{"id":21498,"date":"2013-05-19T00:37:02","date_gmt":"2013-05-18T22:37:02","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21498"},"modified":"2013-05-19T00:37:02","modified_gmt":"2013-05-18T22:37:02","slug":"schachnovelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21498","title":{"rendered":"Schachnovelle"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eine weitere Demonstration bez\u00fcglich dem, was man in den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/21\/bucherschrank-geschichten\/\">offenen B\u00fccherschr\u00e4nken<\/a>, Wortsch\u00e4tzen etc finden, seine Bildungsl\u00fccken auffrischen an den <a href=\"http:\/\/lesewelle.wordpress.com\/2013\/05\/10\/diese-literatur-muss-weg\/\">10. Mai 1933 <\/a>und diese unselige B\u00fccherverbrennung erinnern und vielleicht auch ein Urteil der neuen Literaturgeschichte revidieren kann. Habe ich ja einmal im &#8220;<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/21\/zwischendurch\/\">Tag zu Tag&#8221; in einer Vorstellung \u00fcber eine neue Literaturgeschichte \u00d6sterreichs<\/a> sagen h\u00f6ren, Stefan Zweig und Peter Rossegger w\u00e4ren gar nicht so wichtig, wie man glaubte. Da habe ich mit &#8220;Jakob dem letzten&#8221; gekonntert, den &#8220;Waldbauernbub&#8221; habe ich nicht gelesen, daf\u00fcr aber &#8220;Marie Antoinette&#8221;, das als Beispiel f\u00fcr das schwache Schreiben Zweigs angef\u00fchrt wurde, die &#8220;B\u00fcchergilde-Gutenberg-Ausgabe&#8221; aus dem B\u00fccherfundus meiner Eltern, noch in meiner Hauptschulzeit, als ich von dem Fach Geschichte und Napoleon sehr angetan war, von Stefan Zweig und seinem Platz in der Literaturgeschichte hatte ich damals nicht viel Ahnung. Nach der Matura ist mir die &#8220;Welt von Gestern&#8221; in die H\u00e4nde gefallen. Viel anderes habe ich nicht von ihm gelesen und vor ein paar Wochen auch einen Teil der Gesamtausgabe oder einen seiner Romane bez\u00fcglich meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/03\/28\/bucherbeschrankung\/\">B\u00fccherbeschr\u00e4nkungsvors\u00e4tze<\/a> im Kasten stehen lassen.<br \/>\nDie &#8220;Schachnovelle&#8221; habe ich schon fr\u00fcher herausgenommen und nat\u00fcrlich auch geh\u00f6rt, da\u00df das ein bedeutendes St\u00fcck Weltliteratur ist und ich glaube auch, einmal beim Kochen im Radio daraus geh\u00f6rt, als ich vorher die Wikipedia Beschreibung gelesen habe, habe ich die Faszination auch nicht ganz mitbekommen, dazu mu\u00df man den Text lesen und vielleicht ein wenig \u00fcber Zeitgeschichte und die Biografie Stefan Zweigs Bescheid wissen, der Jude war, deshalb stand er auch auf dem Index der Nazistudenten, 1881 in Wien geboren wurde und sich 1942 in der Emigration in Brasilien das Leben nahm. Die &#8220;Schachnovelle&#8221; wurde auch 1942 geschrieben und sie beginnt mit der \u00dcberfahrt eines gro\u00dfen Passagierdampfers von New York nach Buenos Aires, da trifft der Ich-Erz\u00e4hler, ein \u00d6sterreicher, auf den Schachweltmeister Mirko Czentovic, der zu neuerlichen Triumphen nach Argentinien reist. Der ist ein seltsames Wunderkind, n\u00e4mlich ein  Bauernbub aus dem Banat, bei einem Pfarrer aufgewachsen, langsam und schwerf\u00e4llig im Denken und im Lernen, als der Pfarrer aber einmal w\u00e4hrend eines Schachspiels zur letzten \u00d6lung mu\u00df, erkennt sein Partner die Begabung des Buben, des &#8220;Idioten&#8221;, hat nicht einmal Prof Spiel in einer Vorlesung, lang lang ists her, das Genie Mozarts auf eine \u00e4hnliche Art und Weise erkl\u00e4rt?, der rasch zum Weltmeister aufsteigt und jeden schl\u00e4gt, obwohl er sonst seltsam unbeholfen ist, geldgierig und menschenscheu und bauernschlau.