{"id":21837,"date":"2013-06-14T00:12:35","date_gmt":"2013-06-13T22:12:35","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21837"},"modified":"2013-06-14T00:12:35","modified_gmt":"2013-06-13T22:12:35","slug":"das-glaserne-wappen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21837","title":{"rendered":"Das gl\u00e4serne Wappen"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Roman einer \u00f6sterreichischen Familie&#8221;, steht am Umschlag der Buchgemischaftsausgabe von Eva Bakos Bestseller, der wie ich der Diplomarbeit von <a href=\"http:\/\/othes.univie.ac.at\/17093\/1\/2011-11-14_0603848.pdf\">Eleonara Wondratsch<\/a> entnehme, auch verfilmt wurde und 1980 im Marion Schr\u00f6der Verlag erschienen ist.<br \/>\nDas erinnert nat\u00fcrlich an Ernst Lothars <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/27\/der-engel-mit-der-posaune\/\">&#8220;Engel mit der Posaune&#8221;<\/a>, den ich voriges Jahr gelesen habe, obwohl sich das Buch von anf\u00e4nglichen \u00c4hnlichkeiten schnell wegbewegt und autobiogreaphische Zz\u00fcge zu der 1929 geborenen und 2003 gestorbenen Kulturjournalistin, die lange Zeit den \u00d6sterreichteil der Zeitschrift &#8220;Brigitte&#8221; herausgegeben hat, d\u00fcrfte es auch geben.<br \/>\nDa gibt es also ein Gr\u00fcnderzeithaus im dritten Bezirk, der selige Kaiser hat es f\u00fcr seine treuen Dienstboten und Beamten gestiftet und da wurde Mares Anfang der Drei\u00dfigerjahre hineingeboren.<br \/>\nEs hat ein gl\u00e4sernes Wappen, das auch dem zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel und Mares, die nat\u00fcrlich Maria Theresia getauft wurde, d\u00fcrfte in den Siebzigerjahren, als reife Frau in die Wohnung kommen, in der jetzt ihre Kinder, die Zwillinge Letizia und Dominik leben.<br \/>\nSie wird von einer Fanny in die Wohnung des  Zoltan Pronay gerufen, von dem schon auf der ersten Seite S\u00e4tze, wie &#8220;Fr\u00fcher hat es aus den K\u00fcchen viel besser und aus den Klosetts viel schlechter gerochen&#8221;, zitiert werden.<br \/>\nDas ist ein alter Mann, Schauspieler und Schriftsteller, der mit seiner Mutter in dem Haus gelebt hat, in dem Mares mit ihren Eltern und Gro\u00dfeltern aufgewachsen ist.<br \/>\nZoltan erlebt in Mares Gegenwart einen Schlaganfall und stirbt, Fanny die es nicht aush\u00e4lt, die Nacht mit einem Toten zu verbringen, die Bestattung kommt erst am n\u00e4chsten Tag, geht in Mares Wohnung, die die Totenwacht und erinnert sich an ihr Leben erinnert.<br \/>\nDie Gro\u00df\u1e3futter war Italienerin, der Gro\u00dfvater der alte Girlaner,  ein aufrechter Hofbeamter, der Mares, nach dem fr\u00fchen Unfalltod ihrer mond\u00e4nen Eltern, als &#8220;Rekrut&#8221; erziehen will, w\u00e4hrend die Nonna vom Herz und Gef\u00fchl spricht und italienische Sprichw\u00f6rter nur so herunterradelt, da\u00df sie die kleine Mares bald auswendig kann.<br \/>\nVorerst ist man aber arm und ausgesteuert, die Hausierer kommen und singen &#8220;Drunten in der Lobau&#8221; oder &#8220;Adiau, mein kleiner Gardeoffizier&#8221;, was Gro\u00dfmutter und Enkeltochter sehr zum Mi\u00dffallen des Gro\u00dfvaters zu verballhormen wissen.<br \/>\nEine b\u00f6hmische Poldi, die ein bi\u00dfchen im Haushalt hilft, gibt es auch und eine in Z\u00f6beregg, wo der Gro\u00dfvater einst Gutsverwalter war, jetzt verheiratet sich Mares Tante Lauri dorthin und als der Krieg kommt, geh\u00f6rt ein Teil der Familie zuerst zu den Anh\u00e4ngern des neues Regimes, die Tante, die sich mit einem halbj\u00fcdischen Ehemann, der sich erschie\u00dft herumschlagen mu\u00df, die Gro\u00dfeltern sind dagegen und wahrscheinlich aufrechte Monarchisten.