{"id":21731,"date":"2013-06-04T00:39:08","date_gmt":"2013-06-03T22:39:08","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21731"},"modified":"2013-06-04T00:39:08","modified_gmt":"2013-06-03T22:39:08","slug":"jean-paul-und-birgit-schwaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21731","title":{"rendered":"Von Jean Paul zu Birgit Schwaner"},"content":{"rendered":"<p>Diese interessante Autorenkombination war Montag in der Alten Schmiede zu h\u00f6ren und &#8220;Wer ist &#8220;Jean Paul, noch nie etwas von ihm geh\u00f6rt?&#8221;, sagte mir der Alfred am Morgen auf die Frage, ob er in die Alte Schmiede k\u00e4me. Dabei steht er doch auf den Maturaleselisten, aber vielleicht habe ichs falsch artikuliert und mu\u00df zugeben, da\u00df ich auch nicht viel mehr Ahnung hatte, als mir einmal Herr Wesenauer vor fast vierzig Jahren, w\u00e4hrend meines Akademikertrainings bei &#8220;Rettet das Kind&#8221;, von einem Johann Paul Friedrich Richter erz\u00e4hlte, den er gerne lesen w\u00fcrde.<br \/>\n&#8220;Wer ist das?&#8221;, keine Ahnung. Also hat er Jean Paul dazu gesagt und ich bin sicher rot geworden, habe genickt und mich daran erinnert, da\u00df ich mir einmal, wahrscheinlich wars in der Buchhandlung in der Kalvarienberggasse, eine Goldmannausgabe von &#8220;Dr.Katzenbergers Badereise&#8221; gekauft und glaube noch nicht gelesen habe, so kann ich es auf meine Harlander Leseliste setzen, denn Bernhard Setzwein, Christian Thanh\u00e4user und der Haymonverlag machen es m\u00f6glich, sich wieder f\u00fcr den Klassiker, der 1763 in  Wunsiedel geboren und 1825 in Bayreuth gestorben ist, zu interessieren oder eigentlich war das, seltsamerweise <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/12\/2-tage-reden-uber-h-c-artmann\/\">H.C.Artmann<\/a>, denn der hat dem Verleger und Buchdrucker Thanh\u00e4user einmal eine Jean Paul Ausgabe geschenkt und ihn daher zum Liebhaber gemacht. So hat er was gezeichnet, Bernhard  Setzwein, der in der N\u00e4he des Fichtenwaldes lebende Schriftsteller, hat ein  Abcdarium von &#8220;Adam&#8221; bis &#8220;Zucker&#8221; daraus gemacht und aus diesem vorgelesen.<br \/>\nEigentlich h\u00e4tte er das im Duett mit Christian Thanh\u00e4user tun sollen, aber der ist wegen dem Hochwasser nicht von Ottensheim weggekommen, so hat Kurt Neumann die Entstehungsgeschichte erz\u00e4hlt und gesagt, da\u00df Bernhard Setzwein in seinem ABC, die Biografie mit der Werkgeschichte und der Wirkgeschichte verbunden hat und &#8220;Ihren Jean Paul m\u00fcssen Sie selber lesen, verehrtes Publikum!&#8221;<br \/>\nDer B\u00fcchertisch machts m\u00f6glich, denn da sind nicht nur einige Reclamheftchen, &#8220;Dr. Katzgraber&#8221;, &#8220;Siebenk\u00e4s&#8221; etc aufgelegen, sondern auch einige J.P. Biographien und Romane von Bernhard Setzwein und eine Autobiografie hat Jean Pauul, der seinen Namen ein Viertel franz\u00f6sisiert, in Verehrung von Jean Jaques Rousseau, hat, auch geschrieben.<br \/>\nBernhard Setzwein hat dann mit dem &#8220;Adam&#8221;, angefangen, bzw. mit den Fragen, &#8220;Wer sind Sie und was wollen Sie?&#8221;<br \/>\nDenn da hat einer lang. lang ist her dem Dichter vom &#8220;Anton Reiser&#8221;, sein Manuskript geschickt und das war dann gleich viel besser, als das von dem gro\u00dfen Goethe, der den Provinzautor, der ihm Konkurrenz machte, offenbar nicht recht leiden konnte.