{"id":21319,"date":"2013-05-12T00:03:03","date_gmt":"2013-05-11T22:03:03","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=21319"},"modified":"2013-05-12T00:03:03","modified_gmt":"2013-05-11T22:03:03","slug":"sonnenblumen-im-september","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/literaturgefluester.akis.site\/?p=21319","title":{"rendered":"Sonnenblumen im September"},"content":{"rendered":"<p>Ein Erz\u00e4hlband aus dem &#8220;Loma&#8221;- Verlag, der bew\u00e4hrten Edition von Rudolf Lasselsberger, f\u00fcr die er sich im Vorjahr zehn <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/06\/17\/lesung-vor-dem-offenen-bucherschrank\/\">ISBN-Nummern<\/a> kaufte, nach dem sein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/12\/09\/tanz-in-den-mai\/\">&#8220;Tanz in den Mai&#8221;<\/a>, zuerst ohne richtige erschienen ist. Von Rudolf Lasselsberger, der ja \u00f6fter hier <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/leseliste\/#comments\">kommentiert<\/a>, ist schon viel auf meinen Blog <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/04\/05\/lesung-mit-rudolf-lasselsberger\/\">erschienen<\/a>, zuletzt habe ich aber vorige Woche etwas von ihm geh\u00f6rt, als er als Mitaufrufer f\u00fcr die Kundgebung am ersten Mai vor dem Parlament auftrat.<br \/>\nDie Zeichnungen in dem kleinen wei\u00dfen B\u00fcchlein mit dem &#8220;Loma&#8221; &#8211; Stern, der eine eigene Seite hat, sind wie auch bei anderen B\u00e4nden von Erich S\u00fcndermann, der 1952, wie Rudi Lasselsberger in Ruperechtshofen, N\u00d6 geboren wurde und die &#8220;Sonnenblumen im September&#8221; enthalten acht Kurzgeschichten, die schon in Anthologien und in Literaturzeitschriften, wie &#8220;Kolik&#8221; oder &#8220;Wespennest&#8221; von den Achtzigerjahren bis 2000 erschienen sind.<br \/>\nZwei der Erz\u00e4hlungen stammen aus den &#8220;Geschichten aus der Arbeitswelt&#8221;, eine im Europa-Verlag erschienene Anthologie, die ich vielleicht sogar in Harland stehen habe und ich habe den Rudi, wenn ich mich richtig erinnere, auch 1987 in Linz kennengelernt, als der den &#8220;Max von der Gr\u00fcn&#8221;-Preis gewonnen hat und ich im J\u00e4germayerhof zu einer Schreibwerkstatt eingeladen war.<br \/>\nEs sind auch Geschichten aus der Arbeitswelt, die dieser Sammelband versammelt und die eifrige Lasselsberger-Leserin kennt auch schon das Szenario, des den beiden Schwestern gewidmeten Buchs, denn h\u00f6chstwahrscheinlich treffen wir die Familie Lasselsberger in der Elfriede, der Anna und dem Franz und &#8220;Franz in Linz&#8221; ist noch ein Buch aus der &#8220;Loma&#8221;- Sammlung, das mir fehlt, w\u00e4hrend ich die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/28\/willi-wo-bist-du\/?preview=true\">&#8220;Willis&#8221;<\/a> schon gelesen oder noch auf meiner Liste stehen habe.<br \/>\n&#8220;Bekanntlich meldet &#8230; der Kitzb\u00fchler Sportmoden-Erzeuger Zavratsky am 17. Juli den Ausgleich an, im St. Leonharder Zweigwerk wurden daraufhin fast 100 Frauen besch\u00e4ftigungslos (Nieder\u00f6sterreichsche Nachrichten, Woche Nr 37, 1981&#8221;, ist der Titel, bzw. die Einleitung zum ersten Text, der von der Elfi, der Putzfrau dieser Firma handelt, die aufsteht, Husten und Kopfweh hat, an die Tochter, die f\u00fcr die Hauptschulpr\u00fcfung lernen mu\u00df und an das Enkerl denkt, auf das sie aufpassen soll, der Sohn Franz ist in Wien und hat sein Lehrerstudium unterbrochen, dann geht es in die Firma, die Elfi putzt und darf nicht mehr mit der Erika Kaffee verkaufen, dann geht es nach Hause, die Osternesterl herr\u00e4umen und dann noch einmal in die Firma, bevor die Elfi am Abend im Fernsehen den Kurt Tozzer h\u00f6rt, der ihr von der  drohenden Arbeitslosikeit in der Steiermark erz\u00e4hlt.<br \/>\nIn &#8220;\u00dcber die \u00c4cker&#8221;, besucht der Enkel Franz die Gro\u00dfmutter Anna, die immer noch in einer Baracke wohnt, F\u00e4ustlinge stopft, damit sie etwas zu tun hat, von Sohn und Schwiegertochter versorgt wird, Diabetes hat und sich in der Fr\u00fch spritzen mu\u00df. Sie sinniert \u00fcber ihr hartes arbeitsreiches Leben nach, als sie dem Enkel &#8220;H\u00e4tscherltee&#8221; kocht und dar\u00fcber, ob sie mit ihren viertausend Schilling Rente auskommen kann, die zweitausend Schilling Pflegegeld gehen an die Gerda, die ihr daf\u00fcr den Haushalt macht und die Haare w\u00e4scht.