{"id":22051,"date":"2013-06-25T00:54:12","date_gmt":"2013-06-24T22:54:12","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=22051"},"modified":"2013-06-25T00:54:12","modified_gmt":"2013-06-24T22:54:12","slug":"seebachs-schwarze-katzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22051","title":{"rendered":"Seebachs schwarze Katzen"},"content":{"rendered":"<p>Wie wirkt sich die Stasi-T\u00e4tigkeit eines Ex-DDR-Vaters auf die psychische Entwicklung seines pubert\u00e4ren Sohnes aus und was hat das f\u00fcr die Gesellschaft zu bedeuten, wenn beispielsweise im Jahr 2003, die S\u00f6hne darauf kommen, da\u00df ihre V\u00e4ter f\u00fcr die Stasi spioniert und ihre Mutter betrogen haben, ect?<br \/>\nEine interessante psychologische Frage, die in dieser Form vielleicht noch nicht beantwortet wurde.<br \/>\nDie 1958 in Gotha geobrene Psychologin Kathrin Schmidt unternimmt den Versuch und tut das, da sie 1998, sowohl den &#8220;Heimito von Doderer-Preis, als auch einen der Bachmannpreise gewonnen hat, auf eine h\u00f6chst literarische Art.<br \/>\n&#8220;Zeitgeschichte und wilde Fabulierkunst. Detailtreue und Phantasiebrausen schlie\u00dfen sich bei Kathrin Schmidt nicht aus&#8221;, schreibt die Frankfurter Zeitung am Buchr\u00fccken.<br \/>\nNeugierig geworden? Ich habe, da mir das Verstehen nicht ganz leicht gefallen ist, mich bei den Rezensionen umgeschaut und gesehen, da\u00df es den Lesern <a href=\"http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/kathrin-schmidt\/seebachs-schwarze-katzen.html\">nicht sehr gefallen hat<\/a> und Kathrin Schmidt macht es mit dieser Mischung aus Kunst und Detail auch nicht leicht, springt sie doch vom Hundersten ins Tausensenste, wechselt die Zeiten und die Erz\u00e4hlebenenen, spielt mit Metaphern,  Fallbesipielen und  Sex bis hin zur Sodomie, um die spannende Frage, wie es den  pubertierenden S\u00f6hnen mit ihren f\u00fcr die DDR gespitzelt habenden V\u00e4tern geht und das interessiert die Psychologin in mir sehr und die schreibende Frau, h\u00e4tte es sicher realistischer angefangen und so beginnt es scheinbar auch im ersten Teil, wo Bert Willer mit seinem Sohn David in den Ferien nach Teneriffa aufbricht. Er hat die Reise f\u00fcr ihn gebucht, kauft ihm vorher Kleider und mietet ihm sogar ein Hotelzimmer, das auf einem anderen Flur, als das seine liegt. Der Sohn ist jedoch verst\u00f6rt, hat er doch die geheimen Aufzeichnungen des Vaters gefunden, die zeigen, da\u00df er als informeller Mitarbeiter, Kontakte zu Frauen hatte und mit ihnen Beziehungen aufbaute.<br \/>\nDie Mutter Lou ist vor drei Jahren gestorben und im Flugzeug lernen Vater und Sohn Michaela kennen, zu der nun sowohl der Vater, als auch der Sohn eine Beziehung beginnt.<br \/>\nMichaela bekommt im Meer epileptische Anf\u00e4lle, der Sohn findet einen Hund, schmuggelt ihn in sein Hotelzimmer ein, nennt ihn Lou und als der Vater kommt, greift der an Lous Geschlechtteile. Sexbesessen scheint der Vater auch zu sein und eine der Frauen zu denen er Kontakt hatte, die geheimnisvolle Belja spukt auch in seinem Kopf herum. Die war Psychologin, wie Kathrin Schmidt und auch Lou, bzw. hat sie Belja w\u00e4hrend eines Praktikums kennengelernt, wo sie Lou Bert Stasiakte zeigte. Man erf\u00e4hrt auch, da\u00df Belja an den Folgen einer Schizophrenie gestorben ist.<br \/>\n&#8220;Eingegangen wie Seebach schwarze Katzen!&#8221;, nannte das Lou, Hinweis f\u00fcr die, die sich wundern, da\u00df ein Buch in dem ein Hund eine wichtige Rolle spielt, eine Katze im Titel hat. Vater und Sohn reisen vorzeitig ab. Michaela bleibt noch etwas l\u00e4nger und k\u00fcmmert sich um den Hund, den sie kastrieren lassen will, um ihn mitzunehmen, was aber nicht geht, weil er tr\u00e4chtig ist.<br \/>\nDer Sohn verweigert den Vater nun die Auskunft, zieht sich in Mutismus zur\u00fcck, schrumpft auch ein und Bert Willer nimmt den Kontakt zu seinen alten Kollegen wieder auf und erf\u00e4hrt von ihnen, da\u00df Belja gar nicht gestorben ist, sondern mit ihrem Mann in Saarland in der Stadt N. lebt.