesen w\u00e4re, unbefriedigt.<br \/>\n&#8220;Das stimmt doch nicht!&#8221; und das habe ich auch auf die Bemerkung des jungen Assistenten gedacht.<br \/>\nAber als sie <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/09\/osterferien-und-gerstl-nachruf\/\">gestorben<\/a> ist, hat &#8220;FM4&#8221; bei Cornelia Travnicek angerufen und sie um einen Nachruf gebeten und die hat einen Germanistikstudenten gefragt, der auch &#8220;Elfriede wer?&#8221;, gefragt haben d\u00fcrfte.<br \/>\nDie Geschm\u00e4cker und die Bekanntheitsgrade sind also sehr verschieden, denn f\u00fcr mich war die kleine alte Dame immer der Inbegriff der Wiener Literaturszene.<br \/>\n&#8220;Sie war beides!&#8221;, hat mir Christa G\u00fcrtler auf meine Frage geantwortet und gemeint, da\u00df sie au\u00dferhalb des Wiener Literatenkreis nicht so bekannt sein d\u00fcrfte. Im diesem aber schon und das hat sich auch heute im Cafe Korb erwiesen, als dort der zweite Band der &#8220;Droschl&#8221;-Gesamtausgabe &#8220;Beh\u00fcte beh\u00fctet&#8221;, von der immer, um den Gerstl-Geburtstag im Juni ein Band erscheinen soll, vorgestellt wurde, denn das war  das erweiterte Wohnzimmer der Kaffeehausgeherin, die sich vor der Natur und vor Zecken f\u00fcrchtete, eine Stadtmenschin eben und das Cafe Korb ist ja von Kleeblattgasse, wo sie wohnte, nicht weit entfernt.<br \/>\nDenn als ich um sieben in den Keller hinabgestiegen bin, war der bummvoll, ich mu\u00dfte mir erst m\u00fchsam ein freies Pl\u00e4tzchen suchen und die Creme der Creme des Wiener Literaturbetriebes war anwesend.<br \/>\nGustav Ernst, Antonio Fian, Gabriele Petricek, Konstantin Kaiser, Christl Fallenstein, die Brigitte, Lukas Cejpek, Gerhard Jaschke und und und.<br \/>\nAls im Vorjahr in der &#8220;Alten Schmiede&#8221; der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/13\/wer-ist-denn-schon-zu-hause-bei-sich\/\">erste Band<\/a> pr\u00e4sentiert wurde war das ebenso und Anette Knoch, die Droschl-Verlegerin, dankte auch dem Publikum, das trotz der gro\u00dfen Hitze gekommen war.<br \/>\n&#8220;Gemeinsames Schwitzen f\u00fcr Elfriede Gerstl!&#8221;, hat es Margret Kreidl, die mit Franz Schuh Texte aus dem Band gelesen hat genannt und Herbert J. Wimmer, der Lebensmensch, pr\u00e4sentierte f\u00fcnfundvierzig Fotos auf einer Endlosschleife.<br \/>\nChrista G\u00fcrtler erl\u00e4uterte welche Texte in dem Band enthalten seien. Die aus der &#8220;Neuen Wiener Mischung&#8221;, die sp\u00e4ter wieder aufgelegt wurden, Reisetexte, Elfriede Gerstl, die, in den Sechziger-und Siebzigerjahren viel von Wien nach Berlin pendelte, wo sie mit ihrem Ehemann Gerald Bisinger lebte, hat viel in Z\u00fcgen und sonst wo geschrieben und auch dem Band &#8220;Unter einem Hut&#8221;, den Franz Schuh herausgegeben hat.<br \/>\nElfriede Gerstl, die verkannte, die Schwierigkeiten hatte beim Wohnungssuchen, beim Ver\u00f6ffentlichen und bei den Preisen und Stipendien. Die durch die Wiener Gruppe, bzw. Oswald Wiener und Konrad Bayer zu schreiben angefangen hat.<br \/>\nIch habe, immer noch in der Otto Bauer Gasse lebend, in der Zeitschrift &#8220;Emma&#8221;, die ich mir damals kaufte, den Text &#8220;Das kleine M\u00e4dchen, das ich einmal war&#8221;, gelesen. Ich wei\u00df nicht, ob ich ihn noch irgendwo aufgehoben habe und ob er meine Umz\u00fcge \u00fcberlebte, da steht jedenfalls etwas von der Kindheit der j\u00fcdischen Zahnarzttochter, die sich mit der Mutter und der Gro\u00dfmutter in Wien verstecken mu\u00dfte und lange nicht zur Schule gehen konnte.<br \/>\nViel sp\u00e4ter hat sie dann zwei Preise, den &#8220;Fried&#8221;- und den &#8220;Trakl-Preis&#8221; gleich hintereinander bekommen und sp\u00e4testens dann war sie bekannt in Wien. Das Lesetheater hat jedenfalls ihre Texte aufgef\u00fchrt, da ist auch der Band &#8220;Alle Tage Gedichte&#8221; erschienen, aus dem gelesen wurde und wenn man Publikum bei seinen Lesungen haben wollte, hat man sie eingeladen, was sie, die nicht so gut nein sagen konnte, auch genau wu\u00dfte.