<br \/>\nDie Familie fl\u00fcchtet vor den Russen in die Steiermark, wo die Amerikaner Kaugummi an die Kinder verteilen und Mares macht ihre ersten Liebeserfahrungen mit dem Sohn von Lauris ersten Ehemann.<br \/>\nDie Kriegsschiebereien und der Schwarzmarkt wird detailliert beschrieben. Mares wird Fotografin, beginnt sehr jung, ein Verh\u00e4ltnis zu einem Schauspieler, wird mit etwa zwanzig schwanger und heiratet den Sohn von dessen Frau Marie Lanz, einem schlechten Schriftsteller und schwierigen Menschen, Mutters\u00f6hnchen, das mit Geld und Verantwortung nicht umgehen kann, so da\u00df es bald zur Scheidung kommt. Denn Mares mu\u00df hart arbeiten, um sich und die Familie zu ern\u00e4hren, hat daher nur wenig Zeit f\u00fcr ihre Kinder, die zwischen den Eltern hinundhergerissen werden. Es kommt zu einem Scheidungskrieg, was wohl genauso autobiografisch ist, wie die italienische Gro\u00dfmutter und die  fr\u00fch verstorbene Mutter. Am Ende gewinnt Mares den Kampf, die Kinder die von Martin nach Amerika entf\u00fchrt wurden, kommen zur\u00fcck, sie beginnt eine neue Beziehung und nimmt langsam Abschied von dem alten Haus mit dem zerbrochenen Wappen, in einer Zeit, wo die Kinder mit feuerroten Haaren ihre &#8220;Marx und Mao-Phase&#8221; durchmachen und es die alten Hofbeamten und Barone mit denen Mares gro\u00df geworden ist, nicht mehr gibt.<br \/>\nInzwischen ist der Name Eva Bakos wahrscheinlich nicht mehr sehr bekannt, mir ist sie, da ich in den Siebzigerjahren ja sehr eifrig die Zeitschrift &#8220;Brigitte&#8221; gelesen habe, ein Begriff und zwei ihrer Erz\u00e4hlb\u00e4nde, von denen ich wahrscheinlich immer noch sehr bedauere, da\u00df sie keine Romane sind, habe ich in den Schr\u00e4nken auch gefundenl. In ihren werden, zumindest in dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=Ein+wunderbarer+W%C3%BCstling\">Buch<\/a> das ich gelesen habe, die Wien-Klischees beschrieben, erhalten oder wieder aufgelebt.<br \/>\nEleonora Wondratsch nennt ihre Diplomarbeit, die zu lesen sehr empfehlen ist, &#8220;Balanceakt zwischen Frauenpower und Rollenklischee&#8221;, aber so war es wahrscheinlich in den Siebzigerjahren bei den aus b\u00fcrgerlichen Verh\u00e4ltnissen stammenden Frauen, die sich emanzipierten, Familie und Beruf, sowie das Alt und das Neue unter einem Hut bringen wollten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Roman einer \u00f6sterreichischen Familie&#8221;, steht am Umschlag der Buchgemischaftsausgabe von Eva Bakos Bestseller, der wie ich der Diplomarbeit von Eleonara Wondratsch entnehme, auch verfilmt wurde und 1980 im Marion Schr\u00f6der Verlag erschienen ist. Das erinnert nat\u00fcrlich an Ernst Lothars &#8220;Engel &hellip; <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21837\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[41],"tags":[],"class_list":["post-21837","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21837","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21837"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21837\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21837"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21837"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21837"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}