<br \/>\nJean Paul war aber ein Pfarrerssohn und hat in Joditz gelebt, das ist irgendwo, bei Hof, an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze und hat dort vor dem Pfarrhaus seines Vaters, das erste Mal die Erkenntnis von &#8220;Ich bin ich&#8221; gehabt.<br \/>\nan sieht das Buch ist eine Anekdotensammlung, das wahrscheinlich versucht, dem unbedarften literarischen Publikum, wie ich es beispielsweise bin, den Klassiker nahezubringen und der war mir wahrscheinlich auch sehr \u00e4hnlich, denn er ist sehr viel zu Fu\u00df gegangen, wie Johann Gottfried S\u00e4ume, Peter Handke, Julian Schutting, etc, allerdings nicht, wie ich von der Krongasse zum Zentralfriedhof, wenn beispielsweise <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/04\/21\/gerstl-begrabnis\/\">Elfriede Gerstl ihr Begr\u00e4bnis<\/a> hat, sondern von Joditz nach Leipzig, denn dort hat er kurzfristig Theologie studiert, nach dem Tod des Vaters das Studium aufgeben m\u00fc\u00dfen, denn die Familie war, bevor es ihm gelungen ist, der erste deutsche Schriftsteller zu werden, der vom Schreiben leben konnte, sehr arm.<br \/>\nJetzt gibt es in der Gegend einen Jean Paul Wanderweg und den ist Bernhard Setzwein mit Christian Thanh\u00e4user auch abgewandert und Jean Paul wurde, als er das tat, \u00f6fter f\u00fcr wahnsinnig gehalten, offensichtlich hat er laut vor sich hingeredet oder seine Geschichten fabuliert.<br \/>\nEr hat auch sehr viel Bier getrunken und wurde in Beyreuth f\u00fcr einen S\u00e4ufer gehalten, brauchte aber offenbar, wie sp\u00e4ter Joseph Roth, den Alkohol zum Schreiben und die Frauen haben ihn verehrt. Er ist wahrscheinlich an Diabetes gestorben,  vorher hat er noch &#8220;Salina und die Unsterblichkeit&#8221; geschrieben, wovon sich der B\u00fcchner Preistr\u00e4ger Walter Kappacher inspirieren lie\u00df und Thomas Bernhard war vom &#8220;Siebenk\u00e4s&#8221; begeistert, erkl\u00e4rte ein Herr aus dem Publikum auf Bernhard Setzweins Frage, was die \u00d6sterreicher von Jean Paul wissen oder halten?<br \/>\nIch wei\u00df, wie man merkt, nicht sehr viel, interessiere ich mich ja eher f\u00fcr die Gegenwartsliteratur, werde aber meinen &#8220;Dr. Katzenberger&#8221; lesen und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/06\/literatur-als-radiokunst\/\">Birgit Schwaner<\/a>, die um zwanzig Uhr an die Reihe kam, hat sich in ihrem neuen Klever-Buch &#8220;Polyphems Garten&#8221; auch auf ihn bezogen.<br \/>\nDa f\u00fcllte sich dann die Alte Schmiede mit einem Teil der experimentellen Dichterszene, w\u00e4hrend die Jean Paul Liebhaber nach Hause gingen, Lisa Spalt, Gerhard Jaschke, Nils Jensen, Evelyn Holloway und noch einige andere habe ich gesehen und Birgit Schwaner habe ich, glaube ich, durch das Lesetheater kennengelernt. Dann hat sie einmal den Siemenspreis gewonnen und da ist es um eine Flaschenpost gegangen, was interessant ist, denn die kommt in ihrem neuen Buch auch vor und das ist ein Kunstwerk, denn Birgit Schwaner hat eine wirklich sehr poetische Sprache, so da\u00df sie eigentlich f\u00fcr den Priessnitzpreis in Frage k\u00e4me, das Buch ist aber ein Science Fiction Roman oder viel viel mehr, wie Kurt Neumann einleitete, auf jeden Fall etwas, das den Leser fordert und Ray Bradbury kommt auch darin vor, bzw. seine