{"id":21551,"date":"2013-05-25T00:29:27","date_gmt":"2013-05-24T22:29:27","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21551"},"modified":"2013-05-25T00:29:27","modified_gmt":"2013-05-24T22:29:27","slug":"liebe-schmerz-und-das-ganze-verdammte-zeug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21551","title":{"rendered":"Liebe Schmerz und das ganze verdammte Zeug"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Vier gro\u00dfartige, liebevoll, traurige, grausame Geschichten. Geschichten voll befreiender Frische&#8221;, steht auf der R\u00fcckseite des 1989 erschienenen Diogenes B\u00e4ndchen, offenbar der erste Erz\u00e4hlband der 1955 geborenen Regisseurin, Schriftstellerin und Produzentin Doris D\u00f6rrie, deren Namen ich in den sp\u00e4ten Achtzigerjahren ich in M\u00fcnchen kennenlernte, als ich dort mit dem Alfred mehrmals einen Kurzurlaub verbrachte.<br \/>\nGelesen habe ich noch nichts von ihr, wohl aber die eine oder andere Geschichte im Radio oder als H\u00f6rbuchprobe geh\u00f6rt, so da\u00df ich zugegriffen habe, als ich das B\u00e4ndchen in einem der B\u00fccherk\u00e4sten fand und w\u00fcrde die Geschichte eher abgehoben nennen oder ungew\u00f6hnlich und auch nicht sehr realistisch.<br \/>\n&#8220;Mitten ins Herz&#8221; hei\u00dft die erste, da verbannt eine Frau nach dem Tod eines, ihres Mannes alle Elektroger\u00e4te aus dem Haus und zeigt ihrem kleinen Sohn, als der an ihrem Pullover einen elektrischen Schlag bekommt, alte Fotos aus einer Schachtel. Und erz\u00e4hlt dann ihre Geschichte. Sie wollte Musik studieren, wurde an der Musikhochschule nicht aufgenommen, so f\u00e4rbt sie sich die Haare blau und spielt Saxophon im englischen Garten, wo ihr ein Zahnarzt zuh\u00f6rt, der ihr ein Brieflein vor die Wohnungst\u00fcre legt, sie in ein Restaurant einl\u00e4dt und ihr das Angebot macht, ihr in seinem Haus zwei Zimmer zur Verf\u00fcgung zu stellen und 1500 Mark im Monat, sie handelt das Geld auf 2000 hinauf und als er ihr sp\u00e4ter erz\u00e4hlt, auch einer Malerin ein solches Angebot gemacht zu haben, t\u00e4uscht sie eine Schwangerschaft vor, vertreibt die Rivalin, isst Butter um zuzunehmen und stiehlt dann ein Kind. Als der Mann der davon in der Zeitung liest, von ihr verlangt das Kind zur\u00fcckzugeben, schmei\u00dft sie ihm einen F\u00f6n in die Badewanne und lebt fortan mit dem Kind bescheiden weiter, die monatliche Rate hat sie mit ihm ja vorher vertraglich ausgehandelt.<br \/>\nIn &#8220;M\u00e4nner&#8221; ger\u00e4t ein erfolgreicher Verpackungsspezialist aus der Bahn, als ihm seine Frau mit einem K\u00fcnstlertypen betr\u00fcgt. Er erz\u00e4hlt seine Geschichte einer Sekret\u00e4rin, als er wieder in die Bahn zur\u00fcckgefunden, sprich den Nebenbuhler vertrieben hat. Vorher t\u00e4uscht er einen Kongre\u00dfbesuch vor, schafft es nicht seine Frau zu betr\u00fcgen, l\u00e4\u00dft sich aber ein Liebesbriefchen schreiben und schickt es nach Hause, dann l\u00e4\u00dft er sich einen Bart und seine Haare wachsen, quartiert sich in einer billigen Pension ein, seine Firma arbeitet offenbar weiter ohne hin, er verfolgt den Liebhaber und zieht zu ihm, als der seine Freundin hinausschmei\u00dft und einen WG-Genossen sucht. Er ist ein erfolgloser K\u00fcnstler, so verschafft er ihn einen Job bei der Konkurrenzfirma und kauft ihm einen Ma\u00dfanzug. Als er Karriere macht ist der Weg zu seiner Frau wieder frei, so l\u00e4\u00dft er sich den Bart abrasieren und alles geht den gewohnten Weg.<br \/>\nDie dritte Geschichte &#8220;Geld&#8221; ist zwar auch nicht realistischer, verl\u00e4\u00dft aber die Mittelschicht, die Reichen und die Intellektuellen und interessierte mich wahrscheinlich deshalb mehr. Da ist Carmen M\u00fcller, f\u00fcnunddrei\u00dfig, Putzfrau mit zwei halbw\u00fcchsigen sehr verw\u00f6hnten Kindern, einem Eigenheim, Auto, sowie vielen Schulden und am Morgen funktioniert die Waschmaschine nicht, der Mann vergi\u00dft die Aktentasche, sie bringt sie ihm in die Firma, eine Spielwarenfabrik, nach, erf\u00e4hrt, er ist schon seit zwei Monaten entlassen, weil die Spielzeugpistolen, die erzeugt werden, nicht gehen, bekommt zwei geschenkt und von einer Kosmetikerin eine neue Frisur aufgebrummt, mit der \u00fcberf\u00e4llt sie ihre Bank, nimmt eine Geisel, bezahlt alle ihre Schulden, bevor sie sich mit der Geisel und dem Ehemann auf Flucht begibt. Die Geisel \u00fcberf\u00e4llt dann noch mehr Banken und verbindet sich mit einer Programmiererin, die alle Losungsworte wei\u00df. So wird er mit ihr ein Paar, Carmen bekommt die Spielzeugfabrik, erzeugt in dieser fortan Puppen und alles ist wieder gut.<br \/>\nDie vierte Geschichte begibt sich in die Literatur des neunzehnten Jahrhunderts. Da ist ein Ehepaar, er Zoologe, sie Lektorin oder so und eine Freundin vom Land, die Flau-bert, so ausgesprochen, liest, gibt es auch. Er stellt ihr nach, beobachtet sie tagelang, sie will n\u00e4mlich keinen Sex von ihm, dann nimmt Angelika sie mit nach Hause, der Mann schl\u00e4ft auf der Couch und \u00fcberrascht Lotte einmal in der Badewanne, so schmei\u00dft Angelika ihn hinaus. Er sucht Lotte, verkommt dabei und findet sie schlie\u00dflich am Strich, sie bezahlt ihm alles, Sex will sie aber immer noch nicht von ihm, so da\u00df ihm schlie\u00dflich nichts anderes \u00fcberbleibt, als zu dem Laden, wo alles begonnen hat, hinauszufahren, Angelika umzubringen und Flaubert zu lesen, bis die Polizei ihn holen kann.<br \/>\nMan erkennt wahrscheinlich die Schnitttechnik der Filmemacherin, mir sind die Geschichten wie erw\u00e4hnt zu abgehoben, zu unrealistisch und zu gestellt, obwohl ich die von der dicken Carmen schon sehr originell gefunden habe, frage mich bei allem aber nat\u00fcrlich, wann kommt jetzt die Polizei, wieso f\u00e4llt nicht auf, da\u00df sie pl\u00f6tzlich so viel Geld haben, wie lebt man, wenn man wochenlang nicht in seine Firma geht und halte von der sch\u00f6nen Welt der Tr\u00e4ume, in die die Lesenden sich fl\u00fcchten sollen, wahrscheinlich nicht so viel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Vier gro\u00dfartige, liebevoll, traurige, grausame Geschichten. 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