{"id":22067,"date":"2013-06-17T23:24:00","date_gmt":"2013-06-17T21:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22067"},"modified":"2013-06-17T23:24:00","modified_gmt":"2013-06-17T21:24:00","slug":"wie-im-echten-lebenthomas-stangl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22067","title":{"rendered":"Wie im echten Leben\/Thomas Stangl"},"content":{"rendered":"<p>Eine Spezialit\u00e4t der &#8220;Alten Schmiede&#8221; sind wahrscheinlich die Autorinnenlabors, die immer wieder stattfinden.<br \/>\nDas vierzehnte dieser Art ein Essay-Recherche-Labor veranstaltet jetzt Angelika Reitzer unter dem Titel &#8220;Sehnsucht und Revolution &#8211; Wie im echten Leben&#8221; und lud dazu am ersten Abend Thomas Stangl ein.<br \/>\nKurt Neumann leitete ein und Angelika Reitzer erz\u00e4hlte etwas \u00fcber das Projekt, wo es um gesellschaftspolitische Zusammenh\u00e4nge gehen und die Rolle des Autors bzw. des Schreibens dazu erl\u00e4utert werden sollen.<br \/>\nIm Juni gibt es vier Abende und zu dem Autor, der Autorin, die jeweils, um einen Essay gebeten wird, gibt es einen Folgeautor, diesmal war es Erich Hackl, der im Publikum sa\u00df und am 14. 2. 2014 auf Thomas Stangl antworten wird und Thomas Stangls Thema war &#8220;Hoffentlich bin ich nicht zu sp\u00e4t. Traditionen des Revolution\u00e4ren im echten und im erz\u00e4hlten Leben und der 1966 in Wien geborene Thomas Stangl, der mit seinen drei <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/11\/14\/was-kommt\/\">Romanen<\/a> sowohl in Klagenfurt gewonnen hat, als auch der erste <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/10\/20\/zweimal-rennweg\/\">Alpha<\/a>&#8211; und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/27\/erich-fried-preis-an-thomas-stangl\/\">Erich Fried Preistr\u00e4ger<\/a> ist, hat sich auf seinen Vortrag sehr gut vorbereitet.<br \/>\nIn mehreren Abteilungen f\u00fchrte er die revolution\u00e4ren Elemente genau aus, beginnend mit einer Figur aus einer seiner Romane, die von der Demonstration am 4. Februar 2000, als in Wien die schwarz blaue Regierung angelobt wurde, mitgerissen wird und in ihrer Begeisterung sich daf\u00fcr sch\u00e4mt, da\u00df sie eine Wohnung hat, weil Besitz doch allen geh\u00f6ren w\u00fcrde, dann kommt er zu Peter Weiss und f\u00fchrt die revolutiopn\u00e4ren Elementen an Hand seiner Werke aus.<br \/>\nDa ist das St\u00fcck Marat\/Sade, das Stangl als Siebzehnj\u00e4hriger gelesen hat, begeistert war, obwohl er sich die wirkliche Revolution mit wirklichen Blut und wirklichen Toten gar nicht gut vorstellen konnte. Das ist wohl auch das Problem, wenn man etwas am Rei\u00dfbrett skiziert, Revolutionen brauchen und haben ihren Anla\u00df und m\u00fc\u00dfen dann scheitern?<br \/>\nZumindest habe ich das aus dem Referat herausgeh\u00f6rt. Das glaube ich nun nicht unbedingt, obwohl es stimmt, da\u00df die meisten, die ich kenne, gescheitert sind, die franz\u00f6sische z.B. Das ist auch der Grund warum ich am 14. Juli immer ein mulmiges Gef\u00fchl habe, weil ich denke, da\u00df es da gar nicht so viel zu feiern gibt.<br \/>\nDie russische, der Kommunismus, etc, schwarz-blau ist inzwischen auch gescheitert. Etwas Besseres ist aber, f\u00fcrchte ich, nicht herausgekommen. Sondern eher \u00dcberwachung, Arbeitslosigkeit und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/30\/krisenstimmung\/\">Wirtschaftskrise<\/a> und Thomas Stangl kam auf den Tahrir Platz zu sprechen und von der Begeisterung der jungen Leute, die dort auftraten, w\u00e4hrend die Begeisterung inzwischen der Ern\u00fcchterung gewichen ist, weil nichts besseres nachgekommen ist.