Ideen, die er in Fahrenheit 451 verwendet hat und Birgit Schwaner, die in ihren sch\u00f6nen Worten, den Leser anspricht und ihm die Geschichte von dem Garten und den wenigen und den meisten, die von einer Mauer getrennt leben, von einem Schiff in dem die Stadtr\u00e4te regieren, erz\u00e4hlte, brachte eine k\u00f6stliche Satire \u00fcber die Angst vor dem E-Book, die in der Flaschenpost gefunden wird, da ersetzen zuerst die kleinen Tabletts die B\u00fccher, dann wird das Lesen und das Schreiben aus hygienischen Gr\u00fcnden verboten, es gibt aber noch Vorleser, wie beispielsweise Lena und noch vieles andere, wie Spatzen, Automaten, Chips und nat\u00fcrlich die literarische Montage, die schon Tristan Tzara anwandte, Zitate in einen Sack durcheinander gewirbelt und der neue Science Ficton Roman kann bei Klever erscheinen&#8230;<br \/>\nZu den Satzmontagen f\u00e4llt mir <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/07\/neues-von-der-indie-front\/\">Martina Gercke<\/a> ein, deren beiden B\u00fccher &#8220;Holunder- und Champagnerk\u00fc\u00dfchen&#8221; jetzt neu \u00fcberarbeitet wieder bei Amazon erh\u00e4ltlich sind. F\u00fcr &#8220;Champagnerk\u00fc\u00dfchen&#8221; hat sie eine Leserunde bei Lovelybooks er\u00f6ffnet und zwanzig Freiexemplare versprochen. Zuerst kamen ein paar Bewerbungen, dann traten Tom Lier und Sven Schr\u00f6der auf und wiesen darauf hin, da\u00df in der Neu\u00fcberarbeitung von &#8220;Holunderk\u00fc\u00dfchen&#8221; noch immer ein paar Plagiatsstellen aus &#8220;H\u00f6henrausch&#8221; von Ildiko von K\u00fcrthy zu finden sind. Daran kn\u00fcpfte sich eine rege Diskussion mit den Hinweis, da\u00df offenbar auch ChickLit Autoren mit Monatage- bzw. Platzhaltertechnik arbeiten und ich finde Martina Gerckes Entschlossenheit, von der jetzt auch zwei neue B\u00fccher erscheinen sollen, sehr spannend und nur schade, d\u00dfa sie nicht pers\u00f6nlich Stellung nimmt, allerdings als sie das zu Weihnachten versuchte, ist man ihr sehr grob \u00fcber den Mund gefahren und hat ihre Erkl\u00e4rungen als &#8220;Bl\u00f6dsinn&#8221; bezeichnet.<br \/>\nSonst kann ich vermelden, das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/09\/vorschau-auf-beim-sterben-sollte-man-zu-hause-sein\/\">&#8220;Nanowrimo-Novel&#8221;<\/a> ist an die Druckerei gegangen und sollte bald als Dummie zur\u00fcckkommen und das <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/09\/literaturgefluster-texte-buch\/\">&#8220;Literaturgefl\u00fcstertextebuch&#8221;<\/a> macht den Eindruck, als k\u00f6nnte es doch einmal fertig werden und ich habe wieder viel gelernt an diesen Abend und in dieser interessanten Kombination von zwei sicher sehr unterschiedlichen Autoren, mein literarisches Wissen aufgefrischt.<br \/>\nUnd jetzt noch zwei Preisberichte, GAV-Kollege Christian Steinbacher erh\u00e4lt den Heimrad B\u00e4cker, Sybille Lewitscharoff den Georg B\u00fcchnerpreis. Ich gratuliere, h\u00e4tte mich aber auch gefreut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese interessante Autorenkombination war Montag in der Alten Schmiede zu h\u00f6ren und &#8220;Wer ist &#8220;Jean Paul, noch nie etwas von ihm geh\u00f6rt?&#8221;, sagte mir der Alfred am Morgen auf die Frage, ob er in die Alte Schmiede k\u00e4me. 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