<br \/>\nIn Verk\u00e4uferin im Traumgesch\u00e4ft&#8221;, das sowohl in den Geschichten aus der Arbeitswelt als auch im Wespennest erschienen ist, geht es um die Erni, die eigentlich Goldschmiedin werden wollte, aber das lie\u00df sie die Mutter nicht, weil sie das ausw\u00e4rts lernen h\u00e4tte m\u00fc\u00dfen, was zu gef\u00e4hrlich w\u00e4re, so weckt sie sie immer fr\u00fchmorgens auf und bringt sie zu dem Supermarkt, wo sie die K\u00fcche macht. Erni sitzt dann am Hocker des Fotogesch\u00e4fts, das hier seine Filiale hat, putzt die Spinnennester weg, sortiert Platten, l\u00e4\u00dft sich vom Chef und von den Kunden sexistisch bel\u00e4stigen und bekommt das Kotzen wenn sie an ihre Erlebnisse vom letzten Tanzabend denkt.<br \/>\nIn &#8220;Ein sch\u00f6nes St\u00fcck \u00d6sterreich&#8221;, treffen wir den Franz wieder, Rudis Alter-Ego, wie ich behaupten w\u00fcrde, der f\u00e4hrt von Wien, wo er in der Neustiftgasse wohnt, nach Haus, trifft schon nach St. P\u00f6lten auf die Gartenzwerge, geht ins Wirtshaus Kartenspielen, wo die Ewiggestrigen dr\u00f6hnen, die Kelnerin alle M\u00fche hat, die G\u00e4ste zum Nachhause gehen zu bewegen und die Idee, in dem Ort einen Jugendclub mit Lesungen, etc zu gr\u00fcnden, eingegangen ist, weil die Chefs der Mitglieder ihnen das Kommen untersagte.<br \/>\nIn &#8220;Zeit&#8221; begegnen wir Georg und Andrea, der Lehrerin und ihrem Mann, die ich, glaube ich, schon aus &#8220;Tanz in den Mai&#8221; kenne, es kommt ein Anruf bei dem sich keiner meldet, Georg arbeitet am Haus, Andrea f\u00e4hrt mit dem Rad, geht durch den Wald spazieren und denkt dabei an Martin, der Deutsch und Turnen an der Parallelklasse unterrichtet und sie im Auto heftig k\u00fcsste, so &#8220;da\u00df sie wie die Haftelmacher aufpassen m\u00fcssen, da\u00df nichts herauskommt, weil beide verheiratet und im Lehrerberuf, das g\u00e4be einen Wirbel, den sie sich lieber ersparen wollen.&#8221;<br \/>\nIn &#8220;Sonnenblumen im September&#8221; geht es nach Linz, wo Ulrike, die Kunst studierte, mit ihren zwei Kindern lebt, da gibt es wieder Gustost\u00fcckerl von der Lasselsbergerschen Sprache, die so deftig erdig ist und manchmal auch ein bisserl infantil &#8220;Na, du Deppi, bist mein patriotisches Kind, g\u00f6&#8221;, beispielsweise und bei &#8220;Come together&#8221; begleiten wir Ulrikes f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Tochter Gabi und deren sechzehnj\u00e4hrigen Freund Karl durch die Stadt. Das ist nichts f\u00fcr schwache Nerven, denn Fritz z\u00fcndet im Jugendclub M\u00e4use an und wirft sie der eintretenden Gabi entgegen, dann trinken sie Punsch und essen Bratw\u00fcrstl am Weihnachtsmarkt und rennen ohne zahlen davon und die Ausl\u00e4nder und die Tschuschen werden auch ordentlich angemacht oder niedergeschlagen.<br \/>\nZuletzt treffen wir in &#8220;Alles in Ordnung&#8221;, Franz wieder, der, wie der Rudi Stadtschreiber in Linz geworden ist, seine Schreibmaschine samt leeren Blatt stehen l\u00e4\u00dft, von der Polizei perlustriert wird, die sich seinen Beruf erkl\u00e4ren l\u00e4\u00dft  und ganz genau wissen will, was er so schreibt.<br \/>\nEine interessante Textsammlung mit sehr eindrucksvollen Geschichten aus einer Welt von der man sonst vielleicht nicht so viel lesen kann. Wenn man wissen will, was der Rudi so in &#8220;Kolik&#8221;, &#8220;Rampe&#8221;, &#8220;Wespennest&#8221; etc in Laufe der Jahre ver\u00f6ffentlicht hat, ist das wei\u00dfe Lomab\u00e4ndchen sehr zu empfehlen und live war er am Freitag mit Christian Katt, Armin Baumgartner und Peter A. Krobath, den ich, glaube ich, auch aus Linz kenne, im &#8220;Heureka&#8221; zu h\u00f6ren und aus den <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/02\/zum-volksstimmefest\/\">&#8220;Sonnenblumen&#8221;<\/a> hat er, glaube ich, auch schon am Volksstimmefest gelesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Erz\u00e4hlband aus dem &#8220;Loma&#8221;- Verlag, der bew\u00e4hrten Edition von Rudolf Lasselsberger, f\u00fcr die er sich im Vorjahr zehn ISBN-Nummern kaufte, nach dem sein &#8220;Tanz in den Mai&#8221;, zuerst ohne richtige erschienen ist. 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