<br \/>\nAls ich 1998 oder so zu dem &#8220;Wespennestfest&#8221; gehen wollte und keine Einladung hatte, hat sie mich mitgenommen, zum <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/04\/sv-cocktail-krilit-alpha-literaturpreis\/\">&#8220;Alpha-Literaturpreis&#8221;<\/a> nimmt mich niemand mehr mit, denn sie war eine ausgesprochen Nette, eine Ausnahme im Wiener Literaturbetrieb, obwohl Franz Schuh behauptete, da\u00df sie auch ganz sch\u00f6n stur sein konnte, wenn ihr etwas nicht passte.<br \/>\nEinmal war sie auch bei meinem literarischen Geburtstagsfest, da haben mich dann die, denen ich das erz\u00e4hlte, beim n\u00e4chsten Fest gefragt, ob auch die Elfriede Jelinek komm?<br \/>\nNat\u00fcrlich nicht, Elfriede Gerstl war aber mit ihr befreundet, vielleicht deshalb, weil beide schwierige M\u00fctter hatten.<br \/>\nEinmal habe ich ihr, als ich sie bei einer Veranstaltung traf, zu der wir nicht mehr hineingekommen sind, einen Sack Schuhe, in ihr Kleiderarchiv in die Kettenbr\u00fcckengesse getragen, das sie mir dann zeigte. B\u00fccher haben wir getauscht und und.<br \/>\n2009 ist die alte Dame, dann schon schwer krank <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/21\/gerstl-begrabnis\/\">gestorben<\/a>, vorher haben wir sie noch auf dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/08\/31\/volksstimmefest\/\">Volksstimmefest<\/a> fotografiert, das sie auch regelm\u00e4\u00dfig besuchte, ich war bei ihren Begr\u00e4bnis und als etwas sp\u00e4ter ein Buch von ihr im Cafe Korb pr\u00e4sentiert  wurde, konnte ich nicht daran teilnehmen, weil ich mit dem Alfred nach <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/01\/italienische-schreibewoche\/\">Sizilien<\/a> fuhr.<br \/>\nSo habe ich das heute nachgeholt und im vorigen Jahr habe ich an ihrem Geburtstag ein St\u00fc\u0107k aus den &#8220;Berechtigten Fragen&#8221;, dem Jugend und Volk B\u00fcchlein, das ich einmal im offenen B\u00fccherschrank fand, vor dem, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/17\/lesung-vor-dem-offenen-bucherschrank\/\">Grundsteingasse<\/a> gelesen. Eine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/28\/alle-tage-gedichte-und-auch-prosa\/\">Lesetheaterauff\u00fchrung<\/a> gab es davon auch, so da\u00df sie f\u00fcr mich wohl eine Kultfigur bleiben wird, auch wenn bald der n\u00e4chste Student, Assistent oder Journalist kommt und &#8220;Elfriede wer?&#8221;, fragen sollte. Kleiner Trost am Rande, bei Herta M\u00fcller wurde das 2009 auch gefragt, was ich genausowenig verstanden habe.<br \/>\nBei <a href=\"https:\/\/twitter.com\/nichtkatharina\">Katharina Serles<\/a> gibt es \u00fcbrigens ein Foto von der Veranstaltung zu finden, was wohl als Beweis zu deuten ist, da\u00df sich auch j\u00fcngere Leute f\u00fcr Elfriede Gerstl interessieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Frage habe ich beim &#8220;Archivierungssymposium&#8221; im Literaturhaus vor zwei Wochen gestellt, als der junge Literaturwissenschaftler, der an Christa G\u00fcrtler Seite \u00fcber das &#8220;Elfriede Gerstl-Archiv&#8221; referierte, meinte, da\u00df man sie vielleicht genauer vorstellen m\u00fc\u00dfte und stellte sie mir auch vor &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22077\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22077","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22077","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22077"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22077\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22077"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22077"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22077"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}