<br \/>\nDie psychologische Seele des Erz\u00e4hlers will den Meister kennenlernen und f\u00e4ngt am Schiff zum Schachspielen an. Dort trifft er auf einen Schotten, der nicht verlieren kann und den Meister auffordert, gegen Geld spielt der nat\u00fcrlich gegen die Dilettanten und gewinnt, aber da kommt auf einmal ein seltsam blasser Mann daher und fl\u00fcstert den Dilettanten die Z\u00fcge ein, so da\u00df es zum Remis kommt. Der Ich-Erz\u00e4hler wird aufgefordert den Geheimnisvollen, ein \u00d6sterreicher soviel steht fest, zur Revanche zu bitten und der erz\u00e4hlt seine Geschichte.<br \/>\nEin Rechtsanwalt aus alter \u00f6sterreichischer Familie, deren Namen man kennt, er wird nur Dr. B. genannt, ein Verwandter Leibarzt des letzten Kaisers, ein anderer Abt in Seitenstetten, so da\u00df er und sein Vater, als die Nazis kamen, das Verm\u00f6gen der Kirche zu retten versuchten, noch als Schuschnigg seine Rede im Radio hielt oder etwas sp\u00e4ter, wurde er verhaftet und zur Isolationsfolter in das ber\u00fchmte Hotel Metropol, nicht ins KZ, f\u00fcr solch Sonderf\u00e4lle hatten die Nazis ihre speziellen Methoden, gebracht, und starrt nun monatelang sein Bett, seine Waschsch\u00fc\u00dfel und das vergitterte Fenster an. W\u00e4hrend er auf ein Verh\u00f6r warten mu\u00df, bekommt er Gelegenheit aus einem Uniformmantel ein Buch, eine Anleitung zum Schachspielen, zu stehlen und lernt nun die Partien auswendig, spielt sie nach und spielt schlie\u00dflich gegen sich selbst, so da\u00df er dem Wahnsinn verf\u00e4llt, was ihn aus seiner Gef\u00e4ngniszelle zuerst in ein Spital und sp\u00e4ter auf das Schiff bringt. Es kommt zum zweiten Spiel bzw. dritten, denn das erste verliert der Meister, beim zweiten h\u00e4lt der Ich-Erz\u00e4hler Dr. B. davon ab in seine &#8220;Sucht&#8221; zu verfallen, so da\u00df er sich entschuldigt und enteilt und ich habe, liebe \u00f6sterreichischen Literaturexperten ein gro\u00dfartiges St\u00fcck Literatur und ein gro\u00dfartiges St\u00fcck Psychologie gelesen, das mir ohne die offenen B\u00fccherschr\u00e4nke vielleicht entgangen w\u00e4re, deshalb danke ich noch einmal sehr f\u00fcr diese Gelegenheit meine Literaturl\u00fccken zu schlie\u00dfen und kann die &#8220;Schachnovelle&#8221; schon, um an den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/07\/freiheit-des-wortes-2013\/\">10. Mai 1933<\/a>  beziehungsweise den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/09\/muttertagsfeier-8-mai-kundgebung-bezirksschreiberleser\/\">8. Mai 1945<\/a>, der ja nun ein Fest der Freude ist, zu erinnern, zu lesen und wenn die Zweig-Biographien etwas langweilig sind, das kann ich nicht beurteilen, hat man in den Zwanziger und Drei\u00dfigerjahren vielleicht Biografien anders gestaltet, als beispielsweise Jeannine Meigh\u00f6rer, die der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/02\/23\/die-wolkenbraut\/\">Philippine Welser<\/a>, interessante Details \u00fcber eine nicht sehr gl\u00fcckliche Tochter Maria Theresias wird man darin bestimmt finden, zumindest hat das die vierzehj\u00e4hrige Hauptsch\u00fclerin, f\u00fcr die der B\u00fccherkasten ihrer Eltern, damals schon sehr wichtig war, so empfunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt eine weitere Demonstration bez\u00fcglich dem, was man in den offenen B\u00fccherschr\u00e4nken, Wortsch\u00e4tzen etc finden, seine Bildungsl\u00fccken auffrischen an den 10. 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