<br \/>\nIn Spanien demonstrieren junge Leute wegen der Wirtschaftskrise, in Istanbul, etc und wir sitzen vor den Fernseher und sympathisieren mit, meinte Thomas Stangl und erz\u00e4hlte von den franz\u00f6sischen Intellektuellen, die in den Siebzigerjahren nach China gefahren sind, dort in Kinderg\u00e4rten und Universit\u00e4ten herumgef\u00fchrt wurden und entt\u00e4uscht waren, weil alle Funktion\u00e4re ihnen dasselbe erz\u00e4hlten. Dann kam Thomas Stangl noch zum Film, wo die revolutipon\u00e4ren Elemente sehr sch\u00f6n dargestellt werden k\u00f6nnen und meinte, da\u00df es ihm nicht, wie seiner Romanheldin geht, denn er w\u00fcrde schon in einer Wohnung wohnen  und alle gute B\u00fccher lesen und Filme sehen wollen.<br \/>\nDann wurde diskutiert und ich war ein wenig ratlos, weil mich die Diskussion ein wenig an den Elfenbeinturm erinnert, denn Revolutionen werden nicht am Rei\u00dfbrett konstruiert, sondern entstehen, weil es einen Anla\u00df gibt, das Volk unterdr\u00fcckt wird, es keine Arbeit, keine Freiheit, etc gibt und heute denke ich, leben wir leider nicht in besonders revolution\u00e4ren Zeiten, zumindestens in \u00d6sterreich nicht und den politisch engagierten Schriftsteller, wie es einmal B\u00f6ll und Grass waren, gibt es wahrscheinlich ebenfalls nicht mehr. Robert Menasse vielleicht, aber sonst m\u00fcssen die jungen, die Karriere machen wollen wahrscheinlich aufpassen, da\u00df sie nicht zu politisch sind und stattdessen lieber sch\u00f6ne S\u00e4tze schreiben und ihre Internetautritte haben, weil sie sonst vielleicht nicht nach Klagenfurt eingeladen werden.<br \/>\nJa richtig, ein Beispiel habe ich noch vergessen, n\u00e4mlich, da\u00df Ilja Ehrenburg den Surrealismus kritisierte, weil man damit nicht Revolutionen machen kann, stimmt wahrscheinlich, obwohl es Thomas Stangl vielleicht anders meinte.<br \/>\nEine Dame fragte, ob sein Referat wertfrei zu verstehen sei, so habe ich es auch ein bi\u00dfchen empfunden, es war aber sehr interessant und Angelika Reitzer suchte in der Diksussion auch nach dem revolution\u00e4ren Elementen.<br \/>\nBeim Hinaufgehen fragte mich Erich Hackl, wie es mir ginge und ich ihm, wie er wohl im n\u00e4chsten Jahr  anschlie\u00dfen w\u00fcrde, ist er ja ein sehr <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/14\/abschied-von-sidonie\/\">politischer Autor<\/a>, daher wird seine Antwort spannend sein.<br \/>\nAber vorher gibt es noch Kathrin R\u00f6ggla, Clemens J. Setz und Marlene Streeruwitz zu h\u00f6ren, das hei\u00dft Clemens J. Setz werde ich vers\u00e4umen, weil es im Bruno Kreisky ein Zwischenwelt Verlagsfest, also eine sehr politische Alternative geben wird und beim Nachhausegehen bin ich dann noch in einen revolution\u00e4ren Moment hineingekommen.<br \/>\nDie viele Polizei am Stephansplatz ist mir schon beim Hingehen aufgefallen, dann t\u00f6nte aber eine laute Stimme, die ich nicht verstehen konnte. Viele junge Leute sa\u00dfen vor einer Videowand und wenn ich mich nicht irre, war das die hiesige t\u00fcrkische Szene, die die Vorg\u00e4nge in Istanbul verfolgte und das echte Leben war auf einmal da. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Spezialit\u00e4t der &#8220;Alten Schmiede&#8221; sind wahrscheinlich die Autorinnenlabors, die immer wieder stattfinden. 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