<br \/>\nDas war der erste Teil, der mit seinen Metahphern, den von der &#8220;alten Fettvettel Zeit&#8221; zum Beispiel, noch halbwegs realistisch war, im zweiten wird es dann vollends surrealer und gar nicht leicht zu lesen.<br \/>\nWir sind in N. bei einem Ehepaar, bei Harald Emil J\u00fcrgen Hartung, so hei\u00dft Beljas Ehemann, seine Frau ist Psychologin und hat keinen Namen, da\u00df sie aber die zweite Frau ist und die erste Belja war, kommt heraus. Sie hat Kontaktprobleme und wenig Freunde, betreut autistische Kinder und Erwachsene, bereitet ein Fest vor, da\u00df von ihrem Mann verhindert wird, der sie in die psychiatrische Klinik bringt, wo sie eine Geschichte von einer Lou erz\u00e4hlt, die die behandelnde \u00c4rztin als &#8220;R\u00e4uberpistolen&#8221; bezeichnet und nur Hartung wei\u00df die Wahrheit.<br \/>\n Wahrlich nicht leicht zu verstehen, wo ich im Teil eins schon so gl\u00fccklich war, herausgefunden zu haben, wie das sein konnte, da\u00df in der DDR die Freunde von ihren besten Freunden bespitzelt wurden. Bert war bei der Armee, sonst h\u00e4tte er nicht studieren k\u00f6nnen. Da erz\u00e4hlte ihm ein Freund, da\u00df er in den Westen wollte, war auch ein IM und der Staat erpresste ihn nun, ein solcher zu werden, weil Bert ihn nicht verriet.<br \/>\nIm dritten Teil macht sich Bert dann mit seinem geschrumpften Sohn auf den Weg nach N. Er nimmt mehrere Umwege, bevor er zu Hartung kommt. Der gar nicht \u00fcberrascht ist, ihn bei sich schlafen l\u00e4\u00dft und ihm von seiner Frau erz\u00e4hlt, die am n\u00e4chsten Tag aus der Psychiatrie entlassen wird. Ahnen wir es schon? Sie ist nat\u00fcrlich Lou.<br \/>\nAls Psychologin kann ich nun sagen, da\u00df man vielleicht Abwehrmechanismen braucht, um so grausige Geschichten erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Der Literaturbetrieb braucht seine Abhebungen und will keinen eins zu eins Realismus.<br \/>\nDavid findet den Akt und stellt den Vater zur Rede. So k\u00f6nnte man es ja auch beschreiben. Kathrin Schmidt macht es viel komplizierter und wurde vom Literaturbetrieb sehr gelobt, hat sie ja, als sie ihren Schlaganfall beschrieb und Hertha M\u00fcller den Nobelpreis bekam, ganz \u00fcberraschend den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/10\/13\/alte-schmiede-und-deutscher-buchpreis\/\">dBp<\/a> bekommen.<br \/>\nDen Leuten deren Rezensionen ich gelesen habe, hat es nicht gefallen. Ich bin ein wenig ratlos, denn ich sehe trotz der Schrumpfungen, die mich an E.T.A Hofmann erinnern, das mit den informellen Informanten jetzt ein wenig realistischer. Mit den Sexszenen hat sie ein wenig \u00fcbertrieben denke ich und das mit dem Hund und der Fast-Sodomie war vielleicht geschmacklos. Aber ich bin sehr tolerant beim Lesen und denke, so gehts nat\u00fcrlich auch.<br \/>\nWenns dem Durchschnittleser aber nicht gef\u00e4llt und es nur die Literaturkritik so abgehoben haben will, ist das vielleicht schon ein bi\u00dfchen schade. Jedenfalls habe ich das 2005 erschienene Buch voriges Jahr, als ich zur <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/07\/bezirksschreiberinnenlesung\/\">Bezirksschreiberlesung in die Buchhandlung Kuppitsch <\/a>gegangen bin, um einen Euro aus der Abverkaufskiste herausgezogen und sonst noch nie etwas von dem Buch geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wirkt sich die Stasi-T\u00e4tigkeit eines Ex-DDR-Vaters auf die psychische Entwicklung seines pubert\u00e4ren Sohnes aus und was hat das f\u00fcr die Gesellschaft zu bedeuten, wenn beispielsweise im Jahr 2003, die S\u00f6hne darauf kommen, da\u00df ihre V\u00e4ter f\u00fcr die Stasi spioniert &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=22051\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-22051","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22051","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22051"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22051\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22051"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22051"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22051"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}